Unterstützt kleine Labels, Vertriebe
und Internet-Shops.

Hier werden keine Ton- oder Druckerzeugnisse besprochen,
die Rassismus, Aufrufe zur (rechten oder linken) Gewalt oder Volksverhetzung beinhalten.
 

Die Sternchen, die ich hier verteile, reflektieren nur meinen eigenen (guten oder schlechten) Geschmack. Und der kann auch manchmal neben dem (Szene-)Mainstream liegen. Oder völlig neben der Spur. Was für mich ein Flop ist, kann für andere das Top-Album sein. Oder umgekehrt! Deswegen sollte man Platten/CD-Reviews, ob hier oder in diversen Print-Zines, auch nicht ganz so eng sehen. Hochstens als Tipp, dass diese oder jene Band wieder mal ‘ne Platte rausgebracht hat. Mit einer Einschränkung: Die kleinen braunen Haufen, die ich hin und wieder mal fallen lasse, die kommen von ganzen Herzen!

VOICE OF THE STREETS #10 / A5 Heft-Format / 64 Seiten / 2008
by vots@gmx.at / homepage: www.vots.tk

Als ich die neue Ausgabe des VOTS aus der Post zog, fiel mir sofort das geniale Farb-Cover ins Auge,- und ein netter kleiner “Voice of the Streets”-Pinsticker in die Hände. Letzteren gibt es aber nur in den ersten 300 Heften. Herausgeber Massimo feiert mit dieser Ausgabe ein kleines Jubiläum: Die zehnte Ausgabe des “Voice of the Streets”-Fanzine. Meinen Respekt! Grund genug, mal kurz die Korken knallen zu lassen, und sich dann der Lektüre dieses Heftes zu widmen. Und das bietet wieder jede Menge interessanten Lesestoff. Neben einem “Kampfsportspezial” für die ganz harten Jungs, gibt es Teil 3 der “Skinhead History Austria”-Serie. Diesmal ist es ein Rückblick auf die Szene in der Steiermark. Um einen “gesunden Geist in einem gesunden Körper” geht es in “Mens Sana - In Corpore Sano”: Geboten werden reich bebilderte Fitnessübungen für den Hausgebrauch! Wer es denn braucht - nur zu! In dem Artikel “Moderne Jäger und Sammler” beschäftigt man sich mit der exessiven Sammelwut von Vinylfreaks. Das ganze hat einen ziemlich kritischen Unterton, den ich nicht in allen Punkten teile. Und hier Kommerz zu beklagen, ist schon ein wenig überzogen. So ist das halt in der Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Schliesslich kann eine Plattensammlung durchaus so etwas wie eine Kapitalanlage sein. Wenn mir ein Japaner eine seltene MISFITS-Single, für die ich vor 20 Jahren gerade mal 12 DM (6 EU) bezahlt habe, für 850 Dollar abkauft, dann habe ich die 12 DM doch gut angelegt - oder? Themenwechsel: Kennt ihr das? Nach vielen Jahren trifft man sich mal wieder mit alten Freunden, schwelgt in Erinnerungen an alte Zeiten, und irgendwann kommt dann die Mutter aller Fragen: “Was wurde eigentlich aus…?” Diese Frage stellt sich auch der Herausgeber des “Voice of the Streets”, nur geht es dabei nicht um alte Freunde, sondern um Bands wie KNUCKLEHEAD, BULLDOG SPIRIT, THE BIG HEAD und SMELLY ANCHORS. Neben einer umfangreichen Abteilung mit Musik- und Fanzine-Reviews, finden sich noch Interviews mit BELLIGERENT 86 (Streeetpunk) aus den USA, der Hardcore-Formation SPIT ON YOU aus good old germany und den Oi!-Rocker von GATANS LAG aus Schweden. Nicht zu vergessen das Interview mit den deutschen GHOSTBASTARDZ (Oi-Punk). Den ultimativen Lesespass bietet Massimos schriller Reisebericht über einen Urlaub auf Fuerteventura. Das muss man einfach gelesen haben. Köstlich. Nur habe ich mir zwischendurch die Frage gestellt, warum die Össis immer so penetrant über uns Deutsche ablästern müssen. Von wegen “Herdentrieb”! Fazit: Eine gelungene Jubiläumsausgabe, in der einfach alles stimmt. Optisch und inhaltlich! Auf die nächsten zehn Ausgaben!!!

PÖBEL & GESOCKS “Schönen Gruss/ CD / 20 Tracks / Okt. 2008
www.teenagerebel.de

Na endlich! Darauf hat die Welt schon lange gewartet, auf eine Neuauflage des lange vergriffenen PÖBEL & GESOCKS-Album “Schönen Gruss” aus dem Jahre 1994. Das erste und einzige in Originalbesetzung eingespielte Album der (für manch einen legendären) ex-BECKS PISTOLS. Sinnfreier Ruhrpott-Punk auf dem intelektuellen Level leer gesoffener Bierflaschen. Derbe, prollig,- und um es mal auf den Point zu bringen: so richtig asozial! Textlich bewegt man sich durch den Alltag echter Ruhrpottpunker. Und der dreht sich, glaubt man den Texten dieser CD, um saufen und ficken - und ficken und saufen. Die Neuauflage dieser CD enthält zusätzlich sieben Bonustitel aus dem Jahre 1996, die seinerzeit nur in den USA veröffentlicht wurden. Kurz und knapp: Die ultimative Pflicht-CD für jeden angehenden Nachwuchspunker mit Stil.

DER BEWÄHRUNGSHELFER #14
September 2008 / 72 Seiten / A5-Heftformat / Incl. Promo-CD mit 19 Tracks

Sehr persönlich gehaltenes Skinhead-Zine eines hessischen Szene-Veteranen. Da spürt man zwischen den Zeilen noch den rebellischen old-school-spirit der Achtziger Jahre. Der Macher dieses Zines schleimt sich nicht verstohlen über den verlogenen und angepassten Szene-Mainstream, sondern macht sein eigenes Ding. Unbequem, ehrlich, kompromisslos - und vor allen Dingen 100% PC-frei! Auch wenn die Interviews mit AGITATOR, STAHLGEWITTER oder RETALIATOR so manch einem Gutmenschen die Galle hochtreiben werden. Mögen sie daran ersticken! Ein gar lustiger und liebenswerter Geselle muss doch jener BW-Mitarbeiter “Bussi” sein, der mit seinem Bericht “Widerstand mit nem Bier in der Hand oder Biertrinken auf Demos ist uncool” den Beweis erbringt, das man sogar als Skinhead auf einer Demo im Wendland ne ganze Menge Spass haben kann. Nur sollte man, wenn man ein Punkkonzert besucht, den richtigen Eingang benutzen, sonst landet man, wie jener wackere “Bussi”, auf einer Parteiveranstaltung der PDS. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte, die aber diesmal vom Herausgeber des BW erzählt wird. Nicht zu vergessen: “Back to the past”. Ein geiler Konzertbericht über den Hildesheimer Gig von INDECENT EXPOSURE im August 2008, die es genau 23 Jahre nach dem fantastischen Konzert auf einer Kuhweide in Groß-Parin (August 1985) zum zweiten Mal nach Deutschland verschlagen hatte. Eine weitere Band, die damals in Groß-Parin die Skinhead-Meute zum Toben brachte, waren (neben DIE HARD) die BÖHSE ONKELZ! Eine umstrittene Band, keine Frage, aber bevor man den ONKELZ “Verrat an der Skinhead-Bewegung” unterstellt, sollte man sich erst mal die ONKELZ-Story aus dem aktuellen BW zu Gemüte führen. Als Band sind sie wohl den einzig richtigen Weg gegangen, auch wenn dabei ein Mensch wie Kevin auf der Strecke geblieben ist. Was noch fehlt? Dass sind jede Menge An- und Bemerkungen über Politik und Gesellschaft - und natürlich viele Fotos, Grafiken und diverse Musik- und Fanzinebesprechungen. Ein rundum gelungener Lesespaß. Weiter so!

“BOUND FOR THE BAR”-Sampler (Vol.3) / CD im aufklappbaren Digipack mit Mini-Poster / 13 Tracks / Incl. Bonus-DVD  / 2008
by
www.peoplelikeyourecords.com

Es ist ja nicht so, als ob mich Punkrock “intellektuell überfordern” würde, wie mir mal ein kluger Kollege vorgeworfen hat, aber viele der derzeit angesagten Punkrock-Combos sind doch irgendwie austauschbar. Oder sie treten seit Jahren musikalisch auf der Stelle. Das es auch ganz anders geht, beweisen dreizehn internationale Punkbands auf der BOUND FOR THE BAR - Vol.3-CD. 13 heisse Tracks für Punks, Drunks & Lowlifes. Das ist Punkrock pur! Das garantieren internationale Punkrockkracher wie ROGER MIRET & THE DESASTERS, PETER PAN SPEEDROCK, THE GENERATORS, THE GRIT, THE PEACOCKS, WHISKEY REBELS, FRONTKICK, HEARTBREAK ENGINES usw. usw. Wer auf flotten und melodischen Punkrock steht, der kommt bei dieser CD voll auf seine Kosten. Mir hat sie jedenfalls gefallen. Zumal das aufwendige Digipack noch eine Bonus-DVD mit geilen Liveacts und Interviews enthält.

UNION JACK - Skinhead Fanzine # 6 / Aug. 2008 / A5-Format / 52 Seiten / 1,50 EU
Contact: Union Jack Skinzine, Postfach 2159, 29403 Salzwedel, GERMANY
oder:
bootsandbeer@gmx.net

Klassisches Skinhead-Fanzine, das optisch und inhaltlich zu gefallen weiß. Aaargh! Das war aber jetzt ein blöder Anfang - oder? Na denn! Die aktuelle Ausgabe des UNION JACK kommt diesmal direkt zur musikalischen Sache. Und das sind jede Menge geile Konzertberichte, u.a. mit VOLXSTURM, PERKELE, KRAWALLBRÜDER und GERBENOK, und Interviews mit PRESSURE 28, BOLLDOZER BCN, STOMPER 98, CLOSE COMBAT, FORBIDDEN KINGS und SUICIDE KIDS. Obwohl ich das Gefühl habe, dass man es in dieser Ausgabe mit den “Tonträgerbesprechungen” doch ein klein wenig übertrieben hat. Neben vielen Fotos, diversen Fanzine- und DVD-Besprechungen bietet diese Ausgabe noch einen interessanten Bericht über die Glatzen-Szene in Chile. Angenehmes Layout, sauberes Druckbild, netter Schreibstil; was soll ich sonst noch sagen? Es macht grossen Spass solche Fanzines zu lesen.

