Unterstützt kleine Labels, Vertriebe und Internet-Shops.
Hier werden keine Ton- oder Druckerzeugnisse besprochen, die Rassismus, Aufrufe zur (rechten oder linken) Gewalt oder Volksverhetzung beinhalten.
Ich habe keinen Bock mehr, Platten, CD’s oder Fanzines mit Sternchen zu benoten. Ich komme mir dabei vor, als würde ich Zensuren verteilen. Und vor allem ist das den Bands und Fanzine-Machern gegenüber ziemlich unfair. Ich denke, jeder der sich zu solchen Bewertungen hinreissen lässt, sollte erst mal selber ne Platte oder ein Fanzine auf die Beine stellen, um zu wissen, wie viel Arbeit und Herzblut in solchen Projekten steckt.
RAMPAGE “On attack” / CD / 11 Tracks / 2010 / 12seitiges Booklet mit allen Song-Texten und Fotos
Als ich vor einigen Tagen diese CD zugeschickt bekam, und beim Auspacken (und flüchtigen Draufblicken) den Bandnamen RAMPAGE las, musste ich im ersten Moment an den schwarzen US-Rapper Roger McNair denken. Oh, Gott, dachte ich, das wird doch wohl keine Rap-Musik sein? Das war es natürlich nicht, sondern das Debüt-Album einer deutschen Skinhead-Band aus dem Osten unserer Republik. Und das kommt musikalisch ziemlich flott und smart daher. Die fünf kurzhaarigen Jungs von RAMPAGE bieten auf ihrem eindrucksvollen Album traditionellen deutschen Skinhead-Oi!, dessen freche und provozierende Texte - wie “Antifa” oder “Stolz” - mich an eine Zeit erinnern, als sich viele Bands noch nicht an der Political correctness orientiert haben, sondern an der Realität des Lebens - und die ist nicht immer politisch korrekt! Sondern manchmal ganz schön hart. Fazit: Mutig, aufrichtig, und dazu noch geile Musik, das passt!
W. R. Mühlmann “Letzte Ausfahrt: Germania - Ein Phänomen namens Neue Deutsche Härte” / 288 S. I.P. Verlag Jeske/Mader GbR, Alt-Lankwitz 72, 12247 Berlin
Harte, deutschsprachige Rockmusik ist seit Mitte der Neunziger Jahre national und international voll angesagt. Was nicht zuletzt die ehemaligen BÖSE ONKELZ und RAMSTEIN mit ihren gigantischen Verkaufszahlen bewiesen haben. Seit Mitte der Neunziger Jahren sind sie und Bands wie IN EXTREMO, WEISSGLUT, RICHTHOFEN, OOMPH oder TOTENMOND aus der internationalen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Für dieses Phänomen hat sich in der Musikpresse der Begriff „Neue Deutsche Härte“ (NDH) durchgesetzt. Der „Schrecken aller SPD wählenden Deutschlehrer“, wie Werner Symanek von VAWS mal sarkastisch anmerkte. Um diese Musikszene geht es in dem Buch des Musikjournalisten W. R. Mühlmann. NDH ist nicht nur harte Musik, sondern auch politische und gesellschaftliche Provokation, der immer wieder totalitäre Ästhetik, Gewaltverherrlichung (RAMSTEIN) oder - wie bei den ONKELZ - faschistoider Männlichkeitswahn und primitiver Sexismus unterstellt wird. Dabei ist RAMSTEIN zur Zeit Deutschlands wichtigster Exportschlager in Sachen Rockmusik in den USA und Japan. Ist doch klar, dass der phänomenale Erfolg dieser Bands missgünstige Neider auf den Plan gerufen hat (wie immer in der Tarnung von politisch korrekten “Bedenkenträger”), die diesen Bands ideologische Nähe zum Rechtsradikalismus nachgesagt, oder gleich die berüchtigte Nazikeule rausgeholt haben. In vorderster Front - es hätte mich auch gewundert, wenn es anders gewesen wäre - der Laienprediger Campino von den TOTE HOSEN, den Oliver Hüttmann vom „Rolling Stone Magazin“ mal als “peinlichen Salonbolschewisten“ beschrieben hat. Besonders interessant in “Letzte Ausfahrt: Germania” ist daher das sechste Kapitel(“Schlägertypen, Talkshow-Punks und liebe Jungs”), in dem der Autor ausführlich auf den verbalen und politisch vergifteten Schlagabtausch eingeht, den sich die ONKELZ und TOTEN HOSEN über Jahre hinweg in der Öffentlichkeit geliefert haben (Zitat des Buchautors: “Sobald dem Hosensänger ein Mikrophon vor die Nase gehalten wird, hebt der Musiker zu Beleidigungsarien gegen die ONKELZ, mittlerweile auch gegen RAMSTEIN an”). Empfehlenswert für Leute, die alternative Rockmusik made in Germany (nicht zu verwechseln mit dem mainstreamtauglichen Schrott der SCORPIONS) nicht nur hören, sondern sich auch für seinen gesellschaftpolitischen Background interessieren. Und das kann manchmal ganz schön amüsant und kurzweilig sein, wie die mit vielen Fotos und Songtexten (u.a. von den ONKELZ) aufgelockerten 288 Seiten dieses Buches beweisen.
ENHÄRJARNA „The Resurrection“/ 10 Tracks / 2010 / 500 Exemplare (Je 150 in gelben und schwarzen, und je 100 in weissen und blauen Vinyl)
Rasantes Debütalbum von ENHÄRJARNA aus den hohen Norden Oiropas. Das Album beginnt mit „Ride of the Valkyries“, einem instrumentalen Wallkürenritt (wohl in eine Kneipe nach “Valhalla” - in der nordischen Mythologie die angesagte Location für durstige Wikingerheros wie Wotan und Thor), um dann fast übergangslos mit „Tillsammans vi sta“ den wilden schwedischen Vikingpunk rauszulassen. Gefolgt von „Handen pa hjärtet“, ein Song, dessen einprägsamer Refrain so richtig zum Mitgröhlen animiert (wenn man denn die schwedische Sprache beherrscht), und der auch den letzten Skeptiker hierzulande von den musikalischen Qualitäten dieser Band überzeugen sollte. Zumal einige Lieder auf englisch gesungen werden, wie ”Heedet for the call“, ein Song, der vocal- und soundmässig absolut geil rüberkommt. Fantastisch auch „Stolt svensk“! Auch hier dominieren wieder starke Stimmen, die exellent miteinander harmonieren, dazu ein energischer hymnenartiger Sound, der das alles passend macht. Mein absoluter Lieblingssong aber ist das versoffene „En riktig jävla surparvisa“. In diesem Song lassen es die stolzen Wikinger mal so richtig krachen. Nicht wie in uralten Zeiten mit Honigmet aus hölzernen Trinkhörnern, sondern, man kann es kaum überhören, mit Bier aus EU-genormten Bierflaschen. Melodischer und schneller Vikingpunk, der hier und da einige musikalische Elemente traditioneller schwedischer Volksmusik durchschimmern lässt. Fazit: Ein starkes Album!
Obwohl das Album „Aterkomsten“ einen Tick ruhiger und noch melodischer als„The Resurrection“ daherkommt, was wohl daran liegt, dass bei zwei Songs Janne Thörnblom von ULTIMA THULE mitmischt (“Bla-gul kärlek” und “Tyr”), hauen die schwedischen Vikingpunker von ENHÄRJARNA auch auf ihrem zweiten Album einen so geilen Sound aus den Boxen, dass du nicht ruhig sitzen bleiben kannst, irgendwann beginnst du ganz automatisch mit den Füssen zu wippen. Yeaah! Das sind dann die Momente, wo ich mich frage, warum es solche fantastischen Bands nicht auch bei uns in Deutschland gibt. Aber bis auf wenige Ausnahmen ist man hierzulande wohl mehr damit beschäftigt, sich gegenseitig ab- und auszugrenzen, statt geile Musik zu machen. So geile Musik wie in dem Song “Kust till kust”! Herrlich, wenn hier statt des erwarteten Refrains plötzlich eine Fiedel losfiedelt. Oder die musikalische Referenz an Irland in Form eines flott gezupften Banjos und einer Flöte in dem Song “Enhärjarna goes to Ireland”. Fazit: ENHÄRJARNA aus Schweden sind für so manch eine musikalische Überraschung gut, und keine Sekunde langweilig!
COMBAT 84 „Orders of the Day“ / 14 Tracks / Green Vinyl-LP / Limitiert
Wenn ich richtig informiert bin, handelt es sich bei dieser grünen Scheibe von COMBAT 84 um eine auf hundert Exemplare limitierte Neuauflage der „Orders of the Day“-LP von 2006. Klar, dass das Cover dieses Albums bei mir Erinnerungen an ihre gleichnamige Debüt-EP von 1982 weckt. Und nicht nur Erinnerungen, denn auf diesem Album finden wir nicht nur die vier Originalsongs dieser legendären EP, die unter uns alten Glatzen fast schon Kultstatus hat, sondern auch die Songs der „Rapist“-EP. Über die Musik von COMBAT 84 brauch ich hier wohl nichts zu erzählen, sie spielen halt den ungeschliffen, aber mitreissenden britischen Skinhead-Sound der frühen Achtziger Jahre, der auf Konzerten zu so manch einer gebrochenen Nase im tobenden Publikum geführt hatte. Also rauh und derb! Wie auch ihre Texte, in denen es um Patriotismus, gegen die Kommunisten, und ihrem Way of life als Skinhead geht, und die es daher an Klarheit und Kompromisslosigkeit nicht fehlen lassen. Fazit: Eine Kultband aus den Achtzigern, die auch die heutige Skinhead-Szene noch immer begeistert.
Neuauflage der seit Jahren vergriffenen “Live 88”-LP der Dresdner Punkband KALTFRONT aus dem Jahre 1990. Vor einiger Zeit habe ich mal geschrieben, dass die Jungs von KALTFRONT „kein Hardcore-Gemetzel nach dem Motto schneller und lauter“ veranstalten, sondern das sie lockeren Punkrock spielen, der für meine hardcore- und streetrockverseuchten Gehörgänge manchmal etwas zu wavig klingt. Damit könnte ich es jetzt belassen, aber damit würde ich dieser Punkband aus Honnekers untergegangenem Arbeiter- und Bauern-Staat nicht gerecht werden. Erinnern mich doch einige ihrer Songs (z. B. „Mädchen“ und „Winter“) ein wenig an die Bandszene des legendären Düsseldorfer „Ratinger Hof“ um Peter Hein und Jürgen Engler Ende der siebziger Jahre. Nicht nur musikalisch, sondern auch bei Texten wie “Niemandsland” oder “Ich will alles”, die - wie bei den Texten von Hein und Engler - mehr vom Erleben des realen Alltags als vom westdeutschen Prollpunk a'la SLIME beeinflusst waren. Die ersten vierzehn Songs der Live-CD stammen von einem Konzert, das am 9. Dezember 1988 in “Onkel Toms Hütte” in Cottbus stattgefunden hat. Ein Konzert, dass mit dem geil gecoverten SEX PISTOL-Song “Pretty Vacant” endet. Anschliessend gibt es als Bonus noch vier Live-Songs von einem Konzert am 10. Juni 1988 in Görlitz. Besonders schrill ist die Ansage des Görlitzer Veranstalters, der KALTFRONT als “Jugendtanzkapelle aus Dresden” ankündigte. Tja, beim Honni in der Zone herrschte noch sozialistische Zucht und Ordnung, da durfte es keine dekadent-asozialen Punkbands wie im kapitalistischen Westen geben, sondern nur “Jugendtanzkapellen mit staatlicher Spielerlaubnis”. Wobei der Song “Niemandsland” durchaus zu Konflikten mit der kommunistischen Staatsmacht führen konnte, denn eine Textzeile wie “Alles ist wunderbar...alles ist toll, na klar, na klar. Alles ist in Ordnung, alles ist so schön. Doch die Zweifel will keiner versteh’n”, konnte von den grossen und immer allgegenwärtigen, aber hirnlosen Ohren der STASI durchaus als versteckte Kritik am sozialistischen System verstanden werden. Fazit: Wer den “real existierenden” Punkrock der ehemaligen DDR kennenlernen möchte, darf sich diese Live-CD nicht entgehen lassen.
GLORY BOYS “Skinhead Resistance” / CD / 11 Tracks / Mai 2010
Also ich kann nicht glauben, dass die auch in unseren Gefilden nicht ganz so unbekannten GLORY BOYS in Valencia im spanischen Andalusien heimisch sind. Schliesslich ist das eine Gegend im Süden Europas, die ehr für ihren kehlig wimmernden Flamenco-Gesang bekannt ist, als für den straighten Skinhead-Sound, den die GLORY BOYS auf ihrem neuen englischsprachigen Album „Skinhead Resistance" präsentieren. Es ist ein Album, das durch hymnenartige wuchtige Melodien, harte und schnelle Rythmen und durch die kraftvolle Vocalpower des spanischen Trios besticht. Eigendlich sollte man jeden Song auf diesem Album als Ohrwurm bezeichnen, aber “Police State”, “Trendy Punks” und “My Land” sind für mich die absoluten Kracher. Die toppen alle anderen Songs! Fazit: Klassischer Streetsound, der keinen kahlrasierten motherfucker kalt lassen wird.
KRAWALLBRÜDER “Auf Uns” / Limitierte Sonder-Edition von STREET JUSTICE / 1000 Exemplare / April 20010 / 4 Picture-LP’s
Nach dem grossen Erfolg mit der hölzernen AGNOSTIC FRONT- und DICIPLINE-Box, die beide schon nach kurzer Zeit ausverkauft waren, und heute zu Horrorpreisen im Netz gehandelt werden, hat das Dortmunder Label STREET JUSTICE nun die deutschen KRAWALLBRÜDER in die kultige Holzkiste mit dem Schiebedeckel gepackt. Wer die KRAWALLBRÜDER von ihren bisherigen Alben kennt, dem brauch ich hier ja wohl nichts zu erzählen (Violence and brooken bones!), allen anderen sei gesagt, in dieser Box steckt eine fette Ladung oi!-orientierter Streetpunk a’la Germany in Form von vier schweren Picture-LP’s (Abbildung siehe unten), bestehend aus den KRAWALLBRÜDER-Alben “Das 11te Gebot”, “Die Fäuste hoch” und “In Dubio Reo”. Die vierte, die Überraschungs-LP, “Auf uns” präsentiert bisher unveröffentlichtes Songmaterial der KRAWALLBRÜDER. Das sind vier Scheiben, die schon auf Grund ihrer geilen Optik jeden Vinyl-Fan und -Sammler an den Rand des Wahnsinns treiben werden. Die Fans des rabiaten deutschen Oi!-Punk sowieso. Aber die Box beinhaltet nicht nur diese vier geilen LP’s, sondern auch noch ein Riesenposter, ne Bandfahne (95x65), ein Fotokarten-Set, und natürlich ein Zertifikat, das dem Käufer bestätigt, die Nr. soundso von 1000 Exemplare zu besitzen. Und natürlich ziert auch diesmal das Bandlogo als cooles Branding den Boxendeckel. Fazit: Ein optisches und musikalisches Spitzenprodukt aus dem Hause STREET JUSTICE.
