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Die etwas seltsame Geschichte eines etwas kuriosen Glatzentreffen.
© by g.gruse (1985)

Es war einer der von “kultureller Eindimensionalität, übermässigem Alkoholgenuss und finsterer Langeweile” geprägten Tage im Juni des Jahres 1985 als im legendären Düsseldorfer Ratinger Hof drei finster ausschauende, kahl geschorene Gestalten in Bomberjacken und stahlkappenbewehrten DocMartens nach dem Genuss von mindestens zwei Dutzend Flaschen Bockbier und eben so vielen hochprozentigen Schnäpsen ihre alkoholisierten Glatzen zusammensteckten und einen konspirativen Plan fassten, der nichts geringeres bedeutete als das öffentliche Leben der Stadt lahmzulegen, und einen allgemeinen Zustand von Angst und Schrecken zu verbreiten. Und so wankten die kahlschädeligen Gestalten - als sie sich am anderen Tag wieder nüchtern wähnten - wohlgemut zur Tat (sprich in den nächsten Kopierladen), bedruckten dort einen Haufen Papier - und damit begann eine etwas bizarre Geschichte, die man bereits 1985 in meinem Glatzenfanzine Force of Hate und in Karl Nagels Punk- und Egozine Hackfleisch (1987) nachlesen konnte.


Der legendäre “Ratinger Hof” in Düsseldorf (1985): Wo das Unheil seinen Anfang nahm!

Yeah, für eine bestimmte Art von Menschen scheint es verdammt schwer zu sein, bei bestimmten Aktionen, die ihnen vielleicht “ideologisch“ oder sonstwie nicht in den täglichen Kram passen, die notwendige Ruhe und Objektivität zu bewahren. Statt sich einer realitätsbedingten Einstellung von Vernunft und Sachlichkeit hinzugeben, powert man sich in eine Hysterie, die sich irgendwann zu einem kollektiven Anfall von Verfolgungswahn steigert, um schliesslich in eine „Bunkermentalität“ und einem Gefühl des “Bedrohtsein“ umzukippen, als stünden bereits “zwei sowjetische Divisionen vor ihrer Haustüre“ - wie eine Düsseldorfer Tageszeitung so treffend kommentierte. Nur daß es vielleicht angebracht gewesen wäre, von “Nazi-Divisionen“ zu sprechen, denn diese Klassifizierung kommt ideologisch sicherlich besser rüber als irgendwelche roten Divisionen! Wovon hier überhaupt die Rede ist, werden sich die meisten Leser nun verwundert fragen. Sorry, schlicht und einfach vom ersten grossen Skinheadtreffen in der Düsseldorfer Altstadt! Eigentlich kein Grund, über dieses Ereigniss viele Worte zu verlieren, werden die Kenner der Düsseldorfer Szene einwerfen, schließlich gab es schon ofters kleinere Glatzentreffen in der Altstadt, an denen ständig zwischen 20-30 Skins teilgenommen haben, und fast nie hatte es dabei Randale oder irgendwelche Schlägereien mit Punks oder anderen Gruppierungen gegeben.

Im Vertrauen auf dieses “tolerierende Miteinander” wurde im FORCE OF HATE und auf Flugblättern für den 5. August 1985 zu einem bundesweiten Kahlschädel-Treffen in der Düsseldorfer Altstadt aufgerufen. Kein nervenaufreibendes Randaletreffen nach dem Vorbild der vergangenen Chaostage sollte es werden, sondern ein friedliches und alkoholbeschwingtes Skinhead- und Rudeboy-meeting.
Um die Sache auch friedlich durchziehen zu können, verkündete das Flugblatt, daß wir keinen Wert auf mit Bomberjacken verkleidete Prolls legen würden, und (da es ja ein Glatzen- und Rudeboy-Treffen werden sollte) auch unsere bunthaarigen Freunde nicht erwünscht seien. Was die Punx betrifft, da hab ich mich etwas undiplomatischer ausgedrückt. Na ja,- dass ich hier Umweltschutzgründe wie Geruchsbelästigung oder Vermüllung angeführt habe, war nicht gerade die feine Art,- aber egal, die einzige Absioht hinter meinem verbalen Tiefschlag war, den Punx zu signalisieren, sich an diesem Tag vom Treffen am Grabbeplatz fernzuhalten.
Das Treffen sollte also am 10. August über die Bühne gehen, und bereits eine Woche vorher ging das Affentheater los! In Windeseile hatte sich die Nachricht von unserem Treffen in der Altstadt herumgesprochen, und war dort wie eine Bombe eingeschlagen. Und nun begann in Düsseldorf die Gerüchtesuppe zu kochen! Zusätzlich angeheizt von der BILD-Zeitung, die am 5. August mit der unheildrohenden Schlagzeile aufwartete:

Abgesehen von „tausend Punx”, die sich mit den Skins eine willde Strassenschlacht liefern wollten, würden “mindestens tausend Skinheads“ über die Altstadt herfallen, wußte die BILD-Zeitung ihren geschockten Lesern zu berichten; darunter „300 White-Power-Skins“ aus Schweden. Anderen Zeitungen griffen dieses Thema auf, und nun begann die Gerüchtesuppe zu stinken, und dann überzukochen. “Von wegen 1000 Skinheads...nein, 3000-10.000 werden in die Stadt kommen!“ tönte der CDU-Ratsherr Dopheide (Vorsitzender des Ordnungs- und Verkehrsausschusses) vor ungefähr 250 Altstadtwirten und Geschäftsleuten wärend einer vom „Hotel-, Gaststätten- und Einzelhandesverband“ und der Polizeiführung einberufenen Krisensitzung.
Da es bei dieser „Krisensitzung“ ja immerhin um UNSER Treffen ging, fühlten auch WIR uns eingeladen und stiefelten nach dem Motto, „Angriff ist die beste Verteidigung“ mit frisch geputzten DocMartens und glänzend polierter Glatze in den „Goldenen Kessel“,- dem Ort dieser denkwürdigen Panik-Veranstaltung.
Natürlich war es ziemlich blauäugig von uns, sich freiwillig in die „Höhle des Löwen“ zu gehen, und sich vor einem Haufen wütender Kneipenwirte und der Polizei als Auslöser der ganzen Affaire zu outen. Aber andererseits war es auch nicht unser Ding, sich feige hinter der Anonymität von Flugblättern zu verstecken. Man hat ja schliesslich so etwas wie Charakter - und “Ehre”.

Als wir den Versammlungssaal betraten, ging erst mal ein erstauntes Raunen durch die Menge. Damit hatte wohl niemand gerechnet. Am wenigsten die Verbandsfunktionäre und Stadtverordnete, die angeführt von Düsseldorfs Polizeidirektor Rodorf, wie ein karnevalistischer Elferrat an der Stirnwand des Saales thronten.
Es fehlten ihnen nur noch die Narrenkappen!
Mit einem herausfordernden „Hier geht’s ja schliesslich auch um uns“, plazierten wir uns stühlerumpelnd an einem der Tische und bestellten uns erst mal ein Bier. Das hatten wir auch nötig, denn die Szenerie in diesem Saal war so grotesk, so irreal, dass ich immer mehr das Gefühl bekam, ich würde mich in einem falschen Film befinden.
Als nach endlosen Diskussionen Polizeidirektor Rodorf den Leuten versicherte, dass es keinen Anlass zur Besorgnis gäbe, „Wir sind auf alles vorbereitet und haben sogar Chaos-Tag erfahrene Spezialisten aus Hannover angefordert“, begann die Volksseele zu kochen und der gute Mann wurde von dem wütenden Pfeifkonzert aufgebrachter Wirte unterbrochen.
„Polizeischutz...was wir brauchen ist Polizeischutz und keine Spezialisten aus Hannover“, forderte lautstark der Wirt vom „Weissen Bär“, anscheinend hatte er noch die brennenden Autos und eingeschlagenen Schaufensterscheiben vom letzten Chaos-Tag vor Augen.
„Sie können davon ausgehen, dass die Polizei für ihre Sicherheit sorgen wird.“ versuchte Rodorf zu beruhigen. „Aber wir können nicht vor jede Kneipe fünf Beamte stellen.“
„Und was soll ich machen, wenn sich die Chaoten vor meinem Laden stellen?“ blaffte einer der Wirte.
„Bier verkaufen!“ gröhlte eine versoffene Stimme aus dem Hintergrund.
„Wenn die ihnen die Scheiben einwerfen wollen“, grinste der GRÜNEN-Abgeordnete Abetz, und nahm ein grossen Schluck aus seinem Bierglas, „brauchen sie doch nur die Rolladen runterlassen.“
„Sie haben gut reden“, unterbrach ihn der CDU-Stadtverordnete Linssen, „ihnen wird schon niemand die Scheiben einwerfen.“
Einen besonders herzigen und gar nicht so unsympathischen Vorschlag machte der Wirt vom „Weinhaus Tante Anna“, Engelbert Oxenfort: „Man sollte alle Skinheads auf einen Platz konzentrieren, umzingelt von Polizei, und ihnen Freibier ausschenken. Dann rennen die Punker umsonst durch die Stadt...“
„Das fehlt uns noch“, blaffte der Linssen von der CDU. „Wer Gewalt provoziert, wird mit Freibier nicht unter zehn Liter bestraft – und beim nächsten mal kommen dann gleich doppelt so viele.“
„Aber liebe Leute“, beschwichtigte SPD-Stadtdirektor Mayweg, „lasst uns doch sachlich bleiben...“


