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GEHÖRT & GELESEN
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OPEN VIOLENCE “Skinhead rules” / 4 Tracks / 2011 / als CD, Digipack (Lim. 250 Exemplare) oder Vinyl-Mini-Lp (Lim. 250 Exemplare)
Verdammt starkes Mini-Album einer verdammt starken Band aus dem Osten unserer Republik. Nicht nur der straighte streetpunk-rock’n’roll von OPEN VIOLENCE hat mich sofort gefesselt, sondern auch die wütende Sozialkritik in ihrer Lyrik. Wie z.B. in dem Song “Armes Deutschland” (Zitat): “Multipack und Aktionäre bestimmen unser Leben, Politiker ihre Marionetten wie Puppen an ihren Fäden...” Eine treffende Beschreibung unseres kaputten Landes, dessen "soziale Marktwirtschaft" sich mit Hilfe der Politik in einen hemmungslosen Raubtierkapitalismus verwandelt hatte. Jedenfalls erinnern mich die engagierten Texte dieses Mini-Albums doch stark an die Punk-Lyrik der späten siebziger bis frühen achtziger Jahre, als “Punk” noch nicht zum schleimigen Arschkriecher des Systems degeneriert war, sondern für schonungslose Kritik an den herrschenden Verhältnissen stand. Mein Favorit und Anspieltipp: “Kampf ohne Ende”! Fazit: Kompromisslose Texte, geile Stimmen und harte Musik - da gehen mal wieder beide Daumen hoch.
DER BRETONISCHE WAFFENVERBAND “20 ans de’ja’!” / 11 Tracks / 2012 / Top-layoutetes 16seitiges Booklett mit allen Texten und vielen Fotos
Was für ein martialischer Bandname, war mein erster Gedanke als ich diese CD in den Händen hielt. Egal, nach einem (etwas fantasielosen) Mini-Intro kommen die fünf Bretonen auch direkt zur Sache. Und die ist - wie auch die harten Gitarrenriffs am Anfang des ersten Songs - alles andere als weichgespült. Ich hab’ zwar vor gefühlten hundert Jahren mal Französisch gelernt, trotzdem hab’ ich mit dem Verstehen dieser Sprache so meine Probleme. Immerhin habe ich verstanden, dass sie in dem Song “Jeunesse Bretone”als bretonische Patrioten (Die Bretonen sind ein uraltes keltisches Volk, das sich 500 n.Chr. auf der Flucht vor den Angelsachsen in der Bretagne niedergelassen hat. Seit dem 16. Jahrhundert gehört die Bretagne zu Frankreich.) für die Unabhängigkeit der Bretagne in einem föderalen Europa eintreten. Musikalisch pflegt man einen Stil, der mich an eine Zeit erinnert, in der die Mitglieder der Band ihre ersten musikalischen Erfahrungen gesammelt haben. In den frühen Achtziger Jahren. Mit so geilen Bands wie TOTENKOPF oder CELTIC CROSS. Und das war französischer Skinhead-Rock pur. Laut, hart schnell und wütend, aber trotzdem verdammt melodisch. Und dieser Stil ist es, der die elf französischsprachigen Songs auf diesem Album prägt. Darunter zwei geniale coversongs (“Enfin Levé” und “Souviens Toi!”) der LEGION mit der verpönten Doppelziffer. Mein Favorit ist jedoch der Song “Bzh Skinhead”, gefolgt von “Working class”. Fazit: Ein Album, dass die Fans des französischen Skinhead-Sound begeistern wird.
ULTIMA THULE “Vikingabalk” / 13 Tracks / Neuauflage / 2011
Neu aufgelegt: Das Album „Vikingabalk“ aus dem Jahre 1997 von den (schon zu Lebzeiten) legendären Begründern des Musikgenres ‘Vikingrock’, ULTIMA THULE, zählt für mich zu den Kultalben der späten neunziger Jahre. Ein Klassiker des ‚Vikingrock‘, der aufgrund seiner hohen Verkaufszahlen mit Gold ausgezeichnet worden ist - wie noch drei weitere ihrer Alben. Das Album „Vikingabalk“ bietet elf schwedischsprachige Songs, wie das (um gleich meine Favoriten zu nennen) geniale „Balladen till Sverige“, „Da svallar vart vikingablod“ oder „Vargsang“, und zwei geile auf Englisch gesungene Coversongs („Runaway“/„When Johnny comes marching home“). Fazit des Albums: Dreizehn Songs, die unter die Haut gehen, da sie von starken Melodien, nordisch mystischer Lyrik und fantastischen Stimmen getragen werden.
Auf CLOSE SHAVE, die Herren mit der “gründlichen Frisur”, bin ich schon vor 25 Jah- ren (1987) durch den Cassettensampler „Tuckers ruckers aint no suckers” aufmerksam geworden. Im Jahr drauf kam auf LINK-Records ihr Debüt-Album "Oi! Kinnock Give us back our rose!" raus, und zwei Jahre später (1990) auf dem gleichen Label das „Hard as nails"-Album. Musikalisch pflegte die Band einen Stil, den man heute als traditionellen englischen Oi! bezeichnen würde. Die beiden Alben waren zwar gut anzuhören, aber angesichts der vielen geilen Oi!-Bands, die in jenen Jahren den Weg von der britischen Insel auf meinen verwöhnten Plattenteller fanden, nichts, was mich zu Begeisterungsstürmen hingerissen hätte. Guter Durchschnitt halt! Und so hatte ich auch keine allzugrossen Erwartungen, als ich 1992 auf das dritte Album der Band, auf "Lone Riders", gestossen bin. CLOSE SHAVE hatten inzwischen das Label gewechselt und dieses Album bei DIM-Records rausgebracht. Mit dem Wechsel zu DIM hatte sich auch der Sound der Band verändert. Der war rocklastiger geworden, der Gitarrist zeichnete sich durch mächtige Solis aus, ohne dabei in nervtötendes Hardrockgeschrummel zu verfallen. Trotzdem hatte die Band nicht ihre Oi!-Roots vergessen (Anspieltipp: “Insomnia” - Der Song ist ja so was von geil. Erinnert mich an...an was wohl?). Jeden der zehn Song auf dem Album wird von geile Melodien getragen, die noch von begeisternden Singalons getoppt werden. Fazit: Ein saustarker Skinhead-Klassiker, der es wert ist, neu aufgelegt zu werden.
RAZORBLADE - SUCKERED IN / Split-Single / 4 Tracks / Col. Vinyl / 2011 / Lim. world wide 500 Ex.
Gegensätzlicher geht es nicht mehr, wenn auf dieser auf 500 Exemplare limitierten EP von SJ der knüppelharte Streetsound von RAZORBLADE (Niederlande) auf den gitarrenbetonten Folk-Punk von SUCKERED IN (USA) trifft. Aber da sich Gegensätze bekanntlich anziehen, passen die einfach zusammen. Jede Band trumpft mit zwei exclusiven Songs auf, die einfach nur arschgeil sind. Razorblade auf der A-Side mit ihrem stählern derben “Made Of Steel” und mit “Oi! Infection” (A), wärend SUCKERED IN auf der B-Side mit der beeindruckenden OPPRESSED-Cover-Version “Same, Old Story” und “Coal Black Blood” - und mit einem fantastischen Gitarrensound - punkten können. Da gehen doch beide Daumen hoch!
Wenn man sich mal vor Augen führt, dass es sich bei den finnischen SKINBOISS um ein Duo handelt, dann bringen die beiden kahlschädelige Herren eine ganze Menge Skinhead-Power in Form von schnörkellosen old school-Oi! auf die Scheibe. Einer der musikalischen Höhepunkte auf dem Album ist jedoch der smarte SKA-Touch in “Skin Skin Skinheads”! Geil! Für mich ist dieser Song der ultimative Partykracher, dessen einprägsamer Refrain jeder mitgröhlen kann - auch wenn er noch so besoffen ist. Die Lyrics der Songs bewegen sich neben klassischen Skinheadthemen wie in “Make’em run” auf der patriotischen (Rock’n’Roll Politics”) bis sozialkritischen (“Stomp the drug dealer”) Schiene. Diese “Skinhead-Action” aus Finnland haut rein. Top!
HAIS & FIERS“Timebomb” / 6 Tracks / 2011 / 8seitiges Booklet mit Texten und Fotos
Nach ihrem furiosen Poweralbum „Coupable” („Schuldig”), für das ich im vergangenen Jahre schon mehr als „wohlwollende Worte” fand, folgt nun der zweite Streich des französischen Trios (zwei Männer und ne Frau) in Form des Mini-Albums „Timebomb”. Sechs neue, natürlich französischsprachige Songs, die den mächtigen Knallern auf „Coupable” in nichts nachstehen. Und deshalb mache ich mir jetzt einfach und verweise auf das „Coupable”-Review weiter unten, in dem ist eigendlich alles gesagt, was ich über den wütenden, rotzfrechen aber trotzdem melodischen Skinhead-Sound von „Timebomb” noch sagen könnte. Natürlich sind die Texte nichts für eierlose PC-Fetischisten, sondern bewegen sich ehr auf der patriotischen Schiene. So nach dem Motto: La France aux Français! Wie dem auch sei, meine Favoriten auf diesem formidablen Mini-Album sind “Premiere Ligne” und “Timebomb”! Fazit: Ein Album, das man nicht so schnell vergessen wird.
I DON’T LIKE YOU“Keine Reue” / 11 Tracks / 2011 / 16seitiges Booklet (grossartiges Layout) mit Texten und einen Haufen Fotos.
Schon der Bandname und das Intro lassen erkennen, dass die elf Songs auf dem Debut-Album der vier Thüringer Jungs nicht unbedingt was für die zarten Gehörgänge weichgespülter Gutmenschen oder angepasster Duckmäuser sind. Und schon mal gar nichts für jene linken Übelkrähen, die Patriotismus mit Faschismus oder Heimatliebe mit Nationalismus gleichsetzen. Jedenfalls knallen uns die vier Thüringer auf ihrer chorusbetonten Debut einen flotten und melodischen Skinhead-Rock‘n‘Roll um die Ohren, der sich hören lassen kann. Dazu noch kritische Texte wie der RAC-Song „100 Millionen” oder die Islamisierungskritik in „Feinde der Freiheit”. Wobei ich nicht verhehlen möchte, dass ich die sarrazinsche Islam-Phobie vieler Deutschen für reichlich überzogen halte. Ansonsten beinhalten die Songs so Themen wie Heimatliebe („Thüringen”) oder man besingt den alltäglichen Wahnsinn des Skinhead-way of life („Keine Reue”). Und nicht zu vergessen, die beiden geilen Coversongs „I don‘t like you” und „Streetfight” der englischen „Schraubendreher”. Fazit: Ein rundum stimmiges Debut-Album von Skinheads für Skinheads.
SCUM „The fight goes on – The collection“ / 27 Tracks / 2011 / Smartes Booklet mit den Texten und vielen Fotos
Die Freunde des guten alten Oi! werden bei diesem Album der britischen Glatzenband SCUM mal wieder voll auf ihre Kosten kommen. Bislang kannte ich von der Band ja nur die drei Demo-Songs aus dem Jahre 2001, die mich schon damals aufhorchen liessen, aber danach habe ich die vier Engländer aus den Augen verloren. Wie das so oft bei Bands geschieht, von denen man nach dem ersten Demo lange nichts mehr hört. Irgendwann hat man sie einfach vergessen. Um so grösser war meine Überraschung, als mir vor ein paar Wochen ihr Debüt-Album mit dem recht martialischen Titel "The fight goes on" zugeschickt wurde. Insgesamt umfasst das Album 27 Tracks. Zusätzlich zu den 16 Titeln des Albums gibt es noch einen fetten Bonus, und der besteht aus den drei Demosongs von 2001 und acht saugeilen Live-Songs von 2005. Dreckig, rau und ungeschliffen ihr traditioneller Skinhead-Sound, und Texte, die nicht über den politisch korrekten Mainstream schleimen, sondern knallhart zur Sache kommen. Ob es sich nun um Drogen-Dealer (“Drug Pusher”) oder um Europa (“U.S.E.”) handelt, man nimmt kein Blatt vor den Mund. Fazit: Sollte man sich unbedingt zulegen.
ULTIMA THULE “Once upon a time - a collection of raven tales” / 18 Tracks / 2011
Es war einmal - und war doch erst gestern! ULTIMA THULES Sammlung nordischer Rabengeschichten, die mit Songs aus Alben wie “Svea Hjältar”, “Carolus Rex”, “Vikinhablod” oder “Öppna Landskap” musikalisch wohl die vergangenen zwanzig Jahre dieser schwedischen Band symbolisieren sollen! Insgesamt achtzehn hymenartige Kultsongs der schwedischen Vikingrocker, davon zwölf aus der Feder des begnadeten Songschreibers und ULTIMA THULE-Sängers Jan Thörnblom, die den fast schon legendären Ruf und die musikalische Qualität dieser schwedischen Band nochmal fett und dick unterstreichen. Ob es nun klassischer Vikingrock mit emotionalen Songs wie “Fatherland” oder dem genialen “My land” ist, oder die rockigen Coverversionen von “Hurry op harry” oder “Be my Baby”, die schwedischen Vikingrocker um Jan Thörnblom begeistern immer wieder aufs neue. Da geht mal wieder der Daumen gaaanz hoch!
DONARS GROLL “Von Liebe, Hass und alten Riten” / 11 Tracks / 2010 / Booklet mit den Texten und ne Handvoll Fotos
Wenn es so etwas wie deutschen Viking-Rock gibt, dann führt kein Weg an DONARS GROLL vorbei. Gehört dieses Trio aus Sachsen doch neben der Band KRAFTHEIM zu den bekanntesten deutschen Vertretern dieser von nordischen Göttern und uralten Sagen und Mythen bestimmten Musikrichtung. Obwohl Sound und Lyrik ihres nunmehr dritten Albums gar nicht so mystisch und nordisch daherkommen, mal abgesehen von “Ewige Asatru” und dem in Althochdeutsch gesungenen “Merseburger Zauberspruch”, wobei der doch ehr in der germanischen als in der nordischen Mythologie angesiedelt ist. Soundmässig geht DONARS GROLL recht flott und melodisch zu Sache. Hier und da, wie bei dem Song “Zum Siegen geboren” (saugeil) oder “All unser Stolz” (starker Text), erinnert mich der fantastische Sound und Gesang doch mächtig an den von mir geliebten Oi!-Punk der alten Schule. Ein geiles Album, das nicht nur mit geiler Musik, sondern auch noch mit starken und intelligenten Texten beeindruckt.
OI! FUCK YOU - Best of British -Volume 1 / 18 Tracks / 16-seitiges Booklet / 2010
Bei dieser CD-Compilation hält der Sound, was das Foto auf dem Cover verspricht: Skinheadmusik vom allerfeinsten - wild, hard, angry and loud! Ob klassischer Oi!, melodischer Hardcore oder wütender Streetpunk, auf diesem Sampler gehen die Bands kompromisslos zur Sache, ohne jedoch in nervtötendes Gescheppere abzugleiten. Das verhindern so geile Bands wie die grandiosen Recken von CONDEMNED 84 - “The sound of Oi!”, TATTOOES MOTHER FUCKERS - “Another scars” und “War on the terraces”, SUPERYOB - “Rough justice”, SCUM - “Oi! Mate”, RETALIATOR - “Judge & Jury” und “Green green gras of home”, LOYALTY - “The tonbridge robbers”, THE GONADS - “Hey you!”, ONE FILE - “Stuck in 82”, CODE 1 - “Bombers”, FATAL IMPACT - “Get a life”, SPLOODGENESSABOUNDS - “You’ve been sploodges”, VICIOUS RUMORS - “G.Y.K.D.”, OVERLOAD - “Greed”, NOBODIES HEROS - “Motherfucker”, CURCHILL - “Revenge” und “This ones for the Skins”. Fazit: Ein vielseitiger und von der Zusammenstellung her gradliniger Sampler, der Bock auf noch mehr macht!