THE LOOSE SKREWS “Sworn to fun” / Single / 4 Tracks / 2010 / Limitiert / Weisses Vinyl
Am Anfang stand das Vinyl, und wie wir inzwischen wissen, wird das gute alte Vinyl jede CD überleben. So auch diese auf 500 Exemplare limitierte Vinyl-Single von THE LOOSE SKREWS aus Marietta, Georgia (USA). Hierzulande bei den Fans der amerikanischen Streetpunk-Szene eine nicht ganz unbekannte Band. Wie gewohnt, schnell, derb und laut, so präsentiert sich THE LOOSE SKREWS (Heisst das übersetzt: “Die verlorenen Schrauben”?) auch in den vier geilen Songs (“Sworn to fun”, “Warm beer, cold soul”, “Another wasted day” und “We will be over”) dieser Vinyl-Veröffentlichung. Wer mal in die Single reinhören will, findet “Sworn to fun” auf der Bandseite bei MySpace. http://www.myspace.com/thelooseskrews
ULTIMA THULE “Yggdrasil”/ 14 Tracks / 2010
Also das gesprochene Intro des neuen ULTIMA THULE-Albums kommt ganz schön mystisch daher, obwohl ich kein Wort davon verstanden habe. Schwedisch ist schon ne merkwürdige Sprache! Genau wie der Name des Albums: “Yggdrasil”. Da ich in der nordischen Mythologie nicht so bewandert bin, musste ich mich erst mal bei Wikipedia schlau machen. Und dort habe ich gelernt, dass “Yggdrasil” der Name einer Esche ist, die als “Weltenbaum den gesamten Kosmos verkörpert”. Wie dem auch sei, die stolzen nordischen Recken von ULTIMA THULE zeigen sich auf ihrem neuen Album mal wieder von ihrer allerbesten Seite. Mächtige Melodien, der geile Gesang von Jan Thörnblom, da wundert es mich nicht, dass ULTIMA THULE schon Mitte der Neunziger Jahren in ihrer schwedischen Heimat mit drei goldenen und einer Platin-Schallplatte ausgezeichnet worden sind. Fazit: Ein Spitzenalbum aus dem Genre Viking-Rock, das voll überzeugt. Etwas anderes habe ich von ULTIMA THULE auch gar nicht erwartet.
BLOODSHEDRISE“Always this fear” / 11 Tracks / 2009
Ich kann gar nicht verstehen, wie ich diese CD von BLOODSHEDRISE so lange übersehen konnte. Erklärung: Das Chaos regiert auf meinem Schreibtisch! Spät, aber nie zu spät: “Always this fear” steht für fetten, brachialen Hardcore so wie ich ihn mag. Irgendwie glaubt man sich in die Frühzeiten des legendären New Yorker CBGB zurückversetzt, in die frühen Achtziger Jahre, als dort junge wilde Bands wie AGNOSTIC FRONT oder WARZONE die eingefahrenen Verhältnisse des Ami-Punk zum Tanzen brachten. In dieser musikalischen Tradition bewegt sich BLOODSHEDRISE aus der deutschen Hauptstadt Berlin. Im Jahr 1999 gegründet, 2002 aufgelöst, hat sich die Band 2009/2010 mit dem Album “Always this fear” und einem neuen Sänger eindrucksvoll zurückgemeldet. Fazit: Saugeiler, knüppelharter german-hardcore!
Absolut spitzenmässig, dieser amerikanische Skinhead-Sampler von NECK RECORDS. Dafür sorgen schon so geile Bands wie THE LOOSE SKREWS, BROKEN HEROS, THE BOOZERS, THE HATED, ROAD TO RUIN, SHITFIT, THE BARONS, THE KEEFS und DRUNKEN DRU BAND. Eine geballte Ladung angecorter Skinhead-Rock’n’Roll aus den USA, dessen mitreissender Sound und geile Vocals mich voll begeistern. Und textlich dreht sich fast alles um Beer und Party, wie z. B. bei “Bottom of my glass” von den BARONS oder “Drink some more” von den BOOZERS. Fazit: Geile Partymusik für harte Jungs!
CL1 & FIRST OFFENSE “This is Rustbelt Street Punk” / 2010 / 10 Tracks
Ich frag mich immer, woher nehmen die scheiss Amis die vielen geilen Bands? So geht es mir auch bei diesem Splitt-Album mit CL1 und FIRST OFFENSIVE. Hölle! Knallharter mit ner gehörigen Portion Hardcore angefixter, aber trotzdem melodischer Streetpunk, der vom ersten bis zum letzten Track keinen Durchhänger kennt. Im Gegenteil, die Songs der beiden Bands bewegen sich auf einem Level, das man nur als rasant bezeichnen kann. Obwohl mir CL1 einen Tick besser gefällt als FIRST OFFENSE. Da hat fast jeder Song das Zeug zu einem Ohrwurm. Besonders “Drinking Class Heros” oder “Stand Strong”. Fazit: Brutal geil!
STOLZ & STIL - #24 / Januar 2010 / 84 Seiten / DIN A5-Format mail: stolzstil@web.de
Also, Freunde, die vierundzwanzigste Ausgabe des STOLZ + STIL-Fanzine kommt optisch ganz stilvoll daher. Besonders das opulente Frontcover hat es mir angetan. Normalerweise habe ich ja immer am S&S-Cover rumgenörgelt, aber dieser Rücken ist wirklich cool! Glückwunsch an den Grafiker. Auch der Inhalt des Heftes lässt keine Wünsche offen. Aber nichts anderes habe ich vom S&S erwartet. Geboten werden lockere Unterhaltung, Musik- und Fanzine-Reviews, und mehr oder weniger interessante Informationen aus der weltweiten (Hoppla - jetzt hätte ich doch fast "Grauzone" geschrieben!) Skinhead-Szene, aufgelockert mit vielen erstklassigen Fotos und Grafiken. Das alles in einem rundum gelungenem Layout, und einem gepflegten Druckbild, das weder die Augen der Leser quält, noch sie zu Hieroglyphenforscher werden lässt. Irgendwie fällt es mir jetzt schwer den entsprechenden Übergang zum redaktionellen Teil dieser Ausgabe zu finden. Das liegt wohl daran, dass dieses Heft einen traurigen Background hat. Gleich zu Beginn finden wir ein fünfseitiges Interview mit Dieter, dem Sänger der belgischen Glatzenband KBK (“Kill Baby Kill”). Unter anderem sprach er da auch von seinen Zukunftsplänen. Zu diesen gehörte auch ein neues Album, das er gerade vorbereiten würde. Es sollte das letzte Interview mit ihm werden. Kurz vor dem Erscheinen dieser Ausgabe ist Dieter freiwillig aus dem Leben gegangen. Scheisse, er war ein ultrageiler Sänger! Aber Freunde, das Leben geht weiter - Never surrender, auch wenn die Scheisse bis zur Unterlippe steht! - und deshalb kommt in der aktuellen Ausgabe auch die Skinhead-Historie nicht zu kurz. Z. B. die Fortsetzung der stolzen STOLZ & STIL-Geschichte. Oder der Bericht über die “Isle of wight scooter rally 1986“, der 1986 im OI! THE BULLDOG-Fanzine aus Augsburg erschienen ist. Einer der Höhepunkte im Heft ist der optisch erstklassige Nachdruck einer vierseitigen bebilderten Reportage aus dem Westberliner Magazin “COVER”, die 1986 rausgekommen, und sich unter dem reisserischen Titel: “HASS - Kampf in allen Gassen" dem Thema Skinheads gewidmet hatte. Eigendlich war dieses Magazin ja ehr für seine mehr oder weniger (ehr weniger) geilen Nacktmodels bekannt, als für interessanten Journalismus. Aber so wie man mit viel Glück in einem Haufen Hundescheisse einen Goldring finden kann, so konnte man auch zwischen den fetten Titten und gespreizten Schenkeln des COVER-Magazin hin und wieder mal ein journalistisches Highlight finden. “HASS - Kampf in allen Gassen” von Wolfgang Wiesner war so ein geiles Teil. Da haben alle, Punks, Skins, Türken, ANTIFA oder die Medien, ihre Ladung Fett wegbekommen. Zynisch, schnoddrig, einfach geil geschrieben. Geil geschrieben sind auch die zahlreichen Konzertberichte im S&S. Ein weiteres Highlight dieser Ausgabe ist das Interview mit Rene, dem Ex-Sänger der ehemaligen Magdeburger Skinhead-Band ELBSTURM. Eine Band, die Anfang bis Mitte der neunziger Jahre ihr musikalisches Unwesen getrieben hat. Besonders für mich Wessi ist es immer wieder interessant zu lesen, wie unsere ostdeutschen Brüder (und Schwestern) hinter der Mauer einst zum Punk oder Skin gekommen sind. Der geeignete Zeitpunkt, um zu erwähnen, dass in dieser Ausgabe des STOLZ & STIL die “Rottenbois” immer noch nach Westberlin fahren. Im zweiten Teil ihrer Reise durch Honnekers untergegangene Welt. Um es auf den Point zu bringen - und endlich zum Schluss zu kommen: Mein Lieblingsfanzine aus dem Thüringer Sömmerda bietet mal wieder 84 Seiten gepflegte Unterhaltung, die ich nicht missen möchte - und ihr euch nicht entgehen lassen dürft.
ENDSTUFE “Live- Wo wir sind brennt die Luft” / 13 Tracks / 2010 / by PURE IMPACT-Rec.
Yeah, Freunde, bei diesem Live-Album von ENDSTUFE kommt Freude auf! Obwohl die Live-Aufnahmen (von verschiedenen Konzerten in Italien und Deutschland aus den Jahren 2007/2009) nicht so den Fun rüberbringen, den man normalerweise von einem ENDSTUFE-Gig gewohnt ist. Die Stimmung im Publikum kommt nämlich ziemlich dünn und flach aus den Boxen. Was aber nicht am Sound der Band lag, sie präsentiert den gewohnt flotten ENDSTUFE-Stil, der nicht nur meine, sondern inzwischen schon die zweite Skinhead-Generation zum Tanzen bringt, sondern am Versagen einer der Aufnahmespuren. Egal, als bekennender ENDSTUFE-Fan, und das seit nunmehr 25 Jahren, gehen mir solche Kleinigkeiten locker am Arsch vorbei. Zwölf Live-Songs der Bremer Glatzenband, die Spass machen und zum Mitgröhlen einladen, darunter so Klassiker wie “Eine Rose für dich”, “Trinken” und “Lass dich nicht unterkriegen”. Und natürlich tiefsinnige Party-Songs wie “Oberkörper frei”! Das ist bierfeuchte “Körperertüchtigung” a’la ENDSTUFE! Da tobt der Mob! Fast schon eine Hommage an den guten alten “Turnvater Jahn”! Und nicht zu vergessen, die ENDSTUFE-Version des alten EXPLOITED-Hits “Sex and Violence”! Eine CD, die trotz der aufnahmetechnische Schwächen auf meiner persönlichen Hit-Liste ganz oben steht.
BANDEIRA DE COMBATE & KILL BABY, KILL! “Rocking in Sao Paulo – Rolling in Brazil” / CD / 10 Tracks / 2009
Die einen sind ja der Meinung, dass KBK mal kürzer treten sollte, was die Anzahl ihrer Veröffentlichungen betrifft, und dann gibt es wieder andere, die nicht genug von dieser belgischen Band bekommen können. Letzteren wird dieses Album sicher gefallen. Und die anderen sollten erst mal reinhören, bevor sie wieder meckern - oder ins Klobecken springen und dann abziehen. Jedenfalls zeigt “Rocking in Sao Paulo – Rolling in Brazil” was dabei herauskommt, wenn der Sänger von KBK nach Sao Paulo (Brasilien) fliegt und gemeinsam mit der brasilianischen Band BANDEIRA DE COMBATE ein Album einspielt.Dann entsteht so ein geiler Skinhead-Song wie “Tenacity”. Oder “Battle Flags”, ein Song der alles hat, was zu einem echten Skinhead-Hit gehört: Power, eine wunderbare Melodie und eine grandiose Stimme. Mein absoluter Favorit auf diesem melodischen und kraftvollen Album ist jedoch der Song“Red Flags Burning”. Nicht nur wegen der fantastischen Stimme des KBK-Sängers! Und natürlich “Rocking in Sao Paulo – Rolling in Brazil” Da geht echt die Post ab. Wer bei diesem Song (Melodie von Motörhead), den ich mir dreimal hinter einander reingezogen habe, noch ruhig sitzenbleibt,der soll sich zur Strafe die Haare wachsen lassen und bis an sein Lebensende “Tokio Hotel” hören.
Ohne in Superlativen zu verfallen, aber nach dem taffen “American Made”-Album (siehe Review weiter unten), haben die coolen US-Boys von CRUCIAL CHANGE noch einen kräftigen Zahn zugelegt, und mit “33” ein Album präsentiert, dessen Skinhead-Sound alle Voraussetzungen eines Kult-Albums erfüllt. Das sagt mir schon ein Song wie “Pride in yourself”! Oder das schweinegeil gecoverte “Stolz” der ONKELZ. Bei Texten wie “Patriotic Price” mögen sich zwar hierzulande die Öhrchen politisch korrekter Korintenkacker rot färben, aber, Leute, so ist Amerika, pride and free! Besonders hervorzuheben, das geile Artwork dieser Veröffentlichung. Angefangen beim opulenten Booklet (16 Seiten) bis hin zur Gestaltung des CD-Design. Und nicht zu vergessen, als Bonus gibt es das komplette “American Made”-Album. Alles in allem, ein optischer und musikalischer Genuss, wenn ich das mal so frei sagen darf.
VIVA HATE “Hatefull an hollow” / 12 Tracks / 2009 / CD www.vivahate.net
Arrrgh! Macht das “hasserfüllte” Trio aus Burbank in Californien nun Psychobilly, Hardrock oder Punk? Man könnte sagen, von allem etwas, oder von allem nichts. Für mich ist das modern psychobilly, der ziemlich stark von amerikanischer Country-Music, 80iger Skate-Punk und Death-rock beeinflusst wurde. 12 manische bis düstere Songs, die mich trotz der coolen Instrumentalisierung und faszinierende Stimmen ziemlich verwirrt zurückgelassen haben. Vielleicht liegt es ja daran, dass diese Mucke nicht so ganz mein Ding ist!