Doppelseite aus dem FORCE OF HATE Nr. 3 / 1985

Und so ging es endlos weiter – bis dem CDU-Ratsherrn Dopheide gehirnmässig sämtliche Sicherungen durchknallten: Er habe die sichere Information, dass in London “mehrere Hundert britische Skinheads zwei Flugzeuge für einen Flug nach Düsseldorf gechartert” hätten.
„Neeeiiin!“ Das war der Moment wo es Ralf nicht mehr hinter seinem Bierglas hielt. Er marschierte zum Rednerpult und erklärte der verdutzten Versammlung, dass alles was er bisher gehört habe, „Scheisse und Schwachsinn“ sei. Es gäbe weder gecharterte Flugzeuge aus London, noch „White Power“-Skins aus Schweden,- und schon gar keine abertausende Skins, die die Absicht hätten, die Altstadt zu plündern oder Autos plattzumachen. „Was wir wollen ist Spass und Party machen, wie jeder andere Altstadtbesucher auch, und keine Strassenschlacht mit den Punks. Wir erwarten höchstens 250 Leute und garantieren von unserer Seite aus ein friedliches Treffen...Alles andere ist nichts als Panikmache.“
Aber trotz unserer Bemühungen um eine „Deeskalation“ der aufgeheizten Stimmung steigerte sich in den nächsten Tagen die Düsseldorfer Skinhead-Hysterie bis ins Groteske. Überall in der Altstadt sah man emsig vor sich werkelnde Menschen, die fröhlich hämmernd und sägend die Scheiben und Türen ihrer Kneipen und Läden mit dicken Bohlen und Spannplatten verrammelten.
Natürlich wollten da andere Institutionen nicht zurückstehen. Die Schülerinnen des Altstadtgymnasiums erhielten schulfrei, und das Heine-Institut und Goethe-Museum erklärten in einer Pressemitteilung, dass sie aus Sicherheitsgründen ihre Räume an diesem Tag geschlossen halten würden.
Und dann, eine Steigerung war kaum noch möglich, sagten die beiden Altstadtkirchen ihren samstäglichen „Gottesdienst“ ab,- das hatte es zuletzt im Jahre 1944 gegeben, wie sich alte Düsseldorfer noch mit Grauen erinnerten, als nämlich nach einem alliierten Bombenangriff die beiden Hallelujaschuppen plötzlich ohne Dach dastanden.


Wärend des Treffen: Jeder der den Grabbeplatz betreten oder verlassen wollte, musste eine gründliche Leibesvisitation über sich ergehen lassen.