BEZIRK 7 / # 8 / 2008 / A 4-Format / 88 Seiten /
inkl. 14seitigem Sonderdruck / inkl. “Soundtrack der Strasse II”-CD (nur in den ersten 500 Heften)
Kontakt: Bezirk7@505crew.de

Dieser Tage lag bei mir ein dicker Umschlag auf der Treppe. Darin steckte die achte Ausgabe des BEZIRK 7-Fanzine aus Porz am Rhein! Vollgepackt mit massenhaft Informationen, zahlreichen Interviews, mehr oder weniger aktuellen und interessanten Neuigkeiten, bööösen Gerüchten, coolen Sprüchen, Musik- und Fanzine-Reviews, und, wie sollte es bei einem furiosen Schreiber wie Markus auch anders sein, mit jede Menge Spass an der Sache. Und nur das zählt bei diesem Fanzine. Und nicht der billige Kotau vor irgendwelchen linken oder rechten Szene-Ärschen. Komplettiert wird diese Ausgabe durch ein erstklassiges Layout, geiles Druckbild, und vielen Fotos aus Szene und Alltag. Ich will jetzt nicht den ganzen Inhalt des Heftes runterbeten, sondern mich auf die, aus meiner bescheidenen Sicht, interessantesten Artikel und Interviews beschränken. Der Höhepunkt des Heftes ist ohne Zweifel das sehr ausführliche Interview mit Angry Anderson, dem genialen und fast schon legendären Frontmann von ROSE TATTOO, eine der geilsten Rock’n’ Roll-Bands vonne Welt! (Anfang der Neunziger Jahre war es mein Hobby, mit dem Mountainbike und dem wahnwitzigen Sound von ROSE TATTOO auf dem Kopfhörer meines Walkmans die riesigen Kokshalden im Dortmunder Hafen runterzubrettern. Bis ich mir dabei Schlüsselbein und zwei Rippen gebrochen habe. Ein weiteres Hightlight ist das Interview mit Roody Moreno von OPPRESSED. Markus und Roody reden über Bands, über Platten, über Skinheads, über Nazis, und wärmen dabei auch nochmal die alten abgelutschten SHARP-Parolen der Achtziger Jahre auf. Ein weiteres Interview führte Markus (wohl schon 2005) mit dem damals 33jährigen Skinhead Andre Pilz. Bekannt als Autor des “ersten deutschen Skinhead-Romans”, der 2004 unter dem schmalzigen Titel: “No Ilores, mi quierida - Weine nicht, mein Schatz” im “Archiv für Jugendkulturen” des Klaus Farin veröffentlicht. Ich könnte ja jetzt was von der Nachtigall erzählen, die ich gerade trapsen höre, aber diese Bemerkung verkneife ich mir lieber. Das hätte besser auch Andre Pilz getan als er sein Buch im Interview mit dem BEZIRK 7 als “Liebeserklärung an den (Skinhead)Kult” outete. Eine “Liebeserklärung”, die sich mehr oder weniger gekonnt der altbekannten Klischees der “Anti-Skinhead-Literatur” bedient. Jedenfalls hatte ich nach der Lektüre dieses Interviews sofort die angeschwulte Film-Schmonzette “Oi! Warning” vor Augen. Mit dem einen Unterschied dass sich “Romanheld” Rico im Gegensatz zum “Filmhelden” nicht in einen schwulen Schmuddelpunk verknallt, sondern in ein dunkelhäutige Südamerikanerin. Das ist auf jeden Fall politisch korrekt, hat den gewissen multikulturellen Touch und ist sicher exotischer als sich von einem versypften Punker in den Arsch ficken zu lassen. Obwohl auch Romanheld Rico (“noch schwach und auf der Suche nach einer starken Gruppe”) so auf den ortsansässigen “Oberskin” abfährt, dass er ihm schliesslich einen runterholt. Nun denn! Mitten aus dem realen Leben gegriffen ist dagegen der Bericht über den “BEZIRK 7-Betriebsausflug”! Der führte Markus und seine Freunde zu Bauer Ewald auf den Prickingshof. Ihr kennt Bauer Ewald und den Prickingshof nicht? Das ist aber echt ne Bildungslücke. Der Prickingshof liegt im Münsterland und ist das “Mekka” des Hartz 4- und Rentner-Prektariats. Bis zu 2000 Menschen, zumeist der Kathegorie “Friedhofswarteschleife”, werden da jeden Tag durchgeschleust. Für 9,99 Euro, inkl. An/Abreise, Eintritt und einem Tombola-Los. Als Zugabe gibt es für jeden noch ein “Wurstpaket”. Aber nur, wenn man zuvor an einer zweistündigen Verkaufsveranstaltung für Rheumadecken, Krampfadernsalben, Bett- und Bratpfannen, Thrombosestrümpfe, Seniorenwindeln, Schnabeltassen, Faltencremes, Kochtöpfe und Matratzen gegen Weltraumstrahlen teilgenommen hat. Danach erwartet den Besucher nicht nur jenes “Wurstpaket”, sondern als Höhepunkt des Tages das kollektive Vertilgen von XXXL-Schnitzel im hofeigenen Bauer Ewald-Restaurant. Gefolgt vom kollektiven “Senioren-Tanz” auf der Diele. Wo die betagten Herrschaften zur Mucke der hauseigenen “Happy Bums”-Band die künstlichen Hüftgelenke schwingen und gemeinsam zur Melodie von “Oh Tannenbaum” die Prickingshof-Hymne singen. "Oh Prickingshof, oh Prickingshof, wie groß sind deine Schnitzel, die ißt so schnell noch keiner weg, die sind so groß wie'n Lokusdeck." ICH FASS ES NICHT! Wie es Markus und seinen Freunden in dieser gerontologischen Freakshow ergangen ist, und warum es am Ende für jeden von ihnen noch einen Sack Kartoffel gab, diese schräge Story darf man sich nicht entgehen lassen. Weniger lustig ist der Artikel “Big Brother is warching you”. Aber angesichts der paranoiden Sicherheits- und Überwachungsgesetze, die uns Innenminister Schäuble auf die Backe drücken will, ist so ein Artikel wichtiger als je zuvor. Auch wenn noch nicht alle kapiert haben, dass schon jetzt ganz massiv in unsere Freiheits- und Bürgerrechte eingegriffen wird. Aber wechseln wir das Thema. “Und ich dachte schon Du wärst bei der Polizei..!”, murmelte der Porno-Produzent Harry S. Morgan überrascht als ihn der smarte Herausgeber des BEZIRK 7-Fanzine um ein Autogramm bat. Aber nein, Mädels, Ihr habt richtig gelesen! Frauenversteher Markus war Gast einer Autogrammstunde, zu der eben jener Harry S. Morgan und seine mit kürbisgrossen Silikon-Titten bestückte Haupt-Darstellerin Vivian Schmitt in eine Videothek geladen hatte. Besonderer Höhepunkt dieser Veranstaltung war eine Strip-Show, bei der eine der emsigen Stripperinen im Eifer des Gefechts und zum Gaudi des sachverständigen männlichen Publikums, mit dem Schädel gegen die niedrige Decke der Videothek “bumste”. Jedenfall bietet dieser Bericht einen authentischen Einblick in die tiefen sexuellen Abgründe der rheinischen Provinz, und - last, not least - in die vielfältige Freizeitgestaltung unseres bumdfidelen Herausgebers. Ausserdem ist vor einiger Zeit der mecklenburgische VOLXSTURM ins Studio gegangen, um um ein neue Album einzuspielen. Das BEZIRK 7-Fanzine war mit der Kamera dabei! Herausgekommen ist eine tabulose und unzensierte Foto-Story über den Alltag einer norddoitschen Glatzenband. Nicht weniger prall, feucht und urwüchsig geht es zu, wenn Markus von seinen Alkohol getränkten Erlebnissen auf dem “Oi! the Meeting 2008 in Wegeleben” berichtet. Da wackeln nicht nur die Zelte! Aber bevor ich mich auch hier wieder in Ab- und Ausschweifungen ergehe, sollte ich endlich zum Schluß kommen. Auch wenn dann vieles aus dem Heft unerwähnt bleiben muss, wie z. B. der Szenebericht aus Griechenland “Oi! Oi! Hellas”, oder die Interviews mit der schwedischen Psychbilly-Band SPINBALLS und den italienischen Streetrockern von THE VENDETTA. Mein Fazit: Ein saugeiles Fanzine, das inhaltlich und optische keine Fragen offen lässt.

SUBCULTURE SQUAD “Dreizehn!” / CD / 36 Tracks
by /www.rebellion-records.com/shop/

Eigendlich ist die “13” ja ‘ne Unglückszahl. Aber nicht in diesem Fall, denn die “Dreizehn” auf dem Cover der neuen SUBCULTURE SQUAD-CD steht für dreizehn runde Jahre rockender “Niedersachsenterror”. Obwohl es auf der CD nur fünf neue Songs gibt, alle anderen wurden schon mal auf diversen Demos oder Sampler veröffentlicht, verbreitet “Dreizehn” keine Langeweile. Im Gegenteil! Gemäss ihrem Motto, “Artenvielfalt ist Lebensqualität”, bewegen sich SUBCULTURE SQUAD recht unbekümmert, aber musikalisch perfekt, durch alle nur denkbaren Musikstyles. Ob knüppelnder Punkrock, derber Hardcore, flotter old school Rock’n’Roll oder hymnenhafte OI!-Songs, nichts ist den fünf Herren von der nordeutschen SUBCULTURE SQUAD fremd. Herausgekommen sind saugeile Coverversionen von DANZIG, COCK SPARRER, OHL, IRON CROSS, EJCTED, WARZONE und SICK OF IT ALL! Und gerade diese “Artenvielfalt” macht den Reiz dieser CD aus. Bevor ich es vergesse, am Ende (nach einer kleinen Pause) gibt es noch einen netten schweinischen Bonus-Song. (GRÖHL!)

BULLDOZER BCN “On the blacklist” / CD / 11 Tracks
by www.unitedkids-records.de

Eine Band, die erst nach sechs Jahren ihr Debüt-Album rausbringt, das will schon was heissen in unserer schnelllebigen Zeit. Und wenn es sich dabei um eine ausserhalb Spaniens fast unbekannte Oi-Streetrockband aus Barcelona handelt, dann sollte man schon etwas genauer hinhören. Es lohnt sich! “On the blacklist” bietet elf energiegeladene und kraftvolle, englisch gesungene chorusbetonte Oi!-Hymnen, die jeden Streetrockfan sofort aufhorchen lassen, und (nicht nur sie) begeistern werden. Musikalisch perfekt, tough und gradlinig, eine Hammerproduktion, die nach deutlich mehr verlangt! Und die, die BULLDOZER BNC einmal live on stage erleben möchten, denen sei das diesjährige OI THE MEETING-Festival empfohlen.

