Die Geschichte eines deutschen Skinhead-Fanzine (1985 - 1988) by Günter Gruse
ANMERKUNG: Der FOH-Text auf dieser Seite basiert auf einem längeren Artikel, den ich 2002 als Replik auf eine mehrteiligen MOLOKO-Serie von “Sir Paulchen” über das FOH für das MOLOKO PLUS-Fanzine aus Dorsten geschrieben habe. Der Orginal-Text aus dem MOLOKO wurde für diese Seite stark gekürzt und an einigen Stellen noch einmal überarbeitet.
Ob Sir Paulchen vom MOLOKO PLUS-Fanzine nun klug beraten war, in seiner Retrospektive das FORCE OF HATE-Fanzine zu den „Kult-Glatzenfanzines“ der 80iger Jahre zu zählen; ich mag das nicht beurteilen. Lasst es mich so ausdrücken, das FORCE OF HATE war kein Kult, sondern das Spiegelbild einer Szene, die viel komplexer, facettenreicher,- aber auch widersprüchlicher war, als man sich das heute, wo sich das Skinhead-Bild in der Öffentlichkeit auf die dumpfen Aufmärsche kahlrasierter Jungnazis reduziert, vorstellen kann. In einem muss ich Sir Paulchen aber Recht geben,- dieses Fanzine war (und ist) umstritten. Nicht nur unter den damaligen Fanzinemachern, deren Kritik hat mich nie beeindruckt, sondern vor allem bei den Leuten, die mein Punkfanzine FALSCHMELDER kannten. Es ist wahr, die ‘76iger bis ‘80iger Punks (die „Urväter“ dieser Bewegung) waren nicht mit jenen stumpfsinnigen, durch Alkohol und Drogen verblödeten Elendgestalten zu vergleichen, die heute zombieähnlich in den Fussgängerzonen herumschleichen. Jene erste Generation der Punks hatte nämlich, trotz Endzeitparolen wie “No future”, auch so etwas wie gesellschaftspolitisches Bewusstsein. Natürlich war das nicht bei allen so, auch damals gab es schon Typen, die ihr Punksein als persönlichen Freibrief für Randale verstanden, aber noch waren sie eine Minderheit.
Cover des FORCE OF HATE Nr. 1 / April 1985 / Din A 5-Heftformat / Gelbes Cover / Gebunden / 50 Seiten
Genau wie die Skinheads, die Anfang der achtziger Jahre verstärkt in der Punk-Szene aufgetaucht waren. Viele von ihnen waren ehemalige Punks, die dem alltäglichen Stress, den sie wegen ihres Aussehens im Alltag ausgesetzt waren, dadurch zu entgehen suchten, dass sie sich den grünen Iro zu einer Glatze rasierten, und statt der Springerstiefel nun blankgeputzte Doc Martens oder Rangers trugen. Irgendwelche politische Ideologien spielten bei dieser Entscheidung kaum eine Rolle...Zumal das „Image“ der Glatzköpfe bis Mitte der achtziger Jahre noch nicht das von rassistischen Totschlägern und Mordbrennern war. Den Anlass nach sechs Jahren Punk das FALSCHMELDER-Punkzine einzustellen, und in die Glatzenszene zu “konvertieren”, lieferten mir im Sommer 1984 die Chaos-Tage in Hannover. Die dort erlebte Bullenwillkür wurde überlagert von den alkoholisierten Fressen hassgeiler Punks, die - just for fun - das Jugendzentrum Glocksee in Trümmern gelegt, Passanten mit Bierflaschen beworfen und Autos in Brand gesetzt haben,- das alles signalisierte mir die Agonie einer Jugendkultur, ohne die es den FALSCHMELDER nie gegeben hätte. Die Kreativität dieser Szene war zum stumpfen Pennertum von Wochendchaoten verkommen. So hinterliessen die Chaos-Tage bei mir und vielen anderen, die zum ersten Mal in ihrem Leben mit den knochenbrechenden Hartholzknüppeln niedersächsischer SEK-Bullen in Kontakt gekommen waren, nur Frust, Wut und Resignation.