Konnte ich über die Geister, die ich mit der Idee eines Treffens heraufbeschworen hatte, anfangs noch kräftig lachen, so geschah nun etwas, über das ich überhaupt nicht mehr lachen konnte. Politpunks und sogenannte „Antifas“ (aus dem Dunstkreis der von Honneker ausgehaltenen DKP) hingen sich an den Panikkarren, und begannen nun ihr ganz persönliches Gift in die Gerüchtesuppe zu träufeln. Fast über Nacht bekam ich das Signum des Düsseldorfer Obernazis auf die Glatze gedrückt. Flugblätter tauchten auf, in denen zum „Widerstand gegen den frechen Nazi-Aufmarsch“ aufgerufen und das Gerücht gestreut wurde, das Treffen sei nur organisiert worden, um die besetzten Häuser und Asylantenheime auf der Kiefernstrasse abzufackeln. Wie absurd dieses Gerücht war, lässt sich daran ermessen, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch selber in einem dieser besetzten Häuser lebte. Ich hätte mir also gewissermassen die eigene Hütte unterm Arsch abfackeln sollen? Was für eine elende Scheisse!
Am Donnerstag vor dem Treffen wurde es dann ziemlich abenteuerlich. Die besetzten Häuser auf der Kiefernstrasse sahen inzwischen aus wie Hochburgen der IRA in Belfast. Die Haustüren mit Balken verrammelt, Balkongitter mit Stacheldraht umwunden, und überall standen mit Benzin gefüllte Flaschen und Kannister herum. Bewaffnet mit Knüppeln, Ketten und Gasknarren, verstärkt durch zwei Dutzend Punx aus anderen Städten (die eigendlich nur saufen wollten und bereits kurz nach ihrer Ankunft dicht in den Ecken herumlagen), so wollte sich der antifaschistische Widerstand der braunen Flut entgegenstemmen. Bei all ihrem missionarischem Eifer hatten diese Deppen nur das Wichtigste übersehen, dass kein einziger Skin die Absicht hatte, auch nur einen Fuss auf diese Strasse zu setzen.

Natürlich war den Bullen nicht verborgen geblieben, welch ein chaotisches Spielchen da von einigen Leuten – auch aus meinem Bekanntenkreis - gespielt wurde, jedenfalls wurde die Strasse am frühen Abend zu beiden Seiten hin von Mannschaftswagen der Polizei abgeriegelt. Jeder der in den nächsten drei Tagen die Strasse betreten oder verlassen wollte, musste durch Bullensperren. Am Freitagmorgen ähnelte die ganze Gegend einem Bürgerkriegsgebiet; einen so massiven Aufmarsch an Mannschaftswagen und Bullen im Kampfdress hatte diese Gegend wohl noch nie gesehen. In der Altstadt sah es auch nicht besser aus, weit und breit keine Skins, dafür aber an allen Ecken und Enden SEK-Bullen. Anlass für mich, noch schnell ein Flugblatt zu drucken, in dem ich noch einmal zu einem friedlichen Treffen unter dem Motto: „Gegen Gewalt und Strassenterror“ aufgerufen habe. Und dieser Appell an die Vernunft wurde von den 250 – 300 Glatzen angenommen. Was zuvor niemand glauben wollte, und wenn ich ehrlich bin, so hatte auch ich meine Zweifel: Es wurde ein absolut friedliches Treffen! Die Altstadt erlebte ein Glatzentreffen, bei dem „hunderte von Schaulustige der Polizei mehr Arbeit machten als die Skinheads“, wie Polizeidirektor Rodorf anschliessend auf einer Pressekonferenz zufrieden bilanzieren konnte.

Es war schon sehr seltsam, da drängelten sich hunderte Düsseldorfer stundenlang mit ihren Kindern und kläffenden Kötern, mit Oma und Opa im Schlepptau, letztere Krückstock und Regenschirm bewehrt, auf den Treppen der Kunsthalle und anderen guten Logenplätze, um sich ja nichts von den in der Presse angekündigten „blutigen Strassenschlachten“ entgehen zu lassen. Noch nicht einmal starken Regenschauern oder der Polizei gelang es, die Leute von ihren Plätzen zu vertreiben. Endlich mal Randale live, statt immer nur in der TAGESSCHAU, werden sie sich wohl gedacht haben.
Ich weiss nicht, ob die Leutchen nun sehr frustriert waren als sich die „gewalttätigen und randalesüchtigen“ Skinheads als gar nicht so gewalttätig und randalesüchtig erwiesen haben. Kein Opa bekam seine Krücke über die altersbedingte Glatze gezogen, keine Oma wurde mit leeren Bierflaschen beworfen (auch nicht mit vollen!),- noch nicht einmal ein Türke wurde geteert, gefedert und dann am Laternenpfahl hochgezogen.
Tja, Leute, so manch einer war damals ganz schön frustriert; Familie Schmidt und Müller, Oma und Opa sowieso – und ganz besonders meine speziellen Freunde aus der Düsseldorfer ANTIFA-Szene, denen sich leider nicht die Bilder boten, die so sehr in ihr Skinhead-Verteufelungsschema gepasst hätten. Keine „Deutschland den Deutschen“-Rufe, kein „Ausländer raus“ –Gebrüll!. Noch nicht einmal eine klitzekleine „Sieg Heil!“-Demonstration mit emporgereckten rechten Armen konnte man mit der Kamera ablichten.

