Leipzig Punx: Ein Bericht vom tragischen Untergang“ ist erstmals 1985 im Force Of Hate-Fanzine (Nr. 2) erschienen, und war eine Bestandsaufnahme über die damalige Punk- und Skinhead-Szene in der  DDR. An sich war das ja nichts besonderes, hatte ich doch schon unzählige Szeneberichte aus aller Welt in meinen Fanzines veröffentlicht,- aber, und das war in diesem speziellen Fall wirklich ein Novum in der deutschen Fanzineszene, noch keinen so authentischen Szenebericht aus Honnekers DDR. Authentisch, weil Bernd S. (“Schleim-Oi”), Autor dieses Artikels, nicht nur DDR-Bürger war, sondern ein Szene-Insider mit Kontakt zu fast allen wichtigen Punk-Bands der DDR, wie z. B. SCHLEIMKEIM aus Erfurt, PLANLOS, NAMENLOS und UNERWÜNSCHT aus Ostberlin, ZUCHT aus Leipzig oder PARANOIA aus Dresden. Bernds Szene-Report wurde schliesslich zu einem Politikum, das die STASI (DDR-Staatssicherheit) und DDR-Justiz auf den Plan rufen sollte. Ein DDR-Bürger hatte es gewagt, die Zensur und Kontrolle der kommunistischen „Staatsorgane“ zu umgehen; das war mehr als dieser “Staat” ertragen konnte. Sieben Wochen nach dem Erscheinen seines Artikels im “Force Of Hate” wurde Bernd wegen “illegaler Kontakte und Nachrichtenübermittlung ins nichtsozialistische Ausland” (Dortmund) und wegen “Herabwürdigung von staatlichen Organen der DDR” von der STASI verhaftet und nach zwei Monaten U-Haft zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Zwei Jahre Knast, weil er für mein Fanzine einen Artikel über den Alltag von Punks und Glatzen im “real existierenden Sozialismus” der DDR geschrieben hatte. Die folgenden Scanns sind die Originalseiten aus dem FORCE OF HATE Nr. 2 und 4. Diese Fanzine-Seiten waren auch Teil der Ausstellung “Too much future - Punk in der DDR”, die vom 18.08.07 bis zum 14.10.07 im Dresdner Stadtmuseum stattgefunden hat.

Günter Gruse

 

TOTE HOSEN, 1984 in Budapest (Ungarn)