OI! WE STILL “SAY FUCK YOU”! - Best of British -Volume 2 / 15 Tracks / 20-seitiges Booklet / 2010
Um es kurz zu machen: Vom Sound und der Qualität der Bands her reiht sich “OI! WE STILL...” nahtlos an die “OI! FUCK YOU”-CD an. Und so geht es auch mit der gewohnten Härte und Schnelligkeit - und musikalischen Vielseitigkeit - weiter. Als da wären WASTED NATION - “Street of fear”, T.M.F. - “Fuck you (and you too)”, CITIZEN KEYNE - “Police staat”, WASTED LIFE - “All fucked up”, THE LONDON DIEHARDS - “Wake up”, PRESSURE 28 - “Full no punches”, KEYSIDE STRIKE - “In this world”, INSANE YOUTH - “Cider, fags & a fight”, BAKERS DOZEN - “Biting point”, STREETPUNK DRUNKS - “Billy England”, CHURCHILL - “Hated & proud”, URBAN SCUM - “Stand out of line”, BREAKOUT - “Terrorist attack”, ROTTEN APPLES - “Hippy Cunts” und SKINFULL - “Fuck ‘ em all”. Fazit: Siehe oben!
SHAVEN HEADS-Demo / 7 Tracks / 2010 oder www.myspace.com/shavenheads
Okay, ich könnte es mir jetzt einfach machen und sagen, dass mich das Demo der drei “geschorenen Köpfe” vom Hocker gehauen hätte - und gut wäre. Aber so ist es nicht! Im Gegenteil. Ich muss sogar sagen, dass mir der Song “Kranke Welt” den recht guten Eindruck, den ich nach den ersten vier Songs von dem Demo SHAVEN HEADS hatte, regelrecht versaut hat. Dieser Text ist ja so was von daneben. Sorry, Freunde, aber noch leben wir in einem Rechtsstaat, und nicht in Lynchhausen - wo der Strassenmob die Gesetze diktiert. Und das ist gut so! Mag sein, dass ich mir mit dieser Kritik wenig Freunde mache - so what, aber das Thema “Kindesmissbrauch” ist mir viel zu ernst und bitter, um es beim Bier und Schnaps, und einen virtuellen Strick im Hinterkopf, auf einem Glatzenkonzert hochzupushen. Das überlasse ich lieber dem Zentralorgan des deutschen Gossenjournalismus, der BILD-Zeitung. Aber ich will jetzt nicht das Demo an diesem einen stupiden Text festmachen, das hat die Band nun auch wieder nicht verdient. Im Grunde genommen bietet das Trio von SHAVEN HEADS den klassischen deutschen Skinhead-Sound der frühen Achtziger Jahre. Rau und ungeschliffen! Also nichts weltbewegendes, aber mit dem nötigen Mitgröhl-Touch, der besonders auf refrainsüchtigen Glatzen-Partys und -Konzerten so beliebt ist. Ach so, ich habe vergessen zu erwähnen, dass die Stimme des Sängers eine frapante Ähnlichkeit mit der des “Schmächtigen”, des ehemaligen VANDALEN-Sängers hat. Und so finden wir auf dem Demo, neben Songs wie “Du bist ein Idiot” oder “Discofratzen”, auch einen gekonnt gecoverten Song der VANDALEN “Skinhead Spass”. Was mich dann doch wieder mit diesem Demo versöhnt hat.
Hey, die dreiteilige CD-Serie LOOKING FOR TROUBLE präsentiert internationale Skinhead-Power vom allerfeinsten. Rotzig frecher Streetrock bis hin zu mitgröhlverdächtigen Oi!-Hymnen garantieren so smarte (und jeder heuchlerischen political correctness unverdächtige) Bands wie THE LONDON DIEHARDS und TATTOOED MOTHERFUCKERS (Vol. 1 / 12 Tracks), BAKERS DOZEN und SKINFULL (Vol. 2 / 12 Tracks), THE FIRM und THE PRIDE (Vol. 3 / 13 Tracks), die auch hierzulande unter den kahl rasierten Jüngern des fetten Skinhead-Rock ne ganze Menge Fans haben.
Die vier Amipunks von THE KRAYS aus Brooklyn (NY) knallen uns auf ihrem neuen Album „Sangre" einen Sound um die Ohren, der für eine New Yorker Streetpunk-Band nicht ehrlicher und bodenständiger sein könnte. Man könnte auch sagen, dass die vier New Yorker Boys mit ihrem melodischen, refrainbetonten und riffstarken NY-Streetpunk den wilden Geist des legendären CBGB’s atmen! Und so bietet “Sangre” sechszehn englisch/spanisch-sprachige Songs, die die Fans des NY-Streetpunk begeistern werden. Mein Favorit auf diesem Album: “Out of the darkness”. Fazit: Saustarker Amipunk aus Brooklyn!
Wer den Begriff „Deutschrock” an so unsäglichen Barden wie Grönemeyer, Klaus Lage oder gar Heinz Rudolf Kunze festmacht, der liegt nicht ganz falsch, aber trotzdem daneben. Schieben wir mal alle Vorurteile gegenüber dieser Musik-Sparte beiseite, dann stoßen wir früher oder später auf Ricky Alex (Voc/Git) und Carsten Müller (Schlagzeug) von VOGELFREI. Nur möchte ich im Zusammenhang mit diesem Duo aus dem sächsischen Torgau nicht unbedingt die pauschalierende Schublade „Deutschrock” benutzen, sondern bevorzuge da ehr den Begriff „Deutscher Rock”. Was für mich schon mal einen qualitativen und intellektuellen Unterschied macht. Zu Gunsten von VOGELFREI! Schon deshalb, weil die beiden Jungs aus Torgau mit ihrer Musik nicht den selbstgefälligen deutschrockenden Mainstream (oder gar den Skinhead-Stammtisch mit seinen bierseligen Oi!-Arien) bedienen, sondern seit je her ihren eigenen, ganz speziellen Stil und Sound gepflegt haben. So auch auf ihrem neuen Album „Der Dämmerung entgegen”. Obwohl ich mich damit beim ersten Reinhören doch etwas schwer getan habe. Aber spätestens nach dem Song „Bis zum letzten Atemzug" hatte mich dieses Album in seinen Bann gezogen. Was nicht zuletzt an den intelligenten und recht persönlichen Texten und an Rickys unverwechselbarer Stimme und seinem fantastischen Gitarren-Sound liegt. Waren die beiden letzen VOGELFREI-Alben, „Irgendwohin” (2003) und „Zwischen Sehnsucht und Rebellion” (2007), noch eine gehörige Portion härter und schneller, man könnte auch oi!-punk-lastiger sagen, so geht man auf dem aktuellen Album musikalisch etwas ruhiger - nach meinem Empfinden, abgeklärter und nachdenklicher - zur Sache. Vielleicht liegt es ja daran, dass seit dem letzten Album fast sieben Jahre ins Land gezogen sind, oder aus dem früheren Trio ein Duo geworden ist - so what! Jedenfalls ist das kein Album, das den Hörer zum wilden Abrocken animiert. Aber es muss ja nicht immer gleich getanzt werden. Manchmal sollte man einfach nur den Sound geniessen. Besonders bei diesem Album! “Der Dämmerung entgegen” ist ein rundum stimmiges und emotionales - kurz, es ist ein wunderbares Album!
HOT ROD FRANKIE “Uncover - Discover - Recover” / 13 Tracks / 2011
Na, dieses - mittlerweile dritte - Album der schwedischen Psycho-/Horrorbilly Truppe HOT ROD FRANKIE versprach mir schon beim Durchlesen der Trackliste ne ganze Menge funny stuff! Und meine Erwartungen wurden dann auch nicht entäuscht. Obwohl es sich bei den einzelnen Songs ausschliesslich um Coverversionen altbekannter Kulthits von nicht weniger bekannten Stars und Bands aus den Jahren zwischen 1960 - 1980 handelt. Aber gerade das macht dieses Album ja so fantastisch. Alte Hits, die im neuen Gewand des flotten angepunkten rockabilly Sound von HOT ROD FRANKIE daherkommen. Wie der Song „Summerwine” von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra aus den Sechsziger Jahren. Was die Untoten von HRF (die in ihrem zweiten Leben als ULTIMA THULE regelmässig die schwedischen Charts stürmen) aus diesem etwas kitschigen Uralthit gemacht haben, ist schlichtweg genial zu nennen. Oder aus alten kultigen Punkhits wie „Pet cemetary” von den RAMONES und dem „Sunday Stripper" von Cock Sparrer. Also hier lohnt es sich jetzt echt mal die ganze Trackliste aufzuführen: „Johnny remember me” (John Leyton), „Bad things” (Jace Everett)...sauber..., "Walkin' through the desert” (Ghoultown)...ist einfach genial..., „Shades of black” (Hank Williams III.)...brutal gut..., „Uprising” (Muse), „Little red Ridinghood” (Blackwell), „Summerwine” (Lee Hazlewood und Nancy Sinatra)...das fetzt..., „Remember me” (James Intveld), „First Time” (The Boys)...geht voll geeeiiil ab..., „Pet cemetary (The Ramones), „Sunday Stripper” (Cock Sparrer), „Money always takes the place of life” (DAD), und „Alone in the Woods” (Ne neue Version von Hot Rod Frankie). Fazit: Partymusik vom Allerfeinsten!
MIDGARDS SÖNER “Fä Dör” / 13 Tracks / 2010
Im letzten Jahr des vergangenen Jahrtausend - 1999 - haben Midgards Söhne aus Schweden ihr saustarkes Album „Fä Dör” rausgebracht, das in den vergangenen dreizehn Jahren bei den Fans des Viking-Rock - und nicht nur bei denen - Kult-Status errungen hat. Und nun als CD bei DIM neu aufgelegt wurde. Zu Recht! Zumal die Band mit diesem genialen Album nicht auf der UT-Schiene gefahren ist, sondern durchaus ihren eigenen musikalischen Stil gepflegt hat. Und da erinnern mich Songs wie „Fördömare och Tvivlare” oder „Vikingar” doch sehr stark an oi!-punkigen (!) Hardcore! Besonders sympathisch “Society of hate”! Einfach geil! Kann man nur weiterempfehlen!
HOT ROD FRANKIE “Lost in Lynchland” / 13 Tracks / 2011
Ooops! Da war ich doch sehr verblüfft, als ich festgestellt habe, das hinter dem Psycho-/Rockabilly von HOT ROD FRANKIE die Jungs von ULTIMA THULE stecken. Fürwahr, für mich ein musikalischer Stilbruch, wenn man einerseits auf den grandiosen Hymnen von ULTIMA THULE steht, und andererseits mit dem musikalischen Minimalismus, den die Brikettkopp-Mucke mal so an sich hat, nicht viel anfangen kann! Wobei ich nicht bestreiten möchte, dass diejenigen, die auf Psycho-/Rockabilly und düstere bis morbide Texte stehen, sicher an diesem Album und Songs wie “Love song for the dead” oder “Boogeyman returns” ihre höllische Freude haben werden. Wobei ich nicht verhehlen möchte, dass mir Songs wie “Black rider” oder “Wolfoman” sogar richtig gut gefallen - obwohl ich, wie bereits erwähnt, mit Psycho-/Rockabilly nicht viel am Hut - resp. an der Glatze habe.
MAJOR “Disappointment”/ 12 Tracks / 2011
Da ist ja mal wieder eine wirklich starke Silberscheibe in meinem Player gelandet! Die drei Boys aus Cadillac in Michigan (USA) bezeichnen ihre starke Musik zwar als Breakcore, aber in meinen Ohren ist das knallharter oi!-betonter Skinhead-Hardcore. Laut die Musik und dreckig der Gesang, das ist so ganz nach meinem Geschmack! Da werden die alten Knochen noch mal richtig munter! Dafür stehen so kraftvolle Songs wie “Let’s start a riot” oder “We don’t need you”. Mein absoluten Favoriten auf diesem Album sind “Charges pending” und “No apologies made”. Einfach fantastisch! Fazit: Für Leute, die es gern ein wenig härter und lauter haben, nur zu empfehlen.
ULTIMA THULE “Svea Hjältar” / 10 Tracks / 2011 (1991 by UT-Records)
Also, Freunde, ich habe jetzt schon so viele Reviews über ULTIMA THULE-Alben geschrieben, dass ich in Gefahr laufe, mich irgendwann mal zu wiederholen, aber dieses saugeile Frühwerk der schwedischen Viking-Rocker von 1991 (neu aufgelegt 2011 by DIM) wäre das allemal wert. Schon weil das Album so geile Songs wie “Mitt land” oder “Kring overiges fana” enthält - und nicht zu vergessen: “Ragnarök”. Musikalisch fantastisch umgesetzte (schwedischsprachige) Viking-Hymnen auf die nordische Heimat von ULTIMA THULE! Der absolute Kracher dieses Albums ist für mich jedoch das fantastische oi!-lastige “Protect and preserve”, ein englischsprachiger Song, der all das an geilen Melodien und chorusbetonten Refrains bietet, was in meinen Ohren einen mitreissenden Song auszeichnet. Erwähnen muss ich auch noch “Election Day”, “The story of a witch” und das geniale “Ravens”, drei weitere (englischsprachige) Songs, die die ganze musikalische Genialität der vier Schweden dokumentieren. Fazit: Ein “Frühwerk”, das Laune macht!
ULTIMA THULE “The Early Years - 1984-1987” / 18 Tracks / 2011
Mit dem Album „the early years” ist DIM-Records eine bemerkenswerte Reminiszenz an die Anfangsjahre von ULTIMA THULE gelungen. Besonders gefällt mir, dass auf dieser CD, neben so fantastischen Frühwerken wie “Havets vargar”, auch die Original-Tracks des legendären Demo von 1984 zu finden sind, die mich einst zum Fan dieser grossartigen Band aus dem Land der nordischen Mythologie und trinkfesten Wikinger werden liess. Mit diesem Demo, dass so wunderbare klare Songs und Melodien wie „Du gamla du fria”, “Vikings” oder „Memories” enthält, haben ULTIMA THULE den Grundstein für das gelegt, was in den fogenden Jahren als Viking-Rock in die internationale Musikgeschichte eingehen sollte. Eine fantastische Symbiose zwischen traditionellem Punkrock, Oi! und schwedischer Volksmusik. Fazit: Ein absolutes MUSS, nicht nur für eingefleischte ULTIMA THULE-Fans!
”United Skins - For freedom of speech” / CD-Sampler / 2 CDs / 48 Tracks
Oh, shit happines, bei dieser fetten Doppel-CD bekommen einige Leute aus der Rotzone bestimmt ne feuchte Hose: Enthält sie doch jede Menge Glatzen- und Punkbands aus Ländern wie Deutschland, England, Holland, USA, Chile, Belgien, Finnland, Brasilien, den Niederlanden, also einmal rund um den Globus, die mit ihren ehr unkonventionellen Texten sicher so manch einem PC-Fetischisten das Wasser in die Augen treiben werden. Spätestens, wenn sie mitkriegen, dass dieser Sampler an Dieter erinnert, dem 2010 freiwillig aus dem Leben geschiedenen Sänger der belgischen Band KILL BABY KILL. Dabei orientiert man sich an den Worten des griechischen Philosophen Chailon aus Sparta, der schon 550 v. Chr. den Spruch prägte: “De Mortuis nihil nisi bene”! Was soviel bedeutet wie, dass man über Tote nur Gutes sagen sollte. Mit meinen (nichtphilosophischen) Worten: Man pisst nicht auf das Grab eines Toten! Wie z. B. die Charakterschweine der Berliner Band “Tower Blocks”. Dass dies auf diesem Doppel-Album nicht geschieht, dafür stehen straighte Bands wie THE FIRM, BRASSIC, THE PRIDE, FAUSTRECHT, ENGLISH ROSE, SHORT CROPPED, NOTLÖSUNG, CRUCIAL CHANCE, MAC & LOS GUAREN KORPS, KARELIAANI, ANGRY BOOTBOYS, DIE JUNGZ, UNCLE TRASH, KILL BABY KILL, BULLDOG BREED, ORANGE BLOOD, WELLINGTON ARMS, SKINBOISS, OLD GLORY, BUNKER 16, PUNKFRONT - um nur einen Teil der Glatzen- und Punkbands zu nennen, die mit ihren Songs auf diesem Sampler vertreten sind. Klar, dass es bei dieser Vielzahl an Bands und musikalischen Stilrichtungen den einen oder anderen kleinen Durchhänger gibt, aber das ist zu verschmerzen. Fazit: Thumbs up !!!