BOMBECKS “Nehmt es oder lasst es!” / CD/LP / 11 Tracks
by www.unitedkids-records.de

Zwei Jahre nach ihrem “Auge um Auge”-Album haben die BOMBECKS aus Thüringen mit “Nehmt es oder lasst es!” erneut zugeschlagen. Und haben auf dem neuen Album, dem vierten in ihrer über zehnjährigen Bandkarriere, mal wieder jede Menge musikalische Volltreffer gelandet. Zehn neue Songs (dazu ein Cover-Song), die mitreissen und unter die Haut gehen. Besser als das dritte Album? Jein! Da bin ich ein wenig gespalten. Was kann den Song wie “Auge um Auge” vom dritten Album übertreffen? Oder “Mann gegen Mann” vom neuen Album? Nein! Beide Veröffentlichungen sind für mich gleichwertig, und das auf sehr hohem Niveau. Besonders, was die Lyrik und die Kraft ihrer Musik betrifft. Musikalisch ist das glatzköpfige Trio aus Thüringen natürlich professioneller geworden (“reifer” klingt immer so abgelutscht), aber die Band hat sich trotzdem (oder gerade dehalb) den rauen Charme und die Wut ihrer früheren Jahre bewahrt. Ein verdammt ausdrucksstarkes und vielseitiges Album, das bei einem kompromisslosen Anti-Kriegssong wie “Feuersturm” sogar nachdenklich macht. Einen rabiaten englischsprachigen Ausflug in Richtung “Streetcore” gönnen sich die BOMBECKS mit “Break Out”! Ein Song, der gnadenlos fetzt! Aber “Der Schatten deines Lebens” hat mich fast vom Hocker gehauen. Was da ganz gemächlich beginnt, peitscht sich zu einer Atemlosigkeit hoch, die einem fast die Schuhe auszieht. Skinhead-Rock vom allerfeinsten. Da bleibt kein Auge trocken und steigt der Adrenalinspiegel! Vielleicht steigt der auch bei einem Song wie “Verlogene Seelen”! Politiker, die ständig die “Politikverdrossenheit” des Bürger bejammern, sollten sich diesen Text einmal ganz genau anhören. Dann hätten sie die Antwort, warum so viele Menschen an diesem politischen System zweifeln und machmal sogar daran kaputtgehen. Aber wann haben “die da oben, denen da unten” schon mal richtig zugehört? So what? Social war most coming! Aber bevor dieses Land endgültig den Bach runtergeht, heben wir mit den BOMBECKS noch einmal die Gläser (oder Flaschen) und trinken “Auf die alten Zeiten”! Und die alten Freunde - und auf dieses saustarke Skinhead-Album!

STOLZ & STIL - #21 / April 2008
Skinzine für “Lebensart, Rebellion und Musik” / 68 S. / DIN A4-Format
c/o STOLZ & STIL / PF 1143 / 99601 Sömmerda
mail:
stolzstil@web.de / homepage: http://www.stolz-stil.2xt.de/

Die einundzwanzigste (21) Ausgabe des STOLZ & STIL-Fanzine hat sich ein neues Outfit zugelegt: Ein A4-Format! Also Jungs, machen wir es mal kurz: Das Druckbild und das Layout ist astrein, bis auf die Kleinigkeit, dass mich die Löcher im Blocksatz nerven. Das sieht so unaufgeräumt aus. Vielleicht solltet ihr demnächst mal die Silbentrennung benutzen. Obwohl die manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen Coverzeichnungen des STOLZ & STIL charakteristisch für dieses Fanzine sind, geht beim neuen A4-Format vieles von deren Wirkung verloren. Im alten A 5-Format kamen die Zeichnungen besser zur Geltung. Zur aktuellen Ausgabe hätte ein geiles Foto (wie das auf der Coverrückseite) optisch besser gepasst. Für all diese kleinen Schwächen entschädigt jedoch der Inhalt. Und der ist - wie immer - vielseitig, informativ und dabei auch noch unterhaltsam. Meine Top-Favoriten in diesem Heft sind das Interview mit Gary Hodges von den 4 SKINS, und das Interview und die Bandinfos über INDECENT EXPOSURE. Weitere Inis wurden mit MAO DE FERRO aus Brasilien und dem deutschen STURMTRUPP geführt. Die SELBSTSTELLER aus Riesa stellen sich gemäss ihres Bandnamen selber vor. Dann gibt es noch einen “Skingirl-Test”, und da ich ein Mensch bin, der an keinem solcher Tests vorübergehen kann, habe auch ich ihn gemacht. Das Ergebnis werde ich natürlich NICHT verraten. Ausserdem finden wir noch jede Menge frische und nicht mehr ganz so frische Fanzine- und Musikrezessionen. Und nicht zu vergessen den ersten Teil der STOLZ & STIL-Story. Also mal wieder ein gnadelos geiles Leseerlebniss aus Sömmerda. Bis halt auf die kleinen optischen Schönheitsfehler, aber grämt euch nicht, Freunde: Nobody is perfect!

OHL - Feindkontakt” / CD / 12 Tracks / Nov. 2006 / Bonus: Drei Live-Videos

Ausser “Feindkontakt” nichts neues von der “Obersten Heeresleitung”! Damit könnte man es eigendlich belassen, und die neue OHL-CD dahin befördern, wo sie hingehört: In den Mülleimer! Zog man Anfang der Achtziger Jahre noch gegen “Roten Terror” oder die “DDR” in den Kampf, so hat sich OHL inzwischen auf ein neues Feindbild eingeschossen, den Islam! Deutscher W. und Kumpanen faseln auf ihrer neuen CD vom “Kampf der Kulturen”, in dem wir “fest zusammenstehen” müssen, geht es doch um den “Erhalt unserer Freiheit, für demokratische Strukturen." Was für ein Müll; unsere Freiheit und demokratischen Strukturen werden nicht vom Islam (oder gar Osamar Bin Laden) bedroht, sondern von den bürger- und freiheitsfeindlichen Repressions- und Überwachungsgesetzen (wie z.B. die Vorratsspeicherung, Online-Duchsuchungen) unserer Regierung. Zurück zu OHL: Statt den Dialog und die Verständigung zwischen den Kulturen zu suchen, predigen sie primitiven Hass: Denn "wir sind das Gute, die freie Welt”, die anderen sind “das Böse”, und deren “Tage sind gezählt”. Nichts wird von OHL hinterfragt. Nicht die Kriegslügen des George Bush. Nicht das Folterlager Guantanamo. Nicht die Millionen tote Zivilisten im Irak und in Afganistan. Nichts! Da wird nur dumpfbackenmässig draufgehauen, eindimensional, verallgemeinernd und latent rassistisch. Es wird stigmatisiert, pauschalisiert und dabei eine der ältesten Kulturen der Welt (Islam) und ihr Religionsstifter (Mohamed) diffamiert. "Es ist euer Prophet, der die Welt bedroht, es sind eure Gebete, in denen das Böse wohnt." Da im Islam die Gebete der Gläubigen aus Koranversen bestehen (den “geschriebenen Worten des Propheten”), wohnt das “Böse” im Koran? Ich fass’ es nicht! Wie kann man nur so dumm daherreden? Noch schlimmer kommt es, wenn sich die “Kreuzritter” von OHL der verquasten Redneck-Ideologie und Sprache des christlichen Fundamentalisten George Bush bedienen: "Ihr seid der Feind der freien Welt, ihr seid die Pest, die uns befällt, die Achse des Bösen." Man sollte OHL vielleicht daran erinnern, dass es in diesem Land schon einmal Menschen gab, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit als “Pest” diffamiert worden sind. Und deren Tage waren wirklich “gezählt”. OHL - es reicht!

DER ZWERGPIRAT # 10 / Fanzine / 80 Seiten / A5-Format / 2,00 EU
Contact:
C. Hantel, Augsburger Str. 18, 85290 Geisenfeld, GERMANY

Ahoi, der noie ZWERGPIRAT ist in Dortmund vor Anker gegangen. Das hat was! Bis auf die seltsame Zeichnung auf dem Frontcover, die gefällt mir überhaupt nicht. Das wäre mein erster Kritikpunkt, und das war dann aber auch mein letzter. Mehr gibt es nicht zu meckern. Womit soll ich jetzt anfangen? Am besten mit dem Bericht über das “Rock my ass festival” mit LAST RESORT, EXPLOITED, TOWERBLOCKS usw. Alles sehr ausführlich und plastisch beschrieben. Als ob man selber dabei gewesen wäre. Da fällt mir ein, dass ich EXPLOITED erst einmal gesehen habe, und zwar 1981 in Hohenlimburg. Ein absolutes Scheisskonzert war das damals. Mit sinnlos prügelnden Ordnern und vielen Verletzten. Ich finde diese Band einfach Scheisse. Damals wie heute! Jedenfalls beschränkt sich der Autor dieses Festival-Berichts nicht nur auf das öde Abhandeln der einzelnen Bandacts (A war scheisse, B noch beschissener, aber C hat mich wieder in die Halle getrieben), sondern präsentiert nebenbei noch so kleine herzige Storys, die bei Konzertberichten manchmal sogar der interessantere Teil sind. Die Bands kennt man doch eh. Nicht jeder kennt die Vikingrocker von NJORD, aber diese kleine Bildungslücke wird durch ein Interview mit dem Drummer der Band behoben. Nordisch geht es weiter, und zwar mit einem Interview mit der Band KRAFTHEIM. Teutonischer Vikingrock aus dem Teutoburger Wald. Das ist da, wo einst Hermann der Cherusker tausende römische Legionäre um einen Kopf kürzer gemacht hat. Wundert mich, dass die Nachfahren der kopflosen Legionäre bis heute keinen Antrag auf Wiedergutmachung gestellt haben - Oh, Scheisse, das war aber jetzt alles andere als politisch korrekt! Und natürlich, wie sollte es anders sein, beschäftigt sich der ZWERGPIRAT auch in seiner zehnten Ausgabe wieder mit dem uralten seemännischen Handwerk der Piraterie. Beschrieben wird die unglaubliche aber wahre Lebensgeschichte einer chinesische Nutte, die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts Anführerin einer der mächtigsten Piratenflotten der Welt wurde. Die schlitzäugige Dame hatte sich gewissermassen durch die Hängematten der Piratenhirachie bis ganz nach oben durchgebumst. Respekt! Und dann wäre da noch die Story über einen gewissen Fürst Dracula III. Auch bekannt geworden als “Vlad, der Pfähler”. Jener rumänische Fürst lebte im vierzehnten Jahrhundert und hatte die Angewohnheit, seinen Feinden, Rivalen, Exfrauen oder wem auch immer, einen angespitzten Pfahl in den Arsch zu rammen, und jenen Pfahl dann aufzurichten. Klar, dass der menschliche Körper, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, langsam nach unten strebte, bis der Pfahl, der sich mühsam einen Weg durch die Eingeweide, die Magenhöhle und den Brustkorb erkämpft hatte, durch den Mund oder die Schulter des Gepfählten wieder ins Freie trat. Flutsch! Das muss man sich jetzt so vorstellen, als würde man einen Grillspiess gaaanz laaangsam durch den Arsch eines Broilers schieben. Na ja, oder so ähnlich. Hey, mit Broilers meine ich nicht die gleichnamige Band, sondern ein Grillhähnchen. Voll geil die Biografie einer englischen Punkband, der wir ne ganze Menge Klassiker zu verdanken haben: “The Story of ONE WAY SYSTEM. Als Gavin White bei ONE WAY SYSTEM ausgestiegen ist, war das für mich das Ende dieser Band. OWS ohne die markante Stimme von Gavin? Undenkbar! Eines der vielen Highlights im ZWERGPIRAT ist die starke Kolumne “Leiche fragt: Where have all the Sinheads gone?” Das, werter Freund, habe ich mich in den letzten Jahren auch des öfteren mal gefragt. Zum Schluss kommend muss ich feststellen, dass ich vieles aus der aktuellen Ausgabe nicht erwähnt habe, aber eines ist sicher: Dank der coolen Schreibe von Carsten und “Leiche”, und einem gepflegt aufgeräumten Layout ist der ZWERGPIRAT ein starkes Stück Fanzine. Weiter so, meine Herren!

