|
Die Chaos-Tage am 2/3. Juli 1983 in Hannover, an dem ca. 1200 Punks und bis zu 300 Skins teilgenommen haben, standen unter dem Motto: “Die Wende - Punks und Skins united!” Was als “Versöhnungstreffen” zwischen Punks und Skins gedacht war, endete in zahlreichen Schlägereien, und steht für das Ende der “friedlichen Koexistenz” zwischen beiden Jugendkulturen.
“Ofizielles” Flugblatt zum Chaos-Tag 1983
by FORCE OF HATE
Gruse im BEZIRK 7-Fanzine (2002) über die Chaos-Tage 1983: “Bereits im Vorfeld war abzusehen, dass sich das Motto ‘Skins & Punks united’ leicht als Rohrkrepierer erweisen könnte. Bei dieser Masse an Punks und Skins, die sich in Hannover angesagt hatten, konnte das nicht lange gutgehen. Und so ist es leider auch gekommen. Als am Samstag Nachmittag der Alkoholpegel seinen Höhepunkt erreicht hatte, und die Bullen durch brutale Knüppelaktionen das ihre taten, um die aggressive Stimmung noch so richtig aufzuheizen, ist die Sache total aus dem Ruder gelaufen...Jedenfalls steht in der deutschen Punk- und Skinhead-History das ‘United-Treffen’ von 1983 für das Ende der bis dahin überwiegend ‘friedlichen Koexistenz’ zwischen Punks und Skins.”
 |
2. Juli 1983. Am frühen Samstag Nachmittag in Hannover: Annähernd 1500 Punks und Skins feierten friedlich in der Innenstadt. Wärend überall in der City gesoffen, Kontakte geknüpft, Erinnerungsfotos gemacht (hier muss mein Freund Crazy als Model herhalten) und Adressen ausgetauscht wurden...
...kam es an den Treppen zur Passarelle (ein unterirdisches Einkaufszentrum) zu den ersten schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Provoziert durch einige besoffene Punks, die “vergessen” hatten, im Supermarkt ihren Schnaps zu bezahlen.
Die Bullen nahmen diesen Vorfall zum Anlass, in die Menge zu stürmen, und wie von Sinnen mit ihren langen Holzknüppel auf alles einzuschlagen, was kurze oder bunte Haare hatte.
Der Platz an der Passarelle wurde schliesslich mit “polizeilichen Mitteln gesäubert”.
 “Immer drauf, auf das Pack!”
Hier erwischte es Mario Irrek (damals Düsseldorf). Man beachte die Hand rechts im Bild, die den Uniformierten - und leider auch den kleinen Mario - mit einer fetten Ladung Tränengas beglückte. Wäre noch zu erwähnen, dass Mario Irrek inzwischen als Schauspieler arbeitet. Seine erste Rolle war die Hauptrolle des “Mücke” in dem TV-Film “Verlierer” von Bernd Schadewald aus dem Jahre 1987. Seit einiger Zeit ist der Film auch als DVD auf dem Markt.
Die Punks und Glatzen wurden von den Bullen zwar “auseinandergetrieben", hatten sich nun aber, taktisch klug, über die ganze Innenstadt und in die Kaufhäuser verteilt. Fast zwei Stunden lang war die Innenstadt von Hannover so etwas wie ein “rechtsfreier” Raum. Hilflos agierende Bullen, die total den Überblick verloren hatten, angesoffene Punks, die ohne zu bezahlen Dutzende Schnapsflaschen an entnervten Kassiererinnen vorbei aus den Supermärkten schleppten...
Aufgeheizt durch die Unmengen von Alkohol stieg auch das Aggressionspotential unter den Punks und Glatzen.
Nur richteten sich die Aggressionen nicht gegen die uniformierten Knüppelschwinger, sondern man ging - wie gehabt - aufeinander los. Alte Feindbilder wurden neu belebt.
An der einen Stelle prügelten sich Skins mit irgendwelchen Polit-Freaks aus der autonomen Szene,
die natürlich hinter jeder Glatze gleich die Inkarnation von Adolf Hitler vermuteten, wobei auch das Mobilar einiger Strassencafes zum Einsatz kam.
Wärend an anderer Stelle betrunkene Punks...
...über nicht weniger betrunkene Skinheads hergefallen sind.
Der Chaos-Tag machte also seinem Namen alle Ehre,- es war das totale Chaos! Sinnlose Prügeleien nach dem Motto: “Ich will auch mal zutreten!” In diesem Falle war es Kollege Ouzo-Mike aus Dortmund, der sich mit einigen Autonomen eine handfeste Auseinandersetzung leistete.
Die Bullen hatten am späten Abend nach der Strassenschlacht mit den Skins das JZ-Kornstrasse abgeriegelt.
Am Ende standen zahlreiche Verhaftungen, und bei mir die Erkenntnis, dass der trennende Graben zwischen Punks und Skins in Zukunft noch viel tiefer sein würde.
|