Fotoseite aus dem FOH Nr. 1 / BLUTTAT und SOS-Gig am 9. März 1985 in Mühlheim (NRW)
Es war keine spontane Entscheidung, mein „Abnabelungsprozess“ aus der Punkszene dauerte Wochen, aber am Ende sah ich nur die eine Konsequenz, auszusteigen. Natürlich hätte ich mir nur die Haare umfärben und ein bürgerliches Outfit verpassen brauchen, um mich auch äusserlich abzugrenzen. Da ich aber kein Bock hatte, statt auf Punkkonzerten nun in der trübseligen Monotonie von „Bier und Fussball“ zu versauern, schienen mir der kahle Schädel und die 18-Loch-Stahlkappen-Doc’s die einzig logische Alternative zum rotgefärbten Stachelkopf und durchgelatschten Springerstiefeln. Wieso sollte ich Skrupel haben, meine mit Killernieten bestückte und auf dem Rücken mit dem Spruch: „Fresst Scheisse! Hundert Milliarden Fliegen können sich nicht irren!“ verzierte Lederjacke mit einer olivgrünen Bomberjacke zu tauschen? Für mich war das so unbedeutend als hätte ich die Unterhosen gewechselt. Für andere, nicht alle, aber viele, war das ein “Zeichen des Verrats.“ Ihre Reaktion war Misstrauen und Hass. Nicht wegen des FOH (die erste Ausgabe dieses Fanzines erschien erst Monate später), sondern weil ich mein Outfit geändert hatte, nicht mehr und nicht weniger. Weil ich es gewagt hatte, mich von den abgefuckten Arschlöchern abzusetzen, die mit Punk so viel zu tun hatten, wie die Bundeswehr mit der Heilsarmee. Als im Januar 1985 die letzte Ausgabe des FALSCHMELDER-Fanzine herauskam, wurde dieses Ereigniss mit einem Abschieds-Konzert (u.a. Pandemonium aus Venlo) in einem linksautonomen Schwulenzentrum gefeiert. Auf dem Höhepunkt dieser denkwürdigen Nacht, die für mich den finalen Schlussstrich unter sechs Jahre Punk setzen sollte, wurde meine in vielen Strassenschlachten kampferprobte Lederjacke feierlich einem Kannister Benzin geopfert. Im Mai 1985 erhielt ein Teil der ehemaligen FALSCHMELDER-Leser die erste Ausgabe des FORCE OF HATE-Fanzine. Für manch einen von ihnen war das eine Art von “brauner” Kulturrevolution. Dabei hatte ich ein Fanzine geplant, das seine Leser, man beachte meine Bemühungen um „szeneneutrale“ Ausgewogenheit, unter Skins und Punks zu finden hoffte. Es war ja nicht so, dass die vor sich hin rottende Punk-Szene nur noch aus Pseudo-Punks bestanden hätte. Auch 1985 gab es noch Punx, die ihr way of life nicht im organisierten Stumpf- und Schwachsinn von Chaos-Tagen suchten, sondern in ihrer eigenen Kreativität. Aber die Chaos-Tage hatten nicht nur die Punk-Bewegung als „hirnlose Krawallmacher“ diskreditiert, sondern auch den fragilen „Burgfrieden“ zwischen Punks und Skins endgültig zerstört.