VIVA SAXONIA #2 / Januar 2011 /96 Seiten / DIN A5-Format Kontakt: viva.saxonia@web.de oder Postfach 1102 / 08441 Crimmitschau
Ungewöhnlich edel kommt dieses durchgehend auf Hochglanzpapier gedruckte Glatzenzine aus dem schönen Sachsenland daher. Als ich vor gefühlten hundert Jahren das traditionelle Handwerk des Buchdrucks lernte, benutzen wir derartiges Papier nur zum Druck von Kunst- oder Ausstellungskataloge. Aber wie gesagt, das war vor gefühlten hundert Jahren. Da wir uns aber nicht von irgendwelchen Äusserlichkeiten beeindrucken lassen, auch wenn die Frontseite des Covers eine der markanten Grafiken von ‘Göring’ zeigt, wenden wir uns flugs dem Inhalt des Heftes zu. Schliesslich kommt es nicht auf die Verpackung an, sondern auf das, was drin steckt. Und das ist eine ganze Menge geiler Lesestoff. Was nicht verwundert, schliesslich ist die erste Ausgabe dieses sächsischen Glatzenmagazins schon vor mehr als zwei Jahren rausgekommen. Klar, dass da einige Beiträge in dieser zweiten Ausgabe nicht mehr ganz so aktuell sind. Was jedoch nicht den unterhaltsamen Wert dieses Fanzines schmälert. Es bietet nämlich Skinhead-Kultur vom allerfeinsten. Wie den Bericht vom “Ass Kicking Skinhead Rock”-Konzert im April 2010 mit der legendären Bremer ENDSTUFE und dem KOMMANDO SKIN aus dem Schwabenländle. Wobei sich Herr ‘Göring’ nicht nur durch seine kultigen Cover-Grafiken auszeichnet, sondern, wie er mit diesem Konzertbericht beweist, auch als cooler Schreiber, der sich zum Vergnügen der kahlköpfigen Leserschaft auch den kleinen, oft amüsanten Dingen neben dem Konzert widmet. Um pure Skinhead-Kultur geht es auch in dem Artikel von ‘Tatiana’, die von einem “Fotoshooting für den Renee-Kalender 2009” am Bodensee berichtet, in deren Verlauf den acht smarten Skingirls nicht nur ein paar “restalkoholisierte türkischstämmige Mitbürger” über den Weg gelaufen sind, sondern auch Bands wie SCHARMÜTZEL und die KRAWALLBRÜDER. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe sind - neben den CD- und Plattenbesprechungen - die vielen Fanzine-Reviews. Darunter so merkwürdige rechte Exoten wie der “STAHLHELM - one struggle one way” oder den “JVA Report”. Und dann sind da noch Görings “Erinnerungen an mein erstes Skinheadkonzert” (2001 mit DOLLY D und CONDEMNED 84 in Zwickau). Das war der Autor dieser autobiografischen Rückschau noch ein “milchbärtiger Jungpimpf” im zarten Alter von gerade mal sechszehn Jahren. Besonders erwähnenswert ist auch das ausführliche Interview mit BLUE MAX, einer vierköpfigen kurzhaarigen RAC-Band aus dem badischen Odenwald, die auch schon seit einigen Jahren wider den politisch korrekten Stachel löcken. Oder mit den glatzköpfigen Skinhead-Rockern von “RIEN NE WAS PLUS” aus Magdeburg. Natürlich gibt es in dieser Ausgabe noch jede Menge andere Beiträge, Bands und Interviews, aber alle hier aufzuführen, will ich mir ersparen. Kurz gesagt, die zweite Ausgabe des VIVA SAXONIA präsentiert einen 96-seitigen Über- und Rückblick auf die feuchtfröhlichen Niederungen der musikalischen Grauzone. Fazit: Ein mit vielen geilen Fotos versehenes Skinhead-Fanzine, dessen abwechslungsreicher Inhalt, sauberes Layout und erstklassiges Druckbild von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt.
STOLZ & STIL - #25 / Dez. 2010 / 76 Seiten / DIN A5-Format / Farb-Cover (Hardpaper) mail: stolzstil@web.de
Noch druckfrisch landete Anfang Dezember die fünfundzwanzigste Ausgabe des stilsicheren Fanzine aus dem stolzen Freistaat Thüringen in meinem Dortmunder Briefkasten. Leider habe ich erst im neuen Jahr die Zeit gefunden, um meinem Lieblingsfanzine die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen, die es längst verdient hätte, und so will ich denn auch gleich zur Sache kommen: Und da fällt als erstes das farbige Hardcover mit der martialischen Frontgrafik von “Göring” ins wohlgefällige Auge. God damn! Wobei ich mich frage, ob es sich bei den Flaschen in den Händen der Glatzen um Bierflaschen oder um Molotow-Cocktails handelt? Dafür lässt das Foto auf der Backseite des Covers keine Fragen offen. Es zeigt ein ultrakurzberocktes Reene-Girl, das mit einem spritzenden Schlauch rummacht. Und dabei halblange Latex-Handschuhe trägt! Da stellt sich für den Rezensenten dieser Ausgabe die Frage, ob man in einem familienfreundlichen Glatzenmagazin wie dem STOLZ & STIL Fotos veröffentlichen darf, von denen die Gefahr ausgeht, dass sie das Moralempfinden unserer Jugend untergraben? Abgesehen davon, dass hier die Rolle der Frau auf die einer “latexbehandschuhten Schlauchhalterin” reduziert wurde. Nun aber zum redaktionellen Inhalt. Neben den gewohnten Musik- und Fanzine-Reviews, und den obligatorischen Konzertberichten, gibt es auch jede Menge mehr oder weniger interessante und gelungene Interviews. Besonders gelungen ist das siebenseitige Interview, dass “Steffi” vom STAHLWERK-Fanzine mit Andreas, dem Gitarristen von KAMPFZONE geführt hat („Die Fronten sind längst klar!”). Ein sehr beeindruckendes Frage- und Antwortspiel über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser - zu Unrecht als “Nazi-Band” angefeindeten - ostdeutschen Glatzenband, dass nicht nur in die Tiefe geht, sondern auch bis hart an die Schmerzgrenze. “Steffi” stellte keine oberflächliche Fragen, und so gab es von Andreas auch keine oberflächliche Antworten. Für mich ist dieses Interview das Highlight dieser Ausgabe. Ein weiteres, sehr ausführliches Interview wurde mit ARMCO geführt, einer vierköpfigen italienischen RAC‘n‘Roll-Band aus Vicenza. Auch hier beschränkt man sich nicht auf politisch korrekte Oberflächlichkeiten, sondern wird in seinen Aussagen durchaus mal politisch unkorrekt. So sehen sie als die drei grössten Gefahren für Italien und Europa die “Masseneinwanderung, die Finanzmacht und den kulturellen Zerfall”. Okay, dass mit der Masseneinwanderung und der Finanzmacht kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen. Wenn jedoch Italiener vom “kulturellen Zerfall” Italiens reden, muss ich immer an einen der Repräsentanten der italienischen Kultur, den alten geilen Polit-Clown Silvio Berlusconi, und an die Müllberge in den Strassen von Neapel denken, und kann mir dann ein mitleidiges Grinsen nicht verkneifen. Zumal das mit dem “kulturellen Zerfall” eine ziemlich komplizierte Sache ist. Kommt immer darauf an, wie und als was man “Kultur” definiert. Als in den 1975er Jahren in England die ersten Punk-Bands für Aufsehen sorgten, sahen viele britische Kulturjournalisten mit dem Punk den “kulturellen Zerfall der zivilisierten Gesellschaft” heraufziehen. Eine dieser Bands war die Londoner Punkband SHAM 69, die Anno 1975 im Arbeiterviertel Hersham (“Hersham Boys”) gegründet wurde, und der das STOLZ & STIL-Fanzine unter der Headline “Geschichtliches” einen interessanten Rückblick widmet. Wie auch dem God Father der Rudeboys, JUDGE DREAD, und dem Ska- und Reggae-Veteranen DESMOND DEKKER. Herrliche Reminszenzen an eine unbeschwerte Zeit, in der in der Szene noch Musik und Fun im Vordergrund standen, und keine unsäglichen “Grauzonen”-Debatten. Zeitgeschichtlich geht es weiter mit einem Artikel aus dem DDR-Jugendmagazin “Neues Leben” aus dem Jahre 1987, der sich unter der reisserischen Headline “Faustrecht und Wolfsmoral: Skinheads nur Rabauken mit Glatze?” mit der Skinhead-Szene im Westen beschäftigt. Natürlich wurde mit keinem Wort erwähnt, dass es auch in der DDR eine derartige Szene gab. Da war es nur logisch, dass man dabei nicht über die Stereotypen vom Skinhead als “tumben Nazi-Schläger” hinausgekommen ist. Aber da hat sich die Berichterstattung in der DDR-Presse kaum von der in den westdeutschen Medien unterschieden. Nicht so ganz interessant sind die Interviews mit THE VALKYRIANS und SKINFULL. Umso interessanter ist dafür der letzte Teil der “Stolz & Stil-Geschichte”. Und die Rubrik “Noies/altes und Aktuelles”. Auf die nächsten fünfundzwanzig Ausgaben!
E. Winterhalder/Wil de Clercq “Die Übernahme: Von der ‘Rock Machine’ zu den ‘Bandidos’ - Der Bikerkrieg in Kanada” / 288 Seiten / mit zahlreichen Farbfotos / STATT-Verlag Berlin
Zum Inhalt: Anfang der neunziger Jahre ging das Montreal-Chapter der kanadischen ‘Hells Angels’ in die Offensive und zwang alle unabhängigen Bikerclubs, sich entweder den ‘Hells Angels’ anzuschliessen oder aufzulösen. Bei den Bikern der ‘Rock Machine’ stiess diese Praxis jedoch auf erbitterten Widerstand. Es folgte ein siebenjähriger Bikerkrieg, der 160 Leben gekostet und noch viel mehr Verletzte hinterlassen hat. Da die ‘Rock Machine’ den ‘Höllenengel” zahlenmässig unterlegen waren, suchte man Verbündete und die Wahl viel auf die ‘Bandidos’, dem einzigen weltweiten Club, der es mit den “Hells Angels” aufnehmen konnte. Nach zähen Verhandlungen hörte die ‘Rock Machine’ auf zu existieren und wurde ein ‘Bandido’-Chapter auf Probe. Ein amerikanischer ‘Bandido’ (“Conneticut Ed”) wurde beauftragt, die ehemalige ‘Rock Machine’ auf ‘Bandido’-Kurs zu trimmen. Der kanadische Staat hatte etwas dagegen und es folgte ein Kleinkrieg mit der Einwanderungsbehörde. Intrigen, Seitenwechsel und Anschläge liessen den Krieg zwischen den kanadischen Motoradgangs wieder aufflammen und die Wendung, die er nahm, war nicht die, die man sich erhofft hatte. Er führte zu einem “Bruderkrieg”, der 2006 im “Massaker von Shedden” mit acht Toten seinen vorläufig blutigsten Höhepunkt fand. Der Autor dieses Buches, E. Winterhalder, war dreissig Jahre lang ranghohes Mitglied der amerikanischen “Bandidos”.
THE WIDOWMAKERS “Reap what you’ve sown” / CD / 11 Tracks / 2010
Die vier kurzhaarigen “Witwenmacher” aus Belgien präsentieren auf ihrem neuen CD-Album “Reap what you’ve sown” elf flotte und laute Tracks, die musikalisch und vom Gesang her überzeugen. Einziger Kritikpunkt: Hin und wieder wird die Stimme des Sängers zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Das hätte man auch besser abmischen können! Wie dem auch sei, ich würd’ den starken Sound der WIDOWMAKERS mal als Streetcore mit verdammt viiieeel traditionellem OI!-Punk bezeichnen. Mein Anspieltipp ist “Death before Popcharts”.
MAO DE FERRO VS. FACCAO OPPOSTA / Splitt-CD / 11 Tracks / 2010
Seit ich 1985 zum erstenmal brasilianische Glatzenbands wie GAROTOS PODRES oder RATOS DE PORADOS gehört habe, weiss ich, dass es die Brasilianer gerne härter und schneller als der Rest der Welt haben. Natürlich nicht beim Sex - Logisch! - sondern musikalisch! Aber wenn es um Härte und Schnelligkeit geht, dann brauchen sich nachgewachsene brasilianische Bands wie MAO DE FERRO und FACCAO OPPOSTA nicht zu verstecken. Die Jungs sind nicht weniger wild und laut als ihre Kollegen vor 25 Jahren. Obwohl der spezielle brasilianische Skinhead-Sound seit dem Brachial-Sound der Achtziger Jahren doch um einige Zacken melodischer und refrainbetonter geworden ist. Das beweisen die elf wuchtigen Skinhead-Hymnen auf dieser Splitt-CD. Fünf der Songs kommen von MAO DE FERRO aus Curitiba (meine Favoriten sind “Hooligan” und “Slainte”), die anderen sechs sind von FACCAO OPPOSTA aus Lisboa, von denen besonder “Skinheads” und “Anti-Hippie” in die Ohren gehen. Starker Skinhead-Sound aus dem Land am “Zuckerhut”!
Wenn ihr an die Thüringer Kulturstadt Weimar denkt, dann vergesst mal für ein paar Minuten unsere deutschen Klassiker wie Goethe oder Schiller: HERE ARE THE SPY KIDS! Vier smarte kurzhaarige Jungs aus Weimar, die uns mit ihrem klassischen deutschsprachigen Oi!-Punk die Thüringer skinheadculture näherbringen. Und das ist ihnen auf dieser Maxi-LP auch voll gelungen. Vier ohrwurmträchtige Songs der SPY KIDS (“Keine Zeit”, “Der Arbeitsegoist”, “Skinhead Rebell” und “Supervision”), deren flott und schlicht herausgeknallte Melodien und Gesang jedes doitsche Glatzenherz höher schlagen lässt. Mein Favorit ist natürlich das Lied “Keine Zeit”! Weniger gefallen haben mir die vier Songs der tschechischen Streetpunker von NORMALS. Was weniger an ihrem flüssigen und schnellen Streetpunk liegt, sondern ehr an dem tschechischsprachigen Gesang.