Für diese abgefuckten Blindgänger ist an diesem Tag sicher ihr brettervernageltes „Weltbild“ zusammengebrochen; schliesslich hatte man von dieser „faschistischen Zusammenrottung“ etwas ganz anderes erwartet als das was sich ihnen da anbot. Als ein „Häuflein Punks die Skinheads mit beleidigenden Zurufen provozieren wollte“ (Rheinische Post), reagierten die Glatzen, indem sie wie eine Herde unschuldiger Lämmlein vor den Punks auf und nieder hüpften und dabei „Möh, Möh, Möh!“ blöckten. Kein Wunder, dass man da als linientreuer Antifa den Glauben an seine Vorurteile andersweitig bekräftigen musste, in dem man sich nämlich gegenseitig bestätigte, dass das Ausbleiben der Nazi-Parolen alles nur Tarnung sei, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen.

1000 Bereitschaftspolizisten waren wärend des Treffens in und um die Altstadt herum im Einsatz, und wo auf Grund dieses provokativ massiven Bullenaufgebotes irgendwelche Glatzen auszuflippen drohten, schoben sich sogleich andere Skins dazwischen und beruhigten die aufgeregten Gemüter. Wo es in der Altstadt zur direkten Konfrontation zwischen Punks und Skinheads kam, wie bei McDonalds, verlief dies friedlich und in einigen Fällen kam es zu Gesprächen – das heisst, es wurde zusammen gesoffen.

Gegen Abend zogen wir dann auf eine Wiese in den Hofgarten. Der Weg dorthin war nicht besonders weit, mal knapp zehn Minuten zu Fuss wären es für uns gewesen, aber da alles seine „polizeiliche Ordnung“ haben musste, wurde daraus von Seiten der Bullen eine regelrechte Staatsaktion gemacht. Die Strasse zum Park wurde auf der ganzen Breite abgesperrt, vorneweg fuhren zwei Motorradbullen, dann kamen drei nebeneinander fahrende Mannschaftswagen mit Blaulicht, dahinter der Mob von ca. 250 Kahlschädel, flankiert von jeweils einer Doppelreihe Bullen, und am Ende wieder eine Kolonne Mannschaftswagen.
Und dann bekamen die Affen ihr Zucker – oder besser gesagt, die Zuschauer endlich mal was zu sehen – oder zu hören! Als sich nämlich unsere martialische Kolonne in Bewegung setzte, ertönte aus ca. 250 lauthals „singenden“ Kehlen das gute alte „All the skins are united!” Höchstens mal unterbrochen von einem ohrenbetäubenden und Schaufensterscheiben erzitterndem „Oi...Oi...Oi!“

 

Und dort, im Park, fand unser Treffen seinen absoluten und durch nichts mehr zu toppenden Höhe- und zugleich auch seinen Schlusspunkt:
Die Aktion „Bier“! Es begab sich nämlich, dass nach einer gewissen Zeit der Völlerei die mitgebrachten Behältnisse mit den berauschenden Getränken zu Neige gingen und sich bei den kahlköpfigen Zechern ein Zustand bemerkbar machte, der einer allgemeinen Depression nahekam. So zückten die durstigen Kehlen ihre Geldbeutel, kippten dessen spärlichen Inhalt auf einen Haufen, und beschlossen diesen Haufen gegen Bier einzutauschen.
Uns so kam es, dass sich ein Mannschaftswagen der Polizei, beladen mit drei Skinheads, in Bewegung setzte, die Brauereikneipe „Zum Uerigen“ in der Altstad ansteuerte, und dort ein Fass Bier und ein paar Kästen Bier eingeladen und zurück in den Park befördert wurde. Aber natürlich hatte man in der Eile das wichtigste vergessen: Zapfhahn, einen Hammer und die Plastikbecher! Ein Motoradbulle beendete auch diesen Notstand.

Eine Woche später. Düsseldorf hatte wieder zur Normalität zurückgefungen. Die Bretter und Gitter an den Kneipen und Geschäften waren längst verschwunden...und hier und da traf man einen Kneipenwirt, der, wenn man ihn auf das Skinheadtreffen ansprach, verlegen grinsend antwortete:
„Viel Lärm um nichts!“