Cover des FORCE OF HATE Nr. 2 / 1985 / Din A 5-Heftformat / Rotes Cover / Gebunden / 58 Seiten
Die zweite Ausgabe des FORCE OF HATE beschäftigte sich deshalb überwiegend mit Glatzenthemen und erschien unter dem „programatischen“ Slogan: All skins united and strong! Dieser Slogan stand für eine Mehrheit unter den Skins, denen Begriffe wie united und fun wichtiger waren, als die Zugehörigkeit des einzelnen Skins zu irgendwelchen politischen Gruppierungen. Das way of life dieser Skinheads bestand in erster Linie aus Konzerten, Fussball (mit all seinen adrenalinspiegelsteigernden Randerscheinungen), Bier, Musik und einer grossen Menge Spass am Leben,- aber nicht unbedingt aus dem Stimmungskiller Politik. „Oi“ war deshalb für uns keine Ideologie, oder Flucht ins Unpolitische, sondern ein Zustand - meist ein alkoholisierter! ”Der Falschmelder wurde in Force of hate umbenannt, und die vielen Biere hatten sein Gehirn so sehr umnebelt, daß er immer mehr ins braune Fahrwasser geriet“, glaubte Mitte der Neunziger Jahre der damalige Oberguru und 98er Kanzler-Kandidat der APPD, mein alter Freund Karl Nagel, seine Sicht meiner Geschichte darlegen zu müssen. Dass die Jägermeister auch mir als damals noch trinkfesten Herausgeber des FOH des öfteren mal das Gehirn „umnebelt“ hatten,- wie könnte ich das bestreiten; wir waren halt keine fromme Lieder singende und Glöckchen schwingende Messdiener, sondern Skinheads,- das sind jene kahlrasierten „Soziopathen“, die sich, und jetzt muss ich mal wieder Sir Paulchen aus dem MOLOKO PLUS (# 14) zitieren: „...gefangen zwischen dumpfer Rechtslastigkeit, Widersprüchen, hirn- und sinnloser Gewalt und kultureller Eindimensionalität...“, besonders oft und exzessiv den sinnlichen Freuden hochprozentiger Spirituosen, fettärschiger Weiber und rüder Mannesgesänge hinzugeben pflegten. Mit nackten Arsch und einem vollen Bierglas in der Hand auf einem Kneipentisch Ska zu tanzen, und dabei keinen einzigen Tropfen Bier zu verschütten,- das, Freunde, war der Höhepunkt unserer „kulturellen Eindimensionalität.“
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Treffen am “Angermunder See” 1986 - Jens (ENDSTUFE) und Spiller ziehen blank!
Sorry,- aber ich halte Sir Paulchens „soziokulturelle“ Charakterisierung der 80er Jahre Skinhead-Szene für reichlich aufgeblasen. Für gequirlte Schafsscheisse, würd’ ich mal sagen! Solche abgelutschten Sprüche höre ich schon zur Genüge von klugen Soziologen und noch klügeren „Szene-Experten“, wenn sie sich in den Politmagazinen unserer TV-Sender über die Befindlichkeiten jugendlicher Totschläger aus Honnekers tristen Plattenbausiedlungen ereifern,- oder, ersetzen wir mal den Begriff Rechtslastigkeit durch Islamisierung, über die Gewaltbereitschaft türkischer Jugendlicher aus den Türken-Gettos unserer Grossstädte diskutieren. Erhebt man jedoch den Anspruch, ein halbwegs objektives Bild über die jugendlichen Totschläger, die gewaltbereiten Türken - oder die Skinhead-Szene zu zeichnen, sollte man auf derart schlicht gestrickte Verallgemeinerungen verzichten. Anderenfalls begibt man sich schnell auf das Niveau der BILD-Zeitung. Und von da ist es nicht mehr weit bis zur Gleichung: Skinhead = Nazi! Ein bischen mehr intellektuellen Tiefgang hätte Sir Paulchen also bestimmt nicht geschadet. Schliesslich hatten viele von uns 80er-Veteranen ihre „soziokulturellen“ Wurzeln in der Punk-Bewegung und passen schon von daher nicht in das Raster einer „dumpfen Rechtslastigkeit.” Die weit verbreitete Reduzierung der Skinheads auf eine „stumpfsinnige Horde rechtslastiger Deppen“, ignoriert - aus welchen Gründen auch immer - die Tatsache, dass bis in die späten achtziger Jahre der Einfluss rechtsextremer Gruppen und Parteien auf die Skinhead-Szene (bis auf regionale Erscheinungen wie die Borussenfront oder FAP) unbedeutend war. Eine breite Mehrheit unter den Skins jener Jahre (und ich beziehe mich dabei nur auf die Zeit zwischen 1980-1987) hatte nämlich absolut keinen Bock auf irgendwelche Nazi-Scheisse.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: London 1986. In der U-Bahn (zweiter von links Christian).