PUNK FRONT “100% Hass” / CD / 6 Tracks / 2010
Als junger Deutscher ohne Migrationshintergrund kannste dich in vielen Berliner Stadtbezirken nur feige wegducken und das Maul halten - oder du kannst eine Punkband gründen. Und genau das haben die taffen Jungs von der PUNK FRONT auch getan! Herausgekommen ist eine musikalisch voll überzeugende Mini-CD, deren brutal ehrliche Texte und klassischer Punkrock an die ganz frühen achtziger Jahre erinnern, als Punkrockbands dem System noch nicht in den spiessigen Arsch gekrochen sind (so wie seit Jahrzehnten die inzwischen schon etwas betagt wirkenden Berufspunker von den TOTE HOSEN), sondern ihren Hass, ihre Wut und ihren Frust freien Lauf gelassen haben. Musikalische Streetrebels! Die Mini-CD „100% Hass" von PUNK FRONT steht für mich in dieser rebellischen Tradition. Sie bietet fünf Songs, in denen die Band, wie in “Und morgens ruft der Muezzin”, einen deutschen Alltag beschreibt, der nicht so “heil” und „politisch korrekt” ist, wie es die linksliberalen Gutmenschen aus Politik und Medien in ihren eingezäunten mit Alarmanlagen gesicherten Vorstadtvillen gerne glauben würden. Aber da das Leben in unserer Hauptstadt auch seine kleinen feuchten Freuden hat, bieten die Jungs von PUNK FRONT noch einen saugeil gecoverten Song der ehemaligen DDR-Punkband SCHLEIMKEIM: „In der Kneipe zur trockenen Kehle”. Da fetzt nicht nur das Bier durch die Kehlen. Fazit: Hart - aber ehrlich!
ULTIMA THULE “Korpkvädet”/ 12 Tracks / 2010 / Orangefarbenes Vinyl
12 neue mitreissende Songs der schwedischen Vikingrocker von ULTIMA THULE, die den einzigartigen Kultstatus dieser legendären Band auch ausserhalb ihrer nordischen Heimat noch einmal kräftig unterstreichen. Vielleicht liegt der grosse Erfolg von ULTIMA THULE in der Tatsache begründet, dass Jan Thörnblom und seine Recken ihren unverwechselbaren melodischen Sound nie irgendeinem Zeitgeist unterworfen haben, sondern sich, ihrer Musik und der Geschichte ihres Landes immer treu geblieben sind. Und das seid fast dreissig Jahren! So auch in dem Song “Sävar 1809”, der vom schwedisch-russischen Krieg handelt, und die letzte Schlacht der Schweden bei Sävar 1809 gegen die Truppen des russischen Zaren zum Thema hat. Dieser Krieg führte dazu, dass Schweden im Friedensvertrag von Frederikshamn ein Drittel seines Landes und ein Viertel seiner Bevölkerung verlor. Fazit: Ein fantastisches Album von den Altmeistern des Vikingrock!
DER ZWERGPIRAT # 13 / Juli 2010 (Incl. Nr. 2 von RE-FLIX) 36 Seiten / A4-Format / 2,00 EU + 0,85 PP Contact: Carsten Hantel, Samberger Strasse 34 1/2, 85053 Ingolstadt, GERMANY
Nachdem er sich eine schöpferische Pause von fast einem Jahr gegönnt hatte, schlüpfte mal wieder ein ZWERGPIRAT in meinen Briefkasten. Zwar ist er nicht so fett wie die letzten beiden PIRATEN, was schon daran zu erkennen war, dass er diesmal bequem in den Schlitz des Briefkasten passte, aber letztendlich kommt es auf den Inhalt und nicht auf den Umfang an. Und da gibt es mal wieder nichts zu meckern. Angefangen beim Cover, es zeigt (Front & Back) die drei smarten Mädels von BRIGITTE HANDLEY & THE DARK SHADOWS, weiter über die redaktionellen Beiträge und ständigen Rubriken (wie “...on Tour” und massenhaft Musik- und Fanzine-Reviews), bis hin zum übersichtlichen Layout, dem sauberen Druckbild und den vielen geilen Fotos und exellenten Grafiken! Das einzige, was ich vermissen werde, ist die coole Schreibe von “Leiche". Obwohl er in dieser Ausgabe noch mit einigen Reviews vertreten ist. Dass er von Bord gegangen ist, ist zu bedauern, aber manchmal setzt das Leben halt andere Prioritäten. Kurz etwas zum Inhalt! Gleich am Anfang stellen die sächsischen Vikingrocker von DONARS GROLL ihr neues Album vor, dass den vielsagenden Titel “Von Liebe, Hass und alten Riten” trägt. Anschliessend folgt ein ausführliches Interview mit THE FLANDERS, einer Psycho/Punkabilly-Band aus Potsdam. Ein neues Album haben auch die geilen MR. IRISH BASTARD aus Münster auf den Markt geworfen: “A Fistful Of Dirt”. Die Irish Folk Punker aus dem Münsterland (das ist da, wo die Misthaufen mit Gebetbücher zugedeckt werden) erinnern sich im ZP an ihre Japan-Tour im März 2010 und stellen dann noch die Tracks ihres neuen Albums vor. Und dann heisst es “Francois L’Ollanais - kicked out of Hell by the Devil”. Fantastisch! Carsten beschreibt in seiner überaus feinsinnigen Art das unterhaltsame Leben und segensreiche Wirken des “wahnsinnigsten und psychopathischsten” Piraten der Karibik. Auch bekannt für seine neckischen Foltermethoden: Würgen, hacken, schlitzen - das ganze Repertoir rauf und runter! Also ich muss schon sagen, dieser Typ hatte Stil! Nicht nur beim Killen, sondern auch bei seinem eigenen heissen Abgang. L’Ollanaiswurde nämlich 1668 in der Nähe von Panama von Indianern in handliche Stücke gehackt und auf den Grill gepackt. Ob er anschliessend verspeist wurde, hat uns Carsten leider nicht mitgeteilt. Von der Karabik geht es dann auf direkten Weg nach Kanada. Und zwar in Form eines Interviews mit SKUNX, einer Oi! & Psychobilly-Band aus Toronto. Sehr mystisch kommt mal wieder das neue Album “Madgards Zorn” von KRAFTHEIM, den Vikingrockern aus dem Teutoburger Wald daher. Vorgestellt werden die Tracks, ausserdem gibt es noch einige Hintergrundinformationen. Weniger mystisch, sondern ehr laut, ist die französische Punkrockband PADD’PANIK, die sich den Fragen von Carsten stellen. Besonders gefallen hat mir ihre Antwort auf die Frage, warum sie ausschliesslich französische Texte schreiben: “...Französisch ist unsere Muttersprache, also schreiben wir die Texte natürlich auch in dieser Sprache.” Sehr unterhaltsam und lehrreich ist auch der Beitrag über unsere tierischen Mitbewohner. Ging es in der letzten Ausgabe um einen afrikanischen Tausendfüssler mit dem Namen Captain Flint, so dreht sich in der aktuellen Ausgabe alles um Slowmo, Mortimer (der inzwischen das Zeitliche gesegnet hat) und den müden Joe. Drei wahrhaft schleimige, schmierige und kriecherische Zeitgenossen! Nein, es handelt sich dabei nicht um die Macher von OIRESZENE, sondern um drei an die Decke ihres Aquariums scheissende Achatschnecken mit afrikanischem Migrationshintergrund. Was hat der ZP sonst noch zu bieten? Z. B. einen Bericht über die noie Scheibe von LAMMKOTZE, ein Interview mit SIR PSYKO & HIS MONSTERS usw. usf. etc. pp. Kurz gesagt, die dreizehnte Ausgabe des ZWERGPIRATEN bietet mal wieder jede Menge unterhaltsamen und spassigen Lesestoff. Nicht zu vergessen die gut gemachte Beilage: Die 2te Ausgabe von RE-FLIX, einem sechzehnseitige Filmmagazin, das sich unter dem Motto “Kino wider die Political Correctness” blutdrünstigen Splatter- und Horrorfilmen widmet.
RAMPAGE “On attack” / CD / 11 Tracks / 2010 / 12seitiges Booklet mit allen Song-Texten und Fotos
Als ich vor einigen Tagen diese CD zugeschickt bekam, und beim Auspacken (und flüchtigen Draufblicken) den Bandnamen RAMPAGE las, musste ich im ersten Moment an den schwarzen US-Rapper Roger McNair denken. Oh, Gott, dachte ich, das wird doch wohl keine Rap-Musik sein? Das war es natürlich nicht, sondern das Debüt-Album einer deutschen Skinhead-Band aus dem Osten unserer Republik. Und das kommt musikalisch ziemlich flott und smart daher. Die fünf kurzhaarigen Jungs von RAMPAGE bieten auf ihrem eindrucksvollen Album traditionellen deutschen Skinhead-Oi!, dessen freche und provozierende Texte - wie “Antifa” oder “Stolz” - mich an eine Zeit erinnern, als sich viele Bands noch nicht an der Political correctness orientiert haben, sondern an der Realität des Lebens - und die ist nicht immer politisch korrekt! Sondern manchmal ganz schön hart. Fazit: Mutig, aufrichtig, und dazu noch geile Musik, das passt!
W. R. Mühlmann “Letzte Ausfahrt: Germania - Ein Phänomen namens Neue Deutsche Härte” / 288 S. I.P. Verlag Jeske/Mader GbR, Alt-Lankwitz 72, 12247 Berlin
Harte, deutschsprachige Rockmusik ist seit Mitte der Neunziger Jahre national und international voll angesagt. Was nicht zuletzt die ehemaligen BÖSE ONKELZ und RAMSTEIN mit ihren gigantischen Verkaufszahlen bewiesen haben. Seit Mitte der Neunziger Jahren sind sie und Bands wie IN EXTREMO, WEISSGLUT, RICHTHOFEN, OOMPH oder TOTENMOND aus der internationalen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Für dieses Phänomen hat sich in der Musikpresse der Begriff „Neue Deutsche Härte“ (NDH) durchgesetzt. Der „Schrecken aller SPD wählenden Deutschlehrer“, wie Werner Symanek von VAWS mal sarkastisch anmerkte. Um diese Musikszene geht es in dem Buch des Musikjournalisten W. R. Mühlmann. NDH ist nicht nur harte Musik, sondern auch politische und gesellschaftliche Provokation, der immer wieder totalitäre Ästhetik, Gewaltverherrlichung (RAMSTEIN) oder - wie bei den ONKELZ - faschistoider Männlichkeitswahn und primitiver Sexismus unterstellt wird. Dabei ist RAMSTEIN zur Zeit Deutschlands wichtigster Exportschlager in Sachen Rockmusik in den USA und Japan. Ist doch klar, dass der phänomenale Erfolg dieser Bands missgünstige Neider auf den Plan gerufen hat (wie immer in der Tarnung von politisch korrekten “Bedenkenträger”), die diesen Bands ideologische Nähe zum Rechtsradikalismus nachgesagt, oder gleich die berüchtigte Nazikeule rausgeholt haben. In vorderster Front - es hätte mich auch gewundert, wenn es anders gewesen wäre - der Laienprediger Campino von den TOTE HOSEN, den Oliver Hüttmann vom „Rolling Stone Magazin“ mal als “peinlichen Salonbolschewisten“ beschrieben hat. Besonders interessant in “Letzte Ausfahrt: Germania” ist daher das sechste Kapitel(“Schlägertypen, Talkshow-Punks und liebe Jungs”), in dem der Autor ausführlich auf den verbalen und politisch vergifteten Schlagabtausch eingeht, den sich die ONKELZ und TOTEN HOSEN über Jahre hinweg in der Öffentlichkeit geliefert haben (Zitat des Buchautors: “Sobald dem Hosensänger ein Mikrophon vor die Nase gehalten wird, hebt der Musiker zu Beleidigungsarien gegen die ONKELZ, mittlerweile auch gegen RAMSTEIN an”). Empfehlenswert für Leute, die alternative Rockmusik made in Germany (nicht zu verwechseln mit dem mainstreamtauglichen Schrott der SCORPIONS) nicht nur hören, sondern sich auch für seinen gesellschaftpolitischen Background interessieren. Und das kann manchmal ganz schön amüsant und kurzweilig sein, wie die mit vielen Fotos und Songtexten (u.a. von den ONKELZ) aufgelockerten 288 Seiten dieses Buches beweisen.
ENHÄRJARNA „The Resurrection“/ 10 Tracks / 2010 / 500 Exemplare (Je 150 in gelben und schwarzen, und je 100 in weissen und blauen Vinyl)
Rasantes Debütalbum von ENHÄRJARNA aus den hohen Norden Oiropas. Das Album beginnt mit „Ride of the Valkyries“, einem instrumentalen Wallkürenritt (wohl in eine Kneipe nach “Valhalla” - in der nordischen Mythologie die angesagte Location für durstige Wikingerheros wie Wotan und Thor), um dann fast übergangslos mit „Tillsammans vi sta“ den wilden schwedischen Vikingpunk rauszulassen. Gefolgt von „Handen pa hjärtet“, ein Song, dessen einprägsamer Refrain so richtig zum Mitgröhlen animiert (wenn man denn die schwedische Sprache beherrscht), und der auch den letzten Skeptiker hierzulande von den musikalischen Qualitäten dieser Band überzeugen sollte. Zumal einige Lieder auf englisch gesungen werden, wie ”Heedet for the call“, ein Song, der vocal- und soundmässig absolut geil rüberkommt. Fantastisch auch „Stolt svensk“! Auch hier dominieren wieder starke Stimmen, die exellent miteinander harmonieren, dazu ein energischer hymnenartiger Sound, der das alles passend macht. Mein absoluter Lieblingssong aber ist das versoffene „En riktig jävla surparvisa“. In diesem Song lassen es die stolzen Wikinger mal so richtig krachen. Nicht wie in uralten Zeiten mit Honigmet aus hölzernen Trinkhörnern, sondern, man kann es kaum überhören, mit Bier aus EU-genormten Bierflaschen. Melodischer und schneller Vikingpunk, der hier und da einige musikalische Elemente traditioneller schwedischer Volksmusik durchschimmern lässt. Fazit: Ein starkes Album!
Obwohl das Album „Aterkomsten“ einen Tick ruhiger und noch melodischer als„The Resurrection“ daherkommt, was wohl daran liegt, dass bei zwei Songs Janne Thörnblom von ULTIMA THULE mitmischt (“Bla-gul kärlek” und “Tyr”), hauen die schwedischen Vikingpunker von ENHÄRJARNA auch auf ihrem zweiten Album einen so geilen Sound aus den Boxen, dass du nicht ruhig sitzen bleiben kannst, irgendwann beginnst du ganz automatisch mit den Füssen zu wippen. Yeaah! Das sind dann die Momente, wo ich mich frage, warum es solche fantastischen Bands nicht auch bei uns in Deutschland gibt. Aber bis auf wenige Ausnahmen ist man hierzulande wohl mehr damit beschäftigt, sich gegenseitig ab- und auszugrenzen, statt geile Musik zu machen. So geile Musik wie in dem Song “Kust till kust”! Herrlich, wenn hier statt des erwarteten Refrains plötzlich eine Fiedel losfiedelt. Oder die musikalische Referenz an Irland in Form eines flott gezupften Banjos und einer Flöte in dem Song “Enhärjarna goes to Ireland”. Fazit: ENHÄRJARNA aus Schweden sind für so manch eine musikalische Überraschung gut, und keine Sekunde langweilig!
COMBAT 84 „Orders of the Day“ / 14 Tracks / Green Vinyl-LP / Limitiert
Wenn ich richtig informiert bin, handelt es sich bei dieser grünen Scheibe von COMBAT 84 um eine auf hundert Exemplare limitierte Neuauflage der „Orders of the Day“-LP von 2006. Klar, dass das Cover dieses Albums bei mir Erinnerungen an ihre gleichnamige Debüt-EP von 1982 weckt. Und nicht nur Erinnerungen, denn auf diesem Album finden wir nicht nur die vier Originalsongs dieser legendären EP, die unter uns alten Glatzen fast schon Kultstatus hat, sondern auch die Songs der „Rapist“-EP. Über die Musik von COMBAT 84 brauch ich hier wohl nichts zu erzählen, sie spielen halt den ungeschliffen, aber mitreissenden britischen Skinhead-Sound der frühen Achtziger Jahre, der auf Konzerten zu so manch einer gebrochenen Nase im tobenden Publikum geführt hatte. Also rauh und derb! Wie auch ihre Texte, in denen es um Patriotismus, gegen die Kommunisten, und ihrem Way of life als Skinhead geht, und die es daher an Klarheit und Kompromisslosigkeit nicht fehlen lassen. Fazit: Eine Kultband aus den Achtzigern, die auch die heutige Skinhead-Szene noch immer begeistert.