SOCIAL DISTORTION Greatest Hits” / 12 Tracks / CD / 2007
Contact: www.timebombrecordings.com

Also ich muss sagen, bei dieser Band hatte ich schon früh das richtige Feeling für geile Musik. SOCIAL DISTORTION war nämlich die erste Amiband überhaupt, der ich (damals noch fanatischer Deutsch- und Britishpunk-Fan) eine längere Story in meinem Punkzine FALSCHMELDER gewidmet hatte. Das war im Jahre 1983. Bis dahin waren mir Amibands so ziemlich am Arsch vorbei gegangen. Bis mir aus dem sonnigen Kalifornien eines der Bandmitglieder von JODY FOSTER ARMY neben JFA-Demos und ihrer Debütsingle “JFA” auch das Debütalbum von SOCIAL DISTORTION “Mommys little monster” und deren zweite Single “1945 (von 1982) ins verregnete Germany schickte. Ich zitiere jetzt mal aus dem FALSCHMELDER von 1983: “Punk, Hardcore, Rock’n’Roll, Country - das sind die Bezeichnungen die mir jetzt so spontan einfallen. Die Musik der vier Orange-County-Boys ist einmalig, man liebt oder hasst sie. Mike Ness und seine Mannen schlagen so Milchbubies wie die hochgejubelten HANOI ROCKS oder MOTLEY CRÜE um Meilenlängen. Mein Verdacht erhärtet sich, all die Musikkritiker bekommen nur die von der Industrie gepushten Langrillen, der ”real rock’n’roll” bleibt dabei auf der Strecke, es lebe die Inzucht...” Seither sind fast 25 Jahre vergangen, in denen fünf weitere Alben der LA-Punkrocker rausgekommen sind. Und nun dieses “Greatest Hits”-Album! Musste das sein? JA! Das musste sein, denn diese Compilation versammelt ein Vierteljahrhundert Ami-Punkrock vom Allerfeinsten. Darunter so Hits wie "Story of my life", "Ball and chain", "Prison bound" oder den genialen Johnny-Cash-Coversong "Ring of fire". Aber wo sind "Sick boys" und "So far away"? Ohne diese beiden fantastischen Songs ist dieses “Greatest Hits”-Album eigendlich nicht komplett - oder?

DISCIPLINE-Holzbox “Join the Red & White Army” (Nov. 2007)
(Die Box ist auf weltweit 1000 Exemplare limitiert)
by
Street Justice Records / P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

G. Gruse: Ich könnte mich ja jetzt in tausenden von Superlativen ergehen, aber ich sage nur ganz schlicht und einfach: Die hölzerne DISCIPLINE-Box ist saugeil! Thumbs up, guys! Über DISCIPLINE (“Mit ihren Glatzen, Tattoos und Springerstiefeln gelten sie als gefürchtete Hooligans und zählen mindestens genauso viele erbitterte Gegner wie loyale Fans.”) brauch’ ich wohl nicht viele Worte zu verlieren, wer den brachialen Sound der vier kahlköpfigen Streetcore-Hools ("Red & White Army") aus dem niederländischen Eindhoven nicht kennt, der ist es selber schuld, und verdient kein Mitleid. Nicht aus Zufall waren sie schon mit AGNOSTIC FRONT auf Tour. Einer der ultimativen Höhepunkte ihrer Bandkarriere war wohl ihr fantastischer Auftritt auf dem ONKELZ-Abschiedskonzert am 17./18. Juni 2005 auf dem Lausitzring, als sie vor einer gigantischen Kulisse von über 120.000 Menschen den ONKELZ mit dem Song “Nice boys finish last” ihre Referenz erwiesen haben (Siehe hierzu das Video). Für die zahlreichen Fans dieser Band (und für die Sammler von schweren Vinyl) ist die DISCIPLINE-Box also ein MUSS! Die vier DISCIPLINE-Alben “Nice Boys finish last” (1999), “Love Thy Neighbor” (2000), “Saint & Sinners” (2002) und “Downfall Of The Working Man” (2005) neu aufgelegt als fette Picture-Disc (Siehe oben). Einfach Klasse!

HERBÄRDS “Eu ! Se Bois!” / CD / 16 Tracks / 3 Bonustracks
www.teenagerebel.de

G. Gruse: Neuauflage des legendären Oi!-Album “Eu ! Se Boys” der Stuttgarter Skinheadband HERBÄRDS, das Anno 1982 bei Mülleimer-Records rausgekommen ist. Bei diesem “historischen” Glatzenalbum, eines der ersten das in Deutschland veröffentlicht wurde, spürt man noch heute das Glatzenfeeling der frühen Achtziger Jahre. Als noch nicht auf Plattenverträge geschielt, sondern ohne Kompromisse munter drauflos getrommelt, gezupft und gegröhlt worden ist. Kurz gesagt, “Eu ! Se Boys” ist nichts für die empfindsamen Öhrchen fanatischer HiFi-Puristen oder Digifreak, sondern ist OI!-Musik der “ersten Stunde”. Dreckig, ehrlich und ungekünstelt! Textlich bewegte man sich auf dem bodenständigen Niveau der damaligen Jahre. Also ein bischen Gesellschaftskritik, aber sehr viel Bier, Fussball und Fun. Zusätzlich zu den sechszehn “historischen” Tracks bietet die Neuauflage dieser Scheibe noch drei neuere Bonustracks.

HERBÄRDS “Wir sind zurück/ CD / 14 Tracks
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G. Gruse: Nach ihrer Bandauflösung (ca. 1987), und einer fast vierzehnjährigen Sendepause, meldeten sich die HERBÄRDS vor sieben Jahren mit einem neuen Album in der Öffentlichkeit zurück! Es hiess “Wir sind zurück”. Und es enthielt viel heisse Luft. War jedenfalls mein erster und ist auch mein letzter Eindruck. Auf mich wirken die meisten Stücke dieses Albums ziemlich deutschrockbelastet, und musikalisch kommt man ehr flau und lahm als wild und laut zur Sache. Nach diesem Reunionsalbum hätte man den HERBÄRDS vielleicht sagen sollen: “Ach, Freunde, wärdt ihr doch besser weggeblieben.” Nebenbei gesagt, nach diesem Album wurde es wieder still um diese Band. Und das ist gut so. Rests in peace!

BABELSBERG PÖBELZ “Meine Hand für mein Produkt” / LP/CD / 2001 / 14 Tracks + 6 Zugaben
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www.poebelz.de/band.html

G. Gruse: Ich würd’ mir für diese CD nicht unbedingt die Hand absägen, wie der smarte blaubekittelte junge Mann auf dem Cover, und schon gar nicht die rechte, aber um sie mir zu kaufen - die CD, und nicht jene abgesägte Hand - würde ich schon gern ein paar Meilen weit laufen. Brauche ich aber nicht, da ich sie dieser Tage von TENNAGE REBELS RECORDS ins Haus geschickt bekam. Ich könnt’ ja jetzt sagen, leider sechs Jahre zu spät, um auf dieser Seite noch berücksichtigt zu werden, aber lieber sechs Jahre zu spät als nie! Diese CD ist es nämlich wert besprochen zu werden - auch heute noch. Is’ es nun Punkrock oder is’ es gar Oi!-Punk? Scheisst auf jede Etikettierung und jeden intellektuellen Anspruch! Harald Junke, Bier und gute Laune rules! Auf dieser CD wird einfach nur geile und flotte Mucke gemacht. Und das mit einer gehörigen Portion Spielwitz, Fantasie und Selbstironie: “Ein bischen älter, ein bischen reifer und das Glied war auch schon steifer.” Na ja, das könnt’ doch direkt von mir stammen - oder? Seufz! Nebenbei gesagt: Manchmal erinnert die geile Stimme des Sängers an den jungen und unverbrauchten Campino, wie z. B. in dem Song “Kein Licht”; wärend Musik- und Gesangsstyle von “Our love” an die langsameren Frühwerke der SEVEN SECONDS erinnern. Wie dem auch sei, ich mag dieses Album. Und nicht nur wegen der geilen “heiligen Johanna”!
 

NO REDEEMING SOCIAL VALUE “Still drinking!” - CD / 2007 / 13 Tracks / 4 Bonus Tracks / 3 Bonus Videos / Digipac mit Booklet
by Street Justice Records
P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

G. Gruse: Anscheinend dreht sich bei der NY/HC-Band NRSV alles um so elementare Dinge wie Titten, Party und Pussis - und nicht um Bush oder den Irakkrieg. Was natürlich nicht als Vorwurf an die speedige Ami-Band gedacht ist, sondern als durchaus positives Element angemerkt werden sollte. Nicht anders verhält es sich mit ihrem neuen Album “Still drinking!”. Dreizehn wahnwitzige HC-Tracks, die euch mit ihren röhrenden Vocals, brachialen Shouts, rasant treibenden Drums und ihrer derben Kneipenlyrik den Alltagsstress wegblasen! Überspitzt gesagt: Ein gnadenloses Hörerlebniss der ganz besonderen Art. Dazu gibt es noch vier Bonustracks, von denen ich drei für überflüssig halte, mich jedoch am vierten einfach nicht satt hören kann: Dem mitreissenden “Skinhead rule”! Und dann sollte die CD noch drei Bonusvideos enthalten. Das tut sie auch. Nur kann sie mein CD/DVD-Player nicht lesen. Obwohl er doch für alle gängigen Videoformate ausgelegt ist. Ebenso die beiden Computer. Aber auch dort nur Fehlanzeige.

