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Die Chaos-Tage am 2/3. Juli 1983 in Hannover, an dem ca. 1200 Punks und bis zu 300 Skins teilgenommen haben, standen unter dem Motto: “Die Wende - Punks und Skins united!” Was ursprünglich als “Versöhnungstreffen” zwischen Punks und Skins gedacht war, endete in zahlreichen Schlägereien, und steht für das Ende der “friedlichen Koexistenz” zwischen beiden Jugendkulturen. Und noch etwas: Wenn ich hier (oder auf den CHAOS-TAG 1984-Seiten) das Wort “Bulle” benutze, so geschieht dies nicht in diskriminierender oder beleidigender Absicht, sondern entspricht dem Street-Slang der Jugendkulturen in den frühen Achtziger Jahren.

 


by FORCE OF HATE
(Unter Verwendung der Chaostag-Fotos von Dirk Eisermann und Jürgen Schalla)

Bereits im Vorfeld war abzusehen, dass sich das Motto ‘Skins & Punks united’ leicht als Rohrkrepierer erweisen könnte. Bei dieser Masse an Punks und Skins, die in Hannover aufgelaufen waren, konnte das nicht lange gutgehen. Und so ist es auch gekommen. Als am Samstag der Alkoholpegel seinen Höhepunkt erreicht hatte, und die Bullen durch brutale Knüppelaktionen die aggressive Stimmung noch so richtig aufheizten, ist die Sache total aus dem Ruder gelaufen.
Aber der Reihe nach...

2. Juli 1983. Am frühen Samstag Nachmittag in Hannover: Annähernd 1500 Punks und Skins feierten friedlich in der Innenstadt.

 Wärend überall in der City gesoffen, Kontakte geknüpft, Erinnerungsfotos gemacht (hier muss mein Freund Crazy als Model herhalten) und Adressen ausgetauscht wurden...

...kam es an den Treppen zur Passarelle (ein unterirdisches Einkaufszentrum) zu den ersten schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Provoziert durch einige besoffene Punks, die “vergessen” hatten, im Supermarkt den Schnaps oder das Bier zu bezahlen.

Hier erwischte es Mario Irrek (er lebte damals noch in Düsseldorf). Man beachte die Hand rechts im Bild, die den Uniformierten, und leider auch den kleinen Mario, mit einer fetten Ladung Tränengas beglückte.

Wäre noch zu erwähnen, dass Mario inzwischen recht erfolgreich als Schauspieler (u.a. Tatort) arbeitet. Seine erste Rolle war die des “Mücke” in dem Film “Verlierer” von Bernd Schadewald aus dem Jahre 1987.

Die Bullen nahmen diesen Vorfall zum Anlass, in die Menge zu stürmen, und wie von Sinnen mit ihren langen Holzknüppel auf alles einzuschlagen, was kurze oder bunte Haare hatte.

Der Platz an der Passarelle wurde mit “polizeilichen Mitteln”...

... (sprich Knüppel) gesäubert.

Die Punks und Glatzen wurden zwar auseinandergetrieben, was sich jedoch als grosser Fehler erweisen sollte, denn die unerwünschten Gäste der Landeshauptstadt Hannover verteilten sich nun über die ganze Innenstadt, die jetzt für fast zwei Stunden so etwas wie ein “rechtsfreier” Raum war. Der Alptraum eines jeden Einsatzleiters.

Die Folge: Hilflos agierende Bullen, die total den Überblick verloren hatten und angesoffene Punks und Glatzen, die ohne zu zahlen Schnapsflaschen und Bierdosen an entnervten Kassiererinnen vorbei aus den Supermärkten schleppten.

Die Folge der Folge: Aufgeheizt durch die Unmengen von Alkohol stieg auch das Aggressionspotential unter den bunt- und kurzhaarigen Gästen. Nur richteten sich diese Aggressionen nicht gegen die uniformierten Knüppelschwinger, sondern man ging - wie in alten Zeiten - im Suff viel lieber aufeinander los.

Spätestens jetzt war der Traum von der “Wende” ausgeträumt.

Es regierten wieder die alten Feindbilder...

 ...auf beiden Seiten!

An der einen Stelle prügelten sich Skins mit irgendwelchen roten Polit-Freaks, die hinter jeder Glatze gleich die Inkarnation von Adolf Hitler vermuteten.

Wobei dann auch das Mobilar einiger Strassencafes zum Einsatz kam.

Wärend an anderer Stelle betrunkene Punks über nicht weniger betrunkene Skinheads hergefallen sind,
oder umgekehrt.

Der Chaos-Tag machte also seinem Namen alle Ehre,- es war das totale Chaos!
Sinnlose Prügeleien nach dem Motto: “Ich will auch mal zutreten!”

Die Bullen hatten am späten Abend nach der Strassenschlacht mit den Skins das JZ-Kornstrasse abgeriegelt.

Am Ende standen zahlreiche Verhaftungen, und bei mir die traurige Erkenntnis, dass der trennende Graben zwischen Punks und Skins in Zukunft noch viel tiefer sein würde.