Man kann diese Feststellung natürlich als „Schönfärberei“ abtun, aber ich stand nicht am Rande dieser Bewegung, sondern steckte als Akteur mittendrin, jahrelang, und weiss daher worüber ich rede oder schreibe. Es waren besonders die vom Punk zum Skinhead konvertierten Glatzen die sich in den 80er Jahren jeder Art von Instrumentalisierung durch rechte, wie auch linke Gruppierungen widersetzt haben. Der Beweggrund, sich in den achtziger Jahren zu dieser Subkultur zu bekennen, lag bei vielen der Glatzen, die ich in all den Jahren auf Treffen, Konzerten oder durch das FORCE OF HATE kennen gelernt habe (abgesehen von den bereits oben erwähnten Gründen), eher in einer Protesthaltung gegen die Gesellschaft als in einer politisch „rechtslastigen“ Ausrichtung. In den Augen der Öffentlichkeit galten daher die Skinheads, neben Punks, Poppers, Mods, Rude-Boys, Teds oder Hippies, lange als nur eine von vielen Subkulturen; nicht mehr oder weniger gewalttätig oder ausländerfeindlich als alle andere Subkulturen auch.
Cover des FORCE OF HATE Nr. 4 / März 1986 / Din A 5-Heftformat / Blaues Cover / Gebunden / 64 Seiten
Dies sollte sich Anfang 1986, nach dem Tod des Hamburger Türken Ramazan Avci ändern. Was nun einsetzte, war eine von den Medien und der Politik bis ins fratzenhaft dämonisch überzeichnete Stigmatisierung aller Skinheads als tumbe stiernackige Nazis. Gegen diese Art von Kollektivschuld haben wir uns im FORCE OF HATE gewehrt. Nicht mit geheuchelten Betroffenheitsfloskeln, sondern mit Fakten, die dieses Zerrbild der Skinhead-Szene wieder gerade rücken sollte. Für mich ist klar, dass ich heute - nach Hoyerswerda, Magdeburg, Lübeck, Rostock, Hamburg oder Solingen - nicht mehr so emotional reagieren würde, wie ich damals auf verlogene Presseberichte und billige Politikerspruchblasen reagiert habe. Da spielte eine grosse Portion an unkritischer Wagenburg-Mentalität eine Rolle. Aber auch die Tatsache, dass der Tod des Hamburger Türken noch nicht die mörderische Dimension brennender Türken- und Asylantenhäuser hatte.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Diksmuide (Belgien) 1986. Von l. nach r.: Peter, Daniel, Peter Z. und Jeff
Ich will jetzt nicht noch einmal auf den Inhalt der einzelnen Hefte eingehen; Sir Paulchen hat das ja in seiner dreiteiligen Retrospective mit bemerkenswerter Gründlichkeit getan, und einiges an Stilblüten geliefert, die nicht immer von der Intelligenz ihrer Verfasser zeugten. Ungeachtet all dieser intellektuellen Schwächen und Peinlichkeiten suchte dieses Fanzine aber auch ganz bewusst die Provokation. Da war es ganz normal, wenn in den Charts linksrevolutionäre Bands wie die REDSKINS neben ultranationalistischen Bands wie Skrewdriver auftauchten, oder ein Leserbrief des inhaftierten Neo-Nazi-Führers Michael Kühnen (inzwischen an Aids verstorben) veröffentlicht wurde. Warum nicht, habe ich mir gesagt. Das sorgt für Gesprächsstoff in der Szene, und schliesslich hatten ja auch der SPIEGEL und STERN Leserbriefe dieses Möchtegern-Adolfs abgedruckt. Ich befand mich also mit meinem Kühnen-Brief also in guter, “politisch korrekter” Gesellschaft. Für mich war das FORCE OF HATE ein Spiegelbild der Meinungsvielfalt in der damaligen Glatzenszene. Deshalb