TOWER BLOCKS “Having a laugh & having a say/ 16 Tracks / 2007 / Digipac
by www.sunnybastards.de

G. Gruse: Mal wieder eine CD, die schon vor Monaten auf meinem Schreibtisch gelandet ist, aber in meinem Chaos beinahe untergegangen wäre. Die Berliner Streetpunker TOWER BLOCKS päsentierten mit “Having a laugh & having a say” ihr nunmehr drittes Album, das recht flott daherkommt, da blinzelt manchmal sogar ein wenig Sympathie für die frühen BONECRUSHER durch. Aber durch die ausschliesslich englischen Texte wirkt das Album auch sehr gefällig, und wenig authentisch. Oder kennt jemand ne amerikanische, französische oder britische Band, die mal ein deutschsprachiges Album rausgebracht hat? Nee! Aber es gibt dutzende deutscher Bands, deren Alben nur aus englischsprachigen Songs bestehen. Warum? Weil so die Lyrik besser rüberkommt? Weil sich das, was man in seinen Texten sagen möchte, nicht mit der deutschen Sprache (immerhin die Sprache von Goethe, Schiller und Heinrich Heine) ausdrücken lässt? Auch wenn es dabei nur um Saufen, Fussball oder alternde Punkbands geht? Oder hat das etwa wirtschaftliche Gründe? Deutschsprachige Alben lassen sich nämlich in den USA, Frankreich oder GB schlecht verkaufen, ausser man heisst RAMSTEIN oder TOKIO HOTEL. Back to the cultural roots!
 

ARTLESS “Tanzparty Deutschland” - Punkhistorische Aufnahmen von 1980 (Demo) und 1981 (live) / CD / 2007 / 25 Tracks
by www.teenagerebel.de

G. Gruse: Dat is nix für verwöhnte Ohren, aber, ey Alta, dat is Punkrock”, habe ich mal in den frühen Achtziger Jahren über die rheinische Punkband ARTLESS geschrieben. Heute würde ich mich ein wenig anders ausdrücken, aber das selbe meinen! Für mich unvergessen eines ihrer letzten Konzerte vor ungefähr 50 mehr oder weniger angesoffenen Punks in einer kleinen Kellerkneipe in der Düsseldorfer Altstadt. Pogo und Bier bis zum Abkotzen! Damals lebte ich noch in Düsseldorf und hatte mir in J. Krauses winzigen Plattenladen (allen Düsseldorfer Szenekennern noch wohlbekannt) die erste “Tonveröffentlichung” von ARTLESS gekauft. Es war eine billige C60-Kassette mit dem Namen “Tanzparty Deutschland” und kostete damals 2,50 DM. Obwohl der Sound ziemlich mies war, hütete ich dieses Tape wie einen Schatz. Bis es irgendwann als Bandsalat in meinem Tapedeck verreckt ist. ARTLESS - das war nämlich Punkrock pur! Laut, dreckig, derbe, aber mit Verstand, und ohne die damals in der Szene aufkommenden Endzeit-Attitüden a’la “Deutschland muss sterben”. Dankenswerterweise hat sich nun das Düsseldorfer Label TEENAGE REBEL an diese geile Ruhrpott-Band erinnert, das Tape neu gemastert und dieser Tage als CD rausgebracht. Zusätzlich zu den Aufnahmen von 1980 gibt es als Bonus noch 13 Livesongs von einem Konzert in Essen (am 04.07.1981). Legendäre ARTLESS-Hits wie “Mein Bruder is’en Popper”, “Unrasiert und ungekämmt” oder “Donnerwetter” feiern auf der "Tanzparty Deutschland"-CD ihr längst verdientes Comeback.
 

THE BONESBurnout Boulevard” / LP/CD / 2007
by Century Media/EMI

G. Gruse: Die furiosen Punk-Rock'n'Roller THE BONES aus dem schwedischen Karlskrona haben sich drei Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung (“Screwed, Blued and Tattooed”) mit dem inzwischen schon vierten Album bei ihren zahlreichen Fans zurückgemeldet. Wenn irgendwelche Poser nach dem rasanten “Screwed, Blued and Tattooed”-Album der Meinung waren, dass die BONES mit dieser Veröffentlichung ihr musikalisches Potential endgültig erschöpft hätten, der hat sich getäuscht. Das aktuelle Album “Burnout Boulevard” bringt den schlagenden Beweis, dass die BONES noch längst nicht ausgebrannt sind. Im Gegenteil! Die Freunde schweisstreibender Rock'n'Roll-Riffs und rasanter Ohrwurm-Melodien, bei denen nicht nur ein wenig GLUCIFER, sondern auch ne kräftige Prise SOCIAL DISTORTION die Boxen zum Dröhnen bringt, werden mit diesem fetzenden Highspeed-Album voll auf ihre Kosten kommen.
 

OHL/SKEPTIX “The kids are still united” / Splitt-CD / 2007 / 20 Tracks
by www.teenagerebel.de

G. Gruse: Wohl keine deutsche Punkband ist bis heute politisch so umstritten, wie die Leverkusener Punkband OHL (Oberste Heeresleitung). Seit den frühen Achtziger Jahren polarisiert OHL die Punk-Szene. Für die einen waren die Texte diese Band "militaristisch, fremdenfeindlich und rechtsradikal", und sie verwiesen dabei auf Songs wie “Krieg” oder “Der unbekannte Soldat”, für die anderen war OHL fast schon eine Kultband, die durch Songs wie “Keinen Führer, keinen Gott” über jeden rechtsradikalen Verdacht erhaben war. Beide Seiten hatten ihre Argumente. Ob sie immer stichhaltig, fair und objektiv waren, mögen andere entscheiden. Aber dass die Band durch ungeschickte Interviews (wie mit dem Skinhead-Fanzine CLOCKWORK ORANGE) oder missverständliches Verhalten (Kiefernstrassenkonzert) viel dazu beigetragen hat, dass bei vielen Punks der Eindruck entstehen musste, dass es sich bei OHL um eine “rechte” Band handeln würde, liegt ausserhalb jeder Diskussion. Hinzu kam noch die starke Präsenz bei ROCK-O-RAMA. Zur aktuellen Splitt-CD: Nicht zu Unrecht erinnert diese Veröffentlichung an die legendäre Splitt-EP “The Kids are united” (4 Tracks), die 1983 in einer limitierten Auflagenhöhe von 500 Exemplare bei ROCK-O-RAMA rausgekommen ist, und seither ein gesuchtes Sammlerobjekt ist. Die aktuelle CD ist praktisch eine Neuauflage der “historischen” EP, die aber um 16 Bonustracks erweitert wurde. Wobei für mich der eindeutige Favorit die britische Punkband SKEPTIX ist. Diese Band besticht noch heute durch den ungekünstelten und melodischen Punkrock, der in den frühen Achtziger Jahren besonders Punkbands aus UK ausgezeichnet hat. OHL ist mir zu düster, zu negativ. Ich habe grosse intellektuelle Schwierigkeiten mit dieser Band. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass es sich bei OHL um grossartige Musiker handelt, die im Verlaufe ihrer Band-Biografie Punkgeschichte geschrieben haben.
 

SINGSTAR Vol. 3 - “Die Toten Hosen
(SONNY/Playstation 2)

G. Gruse: Ich fass’ es nicht! Jetzt lassen sich die TOTEN HOSEN schon als Konsolenspiel verramschen. Wer hätte das gedacht! Ausgerechnet die Band, der ich mal vor 24 Jahren sechs A4-Seiten meines Punkzine FALSCHMELDER gewidmet hatte. Ihr dürft mir glauben, wer sich in den vergangenen 24 Jahren immer noch nicht an den HOSEN totgehört hat, der schafft es garantiert mit diesem Konsolenspiel. 24 Songs zum Mitgröhlen! Karaoke für den Partykeller und das Schrebergartenfest. Man kann dieses Spiel aber auch zum Anlass nehmen, um sich endlich vom Mythos TOTE HOSEN zu verabschieden. Wer diese Band heute noch als Punkband abfeiert, der ist wohl in den Achtziger Jahren hängengeblieben - oder leicht bescheuert. Anders könnte ich mir das nicht erklären. Die HOSEN unter Frontmann Campino sind längst keine Punkband mehr, sondern nur noch ein Produkt ihrer eigenen Vergangenheit, die unter dem Label “Punk” verkauft wird. Aber mit zunehmenden Alter wohl immer schlechter. Schliesslich nähern sich die Band und die Fans der ersten Stunde langsam der Frührente, wärend der Nachwuchs ehr auf smarte HipHoper und türkischstämmige Rapper, als auf Campinos versoffenes Bierzelt-Gegröhle abfährt. Und ab einem gewissen Alter wirken einige der HOSEN-Texte nur noch oberpeinlich. Nein, Feunde, lasst es mich mal so sagen: Wo sich andere Bands im Verlaufe ihrer Biografie musikalisch weiterentwickelt haben, sind die TOTEN HOSEN stehen geblieben, an einer Theke in der Düsseldorfer Altstadt, zwischen “Bommerlunder” und “Zehn kleine Jägermeister”.

STOLZ & STIL #20 / September 2007
Das Skinzine für “Lebensart, Rebellion und Musik” / 76 S. / A5 / 2,22 EU
c/o STOLZ & STIL / PF 1143 / 99601 Sömmerda
mail:
stolzstil@web.de / homepage: http://www.stolz-stil.2xt.de/

G. Gruse: Sömmerda in Thüringen feiert einen runden Rekord: Die zwanzigste (20!) Ausgabe vom STOLZ & STIL ist rausgekommen. Congratulation, Jungs! Verdammt saubere Arbeit, die Ihr da in schöner Regelmässigkeit bei euren Lesern abliefert. Jedes der Hefte vollgepackt mit Infos, Interviews, Klatsch & Tratsch, Hintergründe, Storys, Fotos, Reviews aus der Glatzen- und Streetpunk-Szene. Und das alles, ohne irgendwelche roten oder braunen Ärsche zu küssen. Eines der Highlight in der aktuellen Ausgabe ist das ausführliche Interview mit den Jungs von SUPERJOB. Also diese britische Glatzenband ist immer ein Interview wert. Da kommen keine leeren Spruchblasen als Antworten rüber, sondern fundierte Informationen. Nicht weniger interessant ist das Interview mit der tschechischen Glatzencombo DISDAINFUL. Es ist mir fast schon peinlich zu erwähnen, dass es auch ein Kurzinterview mit dem Verfasser dieser Zeilen gibt. Na ja! Gelungene Skinhead-Unterhaltung (incl. handfester Action) bietet auch der “Reisebericht” der BIERROIBER-Crew zu einem Open-Air-Festival in Torgau. Saufen, Musik, und Action, auch wenn’s dabei fast auf’s Auge gab. Aber so ist das Leben! Spass hat’s den BIERROIBERN trotzdem gemacht - und nur das zählt! Das sind die Storys, die ich liebe, mitten aus dem Leben gegriffen. Und so macht es auch immer wieder Spass, das STOLZ & STIL-Fanzine zu lesen. Auf die nächsten zwanzig Ausgaben dieses smarten Sinhead-Magazins!