BOOTPRINT: Eine atmosphärisch starkes Album des Glatzentrios aus dem kanadischen Montral! Nicht nur wegen des gelungenen Cover-Artwork! Was könnte ich jetzt noch über das neue (Vinyl-)Album “Notre Force” von BOOTPRINT schreiben, was ich nicht schon über ihre geile CD “A part of us” (siehe unten) geschrieben habe, ohne dass ich mich hier wiederholen würde? Ganz einfach: “Notre Force” ist eines der besten Skinhead-Alben, das ich 2009 auf meinem Plattenteller liegen hatte. Göttlich! Obwohl es sich bei drei der sechs Tracks “nur” um gecoverte Songs von SKREWDRIVER, EJECTED und den EVILSKINS handelt. Ich glaube aber, dass die taffe BOOTPRINT-Version des alten Kulthits “On the streets” sogar dem längst verblichenen Ian Stuart noch gehörigen Respekt abnötigen würde. Aber mein Anspieltipp ist die Skinhead-Hymne “Montreal Skins”. Wer da noch ruhig sitzenbleibt, dem ist nicht mehr zu helfen. Der sollte seine Docs in die Ecke werfen, und sich lieber Florian Silbereisen reinziehen. Fazit: Eine Platte, auf die kein “gestandener” Skinhead verzichten sollte! Buy or die!
THE PILLAGE “We bear arms” / 10 Tracks / 2009
Bekanntlich ziehen sich die Amis ihren Patriotismus und Stolz ja schon mit der Muttermilch rein, wenn dem so ist, dann haben sich die Südstaaten-Rebellen von THE PILLAGE an der mütterlichen Theke garantiert ne doppelte Dosis einschenken lassen. Aber in den Südstaaten sind sogar die Kids patriotischer und wütender als im Rest des Landes. Wobei in den USA die Sache mit der “politischen Korrektheit” sowieso kein Thema ist! Das spürt man auch an den - aus Sicht des deutschen Gutmenschen kontroversen - Texten von THE PILLAGE. Ob es sich um illegale Einwanderung handelt, oder den amerikanischen Bürgerkrieg. Da ist nichts weichgespült. Ebensowenig die Musik von THE PILLAGE. Mein Anspieltipp ist “Better Days”. Fazit: Temporeicher und hardcoremässig angepunkter melodischer Ami-Oi!, der sich hören lassen kann.
L’INFANTERIE SAUVAGE “DEMO 1982 + 1983” / CD / 18 Tracks / Lim. edition 500 / 2007 by Pirate Love Records (oder über die FOH-mailadresse)
PIRATE LOVE RECORDS präsentiert auf dieser CD mit den beiden Demos der Glatzen-Band L’INFANTERIE SAUVAGE den typisch französischen OI!-Sound der frühen Achtziger Jahre. Und die Franzosen von L’INFANTERIE SAUVAGE haben es in sich! Schlicht, aber herzlich! Sie sind keine Meister der Perfektion, aber dafür haben sie um so mehr Spielwitz. Unkompliziert das Schlagzeug, flott und witzig Bass und Gitarre, und höllisch dreckig der rasante, manchmal fast schon atemlose “Gesang”! Insgesamt achtzehn Orginal-Tracks auf französisch aus den Jahren 1982/1983, die trotz einiger Mängel bei der damaligen Aufnahmequalität auch heute noch gefallen.
NO ALLIANCE “Just getting started” / CD / 12 Tracks / 2009
Die fünf Kanadier aus Montreal knallen uns mit ihrem zweiten Album “Just getting started” eine knallharte Breitseite rabiaten OI!-Punk um die Ohren. Klar, dass da der Sound manchmal ziemlich hardcoremässig daherkommen, wie z. B. bei dem Song (und Anspieltipp) “We don’t follow”. Absolut geil! Sound und Gesang wecken Erinnerungen an den taffen New Yorker CBGB-Stil zu Beginn der Achtziger Jahre. Back to the roots! Da liegst’e nie falsch! Hier passt das eine zum anderen!
THE BRIDGEBURNERS “War, conquest, pestilence, death” / CD / 13 Tracks / 2009
Ein feines Album! Trotz des martialischen und düsteren Plattentitels! Die vier Ami-Boys von BRIDGEBURNERS aus St. Louis (Missouri) machen unaufgeregten aber mitreissenden Rock’n’Roll, der sich wohl am klassischen 80iger Ami-Hardcore und europäischem Streetrock orientiert hat. Dreizehn melodische Songs, in denen manchmal sogar die guten alten ONKELZ, AC/DC oder SLAPSHOT um die Ecke rocken!
BANANE METALIK “Nice to meat you” / 14 Tracks + Bonus / CD + Vinyl / 2009
Kennt ihr “Gore’n’Roll”? Von dieser Musikrichtung hatte ich bis zu diesem Album auch noch nix gehört. Heilige Scheisse! 14 Songs as sexy as macabre! Strip or die! Was die fünf Franzosen von BANANE METALIK auf ihrem dritten Album bieten, ist ein geiler Mix aus Horror und Rock’n’Roll, und dazu noch ne fette Prise Garagen-Punk obendrauf. Hossa! Da tanzen sogar die beinlosen Untoten auf ihren Gräbern noch mal Pogo. In den Texten dreht es sich, wie könnte es auch anders sein, um metzelnde Wahnsinnige, heilige Massenmörder und geile Sexmaniacs! Also um Menschen wie Du und ich! Da sag’ ich nur noch “Viva gore’n’roll”!
ANGELA RIPPON’S BUM “Deaf and dumb not blind - Demos and Rarities 1980 - 1982” / CD / 24 Tracks / Limited edition 500 / 2007 by Pirate Love Records (oder über die FOH-mailadresse)
“We are skinheads trying to be musicians, not musicians to be skinheads!” meinte einst Sticko, der Sänger der britischen Skinheadband ANGELA RIPPON’S BUM. Das war vor 27 Jahren. Diese Band kann man also getrost zur ersten Generation britischer Skinhead-Bands zählen. Und so bietet diese CD auch 24 alte british Oi!-Songs aus der Gründerzeit der Glatzen-Bewegung. Aufgenommen in verschiedenen Londoner Studios zwischen 1980 - 1982. Was sich auch an der unterschiedlichen Aufnahmequalität bemerkbar macht. Trotzdem aber sehr gut anzuhören. Schlicht und einfach gestrickte Melodien und Texte, aber gerade das macht den besonderen Charme dieser fast schon “historischen” Aufnahmen aus. Anspieltipp: “Okay Cokey” oder “Dirty old man”. Saugeiler alter Schrummel-OI aus den frühen Achtzigern! Wegen der vielen “Oi OI OI”s in den Texten gut geeignet zum Mitgröhlen auf alkoholbeschwingten Skinhead-Partys. Fazit: Back to the roots - and cheers!
VANGUARD “Hard road to travel” / 14 Tracks / CD / 2009
Ist schon merkwürdig, aber die Musik von VANGUARD, einer Streetrockband aus Statesville in North Carolina (USA), hat mich auf weiten Strecken doch ziemlich kalt gelassen. Trotz des geilen Gesangs und der Texte. Vielleicht liegt es daran, dass bei einigen Tracks der Typ an der Gitarre zu sehr in Richtung Metal oder Hardrock abdrivtet. Dann fällt bei mir ne Klappe runter. Ich mag nun mal keine Egoshooter an jaulenden Gitarren. Ausserdem kommen mir die meisten Tracks einen Tick zu gemächlich, wenig melodisch und ohne Höhepunkte daher, trotz des kraftvollen Sound. Aber Reviews sind nicht repräsentativ, und schon mal gar nicht vollkommen. Fazit: Ein Album, wo ich sagen würde: Selber reinhören, und dann entscheiden!
GLORY BOYS “Glory Nights E.P.” / 4 Tracks / Vinyl
Wenn ich mich nicht irre, dann handelt es sich bei dieser EP um das “Erstlingswerk” der GLORY BOYS. Und das ist dem kurzhaarigen Trio aus Spanien auch hervorragend gelungen! Herausgekommen ist eine musikalische Symbiose aus englischen und französischen Oi! aus den golden Eighties. Vier chorusbetonte englischsprachige Songs, die voll ins Ohr und in die Beine gehen, darunter “Memories”, eine musikalische Referenz an die Roots und den Spirit der Skinhead-Bewegung. Fazit: Eine EP, die mehr als nur gefällt!
ELDGRIM / 11 Tracks / LP / Gelbes Vinyl
Meine erste Begegnung mit dem sog. Wiking-Rock hatte ich Ende 1984. Damals schickte mir der Herausgeber des fränkischen CLOCKWORK ORANGE-Fanzine (heute DIM-Records) das Demo einer schwedischen Band mit dem Namen ULTIMA THULE. Das war vor 25 Jahren! Daran - und wie schnell doch die Zeit vergeht - musste ich denken, als ich das Debüt-Album der Nordmänner von ELDGRIM auf den Plattenteller legte, und als erstes eine saugeil nachgespielte Version von ULTIMA THULES “Frihetssang” aus meinen Speakers tönte. Ein wunderschöner (Sorry!) Song, der mich damals wie heute emotional bewegt. Trotz dieser geilen Reverenz an UT pflegen ELDGRIM ihren eigenen Stil. Das merkt man schon am Gesang. Melodische Songs, manchmal etwas zu ruhig, wobei man sich nicht scheut, hin und wieder mal einige Takte lauter und schneller zu werden. Fazit: Ein Album, das keinen Viking-Fan entäuschen wird!
EMPIRE FALLS“We live to be hated” / 14 Tracks / LP / Vinyl
Yeepp! Ohne groß rumzueiern - dieses Album von EMPIRE FALLS ist einfach Spitze! Geboten wird derber, aber melodischer old-school Skinheadhardcore aus dem Amiland, der vom ersten bis zum letzten Track voll abgeht. Vierzehn wütende und rotzige Songs, die von einem gewissen Mitgröhlfaktor geprägt werden. Was nicht zuletzt an den fantastischen Refrains und dem aggressiven Gesang der Band liegt. Rau - aber herzlich! Meine Favoriten auf diesem Album: “On the Attack”, “Dregs of Society”, “Hate yer Face”! Fazit: We want more!
Auf ihrem Debut-Album „Bethlehem Steel“ präsentieren die US-Boys aus Bethlehem (Pennsylvania) 14 heisse Tracks, die den Freunden des gepflegten Oi!-Streetpunk sicher angenehm in den Öhrchen klingen werden. Musikalisch beeinflusst wurden die smarten Amis von so geilen Bands wie The Templars, 4 Skins, Condemned 84, Blitz oder The Business. In dieser musikalischen Tradition bewegen sich auch die Songs auf diesem Album. Kleiner Schwachpunkt: Bei einigen Songs habe ich das Gefühl, dass die Band sich nicht ganz sicher ist, ob sie nun mit einem oder zwei Sänger agieren soll. Ansonsten bietet dieses Album einige starke Streethymnen, die nicht auf Sozialkritik verzichten, aber trotzdem zum Mitgröhlen einladen.
OI! TONICS “Niemals wie sie!” / 9 Tracks / CD
Hey Leute, schnürt die Stiefel, und poliert die Glatzen! Auf dieser starken CD erwartet euch nämlich flotter Oi! made in good old Germany. Genauer gesagt, aus Frankfurt am Main. Auch wenn einige Texte der OI! TONICS auf Englisch daherkommen. Na ja, besser als auf Hessisch! Daher gibt es zu dieser CD auch keinen “Bembel mit Äbbelwoi” (wenn man sich jedoch den Song “Thüringen” anhört, scheinen die vier Jungs von OI! TONICS diesem dünnschissfördernden Gesöff nicht abgeneigt zu sein), sondern so geile Songs wie “Bleiben wie wir sind!” oder “Die Wahrheit für Dich!”. Ich steh’ auf doitsche Bands. Deshalb: Top!
THE BOOZERS! “Have another beer” / Demo-CD / 5 Tracks
THE BOOZERS (Die Alkoholiker) aus Tampas im Sonnenstadt Florida präsentieren auf ihrem Debut-Demo fünf fetzige Streetpunk-Tracks im klassischen East Coast style. Mein Favorit auf diesem kleinen aber sehr feinen Demo ist „Have another Beer“. Ein interessantes Demo, das saugeil abgeht und nach einer LP verlangt. Good work!!
Keine Ahnung, in welchem Teil der USA das straighte Trio von CRUCIAL CHANCE heimisch ist, aber dass sie mit diesem bemerkenswerten Album von 2007 so manch einem in die politisch korrekten Eier treten, steht für mich ausserhalb jeder Diskussion. Und so kommt man auch ohne Umschweife zur Sache. Musikalisch und in den Texten! Schnörkelloser und oi!-betonter Punkrock a’la 80er, wie man ihn heutzutage nur noch selten zu hören bekommt. Pride und free knallen uns die drei Jungs von CRUCIAL CHANCE ihre Wut, ihren Hass und ihren Patriotismus um die Ohren. Starke Scheibe! Thumbs up, boys!
BARONS “A Party on ‘45” / Sex Tracks / Mini-LP / Vinyl
Also die fünf wackeren Recken aus New Jersey (USA) wissen in ihrem schon etwas fortgeschrittenen Alter ganz genau, worauf es im wahren Leben wirklich ankommt. Auf geilen Oi!-Punk und auf Partys! Beides bietet dieses Mini-LP in Form von sex rasanten Streetcore-Tracks, die sich durch dreckige ultrascharfe Vocals, mitreissende Gitarren- und Bass-Drives und einen exellenten Drummer auszeichnen. Herrlich! Besonders die beiden neuen Songs auf der A-Seite dieser Scheibe: “Booze, Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll” und “Party on”. Dagegen fallen die vier Tracks auf der B-Seite (Aufnahmen einer früheren Demo-CD) qualitativ ein klein wenig runter. Machen aber trotzdem Laune! Fazit: “Let’s get this fucking Party on!”.
THE BROADSIDERS “Take back the streets” / 7 Tracks / Vinyl-LP
Hui, dieses 7 Track-Album aus dem Amiland haut voll in die Tasten! Als ich die Scheibe der BROADSIDERS vom Plattenteller nahm, war ich überrascht. So eine geile musikalische Breitseite hatte ich wirklich nicht erwartet! “Take back the streets” ist schnörkelloser Skinhead-Sound aus Dallas in Texas, der sich musikalisch stark am Streetsound früherer amerikanischer Oi!-Bands orientiert. Kurz und schmerzlos: Melodischer Street-Oi! made in USA, der durch seine unaufdringlichen Gitarrensolis, einen fantastischen Leadsänger und geile Refrains zu beeindrucken weiß.
THE INCITED“A Call to Arms” / 9 Tracks / Vinyl-LP /
Die vier kurzhaarigen Streetboys aus Delaware (USA) präsentieren mit “A Call to Arms” ein Album, das wohl alle Freunde des amerikanischen Skinhead-Sound in Begeisterung versetzen wird. Die neun Songs des Albums bieten eine geniale Mischung aus taffen Streetcore und melodischen Skinhead-Hymnen, die sogar mir noch unter die (eigendlich abgebrühte) Haut gehen. “Hard Life” ist so ein Song. Da hebst du nur noch ab! Der Refrain ist Emotion pur! Oder ein Song wie “Johnny Robinson”. Fazit: Diese Scheibe sollte man auf seiner “Kaufliste” ganz nach oben setzen. Es lohnt sich!