war dieses Fanzine auch für alle Meinungen offen; solange nicht bestimmte Grenzen verletzt wurden, und die waren da gezogen, wo Ausländerhass, Rassismus, aber auch linke Intoleranz und Menschenverachtung beginnen. Von daher habe ich ein ruhiges Gewissen, wenn man mir (wie Christian im MOLOKO # 14) unterstellt, „rassistischen Dreck“ verbreitet zu haben. Wenn ich das lese, muss ich an einen der Autoren des FORCE OF HATE denken. An Detlev! Als Mitglied der working class (Schlosser) bekannte er sich in diesem Fanzine nicht nur zum proletarischen Sozialismus der linken Glatzenband REDSKINS; was viel wichtiger war, er war auch verdammt stolz auf seine schwarze Hautfarbe. Zu Recht! Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein so smarter Black-Power-Skin wie Detlev so masochistisch gewesen sein könnte, für ein Skinhead-Fanzine zu schreiben, das „rassistischen Dreck“ verbreitet, und ihm Naivität zu unterstellen, hiesse seine Intelligenz zu unterschätzen. Aber vielleicht diente er mir ja nur als „politisch korrektes“ Feigenblatt! Fuck yourself - Christian! Wenn diesen Meinungs- und Tugendwächtern der political correctness, irgendwie erinnert mich ihr verbohrter Fanatismus an die “Gedankenpolizei des Ministeriums für Wahrheit” in George Orwells “1984”, die Argumente ausgehen, dann braten sie ihren „Opfern“ die Nazi- oder Rassismuskeule über,- so ganz nach dem altbewährten Motto: Irgend etwas an brauner Scheisse wird schon hängen bleiben.
Cover des FORCE OF HATE Nr. 5 / Juni 1986 / Din A 5-Heftformat / Rotes Cover / Gebunden / 52 Seiten
Sir Paulchen hat mich mal gefragt, wie ich mir die „schnell erreichte, verhältnissmässig hohe Akzeptanz“ des FORCE OF HATE „in der nicht eben homogenen Glatzen-Szene“ erklären würde. Wäre ich zynisch, würde ich sagen, dass es vielleicht der „rassistische Dreck war, der zu diesem raschen Erfolg geführt hätte. Nein,- die Frage ist sehr leicht zu beantworten: Weil die Leute gespürt haben, dass das FORCE OF HATE ein Fanzine war, daß sich nie der feigen Selbstzensur der political correctness unterworfen, sondern sich stets die innere Freiheit bewahrt hatte, der Szene auch mal kräftig in die (linken oder rechten) Eier zu treten. Oder anders gesagt,- ich habe mein Ding durchgezogen, obwohl ich mir dabei auch oft blaue Flecken geholt habe, innerlich wie äusserlich! Diese kompromisslose Haltung haben die Leser dieses Fanzine verstanden, und akzeptiert. Ausserdem war das, was in den achtziger Jahren an Glatzen-Zines in der Szene kursierte, meist so obergrottenschlecht, dass man sich des öfteren fragen musste, ob es sich bei den Machern dieser Machwerke nicht um Menschen mit dem IQ eines Baseball-Schlägers handeln könnte. Natürlich gab es Ausnahmen, z.B. das Oi - The Bulldog aus Augsburg, BIER UND SPIELE (Shock Troops) aus der Pfalz, und das Oi-Zine SINGEN UND TANZEN. Nicht zu vergessen, Uhl’s CLOCKWORK ORANGE-Fanzine. Den Rest konnte man getrost vergessen. Und fiel dir mal ein „linkslastiges“ Fanzine in die Hände, wurde dir immer wieder die gleiche Legende von den antirassistischen Ur-Skins als Teil einer linken britischen Subkultur um die Ohren geklatscht. Das mag zwar alles politisch korrekt sein,- ist aber nur ein Teil der Wahrheit!