Neuauflage der seit Jahren vergriffenen “Live 88”-LP der Dresdner Punkband KALTFRONT aus dem Jahre 1990. Vor einiger Zeit habe ich mal geschrieben, dass die Jungs von KALTFRONT „kein Hardcore-Gemetzel nach dem Motto schneller und lauter“ veranstalten, sondern das sie lockeren Punkrock spielen, der für meine hardcore- und streetrockverseuchten Gehörgänge manchmal etwas zu wavig klingt. Damit könnte ich es jetzt belassen, aber damit würde ich dieser Punkband aus Honnekers untergegangenem Arbeiter- und Bauern-Staat nicht gerecht werden. Erinnern mich doch einige ihrer Songs (z. B. „Mädchen“ und „Winter“) ein wenig an die Bandszene des legendären Düsseldorfer „Ratinger Hof“ um Peter Hein und Jürgen Engler Ende der siebziger Jahre. Nicht nur musikalisch, sondern auch bei Texten wie “Niemandsland” oder “Ich will alles”, die - wie bei den Texten von Hein und Engler - mehr vom Erleben des realen Alltags als vom westdeutschen Prollpunk a'la SLIME beeinflusst waren. Die ersten vierzehn Songs der Live-CD stammen von einem Konzert, das am 9. Dezember 1988 in “Onkel Toms Hütte” in Cottbus stattgefunden hat. Ein Konzert, dass mit dem geil gecoverten SEX PISTOL-Song “Pretty Vacant” endet. Anschliessend gibt es als Bonus noch vier Live-Songs von einem Konzert am 10. Juni 1988 in Görlitz. Besonders schrill ist die Ansage des Görlitzer Veranstalters, der KALTFRONT als “Jugendtanzkapelle aus Dresden” ankündigte. Tja, beim Honni in der Zone herrschte noch sozialistische Zucht und Ordnung, da durfte es keine dekadent-asozialen Punkbands wie im kapitalistischen Westen geben, sondern nur “Jugendtanzkapellen mit staatlicher Spielerlaubnis”. Wobei der Song “Niemandsland” durchaus zu Konflikten mit der kommunistischen Staatsmacht führen konnte, denn eine Textzeile wie “Alles ist wunderbar...alles ist toll, na klar, na klar. Alles ist in Ordnung, alles ist so schön. Doch die Zweifel will keiner versteh’n”, konnte von den grossen und immer allgegenwärtigen, aber hirnlosen Ohren der STASI durchaus als versteckte Kritik am sozialistischen System verstanden werden. Fazit: Wer den “real existierenden” Punkrock der ehemaligen DDR kennenlernen möchte, darf sich diese Live-CD nicht entgehen lassen.
GLORY BOYS “Skinhead Resistance” / CD / 11 Tracks / Mai 2010
Also ich kann nicht glauben, dass die auch in unseren Gefilden nicht ganz so unbekannten GLORY BOYS in Valencia im spanischen Andalusien heimisch sind. Schliesslich ist das eine Gegend im Süden Europas, die ehr für ihren kehlig wimmernden Flamenco-Gesang bekannt ist, als für den straighten Skinhead-Sound, den die GLORY BOYS auf ihrem neuen englischsprachigen Album „Skinhead Resistance" präsentieren. Es ist ein Album, das durch hymnenartige wuchtige Melodien, harte und schnelle Rythmen und durch die kraftvolle Vocalpower des spanischen Trios besticht. Eigendlich sollte man jeden Song auf diesem Album als Ohrwurm bezeichnen, aber “Police State”, “Trendy Punks” und “My Land” sind für mich die absoluten Kracher. Die toppen alle anderen Songs! Fazit: Klassischer Streetsound, der keinen kahlrasierten motherfucker kalt lassen wird.
KRAWALLBRÜDER “Auf Uns” / Limitierte Sonder-Edition von STREET JUSTICE / 1000 Exemplare / April 20010 / 4 Picture-LP’s
Nach dem grossen Erfolg mit der hölzernen AGNOSTIC FRONT- und DICIPLINE-Box, die beide schon nach kurzer Zeit ausverkauft waren, und heute zu Horrorpreisen im Netz gehandelt werden, hat das Dortmunder Label STREET JUSTICE nun die deutschen KRAWALLBRÜDER in die kultige Holzkiste mit dem Schiebedeckel gepackt. Wer die KRAWALLBRÜDER von ihren bisherigen Alben kennt, dem brauch ich hier ja wohl nichts zu erzählen (Violence and brooken bones!), allen anderen sei gesagt, in dieser Box steckt eine fette Ladung oi!-orientierter Streetpunk a’la Germany in Form von vier schweren Picture-LP’s (Abbildung siehe unten), bestehend aus den KRAWALLBRÜDER-Alben “Das 11te Gebot”, “Die Fäuste hoch” und “In Dubio Reo”. Die vierte, die Überraschungs-LP, “Auf uns” präsentiert bisher unveröffentlichtes Songmaterial der KRAWALLBRÜDER. Das sind vier Scheiben, die schon auf Grund ihrer geilen Optik jeden Vinyl-Fan und -Sammler an den Rand des Wahnsinns treiben werden. Die Fans des rabiaten deutschen Oi!-Punk sowieso. Aber die Box beinhaltet nicht nur diese vier geilen LP’s, sondern auch noch ein Riesenposter, ne Bandfahne (95x65), ein Fotokarten-Set, und natürlich ein Zertifikat, das dem Käufer bestätigt, die Nr. soundso von 1000 Exemplare zu besitzen. Und natürlich ziert auch diesmal das Bandlogo als cooles Branding den Boxendeckel. Fazit: Ein optisches und musikalisches Spitzenprodukt aus dem Hause STREET JUSTICE.
THE LOOSE SKREWS “Sworn to fun” / Single / 4 Tracks / 2010 / Limitiert / Weisses Vinyl
Am Anfang stand das Vinyl, und wie wir inzwischen wissen, wird das gute alte Vinyl jede CD überleben. So auch diese auf 500 Exemplare limitierte Vinyl-Single von THE LOOSE SKREWS aus Marietta, Georgia (USA). Hierzulande bei den Fans der amerikanischen Streetpunk-Szene eine nicht ganz unbekannte Band. Wie gewohnt, schnell, derb und laut, so präsentiert sich THE LOOSE SKREWS (Heisst das übersetzt: “Die verlorenen Schrauben”?) auch in den vier geilen Songs (“Sworn to fun”, “Warm beer, cold soul”, “Another wasted day” und “We will be over”) dieser Vinyl-Veröffentlichung. Wer mal in die Single reinhören will, findet “Sworn to fun” auf der Bandseite bei MySpace. http://www.myspace.com/thelooseskrews
ULTIMA THULE “Yggdrasil”/ 14 Tracks / 2010
Also das gesprochene Intro des neuen ULTIMA THULE-Albums kommt ganz schön mystisch daher, obwohl ich kein Wort davon verstanden habe. Schwedisch ist schon ne merkwürdige Sprache! Genau wie der Name des Albums: “Yggdrasil”. Da ich in der nordischen Mythologie nicht so bewandert bin, musste ich mich erst mal bei Wikipedia schlau machen. Und dort habe ich gelernt, dass “Yggdrasil” der Name einer Esche ist, die als “Weltenbaum den gesamten Kosmos verkörpert”. Wie dem auch sei, die stolzen nordischen Recken von ULTIMA THULE zeigen sich auf ihrem neuen Album mal wieder von ihrer allerbesten Seite. Mächtige Melodien, der geile Gesang von Jan Thörnblom, da wundert es mich nicht, dass ULTIMA THULE schon Mitte der Neunziger Jahren in ihrer schwedischen Heimat mit drei goldenen und einer Platin-Schallplatte ausgezeichnet worden sind. Fazit: Ein Spitzenalbum aus dem Genre Viking-Rock, das voll überzeugt. Etwas anderes habe ich von ULTIMA THULE auch gar nicht erwartet.
BLOODSHEDRISE“Always this fear” / 11 Tracks / 2009
Ich kann gar nicht verstehen, wie ich diese CD von BLOODSHEDRISE so lange übersehen konnte. Erklärung: Das Chaos regiert auf meinem Schreibtisch! Spät, aber nie zu spät: “Always this fear” steht für fetten, brachialen Hardcore so wie ich ihn mag. Irgendwie glaubt man sich in die Frühzeiten des legendären New Yorker CBGB zurückversetzt, in die frühen Achtziger Jahre, als dort junge wilde Bands wie AGNOSTIC FRONT oder WARZONE die eingefahrenen Verhältnisse des Ami-Punk zum Tanzen brachten. In dieser musikalischen Tradition bewegt sich BLOODSHEDRISE aus der deutschen Hauptstadt Berlin. Im Jahr 1999 gegründet, 2002 aufgelöst, hat sich die Band 2009/2010 mit dem Album “Always this fear” und einem neuen Sänger eindrucksvoll zurückgemeldet. Fazit: Saugeiler, knüppelharter german-hardcore!
Absolut spitzenmässig, dieser amerikanische Skinhead-Sampler von NECK RECORDS. Dafür sorgen schon so geile Bands wie THE LOOSE SKREWS, BROKEN HEROS, THE BOOZERS, THE HATED, ROAD TO RUIN, SHITFIT, THE BARONS, THE KEEFS und DRUNKEN DRU BAND. Eine geballte Ladung angecorter Skinhead-Rock’n’Roll aus den USA, dessen mitreissender Sound und geile Vocals mich voll begeistern. Und textlich dreht sich fast alles um Beer und Party, wie z. B. bei “Bottom of my glass” von den BARONS oder “Drink some more” von den BOOZERS. Fazit: Geile Partymusik für harte Jungs!
CL1 & FIRST OFFENSE “This is Rustbelt Street Punk” / 2010 / 10 Tracks
Ich frag mich immer, woher nehmen die scheiss Amis die vielen geilen Bands? So geht es mir auch bei diesem Splitt-Album mit CL1 und FIRST OFFENSIVE. Hölle! Knallharter mit ner gehörigen Portion Hardcore angefixter, aber trotzdem melodischer Streetpunk, der vom ersten bis zum letzten Track keinen Durchhänger kennt. Im Gegenteil, die Songs der beiden Bands bewegen sich auf einem Level, das man nur als rasant bezeichnen kann. Obwohl mir CL1 einen Tick besser gefällt als FIRST OFFENSE. Da hat fast jeder Song das Zeug zu einem Ohrwurm. Besonders “Drinking Class Heros” oder “Stand Strong”. Fazit: Brutal geil!
STOLZ & STIL - #24 / Januar 2010 / 84 Seiten / DIN A5-Format mail: stolzstil@web.de
Also, Freunde, die vierundzwanzigste Ausgabe des STOLZ + STIL-Fanzine kommt optisch ganz stilvoll daher. Besonders das opulente Frontcover hat es mir angetan. Normalerweise habe ich ja immer am S&S-Cover rumgenörgelt, aber dieser Rücken ist wirklich cool! Glückwunsch an den Grafiker. Auch der Inhalt des Heftes lässt keine Wünsche offen. Aber nichts anderes habe ich vom S&S erwartet. Geboten werden lockere Unterhaltung, Musik- und Fanzine-Reviews, und mehr oder weniger interessante Informationen aus der weltweiten (Hoppla - jetzt hätte ich doch fast "Grauzone" geschrieben!) Skinhead-Szene, aufgelockert mit vielen erstklassigen Fotos und Grafiken. Das alles in einem rundum gelungenem Layout, und einem gepflegten Druckbild, das weder die Augen der Leser quält, noch sie zu Hieroglyphenforscher werden lässt. Irgendwie fällt es mir jetzt schwer den entsprechenden Übergang zum redaktionellen Teil dieser Ausgabe zu finden. Das liegt wohl daran, dass dieses Heft einen traurigen Background hat. Gleich zu Beginn finden wir ein fünfseitiges Interview mit Dieter, dem Sänger der belgischen Glatzenband KBK (“Kill Baby Kill”). Unter anderem sprach er da auch von seinen Zukunftsplänen. Zu diesen gehörte auch ein neues Album, das er gerade vorbereiten würde. Es sollte das letzte Interview mit ihm werden. Kurz vor dem Erscheinen dieser Ausgabe ist Dieter freiwillig aus dem Leben gegangen. Scheisse, er war ein ultrageiler Sänger! Aber Freunde, das Leben geht weiter - Never surrender, auch wenn die Scheisse bis zur Unterlippe steht! - und deshalb kommt in der aktuellen Ausgabe auch die Skinhead-Historie nicht zu kurz. Z. B. die Fortsetzung der stolzen STOLZ & STIL-Geschichte. Oder der Bericht über die “Isle of wight scooter rally 1986“, der 1986 im OI! THE BULLDOG-Fanzine aus Augsburg erschienen ist. Einer der Höhepunkte im Heft ist der optisch erstklassige Nachdruck einer vierseitigen bebilderten Reportage aus dem Westberliner Magazin “COVER”, die 1986 rausgekommen, und sich unter dem reisserischen Titel: “HASS - Kampf in allen Gassen" dem Thema Skinheads gewidmet hatte. Eigendlich war dieses Magazin ja ehr für seine mehr oder weniger (ehr weniger) geilen Nacktmodels bekannt, als für interessanten Journalismus. Aber so wie man mit viel Glück in einem Haufen Hundescheisse einen Goldring finden kann, so konnte man auch zwischen den fetten Titten und gespreizten Schenkeln des COVER-Magazin hin und wieder mal ein journalistisches Highlight finden. “HASS - Kampf in allen Gassen” von Wolfgang Wiesner war so ein geiles Teil. Da haben alle, Punks, Skins, Türken, ANTIFA oder die Medien, ihre Ladung Fett wegbekommen. Zynisch, schnoddrig, einfach geil geschrieben. Geil geschrieben sind auch die zahlreichen Konzertberichte im S&S. Ein weiteres Highlight dieser Ausgabe ist das Interview mit Rene, dem Ex-Sänger der ehemaligen Magdeburger Skinhead-Band ELBSTURM. Eine Band, die Anfang bis Mitte der neunziger Jahre ihr musikalisches Unwesen getrieben hat. Besonders für mich Wessi ist es immer wieder interessant zu lesen, wie unsere ostdeutschen Brüder (und Schwestern) hinter der Mauer einst zum Punk oder Skin gekommen sind. Der geeignete Zeitpunkt, um zu erwähnen, dass in dieser Ausgabe des STOLZ & STIL die “Rottenbois” immer noch nach Westberlin fahren. Im zweiten Teil ihrer Reise durch Honnekers untergegangene Welt. Um es auf den Point zu bringen - und endlich zum Schluss zu kommen: Mein Lieblingsfanzine aus dem Thüringer Sömmerda bietet mal wieder 84 Seiten gepflegte Unterhaltung, die ich nicht missen möchte - und ihr euch nicht entgehen lassen dürft.
ENDSTUFE “Live- Wo wir sind brennt die Luft” / 13 Tracks / 2010 / by PURE IMPACT-Rec.