KAMPFZONE“Kriegsgebiet” / 7 Tracks / CD / Booklet
Keine Frage, KAMPFZONE polarisiert die Szene. Entweder man „liebt“ diese ostdeutsche Band, oder man „hasst“ sie. Wobei letzteres oftmals den Verstand vernebelt! Mit ihrem neuen (Mini-)Album „Kriegsgebiet“ präsentiert die Band sieben kompromisslose Tracks, die es wieder in sich haben. Hart und aggressiv der geile Sound, und brutal ehrlich die Texte (z. B. “Parasiten”). Nach meinem Geschmack ist “Kriegsgebiet” eines der besten Alben, das die Jungs von KAMPFZONE je rausgebracht haben. Schade, dass es auch das letzte sein soll. Ich hoffe, dass dies nur ein Gerücht ist.
VON DÄNIKENS “12 hot shots” / 12 Tracks / September 2009
Viva Espana! In diesem Land gibt es nicht nur die Insel Mallorca und den “Ballermann”, sondern auch flotten und rockigen Streetpunk. Das beweist die hierzulande noch ziemlich unbekannte spanische Band mit dem Namen VON DÄNIKENS. Mit ihren “12 heissen Schüssen” liefern die fünf Spanier ein bemerkenswertes Debütalbum ab, das von Anfang bis Ende gefällt. Zwölf schnelle und melodische Songs (in eglisch und spanisch), die einen way of life beschreiben, der sich von unserem kaum unterscheidet. Da geht es um Spiesser, Wein und Weiber - und um Spass. Das verlangt nach mehr! Hoffendlich dauert es bis zum nächsten Album nicht wieder fünf Jahre!
TOXPACK “Epidemie” / 13 Tracks / August 2009
Hey, bei dieser Neuerscheinung bekommt man grosse Ohren! Mit anderen Worten, “Epidemie”, die fünfte LP der Berliner Streetrocker TOXPACK, ist ein rundum gelunges Album. Geboten wird smarter und melodischer Street-Rock’n’Roll, verfeinert durch geilen Chorgesang und sehr viel Spielwitz. Und Texte, die auf billige Schlagworte verzichten. Dreizehn flotte und ohrwurmverdächtige Songs und Melodien, die zum Mitgröhlen einladen und einfach nur Laune machen.
DER ZWERGPIRAT # 12 / August 2009 56 Seiten / A4-Format / 3,00 EU + 0,85 PP Contact: Carsten Hantel, Samberger Strasse 34 1/2, 85053 Ingolstadt, GERMANY
Nach erfolgreicher Kaperfahrt in der Welt des Oi!, Punk, Rock, Psychobilly, Folk und Hardcore ist der ZWERGPIRAT wieder mit fetter Beute, und ner coolen Seemannsbraut auf dem Cover, in seinem (neuen) Heimathafen eingelaufen. Bis zum Rand vollgepackt mit vielen Konzertberichten, Geschichten, interessanten Fanzine- und Musik-Rezensionen, einen Haufen geiler Fotos, feine Interviews und Band-Storys. Einer der Höhepunkte dieser Ausgabe ist die gut recherchierte Story von “Leiche” über die fantastischen SPECIAL DUTIES. Exellent! Eine englische Punk-Band, die noch heute zu meinen absoluten Favoriten zählt, wenn es um den britischen Punkrock der frühen Achtziger geht. Absolut mörderisch ist die Story über die psychopathische Massenmörderin Erszebet Bathory, eine ungarische Adelige, die Anfang des sechszehnten Jahrhunderts in der heutigen Slowakei ihr blutiges Unwesen getrieben hat. Mehr als 650 Frauen und Mädchen soll diese perverse Lady in dem Folterkeller ihrer Burg eigenhändig abgemurkst haben, um in dem Blut ihrer zerstückelten Opfer ein Bad zu nehmen. Ich erspare mir weitere blutige Details wie die niedlichen Folterpraktiken dieser feinensinnigen Dame, das sollte man sich selber reinziehen, und wechsel lieber wieder ins Jahr 2009! Auf Seite 4 des ZP findet sich ein kleines aber feines Interview mit dem Macher von ODIN PRODUCTIONS. Wie der Name schon verrät, handelt es sich dabei um ein kleines Label aus der schwedischen Vikingrock-Szene. Danach folgt eine Bandstory über eine Ska-Swing-Surf-Polka-Country-Punk-Band aus dem Raum Ingoldstadt in Bayern mit dem Namen GORILLA RODEO, die mich verdammt neugierig auf die Musik dieser Band gemacht hat. Das diesjährige PUNK AND DISORDERLY aus der Feder von Leiche, ist mal wieder ein literaisches Erlebniss. Ich mag seinen Stil. Obwohl der Junge manchmal ein klein wenig Frust über die Szene durchschimmern lässt. Aber nur manchmal! Interessant und informativ ist das Interview mit RUST, einer Streetpunk & Skinhead Rock’n’Roll-Band aus Australien. Man erfährt einiges über die Hintergründe des „Cronulla Riot“ im Dezember 2005 in Sidney, als sich im Stadtteil Cronulla 1500 libanesische und ca. 5000 weisse Jugendliche blutige Strassenschlachten lieferten. Clash der Kulturen? In den Norden Europas führt Carstens ausführlicher und mit vielen geilen Fotos versehener Konzertbericht über das VIKINGSROCKFESTIVAL JÖNSSONLIGAN CRUISERS MK in Schweden. Ich kenne zwar Ladde Laddeson nicht persönlich, und auch von seiner Band IVV (In Vino Veritas) habe ich noch nie etwas gehört, aber nach der Lektüre von MEIN HAUSTIER UND ICH kenne ich endlich seinen 22 Zentimeter langen Archispirostreptus gigas! Bevor aber jetzt jemand auf falsche Gedanken kommt, es handelt sich hierbei nicht um einen - egal - sondern um einen afrikanischen Tausendfüssler mit dem Namen Captain Flint. Sehr empfehlenswert für alle Leser, die etwas über das Zusammenleben von Mensch und Tausenfüssler erfahren wollen. Eine wahrhaft exotische Verbindung! Wobei noch die Frage zu klären wäre, ob der kuschelige Captain Flint auch „Pfötchen“ geben kann? OUT OF LUCK ist ne Psychobilly-Band aus Straubung in Bayern und werden in Form eines Interviews vorgestellt. SOUNDS OF BRETTEN aus der Nähe von Karlsruhe ist ein Zusammenschluss von fünf Leuten aus der Psycho- und Skinhead-Szene, die lieber was auf die Beine stellen, statt nur stumpf zu konsumieren. Sie sind im ZP mit einem kleinen Interview vertreten. Hey, und dann gibt es noch ein vergnügliches Interview mit MR. IRISH BASTARD. Das ist eine saugeile Band aus Münster, die sich auf irish punk drinking music spezialisiert haben. Das hört sich nicht nur cool an, sondern wird musikalisch auch fantastisch umgesetzt. Das beweisen sie mit dem Album „The bastard brotherhood“, dass ich im Juni als limitierte Vinyl-LP (100 mit Poster) bekommen habe. Genug der Werbung für eine sehr sympathische Band! Knallhart ist die Crime-Story über BARRY PRUDOM, einem durchgeknallten ehemaligen Elitesoldaten der britischen Army, der im Sommer 1982 als „Copkiller“ in die britische Kriminalgeschichte eingehen sollte. Eine Spurensuche vonLeiche, die bezeichnenderweise von Leichen gepflastert wird. Heldenlärm in Form von Viking Rock machen DONARS GROLL aus dem schönen Sachsenland. Im Interview geht es u. a. um nordische Mythologie und Heimatliebe. Das waren jetzt nur einige von vielen Höhepunkten in dieser Ausgabe. Kurz und knapp: Die neue Ausgabe des ZP bietet nicht nur jede Menge interessanten, sondern auch intelligenten Lesestoff. Ein mit vielen geilen Fotos und Grafiken aufgelockertes Layout sorgt auch für einen optischen Lesespass! Pflichtlektüre! PS. Fast hätte ich es vergessen, aber dem ZP liegt noch eine nicht weniger lesenswerte Beilage mit dem Titel REFLIX bei. 16 Seiten voller ungewöhnlicher Film-Reviews.
THE ADICTS “Life goes on” / 14 Tracks / August 2009
Bei manch einem Album habe ich ein grosses Fragezeichen auf der Stirn und frage mich, was das überhaupt soll. Besonders wenn es sich um eine Band handelt, die Anfang der Achtziger Jahre mal zu meinen Lieblingsbands gehört hat. Da denkt man sich manchmal, oh Gott, das hätte sich die Band besser ersparen sollen. So geht es mir mit “Life goes on”! Dieses Album ist zwar sauber und perfekt eingespielt, aber das ist auch das einzig Positive, das mir zu dieser Scheibe einfallen will. Ansonsten lässt mich dieses Album absolut kalt. Punkrock? Fuck off! Kein Vergleich mit dem wahnwitzigen Fun-Punk der Achtziger Jahre. Da hatten die Songs von ADICTS noch Atmosphäre, da war Stimmung angesagt, heute wirken sie langweilig, steril und schrecklich alt. Rest in peace!
KNEIPENTERRORISTEN “Die ersten werden die letzten sein” LP / 12 Tracks / Limitiert auf 500 Exemplare / Farbiges Vinyl (weiss marmorisiert)
Als BÖHSE ONKELZ-Coverband haben die Hamburger KNEIPPENTERRORISTEN ohne Zweifel Furore gemacht. Mit "Härter als der Rest" präsentiert die Band zum erstenmal „eigene“ Songs. Aber keinen eigenen Stil! Manche Songs erinnern an die „frühen“ Onkelz, manche an die „späten“ Onkelz – aber immer erinnern sie an die Onkelz. Zuviel der Onkelz! Aber das alles würde man ja noch in Kauf nehmen, käme der Sound nicht so seltsam flach daher. Was aber weniger an der Band, sondern mehr an der mageren Aufnahmequalität dieses Albums liegt. Aber was mich am meisten stört, das sind so neoliberal angefickte Texte wie “Schuld haben immer nur die anderen”. Ein Song, der auch auf dem Bundesparteitag der FDP gut ankommen würde. Textprobe: “Raus aus deiner (sozialen) Hängematte, durchbrich die Lethargie. Nimm dein Leben in die Hand sonst änderst du es nie...Denn jeder ist des eigenen Glückes Schmied, nur du mein Freund bist ein Gesellschafts-Parasit”.
KNEIPENTERRORISTEN “härter als der rest”/ LP / 12 Tracks / Limitiert auf 500 Exemplare / Farbiges Vinyl (rot marmorisiert)
Da gefällt mir diese CD doch einen Tick besser. Obwohl mir auch bei vielen Songs dieses Albums immer wieder die Onkelz im Hinterkopf herumspuken. Was nicht zuletzt an der Stimme des Sängers liegt. Die hat was vom Kevin der frühen Achtziger Jahre an sich. Flotter gefälliger Rock’n’Roll, bei dem hin und wieder sogar AC/DC und Motörhead grüssen lassen. Obwohl sich COCK SPARRERS “England belong to me” umgefickt in “Hamburg wir steh’n zu dir” doch ein wenig merwürdig anhört.
Es ist schon verdammt schwierig, sich in eine Musik reinzuhören, die ausserhalb meines punk- und oi-geprägten Musikgeschmacks liegt. So ist es mir mit der Debüt-EP der Schweizer Band THE SUNWASHED AVENUES ergangen. Sie lässt mich ziemlich ratlos zurück! Ist das nun Emo- oder Melo-Rock, Postrock oder –punk, Poprock oder Metal was sich da aus meinen Boxen wälzt? Oder ist es eine Mischung aus allem? Wer diesbezüglich auf Band-Infos hofft, wird – bis auf die Aussage „Die Krake wird überdauern!“ - allein gelassen, und bekommt statt dessen drei kunterbunte Pillen mitgeliefert, bei deren Anblick jeder Drogenbulle eine feuchte Hose bekommen würde. Sechs ungewöhnliche Tracks, deren mächtig ausgewalzte Riffs und Akkorde töten können! Nicht weniger das furiose Trommelfeuer der Drums. Das manische Kreischen des Sängers (Lt. Columbo) erinnert mich an die gequälten Schreie eines Folteropfers, dem gerade die Eier abgeschnitten werden. Fazit: Düster, depressiv und gewohnheitsbedürftig – aber irgendwie nicht uninteressant!
THE LAST RESORT “You’ll never take us - skinhead anthems II” Colored Vinyl-LP / Mai/Juni 2009 / 14 Tracks / Limitiert auf worldwide 999 Exemplare. Davon jeweils 333 Ex. in roten, blauen und weissen Vinyl.
Wow! Also ich muss schon sagen, Respekt, die alten Recken von LAST RESORT haben ihr musikalisches Handwerk nicht verlernt. Was man nicht von allen Bands behaupten kann, die sich nach mehr als einem Vierteljahrhundert aus dem “Ruhestand” zurückgemeldet haben. Aber LAST RESORT zeigen mit diesem Album, dass sie mit ihrer Musik und ihren Texten dem street spirit der frühen achtziger Jahre treu geblieben sind. Vierzehn brandneue Songs, die die Fans des good old british oi! garantiert aus den geschnürten Stiefeln katapultieren werden. Man muss sich nur mal einen Song wie “Beyond the promised land” (Track 2) anhören, um meine Begeisterung zu verstehen. Genial! Beim Chorus ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen. Eine Scheibe, deren Musik und Texte einem “old-skin” wie mir emotional unter die Haut gehen. Und ein Cover, dessen de ya vue-Effekt die letzten 25 Jahre fast vergessen lassen. Einfach göttlich!
PUNKROCK # 8 / 100 Seiten / DIN A4-Format / März 2009 http://www.punkrock-fanzine.de/
Warum man mir die achte Ausgabe des Mannheimer PUNKROCK zugeschickt hat, mag wohl nur der Versender wissen. Normalerweise stehe ich ja bei derartigen Mags auf der „banned-list“! Sei’s drum! Kurz durchgeblättert und zu dem Ergebniss gekommen, dass ich nichts versäumt hätte, wenn dieses Teil nicht in meinem Briefkasten gelandet wäre. Um mich kurz zu fassen: PUNKROCK ist die „BRAVO“ für den politisch korrekten weekend-punk. Ach ja, diese Subkultur stand mal für so was wie „no commerce“, im PUNKROCK wird Punk nur verkauft, aber nicht gelebt. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass es auf den hundert Seiten dieser Ausgabe, neben vielen anderen Nebensächlichkeiten, auch ein Interview mit der Aachener Glatzenband BOVVER BOYS gibt. Was soll diese Anbiederei? Ausserdem einen Bericht über das österreichische Skinhead-Fanzine OI THE PRINT (Mein Kommentar zum Herausgeber dieser Ostmark-Postille: “Kotz! Würg!”). Sehr professionell gemachtes Magazin, aber ohne den chaotischen Charme früherer Punkzines. Viel zu anzeigenlastig und kommerziell!