Foto-Seite aus FOH Nr. 6: Waldfete in Truils. Siehe hierzu auch die “SKINS ON TOUR 3”-Seite
Foto-Seite aus FOH Nr. 6: Waldfete in Truils (1986)
Farbige Ska- oder Reagga-Bands wie Desmond Dekker, Prince Buster oder die Specials, die stets als Persilschein für die politische Korrektheit der britischen Ur-Skins präsentiert werden, haben sich nie als Glatzenband verstanden, sondern waren Teil des multikulturellen mainstream der britischen Club- und Musik-Szene in den siebziger Jahren. Linke Glatzen-Bands wie Red London oder die REDSKINS hatten, im Gegensatz zu ultranationalistischen Bands wie Skrewdriver oder Oi-Bands wie den Cockney Rejects, nie die Bedeutung, die man ihnen heute gerne unterjubeln möchte. Das Publikum ihrer Konzerte bestand fast nur aus zipfelbärtigen Hippies oder von linker Solidarität faselnden marxistischen Studenten. Am 1. Mai 1985 haben Detlev und ich die REDSKINS in den Dortmunder Westfalenhallen gesehen. Ausgerechnet auf einem von Stasi-Chef Mielke finanzierten Mai-Fest der DKP (Deutsche Kommunistische Partei). Es war voll geil,- nicht das spiessige Maifest der Honneker-Getreuen, sondern die Band. Besonders ihre Ska-Stücke mit Bläser. Saugeil! Das Publikum war, wie nicht anders zu erwarten, weniger geil. Keine Skins, lediglich ein paar bierernst dreinschauende straight-edges-Punkers schlichen müde durch die Halle. Kein besonders anregender Umgang für zwei angeschickerte Skinheads. Der Rest des Publikums war ein furchtbarer Albtraum aus FDJ-Funktionären und dahin siechenden Bewohnern eines Altersheims der Volkssolidarität. Wenn wir also nach den „historischen“ Wurzeln der Skins fragen, finden wir die Antwort nicht im Reggae oder Ska, und noch weniger im “Kapital” von Karl Marx oder Hitlers “Mein Kampf”, sondern in den ärmlichen Lebensumständen britischer Arbeiterfamilien, und auch das berüchtigte Paki-bashing war keine Erfindung irgend welcher Nazi-Skins sondern galt in den 60/70er Jahren als weit verbreiteter „Freizeitsport“ unter weissen britischen Jugendlichen. Obwohl sie noch Stunden vorher mit den Kids jamaikanischer Einwanderer, zur Ska- und Reggae-Musik farbiger Bands abgetanzt hatten. Jene Ur-Glatzen, die sich durch ein besonders ausgeprägtes working class-Bewusstsein ausgezeichnet hatten, trugen, im Gegensatz zum markenbewussten Skinhead der Neuzeit, keine burgunderroten DocMartens oder weisse sta-press-Hosen. Noch weniger Lonsdale-Pullis, MA-1-Bomberjacken, 18-Loch-Ranger-Boots oder “Fred Perry”-Socken. Und den Schädel liessen sie sich nicht bei einem „Hairstylisten“ scheren, sondern daheim am Küchentisch. Aber nicht, weil diese Totalrasur gerade cool oder hip war,- sondern weil auf einem kahlen Schädel keine Läuse nisten können.