Yeah, Freunde, bei diesem Live-Album von ENDSTUFE kommt Freude auf! Obwohl die Live-Aufnahmen (von verschiedenen Konzerten in Italien und Deutschland aus den Jahren 2007/2009) nicht so den Fun rüberbringen, den man normalerweise von einem ENDSTUFE-Gig gewohnt ist. Die Stimmung im Publikum kommt nämlich ziemlich dünn und flach aus den Boxen. Was aber nicht am Sound der Band lag, sie präsentiert den gewohnt flotten ENDSTUFE-Stil, der nicht nur meine, sondern inzwischen schon die zweite Skinhead-Generation zum Tanzen bringt, sondern am Versagen einer der Aufnahmespuren. Egal, als bekennender ENDSTUFE-Fan, und das seit nunmehr 25 Jahren, gehen mir solche Kleinigkeiten locker am Arsch vorbei. Zwölf Live-Songs der Bremer Glatzenband, die Spass machen und zum Mitgröhlen einladen, darunter so Klassiker wie “Eine Rose für dich”, “Trinken” und “Lass dich nicht unterkriegen”. Und natürlich tiefsinnige Party-Songs wie “Oberkörper frei”! Das ist bierfeuchte “Körperertüchtigung” a’la ENDSTUFE! Da tobt der Mob! Fast schon eine Hommage an den guten alten “Turnvater Jahn”! Und nicht zu vergessen, die ENDSTUFE-Version des alten EXPLOITED-Hits “Sex and Violence”! Eine CD, die trotz der aufnahmetechnische Schwächen auf meiner persönlichen Hit-Liste ganz oben steht.
BANDEIRA DE COMBATE & KILL BABY, KILL! “Rocking in Sao Paulo – Rolling in Brazil” / CD / 10 Tracks / 2009
Die einen sind ja der Meinung, dass KBK mal kürzer treten sollte, was die Anzahl ihrer Veröffentlichungen betrifft, und dann gibt es wieder andere, die nicht genug von dieser belgischen Band bekommen können. Letzteren wird dieses Album sicher gefallen. Und die anderen sollten erst mal reinhören, bevor sie wieder meckern - oder ins Klobecken springen und dann abziehen. Jedenfalls zeigt “Rocking in Sao Paulo – Rolling in Brazil” was dabei herauskommt, wenn der Sänger von KBK nach Sao Paulo (Brasilien) fliegt und gemeinsam mit der brasilianischen Band BANDEIRA DE COMBATE ein Album einspielt.Dann entsteht so ein geiler Skinhead-Song wie “Tenacity”. Oder “Battle Flags”, ein Song der alles hat, was zu einem echten Skinhead-Hit gehört: Power, eine wunderbare Melodie und eine grandiose Stimme. Mein absoluter Favorit auf diesem melodischen und kraftvollen Album ist jedoch der Song“Red Flags Burning”. Nicht nur wegen der fantastischen Stimme des KBK-Sängers! Und natürlich “Rocking in Sao Paulo – Rolling in Brazil” Da geht echt die Post ab. Wer bei diesem Song (Melodie von Motörhead), den ich mir dreimal hinter einander reingezogen habe, noch ruhig sitzenbleibt,der soll sich zur Strafe die Haare wachsen lassen und bis an sein Lebensende “Tokio Hotel” hören.
Ohne in Superlativen zu verfallen, aber nach dem taffen “American Made”-Album (siehe Review weiter unten), haben die coolen US-Boys von CRUCIAL CHANGE noch einen kräftigen Zahn zugelegt, und mit “33” ein Album präsentiert, dessen Skinhead-Sound alle Voraussetzungen eines Kult-Albums erfüllt. Das sagt mir schon ein Song wie “Pride in yourself”! Oder das schweinegeil gecoverte “Stolz” der ONKELZ. Bei Texten wie “Patriotic Price” mögen sich zwar hierzulande die Öhrchen politisch korrekter Korintenkacker rot färben, aber, Leute, so ist Amerika, pride and free! Besonders hervorzuheben, das geile Artwork dieser Veröffentlichung. Angefangen beim opulenten Booklet (16 Seiten) bis hin zur Gestaltung des CD-Design. Und nicht zu vergessen, als Bonus gibt es das komplette “American Made”-Album. Alles in allem, ein optischer und musikalischer Genuss, wenn ich das mal so frei sagen darf.
VIVA HATE “Hatefull an hollow” / 12 Tracks / 2009 / CD www.vivahate.net
Arrrgh! Macht das “hasserfüllte” Trio aus Burbank in Californien nun Psychobilly, Hardrock oder Punk? Man könnte sagen, von allem etwas, oder von allem nichts. Für mich ist das modern psychobilly, der ziemlich stark von amerikanischer Country-Music, 80iger Skate-Punk und Death-rock beeinflusst wurde. 12 manische bis düstere Songs, die mich trotz der coolen Instrumentalisierung und faszinierende Stimmen ziemlich verwirrt zurückgelassen haben. Vielleicht liegt es ja daran, dass diese Mucke nicht so ganz mein Ding ist!
BOOTPRINT: Eine atmosphärisch starkes Album des Glatzentrios aus dem kanadischen Montral! Nicht nur wegen des gelungenen Cover-Artwork! Was könnte ich jetzt noch über das neue (Vinyl-)Album “Notre Force” von BOOTPRINT schreiben, was ich nicht schon über ihre geile CD “A part of us” (siehe unten) geschrieben habe, ohne dass ich mich hier wiederholen würde? Ganz einfach: “Notre Force” ist eines der besten Skinhead-Alben, das ich 2009 auf meinem Plattenteller liegen hatte. Göttlich! Obwohl es sich bei drei der sechs Tracks “nur” um gecoverte Songs von SKREWDRIVER, EJECTED und den EVILSKINS handelt. Ich glaube aber, dass die taffe BOOTPRINT-Version des alten Kulthits “On the streets” sogar dem längst verblichenen Ian Stuart noch gehörigen Respekt abnötigen würde. Aber mein Anspieltipp ist die Skinhead-Hymne “Montreal Skins”. Wer da noch ruhig sitzenbleibt, dem ist nicht mehr zu helfen. Der sollte seine Docs in die Ecke werfen, und sich lieber Florian Silbereisen reinziehen. Fazit: Eine Platte, auf die kein “gestandener” Skinhead verzichten sollte! Buy or die!
THE PILLAGE “We bear arms” / 10 Tracks / 2009
Bekanntlich ziehen sich die Amis ihren Patriotismus und Stolz ja schon mit der Muttermilch rein, wenn dem so ist, dann haben sich die Südstaaten-Rebellen von THE PILLAGE an der mütterlichen Theke garantiert ne doppelte Dosis einschenken lassen. Aber in den Südstaaten sind sogar die Kids patriotischer und wütender als im Rest des Landes. Wobei in den USA die Sache mit der “politischen Korrektheit” sowieso kein Thema ist! Das spürt man auch an den - aus Sicht des deutschen Gutmenschen kontroversen - Texten von THE PILLAGE. Ob es sich um illegale Einwanderung handelt, oder den amerikanischen Bürgerkrieg. Da ist nichts weichgespült. Ebensowenig die Musik von THE PILLAGE. Mein Anspieltipp ist “Better Days”. Fazit: Temporeicher und hardcoremässig angepunkter melodischer Ami-Oi!, der sich hören lassen kann.
L’INFANTERIE SAUVAGE “DEMO 1982 + 1983” / CD / 18 Tracks / Lim. edition 500 / 2007 by Pirate Love Records (oder über die FOH-mailadresse)
PIRATE LOVE RECORDS präsentiert auf dieser CD mit den beiden Demos der Glatzen-Band L’INFANTERIE SAUVAGE den typisch französischen OI!-Sound der frühen Achtziger Jahre. Und die Franzosen von L’INFANTERIE SAUVAGE haben es in sich! Schlicht, aber herzlich! Sie sind keine Meister der Perfektion, aber dafür haben sie um so mehr Spielwitz. Unkompliziert das Schlagzeug, flott und witzig Bass und Gitarre, und höllisch dreckig der rasante, manchmal fast schon atemlose “Gesang”! Insgesamt achtzehn Orginal-Tracks auf französisch aus den Jahren 1982/1983, die trotz einiger Mängel bei der damaligen Aufnahmequalität auch heute noch gefallen.
NO ALLIANCE “Just getting started” / CD / 12 Tracks / 2009
Die fünf Kanadier aus Montreal knallen uns mit ihrem zweiten Album “Just getting started” eine knallharte Breitseite rabiaten OI!-Punk um die Ohren. Klar, dass da der Sound manchmal ziemlich hardcoremässig daherkommen, wie z. B. bei dem Song (und Anspieltipp) “We don’t follow”. Absolut geil! Sound und Gesang wecken Erinnerungen an den taffen New Yorker CBGB-Stil zu Beginn der Achtziger Jahre. Back to the roots! Da liegst’e nie falsch! Hier passt das eine zum anderen!
THE BRIDGEBURNERS “War, conquest, pestilence, death” / CD / 13 Tracks / 2009
Ein feines Album! Trotz des martialischen und düsteren Plattentitels! Die vier Ami-Boys von BRIDGEBURNERS aus St. Louis (Missouri) machen unaufgeregten aber mitreissenden Rock’n’Roll, der sich wohl am klassischen 80iger Ami-Hardcore und europäischem Streetrock orientiert hat. Dreizehn melodische Songs, in denen manchmal sogar die guten alten ONKELZ, AC/DC oder SLAPSHOT um die Ecke rocken!
BANANE METALIK “Nice to meat you” / 14 Tracks + Bonus / CD + Vinyl / 2009
Kennt ihr “Gore’n’Roll”? Von dieser Musikrichtung hatte ich bis zu diesem Album auch noch nix gehört. Heilige Scheisse! 14 Songs as sexy as macabre! Strip or die! Was die fünf Franzosen von BANANE METALIK auf ihrem dritten Album bieten, ist ein geiler Mix aus Horror und Rock’n’Roll, und dazu noch ne fette Prise Garagen-Punk obendrauf. Hossa! Da tanzen sogar die beinlosen Untoten auf ihren Gräbern noch mal Pogo. In den Texten dreht es sich, wie könnte es auch anders sein, um metzelnde Wahnsinnige, heilige Massenmörder und geile Sexmaniacs! Also um Menschen wie Du und ich! Da sag’ ich nur noch “Viva gore’n’roll”!
ANGELA RIPPON’S BUM “Deaf and dumb not blind - Demos and Rarities 1980 - 1982” / CD / 24 Tracks / Limited edition 500 / 2007 by Pirate Love Records (oder über die FOH-mailadresse)
“We are skinheads trying to be musicians, not musicians to be skinheads!” meinte einst Sticko, der Sänger der britischen Skinheadband ANGELA RIPPON’S BUM. Das war vor 27 Jahren. Diese Band kann man also getrost zur ersten Generation britischer Skinhead-Bands zählen. Und so bietet diese CD auch 24 alte british Oi!-Songs aus der Gründerzeit der Glatzen-Bewegung. Aufgenommen in verschiedenen Londoner Studios zwischen 1980 - 1982. Was sich auch an der unterschiedlichen Aufnahmequalität bemerkbar macht. Trotzdem aber sehr gut anzuhören. Schlicht und einfach gestrickte Melodien und Texte, aber gerade das macht den besonderen Charme dieser fast schon “historischen” Aufnahmen aus. Anspieltipp: “Okay Cokey” oder “Dirty old man”. Saugeiler alter Schrummel-OI aus den frühen Achtzigern! Wegen der vielen “Oi OI OI”s in den Texten gut geeignet zum Mitgröhlen auf alkoholbeschwingten Skinhead-Partys. Fazit: Back to the roots - and cheers!
VANGUARD “Hard road to travel” / 14 Tracks / CD / 2009
Ist schon merkwürdig, aber die Musik von VANGUARD, einer Streetrockband aus Statesville in North Carolina (USA), hat mich auf weiten Strecken doch ziemlich kalt gelassen. Trotz des geilen Gesangs und der Texte. Vielleicht liegt es daran, dass bei einigen Tracks der Typ an der Gitarre zu sehr in Richtung Metal oder Hardrock abdrivtet. Dann fällt bei mir ne Klappe runter. Ich mag nun mal keine Egoshooter an jaulenden Gitarren. Ausserdem kommen mir die meisten Tracks einen Tick zu gemächlich, wenig melodisch und ohne Höhepunkte daher, trotz des kraftvollen Sound. Aber Reviews sind nicht repräsentativ, und schon mal gar nicht vollkommen. Fazit: Ein Album, wo ich sagen würde: Selber reinhören, und dann entscheiden!
GLORY BOYS “Glory Nights E.P.” / 4 Tracks / Vinyl
Wenn ich mich nicht irre, dann handelt es sich bei dieser EP um das “Erstlingswerk” der GLORY BOYS. Und das ist dem kurzhaarigen Trio aus Spanien auch hervorragend gelungen! Herausgekommen ist eine musikalische Symbiose aus englischen und französischen Oi! aus den golden Eighties. Vier chorusbetonte englischsprachige Songs, die voll ins Ohr und in die Beine gehen, darunter “Memories”, eine musikalische Referenz an die Roots und den Spirit der Skinhead-Bewegung. Fazit: Eine EP, die mehr als nur gefällt!
ELDGRIM / 11 Tracks / LP / Gelbes Vinyl
Meine erste Begegnung mit dem sog. Wiking-Rock hatte ich Ende 1984. Damals schickte mir der Herausgeber des fränkischen CLOCKWORK ORANGE-Fanzine (heute DIM-Records) das Demo einer schwedischen Band mit dem Namen ULTIMA THULE. Das war vor 25 Jahren! Daran - und wie schnell doch die Zeit vergeht - musste ich denken, als ich das Debüt-Album der Nordmänner von ELDGRIM auf den Plattenteller legte, und als erstes eine saugeil nachgespielte Version von ULTIMA THULES “Frihetssang” aus meinen Speakers tönte. Ein wunderschöner (Sorry!) Song, der mich damals wie heute emotional bewegt. Trotz dieser geilen Reverenz an UT pflegen ELDGRIM ihren eigenen Stil. Das merkt man schon am Gesang. Melodische Songs, manchmal etwas zu ruhig, wobei man sich nicht scheut, hin und wieder mal einige Takte lauter und schneller zu werden. Fazit: Ein Album, das keinen Viking-Fan entäuschen wird!
EMPIRE FALLS“We live to be hated” / 14 Tracks / LP / Vinyl
Yeepp! Ohne groß rumzueiern - dieses Album von EMPIRE FALLS ist einfach Spitze! Geboten wird derber, aber melodischer old-school Skinheadhardcore aus dem Amiland, der vom ersten bis zum letzten Track voll abgeht. Vierzehn wütende und rotzige Songs, die von einem gewissen Mitgröhlfaktor geprägt werden. Was nicht zuletzt an den fantastischen Refrains und dem aggressiven Gesang der Band liegt. Rau - aber herzlich! Meine Favoriten auf diesem Album: “On the Attack”, “Dregs of Society”, “Hate yer Face”! Fazit: We want more!
Auf ihrem Debut-Album „Bethlehem Steel“ präsentieren die US-Boys aus Bethlehem (Pennsylvania) 14 heisse Tracks, die den Freunden des gepflegten Oi!-Streetpunk sicher angenehm in den Öhrchen klingen werden. Musikalisch beeinflusst wurden die smarten Amis von so geilen Bands wie The Templars, 4 Skins, Condemned 84, Blitz oder The Business. In dieser musikalischen Tradition bewegen sich auch die Songs auf diesem Album. Kleiner Schwachpunkt: Bei einigen Songs habe ich das Gefühl, dass die Band sich nicht ganz sicher ist, ob sie nun mit einem oder zwei Sänger agieren soll. Ansonsten bietet dieses Album einige starke Streethymnen, die nicht auf Sozialkritik verzichten, aber trotzdem zum Mitgröhlen einladen.