STOLZ & STIL - #23 / Mai 2008 / 80 Seiten / DIN A5-Format mail: stolzstil@web.de
Dass das gute alte STOLZ & STIL zu anzeigenlastig sei, kann wohl niemand behaupten. Und das ist auch gut so! Denn je mehr man sich von bezahlten Anzeigen grosser Labels und Vertriebe abhängig macht, umso mehr neigt man zur Selbstzensur. So wie jener Fanzinemacher, der das Konzert von INDECENT EXPOSURE in Hildesheim (April 2008) als „eines der geilsten Konzerte meines Lebens“, bezeichnete, über das er dann aber in seinem wenige Wochen später erscheinenden Fanzine kein einziges Wort verlieren wird. Da sind die Kollegen vom STOLZ & STIL doch aus ganz anderem Holz geschnitzt. Ehr aus dem Holz einer standhaften Eiche als aus dem Holz einer sich vor jedem Windhauch verbeugenden Zitterpappel! Und so präsentiert auch die aktuelle Ausgabe des STOLZ & STIL eine geballte Ladung INDECENT EXPOSURE. Beginnend mit einem netten Konzertbericht über IE und ähnliches Gesindel im April diesen Jahres im beschaulichen Osnabrück. Gefolgt von einem neunseitigen Interview mit Steve, dem grossartigen Sänger von IE. Ein sehr informatives Interview mit Klasse und Stil! Ohne Zweifel einer der Höhepunkte dieser Ausgabe. Weiter geht es mit einem Bericht über die STOMPER 98-Jubiläumsfete im November 08 in Leipzig. Und das in einem Laden, in dem die ANTIFA die Gästeliste bestimmen konnte. Was nicht unbedingt für den Veranstalter und die STOPMPERS spricht. Im Gegenteil! Sehr interessant sind auch die Erfahrungen, die COMBAT 77 bei ihren Konzerten im kommunistischen China machen konnte. Im Kontrast dazu folgt ein ausführlicher Reisebericht von Micha zum PUNK AND DISORDERLY FESTIVAL 2009 in Berlin. Vorweg: Mein Camping-Urlaub in Finnland war die reinste Hölle! Milliarden und abermilliarden stechende Mücken hatten mich in einen schlecht gelaunten, sich ständig kratzenden Streuselkuchen verwandelt. Da konnte mich das mitfühlende „Du hast halt süsses Blut“ meiner Ex-Gattin auch nicht mehr trösten. Aus dieser ungesunden Gegend Europas kommt also die finnische Glatzenband THE WRONGDOERS, die mit einem kleinen Interview in dieser Ausgabe vertreten ist. Es folgt ein Konzertbericht von „Zille“ über die WESTSIDE BOYS & ARGY BARGY im schwärzesten Wald Germaniens, im Schwarzwald. BRASILIEN SPECIAL bietet dem Leser ein Interview (und Infos) mit der brasilianischen Skinhead-Band BOTA GASTA (Sao Paulo). Nicht weniger interessant ist der dritte Teil der STOLZ & STIL-Geschichte. Diesmal geht es um die Ausgaben 13 – 16. Klar, dass das S&S auch in dieser Ausgabe wieder ne Menge gelungene Platten- und Fanzine-Besprechungen zu bieten hat. Und jede Menge geile Konzertberichte und Bandinfos, die ich hier noch gar nicht erwähnt habe. Zum vierzigsten Geburtstag der weltweiten Skinhead-Bewegung präsentierte das smarte S&S-Team um Herausgeber Micha eine Ausgabe, die wieder mal rundum gelungen ist. Etwas anderes hätte mich auch sehr überrscht. Noch nicht einmal am Cover kann ich diesmal rumnörgeln. Fazit: Eines der besten Glatzenhefte Deutschlands! Das Teil hat für mich fast schon Kult-Charakter!
“Tätowierte Mutter Ficker” istdie neue Band des ehemaligen Sängers von ENGLISH ROSE. Wenn das nicht Empfehlung genug ist, was dann? Die sechs Tracks auf dieser Mini-CD stehen jedenfalls für saugeilen und aggressiven Hatecore, bei dem die derbe Stimme des Sängers und die (sozialkritischen) Texte der Songs eindeutig im Vordergrund stehen. Die MOTHER FUCKERS zeichnen darin einen Alltag, den man nur auf der Strasse kennen lernen kann. Violence on the streets! Fazit: Die siebenfuffzich für diese kleine aber feine Mini-CD lohnen sich allemal!
Also die französische Glatzenszene war schon in den Achtziger Jahren bekannt für ihre, na, sagen wir mal, ehr unkonventionellen Bands. Ich erinnere da an EVIL SKINS, BUNKER 84 oder an die LEGION mit der politisch unkorrekten Doppelzahl. In dieser (nicht nur musikalischen) Tradition bewegt sich die französische Skinhead-Band HAIS & FIERS. Musikalisch bietet die Band den für mich typischen Skinhead-Sound a’la France. Das heisst, man ist schnell, laut und aggressiv, ohne dabei in unmelodisches Gekloppe oder unartikuliertes Geschrei zu verfallen. Dazu kommen unaufgeregte Gitarren-Solis, rauhe Gesangsstimmen und chorusbetonte Refrains - also 12 geile Tracks, von denen einige fast Ohrwurmcharakter haben. Meine Anspieltipps sind “Gloire a la Drinking Crew” und “Mes anges gardiens”. Fazit: Keine CD, die man sich einmal anhört, weglegt und dann vergißt!
Die vergriffene Debüt-LP der Dresdner Punkband KALTFRONT ist jetzt als (um sechs Bonusstücke erweiterte) CD-Veröffentlichung erschienen. Ein MUSS für die Freunde des “real existierenden” DDR-Punk. Alle Aufnahmen dieser CD stammen von vier verschiedenen Demos aus den Jahren 1987 - 1990. KALTFRONT bietet kein wildes Hardcore-Gemetzel nach dem Motto “schneller und lauter”, sondern stillen, etwas melancholischen, für meinen Geschmack manchmal zu wavigen Punkrock. Die Texte der Songs haben Sinn und Verstand, was man von vielen Punkbands jener Zeit nicht unbedingt behaupten kann. Die Aufnahmequalität a’la DDR ist natürlich nicht mit dem heutigen Standart vergleichbar, aber gerade diese “Schwäche” lässt diese Aufnahmen so authentisch klingen. Ein wichtiges und interessantes Stück deutsch-deutscher Musik-Historie.
LES VILAINS “Pour faire chier! - The Single Collection”/ 14 Tracks / CD
Wer regelmässig die Konzerte im ehemaligen “Menfis” besucht hat (inzwischen auf Druck einer linken Arschlöchereinheitsfront geschlossen), wird die belgische Skinhead-Band LES VILAINS wohl kennen. Wer sie aber nicht kennt, der sollte sich schleunigst ihre neue CD besorgen, um sie kennenzulernen.Es lohnt sich! Das garantieren so herzige Kracher wie “We are Hoolgans” oder “Skinhead”. Wie der Titel schon sagt, die CD bietet die kompletten Singles der Band (erschienen 1998 - 2007), verkörpert also knapp zehn Jahre musikalische Bandgeschichte. Und die ist garantiert pc-frei!
SHORT CROPPED “S.C.F.-F.S.C.” / 13 Tracks / CD
Wouuh! Das ist ne heisse Sache! Die neue CD von SHORT CROPPED haut rein, wie “Schmidts Zäpfchen”! So sacht ma bei uns im Ruhrpott, wenn eine Band oder ein Song besonders gut abgeht. Hier ist es die ganze CD, die vom ersten bis zum letzten Track begeistert. Nicht nur musikalisch. Geboten wird straighter belgischer Street-Oi!. Das sind kompromisslose Texte, geile Stimmen und harte Musik. Dreizehn neue Stücke der belgischen “Kurzrasierten”, die eindeutig nach mehr verlangen. Natürlich sind die Songs von SC nix für die zarten Öhrchen pc-gespülter Weicheier! Ob es sich dabei um Songs wie “Feel the anger, feel the hate” oder um “National Pride Worldwide” handelt - so ist das Leben! Die Texte dieser Stücke haben für mich mehr Substanz als die hohlen Phrasen vieler Politiker. Fazit: Eine CD, die in keiner Sammlung fehlen sollte.
DER BEWÄHRUNGSHELFER #15 / Januar 2009 / 52 Seiten / A5-Heftformat / Incl. A-3 Poster (Bild rechts)
Ob es an der weltweiten Wirtschaftskrise liegt, kann ich nicht sagen, jedenfalls ist die neue Ausgabe von Doitschlands dienstältestem OI- und Skinzine nicht ganz so fett geworden wie die letzten Hefte, aber dafür liegt dieser Ausgabe ein Poster vom ADLER-Versand bei. Das hat Klasse und Stil! Das Poster! Ausserdem ist der BW mit dieser Ausgabe erwachsen geworden. Ich kenne nämlich kein anderes deutsches (oder europäisches) Skinhead-Fanzine, das es auf eine Laufzeit von achtzehn Jahren gebracht hat. Meinen Glückwunsch, und auf weitere achtzehn Jahre, frei von jeder Selbstzensur und verlogenen Heuchelei! Zur Sache!: Am Anfang des BW steht wie immer ein ausführliches Vorwort. Und das ist jedesmal meine Lieblingslektüre, denn hier werden die politischen Verirrungen und Wirrungen unserer "Demokratie" klar und deutlich beim Namen genannt. Diese Kompromisslosigkeit mag ich. Besonders in einer Zeit, in der der Souverän, das Volk, durch den jahrzehntelangen Machtanspruch und -missbrauch der Etablierten zum bloßen Stimmvieh mutiert ist. Es folgt ein Bericht über ONE FILE, THE CORPS und CONDEMNED 84 im "Speicher" in Hildesheim. Dazu ein Interview mit den BOOTBOYS HILDESHEIM, einem Zusammenschluss von Leuten aus Hildesheim und der umliegenden Region, die sich durch Konzerte mit legendären Bands wie INDECENT EXPOSURE oder oben genannten CONDEMNED 84 (und demnächst wohl COMBAT 84) einen bundesweiten Namen gemacht haben. In der Kolumne "Armes Deutschland" geht es um das Leben und Zusammenleben der Deutschen (und ihren Familien) im Deutschland des Jahres 2009. Schlussfolgerung dieses Beitrages ist die Sehnsucht nach einer "heilen Welt", die auch früher, als wir Deutschen noch weitgehend unter uns waren und die Familie als Keimzelle der Nation" hochgejubelt wurde, gar nicht so heil war. Lassen wir es dabei. Es folgt ein Bericht mit dem vielversprechenden Titel "Halli-Galli-Drecksau-Party". Es geht um eine "Auszugsparty" in Wernigerode. Und da es sich bei dem begnadeten Autor um einen gewissen "Bussi" handelt, weiss jeder BW-Leser was ihn erwartet: Gnadenloser Skinhead-Spass! Ein Stück Zeitgeschichte verspricht der halbbiografische Roman "Großstadtjungle". Inhalt: Ein junger Ossi "macht" über die deutsch/deutsche Grenze und landet in Kassel. Dort lernt er nach einer unerfreulichen Begegnung mit irgendwelchen Schlägern eine Gruppe Kasseler Skins und Hools kennen, die unserem Held die faszinierende Welt von Fussball und Gewalt näherbringen. Mal sehen, wie die Story weitergeht. Plattensammler sollten sich den Artikel "Platten sammeln ist eine Krankheit" über das Bett hängen und jedesmal durchlesen, bevor sie wieder mal ne Platte bei EBAY ersteigern. Und dann legt wieder "Busst" los, und zwar mit einem krachenden Erlebnissbericht über die Filmpremiere von "Chaostage - Der Film". Äusserst lesenswert! Wie auch das Interview mit den sympatischen Machern vom ADLER-Versand. Ein kleines Label, dass mit viel Idealismus und Spass sein Ding durchzieht. Den Abschluss macht ein Interview mit der japanischen Glatzen-Band STRONG STYLE. Natürlich gibt es auch noch Platten-, Fanzine- und Buchkritiken. Jedenfalls hat der BEWÄHRUNGSHELFER mit seiner aktuellen Ausgabe mal wieder ein interessantes und lesenswertes Heft abgeliefert.