PARANOIAHere we are for everyone who needs a kultband” / CD / 26 Tracks
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captain-spoon@web.de

G. Gruse: Eine CD mit 26 Tracks der legendären Dresdner Punkband PARANOIA, die im Dezember 1984 in einem illegalen “Studio” in der DDR aufgenommen worden sind, das besitzt fast schon historischen Charakter. Aufgenommen in einer Zeit, in der Punkbands wie PARANOIA in der DDR wie Staatsfeinde behandelt und verfolgt worden sind. Ein Stück deutsch/deutscher Punkgeschichte ist diese CD allemal! Besonders authentisch durch den Originalsound von 1984. Daher enthalte ich mich jeder klugscheisserischen Wessi-Nörgelei über die miese Aufnahmequalität, und zitiere statt dessen aus dem achtseitigen Booklet zur CD: ”HiFi-Freaks seien gewarnt - die Klangqualität ist grauenhaft. Ein geprügeltes Schlagzeug und ein Bass, der sich anhört wie mit Schlüpfergummi bespannt, rebellieren gegen eine extrem verzerrte Gitarre und martialischen Gesang - meist ohne Chance. Wer aber eine quicklebendige Subkultur sucht, wählt richtig. Interessant sind die russischen Anleihen bei Stücken wie ‘Rabota’ oder ‘Ras Dwa Tri’. Hier liegen die Wurzeln für den Balalaika-Punk späterer Bands wie APPARATSCHIK”.
 

“Teenage Rebel...der Sampler - Vol. 4” / 24 Bands / 31 Tracks / CD-Sampler / 2007 / 36seitiges Booklet
by www.teenagerebel.de

G. Gruse: Das einzige was mir an dem neuen “Teenage Rebel”-Sampler (Vol.4) nicht gefällt, das sind die grauenhaften KASSIERER. Okay, für viele Leute ist diese Band ja inzwischen so was wie Kult, aber für mich ist das Punk auf Fäkalienniveau. Die Musik ist einfach nur Scheisse und die Texte haben eine Bandbreite von primitiv bis ekelhaft. Nee, ich kann sie nicht ab! Ansonsten beinhaltet Vol. 4 des TENNAGE REBELS-Samplers eine gelungene Mischung von mehr oder weniger bekannten (überwiegend deutschen) Punk- und Oi!-Bands der vergangenen 25 Jahre. Wie zum Beispiel ZZZ HACKER aus Bielefeld, die 1983 auf meiner Geburtstagsfete auf der Düsseldorfer “Kiefernstrasse” für 50 DM Spritgeld zum munteren Pogo aufgespielt haben. Oder die HERBÄRDS, die sich zwar zur Jahrtausendwende mit einer neuen Platte (“Wir sind zurück!”) zurückgemeldet hatten, aber seither nicht viel von sich haben hören lassen. Schade! Ausserdem DIE SCHWARZE SCHAFE, LOKALMATADORE, BROILERS, DIE PROFIS, ATTILA THE STOCKBROKER’S BARNSTORMER, HAMMERHEAD, RAZZIA, PUNK LUREX O.K., DIE KASSIERER, ZZZ HACKER, LOKALMATADORE, BRIGADE S, RUHRPOTTKANAKEN, HERBÄRDS, EISENPIMMEL, SUPABOND, PUBLIC TOYS, ARTLESS, B.TRUG, OHL, SKEPTIX, BABELSBERG PÖBELZ, KLAMYDIA, DER FLUCH und TV SMITH.

“Im Schatten der Großstadt - Punk in Dresden 1982-1989” / CD-Sampler / neun DDR-Bands / 26 Tracks
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captain-spoon@web.de

G. Gruse: Ungeachtet der zeit- und systembedingten Schwächen bei der Tonqualität dieser Aufnahmen, bietet “Im Schatten der Großstadt” einen interessanten und authentischen Einblick in die Dresdner Punkband-Szene der Jahre 1982-1989. Obwohl vom MfS der DDR (“Ministerium für Staatssicherheit”) als “Staatsfeinde” oder “feindlich negative Elemente” verfolgt und bespitzelt, zogen die Dresdner Punks ihr Ding durch. Es bildete sich eine besonders aktive Punkszene, die Bands wie GEGENSCHLAG (“Good by anarchy”), ROTZJUNGEN (“Nachts herrscht die Einsamkeit”), PARANOIA (“Echt zum Kotzen”), GARAGENTRIO (“Pretty”), HORTEL (“A-Hoo A-Hoo”), SUIZID (“Halt dein Maul”), LETZTE DIAGNOSE (“Agnes Kraus”), KALTFRONT (“Scheissegal”) oder FRÖHLICHER GRIESSBREI (“Antichrist” - live) hervorbrachte. Einige dieser “staatsgefährdenden” Bands existierten nur wenige Monate, andere, wie PARANOIA, wurden zur Legende. Sie alle haben mit ihrer illegalen Musik und verbotenen Songs ein Zeichen gesetzt, gegen die normierte Unfreiheit in Schule, Beruf und Freizeit, und gegen den blinden Gehorsam der “werktätigen Masse” gegenüber Staat und Partei. Sie wollten nicht so sein wie ihre Eltern waren. Und darin unterschieden sie sich nicht von ihren “Artgenossen” im westlichen Teil Deutschlands. Ein wertvolles Zeitdokument deutscher Punk-History. Kann man nur weiterempfehlen!
Aus dem CD-Covertext: “ Leider existiert nur noch wenig Material und das meist in schlechter Klangqualität. In dieser Zeit war es Undergroundbands in der DDR nahezu unmöglich, ihre Musik in Studioqualität aufzunehmen. So gibt es nur Proberaum- oder Live-Aufnahmen, die mit einfachsten Mitteln hergestellt wurden. Ohne Rücksicht auf mangelhafte technische Bedingungen oder musikalische Perfektion, liessen die Bands ihrer Spielfreude und Spielwut freien Lauf - provokativ, rebellisch und unbekümmert.”
 

“Renitenz in Elbflorenz” - Punk in Dresden 1980-89” / Das Heft zur Dresdner Ausstellung / A5-Format / in Farbe / viele Fotos / 40 Seiten
by
captain-spoon@web.de

G. Gruse: Die 40seitige im Fanzinestyle layoutete Broschüre “Renitenz in Elbflorenz” ist eine gut gelungene Ergänzung zum unten besprochenen Buch und Ausstellungskatalog “Punk in der DDR”. Es ist eine wichtige Ergänzung, da nach Aufassung der Macher dieses Heftes der Text des Ausstellungskataloges über die Dresdner Punkszene (“Barock und Punkrock”) “total an den Haaren herbeigezogen ist und nichts über Punk in Dresden aussagt.” Auch ich empfand diesen Text als intellektuell ziemlich abgehoben und schwer verdaulich, zumal ich mich öfters mal fragen musste, “Und was hat dieser Krampf mit Punk in Dresden zu tun?” Eine Antwort gibt dieses fantastisch gestaltete und reich bebilderte Heft. Beginnend mit der ausführlichen “Biografie” eines ehemaligen DDR-Punks (“Sonic Jörg”), einem ausführlichen Interview mit Ex-Mitgliedern der damaligen Dresdner Punkband PARANOIA, und einem Bericht über “Punk und Kirche in Dresden”. Ausserdem einige Einblicke in die tiefste DDR-Provinz: “Anarchy in Meissen, Gröditz, Elsterwerda u.a.” Dazu kommen noch einige Stasi-Dokumente, die viel aussagen, über die verspiesserte Blödheit und das intellektuelle Niveau des ganzen DDR-Systems. Nicht zu vergessen, die vielen Fotos von DDR-Punks, die hier zum ersten Mal veröffentlicht werden. Das ist deutsch/deutsche Zeitgeschichte. Hautnah und authentisch.
 

VINDICATOR “one ans one...” / CD/LP / 16 Tracks + Video / 2007
by Street Justice Records
P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

G. Gruse: Wouuuh, das ist ja ganz schön heavy, was die fünf Hamburger Hardcore-Recken auf ihrem neuen Album abgeliefert haben. Seit zehn Jahren treibt diese Band nun schon ihr “Unwesen”. 10 Jahre VINDICATOR, das ist ein Jahrzehnt hardcore brutal made in germany! Mir persönlich ist das Album zu heftig, zu derbe. Einige Tracks drivten mir zu sehr in Richtung Metal ab. Aber die Freunde wahnwitziger Shouts, mörderischer Drives und brachialer Riffs werden mit dieser CD voll auf ihre Kosten kommen. Da bin ich mir sicher.
 

ENDSTUFE / LAST RIOT “Wir sind keine Engel” / Splitt-CD / 12 Tracks
by Dim Records, Postfach 11, D-96237 Ebersdorf

G. Gruse: Nööö, Engel sind die Jungs von ENDSTUFE sicherlich nicht, sie haben nämlich keine Flügel, dafür sind sie aber smarte old-school-skins, die auf ihre “alten Tage” immer noch ihren musikalischen way of life ausleben! Was sie mit den sechs neuen Songs auf dieser Splitt-CD mal wieder in aller Deutlichkeit und mit altbekannter musikalischer Klasse und Qualität bewiesen haben. Der fantastische ENDSTUFE-Sound (oft kopiert aber nie erreicht), fetzt heute noch genau so rasant und rockig daher wie damals in den Achtziger Jahren. Und wenn dabei noch so flotte chorusbetonte Skinhead-Songs wie “Ohne Kompromisse”, “Engel” (Siehe oben), “Skinhead pur” oder die geniale englischsprachige Skinheadhymne “The streets are ours” rauskommen, dann ist man als alter ENDSTUFE-Fan nur noch restlos begeistert. Das ist ENDSTUFE, so wie ich diese Band kenne und liebe.

Neben einer Kultband wie ENDSTUFE kann es eine Band wie LAST RIOT nur schwer haben. Das ist das teuflische an so einer Splitt-CD. Meist bleibt dabei eine der beiden Bands auf der Strecke, obwohl sie es gar nicht verdient hätte. Aber neben ENDSTUFE konnten die Bootboys von LAST RIOT nur verlieren. Trotz so geiler Songs wie “Die Toleranz” oder “Clockwork Skinhead”. Schade!