OI! TONICS “Niemals wie sie!” / 9 Tracks / CD
Hey Leute, schnürt die Stiefel, und poliert die Glatzen! Auf dieser starken CD erwartet euch nämlich flotter Oi! made in good old Germany. Genauer gesagt, aus Frankfurt am Main. Auch wenn einige Texte der OI! TONICS auf Englisch daherkommen. Na ja, besser als auf Hessisch! Daher gibt es zu dieser CD auch keinen “Bembel mit Äbbelwoi” (wenn man sich jedoch den Song “Thüringen” anhört, scheinen die vier Jungs von OI! TONICS diesem dünnschissfördernden Gesöff nicht abgeneigt zu sein), sondern so geile Songs wie “Bleiben wie wir sind!” oder “Die Wahrheit für Dich!”. Ich steh’ auf doitsche Bands. Deshalb: Top!
THE BOOZERS! “Have another beer” / Demo-CD / 5 Tracks
THE BOOZERS (Die Alkoholiker) aus Tampas im Sonnenstadt Florida präsentieren auf ihrem Debut-Demo fünf fetzige Streetpunk-Tracks im klassischen East Coast style. Mein Favorit auf diesem kleinen aber sehr feinen Demo ist „Have another Beer“. Ein interessantes Demo, das saugeil abgeht und nach einer LP verlangt. Good work!!
Keine Ahnung, in welchem Teil der USA das straighte Trio von CRUCIAL CHANCE heimisch ist, aber dass sie mit diesem bemerkenswerten Album von 2007 so manch einem in die politisch korrekten Eier treten, steht für mich ausserhalb jeder Diskussion. Und so kommt man auch ohne Umschweife zur Sache. Musikalisch und in den Texten! Schnörkelloser und oi!-betonter Punkrock a’la 80er, wie man ihn heutzutage nur noch selten zu hören bekommt. Pride und free knallen uns die drei Jungs von CRUCIAL CHANCE ihre Wut, ihren Hass und ihren Patriotismus um die Ohren. Starke Scheibe! Thumbs up, boys!
BARONS “A Party on ‘45” / Sex Tracks / Mini-LP / Vinyl
Also die fünf wackeren Recken aus New Jersey (USA) wissen in ihrem schon etwas fortgeschrittenen Alter ganz genau, worauf es im wahren Leben wirklich ankommt. Auf geilen Oi!-Punk und auf Partys! Beides bietet dieses Mini-LP in Form von sex rasanten Streetcore-Tracks, die sich durch dreckige ultrascharfe Vocals, mitreissende Gitarren- und Bass-Drives und einen exellenten Drummer auszeichnen. Herrlich! Besonders die beiden neuen Songs auf der A-Seite dieser Scheibe: “Booze, Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll” und “Party on”. Dagegen fallen die vier Tracks auf der B-Seite (Aufnahmen einer früheren Demo-CD) qualitativ ein klein wenig runter. Machen aber trotzdem Laune! Fazit: “Let’s get this fucking Party on!”.
THE BROADSIDERS “Take back the streets” / 7 Tracks / Vinyl-LP
Hui, dieses 7 Track-Album aus dem Amiland haut voll in die Tasten! Als ich die Scheibe der BROADSIDERS vom Plattenteller nahm, war ich überrascht. So eine geile musikalische Breitseite hatte ich wirklich nicht erwartet! “Take back the streets” ist schnörkelloser Skinhead-Sound aus Dallas in Texas, der sich musikalisch stark am Streetsound früherer amerikanischer Oi!-Bands orientiert. Kurz und schmerzlos: Melodischer Street-Oi! made in USA, der durch seine unaufdringlichen Gitarrensolis, einen fantastischen Leadsänger und geile Refrains zu beeindrucken weiß.
THE INCITED“A Call to Arms” / 9 Tracks / Vinyl-LP /
Die vier kurzhaarigen Streetboys aus Delaware (USA) präsentieren mit “A Call to Arms” ein Album, das wohl alle Freunde des amerikanischen Skinhead-Sound in Begeisterung versetzen wird. Die neun Songs des Albums bieten eine geniale Mischung aus taffen Streetcore und melodischen Skinhead-Hymnen, die sogar mir noch unter die (eigendlich abgebrühte) Haut gehen. “Hard Life” ist so ein Song. Da hebst du nur noch ab! Der Refrain ist Emotion pur! Oder ein Song wie “Johnny Robinson”. Fazit: Diese Scheibe sollte man auf seiner “Kaufliste” ganz nach oben setzen. Es lohnt sich!
KAMPFZONE“Kriegsgebiet” / 7 Tracks / CD / Booklet
Keine Frage, KAMPFZONE polarisiert die Szene. Entweder man „liebt“ diese ostdeutsche Band, oder man „hasst“ sie. Wobei letzteres oftmals den Verstand vernebelt! Mit ihrem neuen (Mini-)Album „Kriegsgebiet“ präsentiert die Band sieben kompromisslose Tracks, die es wieder in sich haben. Hart und aggressiv der geile Sound, und brutal ehrlich die Texte (z. B. “Parasiten”). Nach meinem Geschmack ist “Kriegsgebiet” eines der besten Alben, das die Jungs von KAMPFZONE je rausgebracht haben. Schade, dass es auch das letzte sein soll. Ich hoffe, dass dies nur ein Gerücht ist.
VON DÄNIKENS “12 hot shots” / 12 Tracks / September 2009
Viva Espana! In diesem Land gibt es nicht nur die Insel Mallorca und den “Ballermann”, sondern auch flotten und rockigen Streetpunk. Das beweist die hierzulande noch ziemlich unbekannte spanische Band mit dem Namen VON DÄNIKENS. Mit ihren “12 heissen Schüssen” liefern die fünf Spanier ein bemerkenswertes Debütalbum ab, das von Anfang bis Ende gefällt. Zwölf schnelle und melodische Songs (in eglisch und spanisch), die einen way of life beschreiben, der sich von unserem kaum unterscheidet. Da geht es um Spiesser, Wein und Weiber - und um Spass. Das verlangt nach mehr! Hoffendlich dauert es bis zum nächsten Album nicht wieder fünf Jahre!
TOXPACK “Epidemie” / 13 Tracks / August 2009
Hey, bei dieser Neuerscheinung bekommt man grosse Ohren! Mit anderen Worten, “Epidemie”, die fünfte LP der Berliner Streetrocker TOXPACK, ist ein rundum gelunges Album. Geboten wird smarter und melodischer Street-Rock’n’Roll, verfeinert durch geilen Chorgesang und sehr viel Spielwitz. Und Texte, die auf billige Schlagworte verzichten. Dreizehn flotte und ohrwurmverdächtige Songs und Melodien, die zum Mitgröhlen einladen und einfach nur Laune machen.
DER ZWERGPIRAT # 12 / August 2009 56 Seiten / A4-Format / 3,00 EU + 0,85 PP Contact: Carsten Hantel, Samberger Strasse 34 1/2, 85053 Ingolstadt, GERMANY
Nach erfolgreicher Kaperfahrt in der Welt des Oi!, Punk, Rock, Psychobilly, Folk und Hardcore ist der ZWERGPIRAT wieder mit fetter Beute, und ner coolen Seemannsbraut auf dem Cover, in seinem (neuen) Heimathafen eingelaufen. Bis zum Rand vollgepackt mit vielen Konzertberichten, Geschichten, interessanten Fanzine- und Musik-Rezensionen, einen Haufen geiler Fotos, feine Interviews und Band-Storys. Einer der Höhepunkte dieser Ausgabe ist die gut recherchierte Story von “Leiche” über die fantastischen SPECIAL DUTIES. Exellent! Eine englische Punk-Band, die noch heute zu meinen absoluten Favoriten zählt, wenn es um den britischen Punkrock der frühen Achtziger geht. Absolut mörderisch ist die Story über die psychopathische Massenmörderin Erszebet Bathory, eine ungarische Adelige, die Anfang des sechszehnten Jahrhunderts in der heutigen Slowakei ihr blutiges Unwesen getrieben hat. Mehr als 650 Frauen und Mädchen soll diese perverse Lady in dem Folterkeller ihrer Burg eigenhändig abgemurkst haben, um in dem Blut ihrer zerstückelten Opfer ein Bad zu nehmen. Ich erspare mir weitere blutige Details wie die niedlichen Folterpraktiken dieser feinensinnigen Dame, das sollte man sich selber reinziehen, und wechsel lieber wieder ins Jahr 2009! Auf Seite 4 des ZP findet sich ein kleines aber feines Interview mit dem Macher von ODIN PRODUCTIONS. Wie der Name schon verrät, handelt es sich dabei um ein kleines Label aus der schwedischen Vikingrock-Szene. Danach folgt eine Bandstory über eine Ska-Swing-Surf-Polka-Country-Punk-Band aus dem Raum Ingoldstadt in Bayern mit dem Namen GORILLA RODEO, die mich verdammt neugierig auf die Musik dieser Band gemacht hat. Das diesjährige PUNK AND DISORDERLY aus der Feder von Leiche, ist mal wieder ein literaisches Erlebniss. Ich mag seinen Stil. Obwohl der Junge manchmal ein klein wenig Frust über die Szene durchschimmern lässt. Aber nur manchmal! Interessant und informativ ist das Interview mit RUST, einer Streetpunk & Skinhead Rock’n’Roll-Band aus Australien. Man erfährt einiges über die Hintergründe des „Cronulla Riot“ im Dezember 2005 in Sidney, als sich im Stadtteil Cronulla 1500 libanesische und ca. 5000 weisse Jugendliche blutige Strassenschlachten lieferten. Clash der Kulturen? In den Norden Europas führt Carstens ausführlicher und mit vielen geilen Fotos versehener Konzertbericht über das VIKINGSROCKFESTIVAL JÖNSSONLIGAN CRUISERS MK in Schweden. Ich kenne zwar Ladde Laddeson nicht persönlich, und auch von seiner Band IVV (In Vino Veritas) habe ich noch nie etwas gehört, aber nach der Lektüre von MEIN HAUSTIER UND ICH kenne ich endlich seinen 22 Zentimeter langen Archispirostreptus gigas! Bevor aber jetzt jemand auf falsche Gedanken kommt, es handelt sich hierbei nicht um einen - egal - sondern um einen afrikanischen Tausendfüssler mit dem Namen Captain Flint. Sehr empfehlenswert für alle Leser, die etwas über das Zusammenleben von Mensch und Tausenfüssler erfahren wollen. Eine wahrhaft exotische Verbindung! Wobei noch die Frage zu klären wäre, ob der kuschelige Captain Flint auch „Pfötchen“ geben kann? OUT OF LUCK ist ne Psychobilly-Band aus Straubung in Bayern und werden in Form eines Interviews vorgestellt. SOUNDS OF BRETTEN aus der Nähe von Karlsruhe ist ein Zusammenschluss von fünf Leuten aus der Psycho- und Skinhead-Szene, die lieber was auf die Beine stellen, statt nur stumpf zu konsumieren. Sie sind im ZP mit einem kleinen Interview vertreten. Hey, und dann gibt es noch ein vergnügliches Interview mit MR. IRISH BASTARD. Das ist eine saugeile Band aus Münster, die sich auf irish punk drinking music spezialisiert haben. Das hört sich nicht nur cool an, sondern wird musikalisch auch fantastisch umgesetzt. Das beweisen sie mit dem Album „The bastard brotherhood“, dass ich im Juni als limitierte Vinyl-LP (100 mit Poster) bekommen habe. Genug der Werbung für eine sehr sympathische Band! Knallhart ist die Crime-Story über BARRY PRUDOM, einem durchgeknallten ehemaligen Elitesoldaten der britischen Army, der im Sommer 1982 als „Copkiller“ in die britische Kriminalgeschichte eingehen sollte. Eine Spurensuche vonLeiche, die bezeichnenderweise von Leichen gepflastert wird. Heldenlärm in Form von Viking Rock machen DONARS GROLL aus dem schönen Sachsenland. Im Interview geht es u. a. um nordische Mythologie und Heimatliebe. Das waren jetzt nur einige von vielen Höhepunkten in dieser Ausgabe. Kurz und knapp: Die neue Ausgabe des ZP bietet nicht nur jede Menge interessanten, sondern auch intelligenten Lesestoff. Ein mit vielen geilen Fotos und Grafiken aufgelockertes Layout sorgt auch für einen optischen Lesespass! Pflichtlektüre! PS. Fast hätte ich es vergessen, aber dem ZP liegt noch eine nicht weniger lesenswerte Beilage mit dem Titel REFLIX bei. 16 Seiten voller ungewöhnlicher Film-Reviews.
THE ADICTS “Life goes on” / 14 Tracks / August 2009
Bei manch einem Album habe ich ein grosses Fragezeichen auf der Stirn und frage mich, was das überhaupt soll. Besonders wenn es sich um eine Band handelt, die Anfang der Achtziger Jahre mal zu meinen Lieblingsbands gehört hat. Da denkt man sich manchmal, oh Gott, das hätte sich die Band besser ersparen sollen. So geht es mir mit “Life goes on”! Dieses Album ist zwar sauber und perfekt eingespielt, aber das ist auch das einzig Positive, das mir zu dieser Scheibe einfallen will. Ansonsten lässt mich dieses Album absolut kalt. Punkrock? Fuck off! Kein Vergleich mit dem wahnwitzigen Fun-Punk der Achtziger Jahre. Da hatten die Songs von ADICTS noch Atmosphäre, da war Stimmung angesagt, heute wirken sie langweilig, steril und schrecklich alt. Rest in peace!
KNEIPENTERRORISTEN “Die ersten werden die letzten sein” LP / 12 Tracks / Limitiert auf 500 Exemplare / Farbiges Vinyl (weiss marmorisiert)
Als BÖHSE ONKELZ-Coverband haben die Hamburger KNEIPPENTERRORISTEN ohne Zweifel Furore gemacht. Mit "Härter als der Rest" präsentiert die Band zum erstenmal „eigene“ Songs. Aber keinen eigenen Stil! Manche Songs erinnern an die „frühen“ Onkelz, manche an die „späten“ Onkelz – aber immer erinnern sie an die Onkelz. Zuviel der Onkelz! Aber das alles würde man ja noch in Kauf nehmen, käme der Sound nicht so seltsam flach daher. Was aber weniger an der Band, sondern mehr an der mageren Aufnahmequalität dieses Albums liegt. Aber was mich am meisten stört, das sind so neoliberal angefickte Texte wie “Schuld haben immer nur die anderen”. Ein Song, der auch auf dem Bundesparteitag der FDP gut ankommen würde. Textprobe: “Raus aus deiner (sozialen) Hängematte, durchbrich die Lethargie. Nimm dein Leben in die Hand sonst änderst du es nie...Denn jeder ist des eigenen Glückes Schmied, nur du mein Freund bist ein Gesellschafts-Parasit”.
KNEIPENTERRORISTEN “härter als der rest”/ LP / 12 Tracks / Limitiert auf 500 Exemplare / Farbiges Vinyl (rot marmorisiert)
Da gefällt mir diese CD doch einen Tick besser. Obwohl mir auch bei vielen Songs dieses Albums immer wieder die Onkelz im Hinterkopf herumspuken. Was nicht zuletzt an der Stimme des Sängers liegt. Die hat was vom Kevin der frühen Achtziger Jahre an sich. Flotter gefälliger Rock’n’Roll, bei dem hin und wieder sogar AC/DC und Motörhead grüssen lassen. Obwohl sich COCK SPARRERS “England belong to me” umgefickt in “Hamburg wir steh’n zu dir” doch ein wenig merwürdig anhört.