STOLZ & STIL - #22 / Okt. 2008 / 96 Seiten / DIN A5-Format mail: stolzstil@web.de
Wie heißt das Fanzine mit den eigenwilligen Covergrafiken? Richtig! Es ist das STOLZ & STIL! Das unangepasste Skinhead-Fanzine aus dem schönen Thüringen, der Heimat jener legendären „Rossbratwurst“, deren Pelle so ledrig ist, als würde man einem alten Gaul in den Arsch beissen! Wie ich jetzt auf die Thüringer „Rossbratwurst“ komme? Weil ich noch immer das riesige Fragezeichen im Gesicht jener „Fleischfachverkäuferin“ vor Augen habe, als ein Kunde mit offensichtlich chinesischem Migrationshintergrund „Hundeltdleissig Thülingel Lossblatwülste“ für eine Grillparty ordern wollte. Diese Alltagsgroteske wäre wohl der Höhepunkt einer ziemlich öden Woche gewesen, wenn, ja wenn ich nicht einige Tage später die neue Ausgabe des STOLZ & STIL in meinem Briefkasten vorgefunden hätte. Respekt, Respekt, meine Herren, kann ich da als Ex-Fanzinemacher nur neidvoll sagen! Mit seinen 96 Seiten hat die zweiundzwanzigste Ausgabe meines Lieblings-Fanzine fast schon den Umfang eines Taschenbuches erreicht. Das ist jede Menge faszinierender Lesestoff aus der unkonventionellen Welt der kahlgeschorenen Gewalttäter und Musikfreunde. Mehr als unkonventionell, um es mal etwas zurückhaltend auszudrücken, sind einige der Antworten ausgefallen, die der Schlagzeuger der griechischen Glatzenband PRIDE AND PAIN dem STOLZ & STIL gegeben hat. Dass er damit bei diesem traditionsbewussten Skinhead-Fanzine nicht gerade punkten konnte, steht nach der Lektüre dieses Interviews wohl ausserhalb jeder Diskussion. Musikalisch ehr multikulturell kommt der Bericht vom zweitägigen „Potsdamer Skafest No. 18“ daher. Wobei es hier aber weniger um black music wie SKA oder Reggae geht, sondern mehr um die trinkfesten Erlebnisse eines Festivalbesuchers mit dem Namen Alex, der wärend des ganzen Festivals “nicht eine Band, nicht ein Lied live gesehen” hat. Ganz im Gegensatz zum STOLZ & STIL-Herausgeber Micha,der in seinem „Nachschlag“ alles vom Potsdamer SKAfest nachliefert, was oben genannter Alex versäumt hat. In dem Bericht „THE SKATALITES – Live in Sao Paulo“ besucht ein Skinhead aus Thüringen einige Freunde in der brasilianischen Megacity Sao Paulo (die Stadt mit der höchste Kriminalitäts- und Mordrate der Welt), um ausgerechnet dort auf einem Konzert der jamaikanischen SKA-Legende THE SKATALITES abzudancen. Das hat Stil! Um “Geschichten vom anderen Ende der Welt” geht es auch in „SKINHEAD PRIDE – WORLDWIDE!“. Glauco, ein brasilianischer Skinhead aus Sao Paulo fliegt zu einem BUSINESS-Konzert nach Santiago, in die Hauptstadt Chiles. Nicht ganz so exotisch, ehr bodenständig souverän ist das Interview mit „SELBSTSTELLER“ aus dem sächsischen Riesa ausgefallen. Eine gradlinige Band, die Charakter hat. Was viele der Skin- oder Oi!-Bands aus den alten Bundesländern nicht unbedingt von sich behaupten können. „Die Stolz + Stil-Geschichte“ ist eine umfassende Retrospektive auf bisher 22 Ausgaben dieses Fanzine. Der zweite Teil der aktuellen Ausgabe behandelt die Heftnummern 9 bis 12. Besonders interessant für Loite wie mich, die den Werdegang des STOLZ & STIL–Fanzine nicht von Anfang an verfolgen konnten. Unter der Headline „The 4 Skins – The nightmare continues“ beantwortet Gary Hodges ein paar Fragen zur Reunion der 4 SKINS. Ein weiteres Interview wurde mit „THE CORPS“ geführt. Eine australische Band, die im August in der Nähe von Hildesheim (gemeinsammit CONDEMNED 84) zum fröhlichen Skinhead-Tanz aufgespielt hatte. Dazu auch der Bericht von Herausgeber Micha, der am Ende dieses Konzerts zu der deprimierenden Erkenntniss kam, dass dies einfach nicht sein Tag gewesen sei. Na ja, das kann schon mal passieren! Weiter geht es mit einem Interview mit Geoff Wright, dem australischen Regisseur des Skinhead-Kultfilms „Romper Stomper“. Leider hat das Layout dieses Interviews den Text zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Schade! Hervorragend ist das Interview mit Ulrich Großmann, dem Macher von DIM RECORDS, eines der - auch wenn jetzt wieder einige politisch korrekte Korintenkacker empört aufschreien werden - mutigsten und meist diffamiertesten Labels Deutschlands. Klar, dass es auch in dieser Ausgabe wieder massig Informationen aus der Szene und jede Menge Musik- und Fanzine-Reviews gibt. Ausserdem noch viele Story, Bands und Konzertberichte, die ich hier garnicht erst erwähnt habe. Man sollte dieses Fanzine lieber selber lesen. Es lohnt sich!!!
DER ZWERGPIRAT # 11 / 48 Seiten / A4-Format / Okt. 2008 Contact: C. Hantel, Augsburger Str. 18, 85290 Geisenfeld, GERMANY
Der ZWERGPIRAT kommt diesmal gaaanz gross raus,- im A4-Format! Was mir gar nicht so zusagt, da dieses Fanzine-Format die korrekte Optik meiner horizontal gradlinig ausgerichteten Fanzine-Sammlung stört. Sei’s drum! Meine Optik ist garantiert das letzte, was den Herausgeber des kleinwüchsigen Piraten interessiert. Dafür versöhnte mich aber das Farbcover dieser Ausgabe: Die “Simpsons” im Glatzen-Outfit! Erinnert mich ein klein wenig an ein Malbuch für Vorschul-Kids! Nee, das hat schon Klasse! Nicht weniger stilvoll kommt das glatzköpfige Bierbauchmonster auf der Cover-Rückseite daher. Nichts kann den „way of life“ eines Skinheads treffender charakterisieren als dieses geile Foto! Oder? Kommen wir zum redaktionellen Teil. Da es mir angesichts der geballten Masse an Infos, Bands, Rezensionen, Storys, Konzertberichten und Reviews schwer fällt, den richtigen Einstieg zu finden, werde ich den ZWERGPIRAT diesmal von hinten besteigen (Gröhl!). Und hinten (natürlich im Heft!) findet man eine gelungene Polemik von Leiche, der sich unter der Headline “Von ‘rechtsoffenen’ Linkstoleranten” mit der schablonenhaften Gesinnungsschnüffelei einer Szene-Stasi und dem engstirnigen Schubladendenken innerhalb der Skinhead- und Punk-Szene beschäftigt. Zu diesem Thema könnt’ ich jetzt auf Grund persönlicher Erfahrungen ‘ne ganze Menge beisteuern, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. Dazu nur soviel: Mit Menschen, die Patriotismus oder Nationalstolz mit Rechtsradikalismus oder Faschismus gleichsetzen, lohnt es sich eh nicht zu diskutieren. Das hiesse, „Perlen vor die Säue“ zu werfen. Also back at the beginning! Der ZWERGPIRAT startet mit einem sehr nachdenklichen Vorwort von Carsten. Anschliessend berichtetLeichevon DEM Konzertereigniss des Jahres 2008: Die englische Skinheadband INDECENT EXPOSURE back in good old germany! Und das nach 22 Jahren. Es folgt ein Interview mit LAST HOPE, einer mir bislang unbekannten Hardcore-Band aus Sofia, der Hauptstadt Bulgariens. Das Interview zeigt, dass es in diesem Balkanstaat nicht nur Korruption, sondern auch coole und interessante HC-Bands gibt. Anschliessend beschreiben die schwedischen Vikingrocker von NJORD die Texte ihres Debütalbum „Mot Himlen...“. Nach Konzertberichten über die DROPKICK MURPHYS und BLOOD OR WHISKEY & THE TOSSERS wird es sehr mystisch. Es folgt Flos hervorragende Video-Rezension des englischen Gruselklassikers „The Wicker Man“ (mit Christopher Lee) aus dem Jahre 1973. In dem Film, er spielt auf einer kleinen schottischen Insel, geht es (vereinfacht ausgedrückt) um seltsame Fruchtbarkeitsrituale wie nackte Frauen, die um lodernde Feuer tanzen, Jugendliche, die Nachts auf dem Friedhof vögeln (Waren dasetwa Gruftis?), und um bruzzelnde Menschenopfer. Interessant, interessant,- aber ich steh’ ehr auf bluttriefende Splattervideos. Um „OI!-Mucke vonner schönen deutschen Ostseeküste“ dreht sich das Interview mit der kurzlebigen Mecklenburger Glatzenband SternbrOIcrew. Weiter geht es mit einem informativen Reisebericht über „die goldene Stadt – Prag“. Man erfährt einiges Wissenswerte über die Sehenswürdigkeiten und das faszinierende Nightlife dieser Stadt – und über die Wirkung des tschechischen Pivo (Bier) auf deutsche Touristen. Nordische Mythologie ist der rote Faden, der sich durch das Interview und Debütalbum der schwedischen Vikingrocker NIDHÖGGS VREDE zieht. Weniger nordisch, dafür aber um so feuchter, geht es dann in dem Konzertbericht über das elfte „Endless Summer-Festival“ zu. Und was wäre der ZWERGPIRAT ohne eine Piratenstory? Diesmal geht es um das Leben und Wirken eines gewissen Stede Bonnet, der als „der unfähigste Pirat in der gesamten Karibik“ in die Geschichte der Piraterie eingehen sollte. Anschliessend folgt noch ein Interview mit SIR PSYKO & HIS MONSTERS, eine Psychobilly-Band aus Vorarlberg in Österreich. Hab’ ich was vergessen? Jau, die Konzertberichte über das „Kuggnäs Festivalen 2008“ im schwedischen Nyköping und den CONDEMNED 84-Gig in der Nähe von Hildesheim. Ausserdem finden wir im aktuellen ZWERGPIRAT noch jede Menge Kurzberichte über Konzerte, Partys und Tattoomessen. Und natürlich viele Fanzine-, Bücher-, Comic- und „Tonträger“-Besprechungen. Wie es sich halt für ein gutes Fanzine gehört. Sagen wir mal so, der ZWERGPIRAT lässt auch diesmal keine Wünsche offen. Great work!
DIE PROFIS “Neue Sensationen + alte Geheimnisse” / CD / 24 Tracks / Okt. 2008 www.teenagerebel.de
Das Album “Neue Sensationen und alte Geheimnisse” aus dem Jahre 1982 ist die erste und einzige LP des Düsseldorfer Mod-Punk-Trios DIE PROFIS. Und als Profis haben sie sich mit diesem Album erwiesen. Ein einzigartiger Sound aus fetzigem deutschsprachigen Rock ’n’ Roll im Stil der 60er, beeinflußt von Bands wie WHO, KINKS und JAM. Dazu intelligente Texte, die, entgegen dem Trend der damaligen Punkszene, frei waren von düsteren Nihilismus und aufgeblähten Anti-Staats-Attitüden. 26 Jahre später hat TEENAGE REBEL dieses viel gesuchte Album wiederentdeckt und als CD neu aufgelegt. Erweitert um einen fetten Haufen Bonusmaterial, wie z.B. Studiodemos (von 1980-83) der Vorgängerband STAIRS.
VOICE OF THE STREETS #10 / A5 Heft-Format / 64 Seiten / 2008 by vots@gmx.at / homepage: www.vots.tk
Als ich die neue Ausgabe des VOTS aus der Post zog, fiel mir sofort das geniale Farb-Cover ins Auge,- und ein netter kleiner “Voice of the Streets”-Pinsticker in die Hände. Letzteren gibt es aber nur in den ersten 300 Heften. Herausgeber Massimo feiert mit dieser Ausgabe ein kleines Jubiläum: Die zehnte Ausgabe des “Voice of the Streets”-Fanzine. Meinen Respekt! Grund genug, mal kurz die Korken knallen zu lassen, und sich dann der Lektüre dieses Heftes zu widmen. Und das bietet jede Menge interessanten Lesestoff. Neben einem “Kampfsportspezial” für die ganz harten Jungs, gibt es Teil 3 der “Skinhead History Austria”-Serie. Diesmal ist es ein Rückblick auf die Szene in der Steiermark. Um einen “gesunden Geist in einem gesunden Körper” geht es in “Mens Sana - In Corpore Sano”: Geboten werden reich bebilderte Fitnessübungen für den Hausgebrauch! Wer es denn braucht - nur zu! In dem Artikel “Moderne Jäger und Sammler” beschäftigt man sich mit der exessiven Sammelwut von Vinylfreaks. Das ganze hat einen ziemlich kritischen Unterton, den ich nicht in allen Punkten teile. Und hier Kommerz zu beklagen, ist schon ein wenig überzogen. So ist das halt in der Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Schliesslich kann eine Plattensammlung durchaus so etwas wie eine Kapitalanlage sein. Wenn mir ein Japaner eine seltene MISFITS-Single, für die ich vor 20 Jahren gerade mal 12 DM (6 EU) bezahlt habe, für 850 Dollar abkauft, dann habe ich die 12 DM doch gut angelegt - oder? Themenwechsel: Kennt ihr das? Nach vielen Jahren trifft man sich mal wieder mit alten Freunden, schwelgt in Erinnerungen an alte Zeiten, und irgendwann kommt dann die Mutter aller Fragen: “Was wurde eigentlich aus…?” Diese Frage stellt sich auch der Herausgeber des “Voice of the Streets”, nur geht es dabei nicht um alte Freunde, sondern um Bands wie KNUCKLEHEAD, BULLDOG SPIRIT, THE BIG HEAD und SMELLY ANCHORS. Neben einer umfangreichen Abteilung mit Musik- und Fanzine-Reviews, finden sich noch Interviews mit BELLIGERENT 86 (Streeetpunk) aus den USA, der Hardcore-Formation SPIT ON YOU aus good old germany und den Oi!-Rocker von GATANS LAG aus Schweden. Nicht zu vergessen das Interview mit den deutschen GHOSTBASTARDZ (Oi-Punk). Den ultimativen Lesespass bietet Massimos schriller Reisebericht über einen Urlaub auf Fuerteventura. Das muss man einfach gelesen haben. Köstlich. Nur habe ich mir zwischendurch die Frage gestellt, warum die Össis immer so penetrant über uns Deutsche ablästern müssen. Von wegen “Herdentrieb”! Fazit: Eine gelungene Jubiläumsausgabe, in der einfach alles stimmt. Optisch und inhaltlich! Auf die nächsten zehn Ausgaben!!!
Na endlich! Darauf hat die Welt schon lange gewartet, auf eine Neuauflage des lange vergriffenen PÖBEL & GESOCKS-Album “Schönen Gruss” aus dem Jahre 1994. Das erste und einzige in Originalbesetzung eingespielte Album der (für manch einen legendären) ex-BECKS PISTOLS. Sinnfreier Ruhrpott-Punk auf dem intelektuellen Level leer gesoffener Bierflaschen. Derbe, prollig,- und um es mal auf den Point zu bringen: so richtig asozial! Textlich bewegt man sich durch den Alltag echter Ruhrpottpunker. Und der dreht sich, glaubt man den Texten dieser CD, um saufen und ficken - und ficken und saufen. Die Neuauflage dieser CD enthält zusätzlich sieben Bonustitel aus dem Jahre 1996, die seinerzeit nur in den USA veröffentlicht wurden. Kurz und knapp: Die ultimative Pflicht-CD für jeden angehenden Nachwuchspunker mit Stil.
DER BEWÄHRUNGSHELFER #14 September 2008 / 72 Seiten / A5-Heftformat / Incl. Promo-CD mit 19 Tracks
Sehr persönlich gehaltenes Skinhead-Zine eines hessischen Szene-Veteranen. Da spürt man zwischen den Zeilen noch den rebellischen old-school-spirit der Achtziger Jahre. Der Macher dieses Zines schleimt sich nicht verstohlen über den verlogenen und angepassten Szene-Mainstream, sondern macht sein eigenes Ding. Unbequem, ehrlich, kompromisslos - und vor allen Dingen 100% PC-frei! Auch wenn die Interviews mit AGITATOR, STAHLGEWITTER oder RETALIATOR so manch einem Gutmenschen die Galle hochtreiben werden. Mögen sie daran ersticken! Ein gar lustiger und liebenswerter Geselle muss doch jener BW-Mitarbeiter “Bussi” sein, der mit seinem Bericht “Widerstand mit nem Bier in der Hand oder Biertrinken auf Demos ist uncool” den Beweis erbringt, das man sogar als Skinhead auf einer Demo im Wendland ne ganze Menge Spass haben kann. Nur sollte man, wenn man ein Punkkonzert besucht, den richtigen Eingang benutzen, sonst landet man, wie jener wackere “Bussi”, auf einer Parteiveranstaltung der PDS. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte, die aber diesmal vom Herausgeber des BW erzählt wird. Nicht zu vergessen: “Back to the past”. Ein geiler Konzertbericht über den Hildesheimer Gig von INDECENT EXPOSURE im August 2008, die es genau 23 Jahre nach dem fantastischen Konzert auf einer Kuhweide in Groß-Parin (August 1985) zum zweiten Mal nach Deutschland verschlagen hatte. Eine weitere Band, die damals in Groß-Parin die Skinhead-Meute zum Toben brachte, waren (neben DIE HARD) die BÖHSE ONKELZ! Eine umstrittene Band, keine Frage, aber bevor man den ONKELZ “Verrat an der Skinhead-Bewegung” unterstellt, sollte man sich erst mal die ONKELZ-Story aus dem aktuellen BW zu Gemüte führen. Als Band sind sie wohl den einzig richtigen Weg gegangen, auch wenn dabei ein Mensch wie Kevin auf der Strecke geblieben ist. Was noch fehlt? Dass sind jede Menge An- und Bemerkungen über Politik und Gesellschaft - und natürlich viele Fotos, Grafiken und diverse Musik- und Fanzinebesprechungen. Ein rundum gelungener Lesespaß. Weiter so!