“Punk in der DDR - too much future” - Das Buch zur Ausstellung / deutsch/englisch / Herausg. von M. Boelke u. Henryk Gericke / Erweiterte Neuauflage vom Juli 2007 / 224 Seiten 16,80 Euro + 2,50 Euro für Porto und Verpackung
Contact: SUBstitute, Göhrenerstr. 01, 10437 Berlin, GERMANY

G. Gruse: Dieses umfangreiche Buch zur gleichnamigen Dresdner Ausstellung bietet interessante und wenig bekannte Einblicke in eine Jugendszene, die lange von Mauer und Stasi unter “Verschluss” gehalten worden ist. Persönliche Biografien, Dokumente und viele unbekannte Fotos von DDR-Punks und Bands zeichnen das Bild einer Szene, die damals für uns “Westpunks” ein “weisser Fleck” auf der Landkarte DDR war. Wärend gegenüber dem “kapitalistischen Ausland” lange so getan wurde, als könne es im “real existierenden Sozialismus” das Phänomen “Punk” gar nicht geben (“der krankhaften Fantasie westlicher Journalisten entsprungen”), wurden viele DDR-Punks von Polizei und Stasi als “Asoziale” oder “feindlich negative Elemente” verfolgt, kriminalisiert, und eingeknastet. Eine aus dem “Westen importierte” Jugendkultur, deren bunte Haare und Nieten an der zerfetzen Kunstlederjacke im krassen Gegensatz zum staatlich verordneten Blauhemd der FDJ standen, passte nicht in das spiessig engstirnige Weltbild der Honneker-Kommunisten. Trotz dieser Widerstände gelang es vielen DDR-Punks sich ihre eigenen Freiräume zu schaffen. Sie gründeten Bands und veranstalteten Konzerte, obwohl sie ständig in Gefahr liefen, wegen “illegaler Zusammenrottung” oder “antisozialistischer Propaganda” verhaftet zu werden. Punk in der DDR, das war für viele der DDR-Punks nicht nur ein persönlicher way of life, sondern auch Protest und Rebellion gegen die bis in alle Lebensbereiche vordringende Bevormundung durch Staat und Partei. Mit ihrem Outfit und ihrer Musik haben sie diesen Protest auf die Strassen der DDR getragen. Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, ob es nicht die DDR-Punks waren, die mit ihrem Widerstand gegen das kommunistische Zwangssystem den ersten Stein aus der Mauer gebrochen haben.
 

UNION JACK - Skinhead Fanzine # 5 / A5-Format / 60 Seiten / 1,50 EU
Contact: Union Jack Skinzine, Postfach 2159, 29403 Salzwedel, GERMANY

G. Gruse: Wenn man ein Printzine wie das UNION JACK in Händen hält, dann wird einem sehr schnell klar, dass die Webzines das klassische Printzine niemals ersetzen können. Ich sitz’ doch lieber im gemütlichen Sessel und blätter mich durch die 60 Seiten des UNION JACK, als stundenlang auf meinen Bildschirm zu starren. Ausserdem haben diese Fanzines einen Vorteil, man kann sie auch in der Badewanne oder auf dem Topf lesen, aber versucht das mal mit dem Computer oder Laptop! Kurz und knapp: Für das UNION JACK lohnt es sich, mal ‘ne Stunde abzuschalten, und sich nur dem Inhalt des Heftes zu widmen. Schliesslich bietet es den Lesern ‘ne ganze Menge an intelligenter Unterhaltung und Information! Ob es nun das Interview mit der englischen Skinhead-Band GLORY BOYS ist, oder mit UNANTASTBAR, einer OI-Band aus Südtrol, man wird umfassend informiert, und nicht totgequatscht. Guter Schreibstil, übersichtliches, aber nicht langweiliges Layout, gekrönt von vielen Grafiken und saugeilen Fotos. Besonders empfehlenswert: “Big Brother is watching you”. Interessante Gedanken zum Überwachungs- und Schnüffelstaat. Man wünscht sich, dass dieses Thema öfters mal in Fanzines auftaucht. Ausserdem im Heft: Ausführliche Platten/CD-Besprechungen; Konzertbericht über GERBENOK und NORDWAND in Berlin (14.04.); HART ABER GERECHT, OI! Punk aus Franken; “Back to the boots-Fest in Bad Frankenhausen; CRUCIAL CHANGE, OI!-Band aus Seattle - und vieles mehr.

DER ZWERGPIRAT # 9 / Fanzine / 80 Seiten / A5-Format / 2,00 EU
Contact:
C. Hantel, Augsburger Str. 18, 85290 Geisenfeld, GERMANY

G. Gruse: Sehr umfangreiches Fanzine aus der Welt des OI!, Streetrock und Hardcore - und anderer interessanter Themen. Einer der Highlights im Heft ist der Reisebericht London is calling”. Keine Frage, wenn drei smarte Glatzköpfe aus good old germany die britische Hauptstadt London besuchen, dann gibt es hinterher ‘ne ganze Menge zu erzählen. Ein weiteres Highlight im ZWERGPIRAT ist ein BRAVO-Artikel aus dem Jahre 1977. Ich fasse es nicht, SKREWDRIVER und der gute alte Ian Stuart als Punks in der BRAVO: “Sie nennen sich SCREWDRIVER (Schraubenzieher). Und wer diese irre neue Punk-Band aus England in Aktion sieht, fragt sich: Schraube locker?” Herrlich! Und natürlich bietet der ZWERGPIRAT seinen Lesern eine Piratenstory, ob das in jeder Ausgabe der Fall ist, kann ich nicht beurteilen, da dies der erste ZWERGPIRAT ist, der in meinem Briefkasten vor Anker ging. Die Story berichtet aus dem Leben des englischen Seeräubers Henry “Long Ben” Avery, der im 16. Jahrhundert die Weltmeere unsicher machte. Wem das alles schon zu lange her ist, der findet Trost in einem furiosen Bericht über eine mehrtägige Reise zum dreitägigen “Wasted Festival 2006” in Blackpool/GB. Sechs Leute aus der ostdeutschen “Provinz” (hoffendlich kommt jetzt keiner der sechs Herrschaften aus ‘ner Grossstadt) erleben “30 years of punkrock”- und das live. Ausserdem bietet der ZWERGPIRAT jede Menge Reviews und Konzertberichte aus dem Bereich OI!, Streetrock und Hardcore. Dazu kommen Interviews mit ONE FILE, einer kompromisslosen OI!-Truppe aus Schottland, HARTBREAK KID, einer Hardcore-Band aus München, oder ROADKILL 13, einer Hardcoremetal-Band aus Regensburg. Nicht zu vergessen das Interview mit der grossartigen schwedischen Vikingrockband NJORD. Und dann gibt es noch einen bissigen Kommentar über “Hooli-Girls und Dinge, die die Welt nicht braucht”. Heissa! Die Welt braucht viel mehr solcher Kommentare. Das fetzt! Nicht unerwähnt bleiben sollte noch das erstklassige Layout, und die vielen Fotos und Grafiken im Heft. Was wäre sonst noch zu sagen? Nicht viel, man sollte es besser selber lesen. Es lohnt sich.

LAMMKOTZE “Hasst uns!!!” LP/CD (Digipack) / 12 Tracks
by www.randale-records.de

Drei smarte bayrische Kahlköpfe, umringt von sex barbusigen Groupies. So cool präsentiert sich die Skinhead-Band LAMMKOTZE auf dem edlen Cover ihrer Debüt-CD/LP “Hasst uns!!!”. Congratulation für dieses feine Oi-Album! Es hat das, was viele Oi-Alben nicht mehr haben - musikalische Klasse, Tempo und Stil! Und Texte, die nicht das Elend dieser Welt bejammern, sondern vom eigenen Alltag und Erleben als Skinhead berichten. Ehrlich und schnörkellos. Und auch die Soundqualität dieses Albums lässt keine Wünsche offen. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass uns die Jungs von LAMMKOTZE in dem 12seitigen Booklett ihres Albums die nackten Ärsche zeigen. Ob das wohl eine versteckte Aufforderung an alle LAMMKOTZE-Kritiker sein soll? Fazit: Ein Debüt-Album, das nach mehr verlangt!
(
Tracklist: 1. Hasst uns!!! / 2. Vergiss nie / 3. Familyman / 4. Nenn uns wie du willst / 5. Renee / 6. Footballtime / 7. Sirenen in der Nacht. / 8. Falscher Freund / 9. We are the Best / 10. Ich bleib was ich bin / 11.Schöne Zeit / 12. Fight for your life)

THE VENDETTA “Ultimatic” CD/LP / 19 Tracks
8-seitiges Digipack mit Glanzlackdruck.
by
Street Justice Records
P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

G. Gruse: Also das aktuelle Album der vier Italiener aus Piacenza bei Mailand, ehemals BLOODLINE, fräst dir zwar die Gehirnrinde unter der Schädeldecke weg, hat aber das Prädikat „Europe’s new sensation in street music!" längst nicht verdient. Die 19 Tracks auf diesem Album bieten zwar eine hochexplosive Mischung aus Punkrock, Crossover, Speedmetal, Hardcore und Trashmetal, und zeigen die Vielseitigkeit dieser Band, aber nichts was dieses Album in den Rang einer “Sensation” heben würde. Ausserdem verliert der Sound der Italiener durch die höhenbelastete Abmischung dieses Albums derbe an Dynamic. Geniales Cover-Design!

NEW YORK HARDCORE “Where the wild things are” /
(HARDCORE CLASSIC’S VINYL-Serie # 8)
Picture-LP / 9 Bands / 18 Tracks / Limitiert 500 /
by
Street Justice Records
P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

G. Gruse: Der legendäre Hardcore-Klassiker "Where the wild things are" ist im Jahre 1989 rausgekommen. Eine zweite Auflage hat es nie gegeben. Unter Sammlern war dieses Album seither eine gesuchte Rarität. Eine Neuauflage dieser HC-Compilation war also längst überfällig. Und das hat mal wieder das Dortmunder Hardcore-Label STREET JUSTICE RECORDS übernommen. Mit einer limitierten Picture-LP. OUTBURST, RAW DEAL, LIFE’S BLOOD, SHEER TERROR, BREAKDOWN, MAXIMUM PENALTY, UPPERCUT, N.B.S.H. und GORILLA BISCUITS knallen euch 18 Tracks um die Ohren, die es in sich haben. Schnell, brutal hart und authentisch! “Where the wild things are” bietet allen Hardcore-Puristen den rauhen und unverfälschte New York Hardcore-Sound der Achtziger Jahre.
 