Es ist schon verdammt schwierig, sich in eine Musik reinzuhören, die ausserhalb meines punk- und oi-geprägten Musikgeschmacks liegt. So ist es mir mit der Debüt-EP der Schweizer Band THE SUNWASHED AVENUES ergangen. Sie lässt mich ziemlich ratlos zurück! Ist das nun Emo- oder Melo-Rock, Postrock oder –punk, Poprock oder Metal was sich da aus meinen Boxen wälzt? Oder ist es eine Mischung aus allem? Wer diesbezüglich auf Band-Infos hofft, wird – bis auf die Aussage „Die Krake wird überdauern!“ - allein gelassen, und bekommt statt dessen drei kunterbunte Pillen mitgeliefert, bei deren Anblick jeder Drogenbulle eine feuchte Hose bekommen würde. Sechs ungewöhnliche Tracks, deren mächtig ausgewalzte Riffs und Akkorde töten können! Nicht weniger das furiose Trommelfeuer der Drums. Das manische Kreischen des Sängers (Lt. Columbo) erinnert mich an die gequälten Schreie eines Folteropfers, dem gerade die Eier abgeschnitten werden. Fazit: Düster, depressiv und gewohnheitsbedürftig – aber irgendwie nicht uninteressant!
THE LAST RESORT “You’ll never take us - skinhead anthems II” Colored Vinyl-LP / Mai/Juni 2009 / 14 Tracks / Limitiert auf worldwide 999 Exemplare. Davon jeweils 333 Ex. in roten, blauen und weissen Vinyl.
Wow! Also ich muss schon sagen, Respekt, die alten Recken von LAST RESORT haben ihr musikalisches Handwerk nicht verlernt. Was man nicht von allen Bands behaupten kann, die sich nach mehr als einem Vierteljahrhundert aus dem “Ruhestand” zurückgemeldet haben. Aber LAST RESORT zeigen mit diesem Album, dass sie mit ihrer Musik und ihren Texten dem street spirit der frühen achtziger Jahre treu geblieben sind. Vierzehn brandneue Songs, die die Fans des good old british oi! garantiert aus den geschnürten Stiefeln katapultieren werden. Man muss sich nur mal einen Song wie “Beyond the promised land” (Track 2) anhören, um meine Begeisterung zu verstehen. Genial! Beim Chorus ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen. Eine Scheibe, deren Musik und Texte einem “old-skin” wie mir emotional unter die Haut gehen. Und ein Cover, dessen de ya vue-Effekt die letzten 25 Jahre fast vergessen lassen. Einfach göttlich!
PUNKROCK # 8 / 100 Seiten / DIN A4-Format / März 2009 http://www.punkrock-fanzine.de/
Warum man mir die achte Ausgabe des Mannheimer PUNKROCK zugeschickt hat, mag wohl nur der Versender wissen. Normalerweise stehe ich ja bei derartigen Mags auf der „banned-list“! Sei’s drum! Kurz durchgeblättert und zu dem Ergebniss gekommen, dass ich nichts versäumt hätte, wenn dieses Teil nicht in meinem Briefkasten gelandet wäre. Um mich kurz zu fassen: PUNKROCK ist die „BRAVO“ für den politisch korrekten weekend-punk. Ach ja, diese Subkultur stand mal für so was wie „no commerce“, im PUNKROCK wird Punk nur verkauft, aber nicht gelebt. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass es auf den hundert Seiten dieser Ausgabe, neben vielen anderen Nebensächlichkeiten, auch ein Interview mit der Aachener Glatzenband BOVVER BOYS gibt. Was soll diese Anbiederei? Ausserdem einen Bericht über das österreichische Skinhead-Fanzine OI THE PRINT (Mein Kommentar zum Herausgeber dieser Ostmark-Postille: “Kotz! Würg!”). Sehr professionell gemachtes Magazin, aber ohne den chaotischen Charme früherer Punkzines. Viel zu anzeigenlastig und kommerziell!
STOLZ & STIL - #23 / Mai 2008 / 80 Seiten / DIN A5-Format mail: stolzstil@web.de
Dass das gute alte STOLZ & STIL zu anzeigenlastig sei, kann wohl niemand behaupten. Und das ist auch gut so! Denn je mehr man sich von bezahlten Anzeigen grosser Labels und Vertriebe abhängig macht, umso mehr neigt man zur Selbstzensur. So wie jener Fanzinemacher, der das Konzert von INDECENT EXPOSURE in Hildesheim (April 2008) als „eines der geilsten Konzerte meines Lebens“, bezeichnete, über das er dann aber in seinem wenige Wochen später erscheinenden Fanzine kein einziges Wort verlieren wird. Da sind die Kollegen vom STOLZ & STIL doch aus ganz anderem Holz geschnitzt. Ehr aus dem Holz einer standhaften Eiche als aus dem Holz einer sich vor jedem Windhauch verbeugenden Zitterpappel! Und so präsentiert auch die aktuelle Ausgabe des STOLZ & STIL eine geballte Ladung INDECENT EXPOSURE. Beginnend mit einem netten Konzertbericht über IE und ähnliches Gesindel im April diesen Jahres im beschaulichen Osnabrück. Gefolgt von einem neunseitigen Interview mit Steve, dem grossartigen Sänger von IE. Ein sehr informatives Interview mit Klasse und Stil! Ohne Zweifel einer der Höhepunkte dieser Ausgabe. Weiter geht es mit einem Bericht über die STOMPER 98-Jubiläumsfete im November 08 in Leipzig. Und das in einem Laden, in dem die ANTIFA die Gästeliste bestimmen konnte. Was nicht unbedingt für den Veranstalter und die STOPMPERS spricht. Im Gegenteil! Sehr interessant sind auch die Erfahrungen, die COMBAT 77 bei ihren Konzerten im kommunistischen China machen konnte. Im Kontrast dazu folgt ein ausführlicher Reisebericht von Micha zum PUNK AND DISORDERLY FESTIVAL 2009 in Berlin. Vorweg: Mein Camping-Urlaub in Finnland war die reinste Hölle! Milliarden und abermilliarden stechende Mücken hatten mich in einen schlecht gelaunten, sich ständig kratzenden Streuselkuchen verwandelt. Da konnte mich das mitfühlende „Du hast halt süsses Blut“ meiner Ex-Gattin auch nicht mehr trösten. Aus dieser ungesunden Gegend Europas kommt also die finnische Glatzenband THE WRONGDOERS, die mit einem kleinen Interview in dieser Ausgabe vertreten ist. Es folgt ein Konzertbericht von „Zille“ über die WESTSIDE BOYS & ARGY BARGY im schwärzesten Wald Germaniens, im Schwarzwald. BRASILIEN SPECIAL bietet dem Leser ein Interview (und Infos) mit der brasilianischen Skinhead-Band BOTA GASTA (Sao Paulo). Nicht weniger interessant ist der dritte Teil der STOLZ & STIL-Geschichte. Diesmal geht es um die Ausgaben 13 – 16. Klar, dass das S&S auch in dieser Ausgabe wieder ne Menge gelungene Platten- und Fanzine-Besprechungen zu bieten hat. Und jede Menge geile Konzertberichte und Bandinfos, die ich hier noch gar nicht erwähnt habe. Zum vierzigsten Geburtstag der weltweiten Skinhead-Bewegung präsentierte das smarte S&S-Team um Herausgeber Micha eine Ausgabe, die wieder mal rundum gelungen ist. Etwas anderes hätte mich auch sehr überrscht. Noch nicht einmal am Cover kann ich diesmal rumnörgeln. Fazit: Eines der besten Glatzenhefte Deutschlands! Das Teil hat für mich fast schon Kult-Charakter!
“Tätowierte Mutter Ficker” istdie neue Band des ehemaligen Sängers von ENGLISH ROSE. Wenn das nicht Empfehlung genug ist, was dann? Die sechs Tracks auf dieser Mini-CD stehen jedenfalls für saugeilen und aggressiven Hatecore, bei dem die derbe Stimme des Sängers und die (sozialkritischen) Texte der Songs eindeutig im Vordergrund stehen. Die MOTHER FUCKERS zeichnen darin einen Alltag, den man nur auf der Strasse kennen lernen kann. Violence on the streets! Fazit: Die siebenfuffzich für diese kleine aber feine Mini-CD lohnen sich allemal!
Also die französische Glatzenszene war schon in den Achtziger Jahren bekannt für ihre, na, sagen wir mal, ehr unkonventionellen Bands. Ich erinnere da an EVIL SKINS, BUNKER 84 oder an die LEGION mit der politisch unkorrekten Doppelzahl. In dieser (nicht nur musikalischen) Tradition bewegt sich die französische Skinhead-Band HAIS & FIERS. Musikalisch bietet die Band den für mich typischen Skinhead-Sound a’la France. Das heisst, man ist schnell, laut und aggressiv, ohne dabei in unmelodisches Gekloppe oder unartikuliertes Geschrei zu verfallen. Dazu kommen unaufgeregte Gitarren-Solis, rauhe Gesangsstimmen und chorusbetonte Refrains - also 12 geile Tracks, von denen einige fast Ohrwurmcharakter haben. Meine Anspieltipps sind “Gloire a la Drinking Crew” und “Mes anges gardiens”. Fazit: Keine CD, die man sich einmal anhört, weglegt und dann vergißt!
Die vergriffene Debüt-LP der Dresdner Punkband KALTFRONT ist jetzt als (um sechs Bonusstücke erweiterte) CD-Veröffentlichung erschienen. Ein MUSS für die Freunde des “real existierenden” DDR-Punk. Alle Aufnahmen dieser CD stammen von vier verschiedenen Demos aus den Jahren 1987 - 1990. KALTFRONT bietet kein wildes Hardcore-Gemetzel nach dem Motto “schneller und lauter”, sondern stillen, etwas melancholischen, für meinen Geschmack manchmal zu wavigen Punkrock. Die Texte der Songs haben Sinn und Verstand, was man von vielen Punkbands jener Zeit nicht unbedingt behaupten kann. Die Aufnahmequalität a’la DDR ist natürlich nicht mit dem heutigen Standart vergleichbar, aber gerade diese “Schwäche” lässt diese Aufnahmen so authentisch klingen. Ein wichtiges und interessantes Stück deutsch-deutscher Musik-Historie.
LES VILAINS “Pour faire chier! - The Single Collection”/ 14 Tracks / CD
Wer regelmässig die Konzerte im ehemaligen “Menfis” besucht hat (inzwischen auf Druck einer linken Arschlöchereinheitsfront geschlossen), wird die belgische Skinhead-Band LES VILAINS wohl kennen. Wer sie aber nicht kennt, der sollte sich schleunigst ihre neue CD besorgen, um sie kennenzulernen.Es lohnt sich! Das garantieren so herzige Kracher wie “We are Hoolgans” oder “Skinhead”. Wie der Titel schon sagt, die CD bietet die kompletten Singles der Band (erschienen 1998 - 2007), verkörpert also knapp zehn Jahre musikalische Bandgeschichte. Und die ist garantiert pc-frei!
SHORT CROPPED “S.C.F.-F.S.C.” / 13 Tracks / CD
Wouuh! Das ist ne heisse Sache! Die neue CD von SHORT CROPPED haut rein, wie “Schmidts Zäpfchen”! So sacht ma bei uns im Ruhrpott, wenn eine Band oder ein Song besonders gut abgeht. Hier ist es die ganze CD, die vom ersten bis zum letzten Track begeistert. Nicht nur musikalisch. Geboten wird straighter belgischer Street-Oi!. Das sind kompromisslose Texte, geile Stimmen und harte Musik. Dreizehn neue Stücke der belgischen “Kurzrasierten”, die eindeutig nach mehr verlangen. Natürlich sind die Songs von SC nix für die zarten Öhrchen pc-gespülter Weicheier! Ob es sich dabei um Songs wie “Feel the anger, feel the hate” oder um “National Pride Worldwide” handelt - so ist das Leben! Die Texte dieser Stücke haben für mich mehr Substanz als die hohlen Phrasen vieler Politiker. Fazit: Eine CD, die in keiner Sammlung fehlen sollte.
DER BEWÄHRUNGSHELFER #15 / Januar 2009 / 52 Seiten / A5-Heftformat / Incl. A-3 Poster (Bild rechts)
Ob es an der weltweiten Wirtschaftskrise liegt, kann ich nicht sagen, jedenfalls ist die neue Ausgabe von Doitschlands dienstältestem OI- und Skinzine nicht ganz so fett geworden wie die letzten Hefte, aber dafür liegt dieser Ausgabe ein Poster vom ADLER-Versand bei. Das hat Klasse und Stil! Das Poster! Ausserdem ist der BW mit dieser Ausgabe erwachsen geworden. Ich kenne nämlich kein anderes deutsches (oder europäisches) Skinhead-Fanzine, das es auf eine Laufzeit von achtzehn Jahren gebracht hat. Meinen Glückwunsch, und auf weitere achtzehn Jahre, frei von jeder Selbstzensur und verlogenen Heuchelei! Zur Sache!: Am Anfang des BW steht wie immer ein ausführliches Vorwort. Und das ist jedesmal meine Lieblingslektüre, denn hier werden die politischen Verirrungen und Wirrungen unserer "Demokratie" klar und deutlich beim Namen genannt. Diese Kompromisslosigkeit mag ich. Besonders in einer Zeit, in der der Souverän, das Volk, durch den jahrzehntelangen Machtanspruch und -missbrauch der Etablierten zum bloßen Stimmvieh mutiert ist. Es folgt ein Bericht über ONE FILE, THE CORPS und CONDEMNED 84 im "Speicher" in Hildesheim. Dazu ein Interview mit den BOOTBOYS HILDESHEIM, einem Zusammenschluss von Leuten aus Hildesheim und der umliegenden Region, die sich durch Konzerte mit legendären Bands wie INDECENT EXPOSURE oder oben genannten CONDEMNED 84 (und demnächst wohl COMBAT 84) einen bundesweiten Namen gemacht haben. In der Kolumne "Armes Deutschland" geht es um das Leben und Zusammenleben der Deutschen (und ihren Familien) im Deutschland des Jahres 2009. Schlussfolgerung dieses Beitrages ist die Sehnsucht nach einer "heilen Welt", die auch früher, als wir Deutschen noch weitgehend unter uns waren und die Familie als Keimzelle der Nation" hochgejubelt wurde, gar nicht so heil war. Lassen wir es dabei. Es folgt ein Bericht mit dem vielversprechenden Titel "Halli-Galli-Drecksau-Party". Es geht um eine "Auszugsparty" in Wernigerode. Und da es sich bei dem begnadeten Autor um einen gewissen "Bussi" handelt, weiss jeder BW-Leser was ihn erwartet: Gnadenloser Skinhead-Spass! Ein Stück Zeitgeschichte verspricht der halbbiografische Roman "Großstadtjungle". Inhalt: Ein junger Ossi "macht" über die deutsch/deutsche Grenze und landet in Kassel. Dort lernt er nach einer unerfreulichen Begegnung mit irgendwelchen Schlägern eine Gruppe Kasseler Skins und Hools kennen, die unserem Held die faszinierende Welt von Fussball und Gewalt näherbringen. Mal sehen, wie die Story weitergeht. Plattensammler sollten sich den Artikel "Platten sammeln ist eine Krankheit" über das Bett hängen und jedesmal durchlesen, bevor sie wieder mal ne Platte bei EBAY ersteigern. Und dann legt wieder "Busst" los, und zwar mit einem krachenden Erlebnissbericht über die Filmpremiere von "Chaostage - Der Film". Äusserst lesenswert! Wie auch das Interview mit den sympatischen Machern vom ADLER-Versand. Ein kleines Label, dass mit viel Idealismus und Spass sein Ding durchzieht. Den Abschluss macht ein Interview mit der japanischen Glatzen-Band STRONG STYLE. Natürlich gibt es auch noch Platten-, Fanzine- und Buchkritiken. Jedenfalls hat der BEWÄHRUNGSHELFER mit seiner aktuellen Ausgabe mal wieder ein interessantes und lesenswertes Heft abgeliefert.