“BOUND FOR THE BAR”-Sampler (Vol.3) / CD im aufklappbaren Digipack mit Mini-Poster / 13 Tracks / Incl. Bonus-DVD / 2008
Es ist ja nicht so, als ob mich Punkrock “intellektuell überfordern” würde, wie mir mal ein kluger Kollege vorgeworfen hat, aber viele der derzeit angesagten Punkrock-Combos sind doch irgendwie austauschbar. Oder sie treten seit Jahren musikalisch auf der Stelle. Das es auch ganz anders geht, beweisen dreizehn internationale Punkbands auf der BOUND FOR THE BAR - Vol.3-CD. 13 heisse Tracks für Punks, Drunks & Lowlifes. Das ist Punkrock pur! Das garantieren internationale Punkrockkracher wie ROGER MIRET & THE DESASTERS, PETER PAN SPEEDROCK, THE GENERATORS, THE GRIT, THE PEACOCKS, WHISKEY REBELS, FRONTKICK, HEARTBREAK ENGINES usw.usw. Wer auf flotten und melodischen Punkrock steht, der kommt bei dieser CD voll auf seine Kosten. Mir hat sie jedenfalls gefallen. Zumal das aufwendige Digipack noch eine Bonus-DVD mit geilen Liveacts und Interviews enthält.
UNION JACK - Skinhead Fanzine # 6 / Aug. 2008 / A5-Format / 52 Seiten / 1,50 EU Contact: Union Jack Skinzine, Postfach 2159, 29403 Salzwedel, GERMANY oder: bootsandbeer@gmx.net
Klassisches Skinhead-Fanzine, das optisch und inhaltlich zu gefallen weiß. Aaargh! Das war aber jetzt ein blöder Anfang - oder? Na denn! Die aktuelle Ausgabe des UNION JACK kommt diesmal direkt zur musikalischen Sache. Und das sind jede Menge geile Konzertberichte, u.a. mit VOLXSTURM, PERKELE, KRAWALLBRÜDER und GERBENOK, und Interviews mit PRESSURE 28, BOLLDOZER BCN, STOMPER 98, CLOSE COMBAT, FORBIDDEN KINGS und SUICIDE KIDS. Obwohl ich das Gefühl habe, dass man es in dieser Ausgabe mit den “Tonträgerbesprechungen” doch ein klein wenig übertrieben hat. Neben vielen Fotos, diversen Fanzine- und DVD-Besprechungen bietet diese Ausgabe noch einen interessanten Bericht über die Glatzen-Szene in Chile. Angenehmes Layout, sauberes Druckbild, netter Schreibstil; was soll ich sonst noch sagen? Es macht grossen Spass solche Fanzines zu lesen.
BEZIRK 7 / # 8 / 2008 / A 4-Format / 88 Seiten / inkl. 14seitigem Sonderdruck / inkl. “Soundtrack der Strasse II”-CD (nur in den ersten 500 Heften) Kontakt: Bezirk7@505crew.de
Dieser Tage lag bei mir ein dicker Umschlag auf der Treppe. Darin steckte die achte Ausgabe des BEZIRK 7-Fanzine aus Porz am Rhein! Vollgepackt mit massenhaft Informationen, zahlreichen Interviews, mehr oder weniger aktuellen und interessanten Neuigkeiten, bööösen Gerüchten, coolen Sprüchen, Musik- und Fanzine-Reviews, und, wie sollte es bei einem furiosen Schreiber wie Markus auch anders sein, mit jede Menge Spass an der Sache. Und nur das zählt bei diesem Fanzine. Und nicht der billige Kotau vor irgendwelchen linken oder rechten Szene-Ärschen. Komplettiert wird diese Ausgabe durch ein erstklassiges Layout, geiles Druckbild, und vielen Fotos aus Szene und Alltag. Ich will jetzt nicht den ganzen Inhalt des Heftes runterbeten, sondern mich auf die, aus meiner bescheidenen Sicht, interessantesten Artikel und Interviews beschränken. Der Höhepunkt des Heftes ist ohne Zweifel das sehr ausführliche Interview mit Angry Anderson, dem genialen und fast schon legendären Frontmann von ROSE TATTOO, eine der geilsten Rock’n’ Roll-Bands vonne Welt! (Anfang der Neunziger Jahre war es mein Hobby, mit dem Mountainbike und dem wahnwitzigen Sound von ROSE TATTOO auf dem Kopfhörer meines Walkmans die riesigen Kokshalden im Dortmunder Hafen runterzubrettern. Bis ich mir dabei Schlüsselbein und zwei Rippen gebrochen habe. Ein weiteres Hightlight ist das Interview mit Roody Moreno von OPPRESSED. Markus und Roody reden über Bands, über Platten, über Skinheads, über Nazis, und wärmen dabei auch nochmal die alten abgelutschten SHARP-Parolen der Achtziger Jahre auf. Ein weiteres Interview führte Markus (wohl schon 2005) mit dem damals 33jährigen Skinhead Andre Pilz. Bekannt als Autor des “ersten deutschen Skinhead-Romans”, der 2004 unter dem schmalzigen Titel: “No Ilores, mi quierida - Weine nicht, mein Schatz” im “Archiv für Jugendkulturen” des Klaus Farin veröffentlicht. Ich könnte ja jetzt was von der Nachtigall erzählen, die ich gerade trapsen höre, aber diese Bemerkung verkneife ich mir lieber. Das hätte besser auch Andre Pilz getan als er sein Buch im Interview mit dem BEZIRK 7 als “Liebeserklärung an den (Skinhead)Kult” outete. Eine “Liebeserklärung”, die sich mehr oder weniger gekonnt der altbekannten Klischees der “Anti-Skinhead-Literatur” bedient. Jedenfalls hatte ich nach der Lektüre dieses Interviews sofort die angeschwulte Film-Schmonzette “Oi! Warning” vor Augen. Mit dem einen Unterschied dass sich “Romanheld” Rico im Gegensatz zum “Filmhelden” nicht in einen schwulen Schmuddelpunk verknallt, sondern in ein dunkelhäutige Südamerikanerin. Das ist auf jeden Fall politisch korrekt, hat den gewissen multikulturellen Touch und ist sicher exotischer als sich von einem versypften Punker in den Arsch ficken zu lassen. Obwohl auch Romanheld Rico (“noch schwach und auf der Suche nach einer starken Gruppe”) so auf den ortsansässigen “Oberskin” abfährt, dass er ihm schliesslich einen runterholt. Nun denn! Mitten aus dem realen Leben gegriffen ist dagegen der Bericht über den “BEZIRK 7-Betriebsausflug”! Der führte Markus und seine Freunde zu Bauer Ewald auf den Prickingshof. Ihr kennt Bauer Ewald und den Prickingshof nicht? Das ist aber echt ne Bildungslücke. Der Prickingshof liegt im Münsterland und ist das “Mekka” des Hartz 4- und Rentner-Prektariats. Bis zu 2000 Menschen, zumeist der Kathegorie “Friedhofswarteschleife”, werden da jeden Tag durchgeschleust. Für 9,99 Euro, inkl. An/Abreise, Eintritt und einem Tombola-Los. Als Zugabe gibt es für jeden noch ein “Wurstpaket”. Aber nur, wenn man zuvor an einer zweistündigen Verkaufsveranstaltung für Rheumadecken, Krampfadernsalben, Bett- und Bratpfannen, Thrombosestrümpfe, Seniorenwindeln, Schnabeltassen, Faltencremes, Kochtöpfe und Matratzen gegen Weltraumstrahlen teilgenommen hat. Danach erwartet den Besucher nicht nur jenes “Wurstpaket”, sondern als Höhepunkt des Tages das kollektive Vertilgen von XXXL-Schnitzel im hofeigenen Bauer Ewald-Restaurant. Gefolgt vom kollektiven “Senioren-Tanz” auf der Diele. Wo die betagten Herrschaften zur Mucke der hauseigenen “Happy Bums”-Band die künstlichen Hüftgelenke schwingen und gemeinsam zur Melodie von “Oh Tannenbaum” die Prickingshof-Hymne singen. "Oh Prickingshof, oh Prickingshof, wie groß sind deine Schnitzel, die ißt so schnell noch keiner weg, die sind so groß wie'n Lokusdeck." ICH FASS ES NICHT! Wie es Markus und seinen Freunden in dieser gerontologischen Freakshow ergangen ist, und warum es am Ende für jeden von ihnen noch einen Sack Kartoffel gab, diese schräge Story darf man sich nicht entgehen lassen. Weniger lustig ist der Artikel “Big Brother is warching you”. Aber angesichts der paranoiden Sicherheits- und Überwachungsgesetze, die uns Innenminister Schäuble auf die Backe drücken will, ist so ein Artikel wichtiger als je zuvor. Auch wenn noch nicht alle kapiert haben, dass schon jetzt ganz massiv in unsere Freiheits- und Bürgerrechte eingegriffen wird. Aber wechseln wir das Thema. “Und ich dachte schon Du wärst bei der Polizei..!”, murmelte der Porno-Produzent Harry S. Morgan überrascht als ihn der smarte Herausgeber des BEZIRK 7-Fanzine um ein Autogramm bat. Aber nein, Mädels, Ihr habt richtig gelesen! Frauenversteher Markus war Gast einer Autogrammstunde, zu der eben jener Harry S. Morgan und seine mit kürbisgrossen Silikon-Titten bestückte Haupt-Darstellerin Vivian Schmitt in eine Videothek geladen hatte. Besonderer Höhepunkt dieser Veranstaltung war eine Strip-Show, bei der eine der emsigen Stripperinen im Eifer des Gefechts und zum Gaudi des sachverständigen männlichen Publikums, mit dem Schädel gegen die niedrige Decke der Videothek “bumste”. Jedenfall bietet dieser Bericht einen authentischen Einblick in die tiefen sexuellen Abgründe der rheinischen Provinz, und - last, not least - in die vielfältige Freizeitgestaltung unseres bumdfidelen Herausgebers. Ausserdem ist vor einiger Zeit der mecklenburgische VOLXSTURM ins Studio gegangen, um um ein neue Album einzuspielen. Das BEZIRK 7-Fanzine war mit der Kamera dabei! Herausgekommen ist eine tabulose und unzensierte Foto-Story über den Alltag einer norddoitschen Glatzenband. Nicht weniger prall, feucht und urwüchsig geht es zu, wenn Markus von seinen Alkohol getränkten Erlebnissen auf dem “Oi! the Meeting 2008 in Wegeleben” berichtet. Da wackeln nicht nur die Zelte! Aber bevor ich mich auch hier wieder in Ab- und Ausschweifungen ergehe, sollte ich endlich zum Schluß kommen. Auch wenn dann vieles aus dem Heft unerwähnt bleiben muss, wie z. B. der Szenebericht aus Griechenland “Oi! Oi! Hellas”, oder die Interviews mit der schwedischen Psychbilly-Band SPINBALLS und den italienischen Streetrockern von THE VENDETTA. Mein Fazit: Ein saugeiles Fanzine, das inhaltlich und optische keine Fragen offen lässt.
Eigendlich ist die “13” ja ‘ne Unglückszahl. Aber nicht in diesem Fall, denn die “Dreizehn” auf dem Cover der neuen SUBCULTURE SQUAD-CD steht für dreizehn runde Jahre rockender “Niedersachsenterror”. Obwohl es auf der CD nur fünf neue Songs gibt, alle anderen wurden schon mal auf diversen Demos oder Sampler veröffentlicht, verbreitet “Dreizehn” keine Langeweile. Im Gegenteil! Gemäss ihrem Motto, “Artenvielfalt ist Lebensqualität”, bewegen sich SUBCULTURE SQUAD recht unbekümmert, aber musikalisch perfekt, durch alle nur denkbaren Musikstyles. Ob knüppelnder Punkrock, derber Hardcore, flotter old school Rock’n’Roll oder hymnenhafte OI!-Songs, nichts ist den fünf Herren von der nordeutschen SUBCULTURE SQUAD fremd. Herausgekommen sind saugeile Coverversionen von DANZIG, COCK SPARRER, OHL, IRON CROSS, EJCTED, WARZONE und SICK OF IT ALL! Und gerade diese “Artenvielfalt” macht den Reiz dieser CD aus. Bevor ich es vergesse, am Ende (nach einer kleinen Pause) gibt es noch einen netten schweinischen Bonus-Song. (GRÖHL!)
BULLDOZER BCN “On the blacklist” / CD / 11 Tracks
Eine Band, die erst nach sechs Jahren ihr Debüt-Album rausbringt, das will schon was heissen in unserer schnelllebigen Zeit. Und wenn es sich dabei um eine ausserhalb Spaniens fast unbekannte Oi-Streetrockband aus Barcelona handelt, dann sollte man schon etwas genauer hinhören. Es lohnt sich! “On the blacklist” bietet elf energiegeladene und kraftvolle, englisch gesungene chorusbetonte Oi!-Hymnen, die jeden Streetrockfan sofort aufhorchen lassen, und (nicht nur sie) begeistern werden. Musikalisch perfekt, tough und gradlinig, eine Hammerproduktion, die nach deutlich mehr verlangt! Und die, die BULLDOZER BNC einmal live on stage erleben möchten, denen sei das diesjährige OI THE MEETING-Festival empfohlen.