SLACK & CHECKED “unter olle felgen” / CD / 7 Tracks
slackandchecked@yahoo.de

G. Gruse: Eine Ska-Combo aus Südtitol? Kann das gut gehen? Aber ja doch, das kann es! Die sieben Südtiroler präsentieren ihren klassischen, aber nie verstaubt wirkenden Jamaika-Ska so gekonnt und überzeugend, dass dieses Album sogar den legendären “King of Ska”, Desmond Dekker, begeistert hätte, wenn er nicht 2006 (im Alter von 64 Jahren) gestorben wäre. Aber wir leben noch, und sagen bei so smarten Songs wie “Streetcorner jam” (ultrageiles Gebläse) oder “Goodbye racist”: Let’s dance! Und das sollte uns bei den sieben Tracks dieses Ska-Albums nicht unbedingt schwerfallen.
 

VOICE OF THE STREETS #8 / A5 Heft-Format / 60 Seiten
by vots@gmx.at / homepage: www.vots.tk

G. Gruse: Also in dieser Ausgabe schlägt uns Kollege Massimo mit Interviews förmlich tot. Am Anfang des Heftes steht ein Interview mit ULTIMATUM, einer Streetpunkband (2 Punks, 3 Skins) aus Kolumbien. Aus einem lateinamerikanischen Land, das ehr von Bürgerkrieg und Drogenkartelle als von Skinheads von sich reden macht. Aber davon scheint es in Kolumbien ja eine ganze Menge zu geben. Von ultralinks über unpolitisch bis ultrarechts. Die ganze Palette! Danach ein Interview mit TOWER BLOCKS aus Berlin-Hellersdorf. Und ein Interview mit LOUSY aus Chemnitz. Dann folgt ein Interview mit einer HC Band, die sich beim Erscheinen des Heftes schon wieder aufgelöst hatte, mit NOBLE CAUSE. Ein weiteres Interview mit einer Band aus Singapur, THE RUCTION. Ein Interview mit den WHISKEY REBELS. Ein Interview mit einem Kampfsportler. Ein Interview mit der ehemaligen Amiband SKOIDATS. Zwischen all den Interviews gibt es wie zur Erholung einen kleinen “Do it your self”-Kurs. Nein, nicht von der Art: “Wie bau’ ich mir einen elektrischen Stuhl”, sondern wie man einen Sampler zusammenstellt. Ausserdem 16 Seiten mit Fanzine-, Platten- und CD-Reviws. Ein paar Konzertberichte, und “Dance Hard Or Die”, eine starke Kolumne, zu der Massimo wohl das letzte HC-Konzert inspiriert haben mag.

VORTEX “Und was wollt ihr?/ CD / 12 Tracks / März 2007
by www.randale-records.de

G. Gruse: Wir sind zurück”, heisst einer der Songs auf dem neuen Album von VORTEX. Als ob nach dieser fantastischen CD irgend jemand daran zweifeln könnte! VORTEX haben sich mit einem Album zurückgemeldet, das keine Fragen offen lässt. Das ist Musik vom allerfeinsten! Und dazu Texte, die nicht nur damals, sondern auch heute noch aktuell sind. Die vier Recken aus der Rattenfängerstadt Hameln präsentieren traditionellen deutschen Skinhead-Rock, den man, ohne lange nachzufragen, einfach nur geniessen sollte! Wie alten Wein! Womit ich nicht sagen möchte, das VORTEX zum “alten Eisen” gehören. Ganz im Gegenteil! Von der musikalischen Power, mit der VORTEX auf ihrem neuen Album daherkommen, kann so manch eine der “jüngeren” Bands nur träumen. Das ist einfach nur noch geil! Unbedingt kaufen !!!

MOLOKO PLUS (# 30)
info@moloko-plus.de

G. Gruse: Was mir an dieser Ausgabe besonders ins Auge fällt, ist nicht das orginelle Cover, gute Idee, sondern die Altherren-Langeweile, die hier verbreitet wird. Daran können auch BONECRUSHER, THE BRIGGS, GENERATORZ, THE SEXMACHINES, RED UNION, STOCKYARD STOICS oder LOS FASTIDIOS nichts ändern; zumal ich den gleichen Kram auch im PLASTIC BOMB oder im OX finden kann. Sagen wir es mal so, das MOLOKO tröpfelt ziemlich unspektakulär vor sich hin. Trotz aufgewärmter B-Storys wie über die Alkoholprobleme des finnischen Skispringer Matti Nykänen oder den weltweiten Hype, den 1966 die Nordkoreanische Fussball-Nationalmannschaft bei den Fans ausgelöst hatte. Im Gegenteil. Das passt in das Gesamtbild. Alles schon mal gelesen, im SPIEGEL, in der ZEIT, nur alles viel besser, fundierter, und vor allen Dingen kompetenter. Und welch einen moralischen “Nährwert” die von Zeit zu Zeit immer wieder aufgewärmte Story über über den menschlichen Irrweg des ehemaligen HSV-Spielers Otto Fritz Harder (“Vom Fussballheld zum Nazischergen”) beinhalten soll, entzieht sich meinem Wissen. Ausser, dass man für diese Art von schlicht, und schlecht) gestrickter “Vergangenheitsbewältigung” immer Beifall bekommt. Sogar von der ANTIFA! Fazit: Vielleicht sollten einige der MOLOKO-Schreiber doch lieber die gute alte Volksweisheit beherzigen: “Schuster bleib bei deinen Leisten”, und sich auf ihre wahre Stärken und Qualitäten besinnen. Dann wird's auch wieder was mit dem MOLOKO!
 

DER BEWÄHRUNGSHELFER #11
Februar 2007 / 120 Seiten / A5-Heftformat

G. Gruse: Vor einigen Wochen landete mal wieder der BEWÄRUNGSHELFER in meinem Briefkasten. Trotz der fetten Doppel-Ausgabe (je 60 Seiten) war es eine glatte Punktlandung - wie immer! Am Anfang eines Fanzines steht ja meist ein Vorwort, in dem sich der Herausgeber so seine Gedanken über dieses und jenes in der Welt macht. Das können tiefschürfende Gedanken über das soziale Verhalten mitteleuropäischer Blattläuse sein, oder Gedanken über Vielweiberei und Prostitution bei den Kaiserpinguinen. In der Auswahl der Themen, und dem Umfang der Gedanken, sind dem Herausgeber also keine Grenzen gesetzt. In meinen besten Zeiten habe ich es mal auf ein Vorwort von siebzehn Seiten gebracht. Das war 1983, und damals einsamer Rekord! Der BEWÄHRUNGSHELFER bringt es “nur” auf neun Seiten, aber die haben es in sich. Boneheads in der Politik, in der Justiz, in den Medien, oder in den eigenen Reihen, hier wird niemand ausgespart. Wütend, nachdenklich, zynisch - und abgeklärt! Da seit dem Erscheinen der Nr. 10 eine halbe Ewigkeit vergangen ist, sind die Konzertberichte nicht unbedingt aktuell zu nennen. Wie der Bericht von “Pom Fritz” über den ENDSTUFE-Gig im “De Kastelein” in Brügge (Belgien) am zweiten Mai 2005. Schon etwas lange her, aber saugut zu lesen. Wie auch der Bericht von einem Festval im belgischen Flandern (Juni 2005) mit Bands wie ENGLISH ROSE, PROPAGANDA, LES VILAINS oder TOLLSCHOCK. Der Bericht “Das besetzte Haus” spielt im Jahre 1987, und reisst mich nicht unbedingt vom Hocker. Ist zwar spannend geschrieben, aber...! Zur klammheimlichen Freude von irgendwelchen geldgeilen Spekulanten besetzte Häuser zu stürmen, wäre mir reichlich merkwürdig vorgekommen. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich meine erste Sozialisierung durch die Polizeiknüppel der Staatsgewalt im “Häuserkampf” der frühen Achtziger Jahre erfahren habe. Als Hausbesetzer! Und öfters erleben durfte, wie des Nachts eine Horde besoffener Prolls mit ihren Basis an die Tür klopften und Einlass begehrten. Aber, na ja, es war dann immer recht lustig anzuschauen, wenn den ungebetenen Besuchern plötzlich Dutzende von eingegipster Kanonenschläge um die Ohren flogen. Besonders orginell ist das “Interview mit Ich”! Auf diese Idee bin ich noch nicht gekommen, dass man sich selber interviewt, um Fragen zu beantworten, die einem sonst niemand stellen würde. Sei es aus Rücksicht auf den hohen Blutdruck des Interviewten, oder weil dem Interviewer diese Fragen in der Regel immer erst nach dem Interview einfallen. Gute Idee, erstklassig realisiert! Und noch ein Interview, und zwar mit der schwedischen Band FRONTSOLDAT. Irgendwie passt das zusammen, anschliessend begleiten wir nämlich einen germanische Recken nach Russland. Nee, es geht nicht um den “Russlandfeldzug” (“Von Finnland bis zum Schwarzen Meer...”), sondern um eine TV-Show, in der sich verschiedene Teams von Moskau nach Peking durchschlagen mussten. Verdammt heisse Kiste, dieser “Peking-Exzess und die Ente des Grauens”. Spannend und brilliant ge- und beschrieben. Für mich das absolute Highlight dieser Ausgabe. Ich bin schon auf den zweiten Teil gespannt! Passend zu diesem Thema folgt ein ausführliches Interview mit der russischen Band KOLOVRAT. Sehr viele Platten- und CD-Reviews. Noch mehr Bandstorys und Konzertberichte. Was fehlt noch? Ach ja, der BEWÄHRUNGSHELFER begann mit ENDSTUFE in Brügge, und endet - womit? Ihr werdet es nicht glauben, mit ENDSTUFE, aber diesmal in Bremen (5. August 2006). Fazit: Für die Froinde der gepflegten Skinhead-Lektüre ist der BEWÄHRUNGSHELFER einfach unverzichtbar!
 

CRUMBSUCKERS “Life of dreams” / CD / Incl. Miniposter, Foto-Gallery, Wallpaper...
by Street Justice Records
P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

G. Gruse: Rausgekommen ist dieses CRUMBSUCKERS-Album erstmals 1986 auf Vinyl, hat also schon mehr als zwanzig Jahre auf dem altersgebeugten Buckel. Aber lasst Euch nicht täuschen! Euch erwarten crossovermässiger Hardcore made in USA. Wenn es so etwas wie eine Hardcore-Hölle gibt, das Album “Life of dreams” bietet sie in Perfektion. Hier flattern die Ohren, scheppern die Gehörgänge, wummert das Trommelfell, vibriert der Iro und schlägt die Glatze Wellen. Wouw! I want back in the heavy hardcore-hell!