BOMBECKS “Nehmt es oder lasst es!” / CD/LP / 11 Tracks
Zwei Jahre nach ihrem “Auge um Auge”-Album haben die BOMBECKS aus Thüringen mit “Nehmt es oder lasst es!” erneut zugeschlagen. Und haben auf dem neuen Album, dem vierten in ihrer über zehnjährigen Bandkarriere, mal wieder jede Menge musikalische Volltreffer gelandet. Zehn neue Songs (dazu ein Cover-Song), die mitreissen und unter die Haut gehen. Besser als das dritte Album? Jein! Da bin ich ein wenig gespalten. Was kann den Song wie “Auge um Auge” vom dritten Album übertreffen? Oder “Mann gegen Mann” vom neuen Album? Nein! Beide Veröffentlichungen sind für mich gleichwertig, und das auf sehr hohem Niveau. Besonders, was die Lyrik und die Kraft ihrer Musik betrifft. Musikalisch ist das glatzköpfige Trio aus Thüringen natürlich professioneller geworden (“reifer” klingt immer so abgelutscht), aber die Band hat sich trotzdem (oder gerade dehalb) den rauen Charme und die Wut ihrer früheren Jahre bewahrt. Ein verdammt ausdrucksstarkes und vielseitiges Album, das bei einem kompromisslosen Anti-Kriegssong wie “Feuersturm” sogar nachdenklich macht. Einen rabiaten englischsprachigen Ausflug in Richtung “Streetcore” gönnen sich die BOMBECKS mit “Break Out”! Ein Song, der gnadenlos fetzt! Aber “Der Schatten deines Lebens” hat mich fast vom Hocker gehauen. Was da ganz gemächlich beginnt, peitscht sich zu einer Atemlosigkeit hoch, die einem fast die Schuhe auszieht. Skinhead-Rock vom allerfeinsten. Da bleibt kein Auge trocken und steigt der Adrenalinspiegel! Vielleicht steigt der auch bei einem Song wie “Verlogene Seelen”! Politiker, die ständig die “Politikverdrossenheit” des Bürger bejammern, sollten sich diesen Text einmal ganz genau anhören. Dann hätten sie die Antwort, warum so viele Menschen an diesem politischen System zweifeln und machmal sogar daran kaputtgehen. Aber wann haben “die da oben, denen da unten” schon mal richtig zugehört? So what? Social war most coming! Aber bevor dieses Land endgültig den Bach runtergeht, heben wir mit den BOMBECKS noch einmal die Gläser (oder Flaschen) und trinken “Auf die alten Zeiten”! Und die alten Freunde - und auf dieses saustarke Skinhead-Album!
STOLZ & STIL - #21 / April 2008 Skinzine für “Lebensart, Rebellion und Musik” / 68 S. / DIN A4-Format mail: stolzstil@web.de
Die einundzwanzigste (21) Ausgabe des STOLZ & STIL-Fanzine hat sich ein neues Outfit zugelegt: Ein A4-Format! Also Jungs, machen wir es mal kurz: Das Druckbild und das Layout ist astrein, bis auf die Kleinigkeit, dass mich die Löcher im Blocksatz nerven. Das sieht so unaufgeräumt aus. Vielleicht solltet ihr demnächst mal die Silbentrennung benutzen. Obwohl die manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen Coverzeichnungen des STOLZ & STIL charakteristisch für dieses Fanzine sind, geht beim neuen A4-Format vieles von deren Wirkung verloren. Im alten A 5-Format kamen die Zeichnungen besser zur Geltung. Zur aktuellen Ausgabe hätte ein geiles Foto (wie das auf der Coverrückseite) optisch besser gepasst. Für all diese kleinen Schwächen entschädigt jedoch der Inhalt. Und der ist - wie immer - vielseitig, informativ und dabei auch noch unterhaltsam. Meine Top-Favoriten in diesem Heft sind das Interview mit Gary Hodges von den 4 SKINS, und das Interview und die Bandinfos über INDECENT EXPOSURE. Weitere Inis wurden mit MAO DE FERRO aus Brasilien und dem deutschen STURMTRUPP geführt. Die SELBSTSTELLER aus Riesa stellen sich gemäss ihres Bandnamen selber vor. Dann gibt es noch einen “Skingirl-Test”, und da ich ein Mensch bin, der an keinem solcher Tests vorübergehen kann, habe auch ich ihn gemacht. Das Ergebnis werde ich natürlich NICHT verraten. Ausserdem finden wir noch jede Menge frische und nicht mehr ganz so frische Fanzine- und Musikrezessionen. Und nicht zu vergessen den ersten Teil der STOLZ & STIL-Story. Also mal wieder ein gnadelos geiles Leseerlebniss aus Sömmerda. Bis halt auf die kleinen optischen Schönheitsfehler, aber grämt euch nicht, Freunde: Nobody is perfect!
OHL - “Feindkontakt” / CD / 12 Tracks / Nov. 2006 / Bonus: Drei Live-Videos
Ausser “Feindkontakt” nichts neues von der “Obersten Heeresleitung”! Damit könnte man es eigendlich belassen, und die neue OHL-CD dahin befördern, wo sie hingehört: In den Mülleimer! Zog man Anfang der Achtziger Jahre noch gegen “Roten Terror” oder die “DDR” in den Kampf, so hat sich OHL inzwischen auf ein neues Feindbild eingeschossen, den Islam! Deutscher W. und Kumpanen faseln auf ihrer neuen CD vom “Kampf der Kulturen”, in dem wir “fest zusammenstehen” müssen, geht es doch um den “Erhalt unserer Freiheit, für demokratische Strukturen." Was für ein Müll; unsere Freiheit und demokratischen Strukturen werden nicht vom Islam (oder gar Osamar Bin Laden) bedroht, sondern von den bürger- und freiheitsfeindlichen Repressions- und Überwachungsgesetzen (wie z.B. die Vorratsspeicherung, Online-Duchsuchungen) unserer Regierung. Zurück zu OHL: Statt den Dialog und die Verständigung zwischen den Kulturen zu suchen, predigen sie primitiven Hass: Denn "wir sind das Gute, die freie Welt”, die anderen sind “das Böse”, und deren “Tage sind gezählt”. Nichts wird von OHL hinterfragt. Nicht die Kriegslügen des George Bush. Nicht das Folterlager Guantanamo. Nicht die Millionen tote Zivilisten im Irak und in Afganistan. Nichts! Da wird nur dumpfbackenmässig draufgehauen, eindimensional, verallgemeinernd und latent rassistisch. Es wird stigmatisiert, pauschalisiert und dabei eine der ältesten Kulturen der Welt (Islam) und ihr Religionsstifter (Mohamed) diffamiert. "Es ist euer Prophet, der die Welt bedroht, es sind eure Gebete, in denen das Böse wohnt." Da im Islam die Gebete der Gläubigen aus Koranversen bestehen (den “geschriebenen Worten des Propheten”), wohnt das “Böse” im Koran? Ich fass’ es nicht! Wie kann man nur so dumm daherreden? Noch schlimmer kommt es, wenn sich die “Kreuzritter” von OHL der verquasten Redneck-Ideologie und Sprache des christlichen Fundamentalisten George Bush bedienen: "Ihr seid der Feind der freien Welt, ihr seid die Pest, die uns befällt, die Achse des Bösen." Man sollte OHL vielleicht daran erinnern, dass es in diesem Land schon einmal Menschen gab, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit als “Pest” diffamiert worden sind. Und deren Tage waren wirklich “gezählt”. OHL - es reicht!
DER ZWERGPIRAT # 10 / Fanzine / 80 Seiten / A5-Format / 2,00 EU Contact: C. Hantel, Augsburger Str. 18, 85290 Geisenfeld, GERMANY
Ahoi, der noie ZWERGPIRAT ist in Dortmund vor Anker gegangen. Das hat was! Bis auf die seltsame Zeichnung auf dem Frontcover, die gefällt mir überhaupt nicht. Das wäre mein erster Kritikpunkt, und das war dann aber auch mein letzter. Mehr gibt es nicht zu meckern. Womit soll ich jetzt anfangen? Am besten mit dem Bericht über das “Rock my ass festival” mit LAST RESORT, EXPLOITED, TOWERBLOCKS usw. Alles sehr ausführlich und plastisch beschrieben. Als ob man selber dabei gewesen wäre. Da fällt mir ein, dass ich EXPLOITED erst einmal gesehen habe, und zwar 1981 in Hohenlimburg. Ein absolutes Scheisskonzert war das damals. Mit sinnlos prügelnden Ordnern und vielen Verletzten. Ich finde diese Band einfach Scheisse. Damals wie heute! Jedenfalls beschränkt sich der Autor dieses Festival-Berichts nicht nur auf das öde Abhandeln der einzelnen Bandacts (A war scheisse, B noch beschissener, aber C hat mich wieder in die Halle getrieben), sondern präsentiert nebenbei noch so kleine herzige Storys, die bei Konzertberichten manchmal sogar der interessantere Teil sind. Die Bands kennt man doch eh. Nicht jeder kennt die Vikingrocker von NJORD, aber diese kleine Bildungslücke wird durch ein Interview mit dem Drummer der Band behoben. Nordisch geht es weiter, und zwar mit einem Interview mit der Band KRAFTHEIM. Teutonischer Vikingrock aus dem Teutoburger Wald. Das ist da, wo einst Hermann der Cherusker tausende römische Legionäre um einen Kopf kürzer gemacht hat. Wundert mich, dass die Nachfahren der kopflosen Legionäre bis heute keinen Antrag auf Wiedergutmachung gestellt haben - Oh, Scheisse, das war aber jetzt alles andere als politisch korrekt! Und natürlich, wie sollte es anders sein, beschäftigt sich der ZWERGPIRAT auch in seiner zehnten Ausgabe wieder mit dem uralten seemännischen Handwerk der Piraterie. Beschrieben wird die unglaubliche aber wahre Lebensgeschichte einer chinesische Nutte, die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts Anführerin einer der mächtigsten Piratenflotten der Welt wurde. Die schlitzäugige Dame hatte sich gewissermassen durch die Hängematten der Piratenhirachie bis ganz nach oben durchgebumst. Respekt! Und dann wäre da noch die Story über einen gewissen Fürst Dracula III. Auch bekannt geworden als “Vlad, der Pfähler”. Jener rumänische Fürst lebte im vierzehnten Jahrhundert und hatte die Angewohnheit, seinen Feinden, Rivalen, Exfrauen oder wem auch immer, einen angespitzten Pfahl in den Arsch zu rammen, und jenen Pfahl dann aufzurichten. Klar, dass der menschliche Körper, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, langsam nach unten strebte, bis der Pfahl, der sich mühsam einen Weg durch die Eingeweide, die Magenhöhle und den Brustkorb erkämpft hatte, durch den Mund oder die Schulter des Gepfählten wieder ins Freie trat. Flutsch! Das muss man sich jetzt so vorstellen, als würde man einen Grillspiess gaaanz laaangsam durch den Arsch eines Broilers schieben. Na ja, oder so ähnlich. Hey, mit Broilers meine ich nicht die gleichnamige Band, sondern ein Grillhähnchen. Voll geil die Biografie einer englischen Punkband, der wir ne ganze Menge Klassiker zu verdanken haben: “The Story of ONE WAY SYSTEM”.Als Gavin White bei ONE WAY SYSTEM ausgestiegen ist, war das für mich das Ende dieser Band. OWS ohne die markante Stimme von Gavin? Undenkbar! Eines der vielen Highlights im ZWERGPIRAT ist die starke Kolumne “Leiche fragt: Where have all the Sinheads gone?” Das, werter Freund, habe ich mich in den letzten Jahren auch des öfteren mal gefragt. Zum Schluss kommend muss ich feststellen, dass ich vieles aus der aktuellen Ausgabe nicht erwähnt habe, aber eines ist sicher: Dank der coolen Schreibe von Carsten und “Leiche”, und einem gepflegt aufgeräumten Layout ist der ZWERGPIRAT ein starkes Stück Fanzine. Weiter so, meine Herren!
Also ich muss sagen, bei dieser Band hatte ich schon früh das richtige Feeling für geile Musik. SOCIAL DISTORTION war nämlich die erste Amiband überhaupt, der ich (damals noch fanatischer Deutsch- und Britishpunk-Fan) eine längere Story in meinem Punkzine FALSCHMELDER gewidmet hatte. Das war im Jahre 1983. Bis dahin waren mir Amibands so ziemlich am Arsch vorbei gegangen. Bis mir aus dem sonnigen Kalifornieneines der Bandmitglieder von JODY FOSTER ARMY neben JFA-Demos und ihrer Debütsingle “JFA” auch das Debütalbum von SOCIAL DISTORTION “Mommys little monster” und deren zweite Single “1945”(von 1982)ins verregnete Germany schickte. Ich zitiere jetzt mal aus dem FALSCHMELDER von 1983: “Punk, Hardcore, Rock’n’Roll, Country - das sind die Bezeichnungen die mir jetzt so spontan einfallen. Die Musik der vier Orange-County-Boys ist einmalig, man liebt oder hasst sie. Mike Ness und seine Mannen schlagen so Milchbubies wie die hochgejubelten HANOI ROCKS oder MOTLEY CRÜE um Meilenlängen. Mein Verdacht erhärtet sich, all die Musikkritiker bekommen nur die von der Industrie gepushten Langrillen, der ”real rock’n’roll” bleibt dabei auf der Strecke, es lebe die Inzucht...” Seither sind fast 25 Jahre vergangen, in denen fünf weitere Alben der LA-Punkrocker rausgekommen sind. Und nun dieses “Greatest Hits”-Album! Musste das sein? JA! Das musste sein, denn diese Compilation versammelt ein Vierteljahrhundert Ami-Punkrock vom Allerfeinsten. Darunter so Hits wie "Story of my life", "Ball and chain", "Prison bound" oder den genialen Johnny-Cash-Coversong "Ring of fire". Aber wo sind "Sick boys" und "So far away"? Ohne diese beiden fantastischen Songs ist dieses “Greatest Hits”-Album eigendlich nicht komplett - oder?
DISCIPLINE-Holzbox “Join the Red & White Army”(Nov. 2007) (Die Box ist auf weltweit 1000 Exemplare limitiert)
G. Gruse: Ich könnte mich ja jetzt in tausenden von Superlativen ergehen, aber ich sage nur ganz schlicht und einfach:Die hölzerne DISCIPLINE-Box ist saugeil! Thumbs up, guys! Über DISCIPLINE(“Mit ihren Glatzen, Tattoos und Springerstiefeln gelten sie als gefürchtete Hooligans und zählen mindestens genauso viele erbitterte Gegner wie loyale Fans.”) brauch’ ich wohl nicht viele Worte zu verlieren, wer den brachialen Sound der vier kahlköpfigen Streetcore-Hools ("Red & White Army") aus dem niederländischen Eindhoven nicht kennt, der ist es selber schuld, und verdient kein Mitleid. Nicht aus Zufall waren sie schon mit AGNOSTIC FRONT auf Tour. Einer der ultimativen Höhepunkte ihrer Bandkarriere war wohl ihr fantastischer Auftritt auf dem ONKELZ-Abschiedskonzert am 17./18. Juni 2005 auf dem Lausitzring (siehe Video!), als sie vor einer gigantischen Kulisse von über 120.000 Menschen den ONKELZ mit dem Song “Nice boys finish last” ihre Referenz erwiesen haben. Für die zahlreichen Fans dieser Band (und für die Sammler von schweren Vinyl) ist die DISCIPLINE-Box also ein MUSS! Die vier DISCIPLINE-Alben “Nice Boys finish last” (1999), “Love Thy Neighbor” (2000), “Saint & Sinners” (2002) und “Downfall Of The Working Man” (2005) neu aufgelegt als fette Picture-Disc (Siehe oben). Einfach Klasse!