Cover des FORCE OF HATE Nr. 6 / November 1986 / Din A 5-Heftformat / Weisses Cover / Gebunden / 52 Seiten
Es waren also Gründe der Körperhygiene, die einst das markante Merkmal der Skins, den kahl rasierten Schädel kreiert haben - und die Hosenträger jener Ur-Glatzen waren keine über dem Arsch baumelnden modischen Accessoires, sondern dienten dazu, die viel zu grossen, vom Bruder oder Vater geerbten Hosen am Rutschen zu hindern. So einfach ist das. Kurz und gut: In den Augen der britischen upperclass waren die Kids aus den Slums von London, Birmingham, Liverpool oder Manchester nur sozialer Bodensatz, Abfall. Gerade noch gut, um als Soldaten im Alter von 18 Jahren, tausende Kilometer von Grossbritannien entfernt, auf den kargen Felsen der „britischen“ Falklands (dort leben einige Hundert Briten und ca. 800.000 Schafe), für Maggie Thatchers grossmachtgeiles rules britannia krepieren zu dürfen. Mitte der 70er Jahre, mit dem Aufkommen der britischen Punkszene, hatten aber auch Teile der „bürgerlichen“ Jugend Britanniens das „proletarische“ Outfit jener verachteten „Hautköpfe“ als Zeichen ihres Protestes gegen die verstaubten Regeln und rigiden Normen einer feudalistisch geprägten Klassengesellschaft okkupiert. Geburtsstunde der Skinhead-Bewegung! Einer nicht nur auf Grossbritannien begrenzten Jugendkultur, in der es, man kann es nicht oft genug wiederholen, bis weit in die 80er Jahre hinein nicht mehr oder weniger Rassismus und unterschiedliche Auffassungen über Politik gab, wie in jeder anderen Jugendbewegung und -szene auch. Ende 1987 begann sich die Skinhead-Bewegung in Deutschland spürbar zu verändern. Viele der alten Skins waren es satt, sich auf der Strasse wegen ihres martialischen Outfits von jedem Arschloch als Nazi-Sympathisanten oder potentiellen Totschläger diffamieren zu lassen, und hatten sich so nach und nach aus der Szene verabschiedet; wärend ein grosser Teil der Neu-Skins glaubte, solche Vorurteile auch noch durch ein entsprechendes Auftreten und Verhalten kultivieren zu müssen. Das Weltbild dieser Skinheads (boneheads) war auch dem entsprechend schlicht: Ein deutscher Skinhead hört deutsche Musik; ist stolz ein Deutscher zu sein,- und die “Ausländer sind eh alle kriminell“ und sollen dahin gehen wo sie hergekommen sind. Irgendwie bewegten sie sich mit dieser Haltung sogar im mainstream der öffentlichen Meinung. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang nur an die Diskussion um eine Verschärfung des deutschen Asylrechts, in deren Verlauf der damalige CSU-Vorsitzende und heutige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber glaubte, die Öffentlichkeit vor den „Gefahren einer durchrassten und durchmischten Gesellschaft“ warnen zu müssen. Ein Schelm, wer hier an Max Frisch’s Roman “Biedermann und die Brandstifter” denkt,- aber es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, das irregeleitete Hohlköpfe die Motivation ihres mörderischen Handelns in populistischen Stammtisch-Parolen der Politik finden. Wie jener Ostdeutsche, der den versuchten Totschlag seines Sohnes an einem Asylanten damit zu rechtfertigen suchte, dass auch SPD-Innenminister Schily gesagt habe, “das Boot ist voll.“
Cover des FORCE OF HATE Nr. 7 / April 1987 / Din A 5-Heftformat / Weisses Cover / Gebunden / 44 Seiten
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung, die, wie ich bekennen muss, auch in der letzten Ausgabe des FORCE OF HATE ihre zweifelhaften Spuren hinterlassen hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die „Grenzen“ zwischen der Skinhead- und organisierten Neo-Nazi-Szene immer mehr zu verwischen begannen. Natürlich hätte ich diese Fakten ignorieren und weitermachen können, aber Anfang 1988 war für mich eine line of death erreicht, die zu überschreiten, die Aufgabe all meiner Prinzipien und Wertvorstellungen bedeutet hätte - und das wollte und konnte ich mir nicht antun. Und noch weniger die geistigen Samenergüsse irgendwelcher vorpubertärer boneheads ertragen, die unbedingt der Meinung waren, mich in ihren vor brauner Scheisse triefenden Briefen mit „Sieg Heil, Kamerad“ anreden zu müssen. Nein! Für mich war der Spass vorbei. Das, was sich in diesen Briefen an latenter Gewaltbereitschaft gegen politisch Andersdenkende, gegen Ausländer - und überhaupt gegen alles was „anders“ ist - offenbarte, das war nicht mehr meine Welt. Und so verschwand das FORCE OF HATE zu Recht im Orkus der deutschen Skinhead-History!
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Diksmuide (Belgien) 1986. Von l. nach r.: Franklin. Dirk, Peter, Peter Z., Daniel, Billy und Jeff und Pam aus Preston.
Und wie ist die Sitauation heute, 2003? In Gross-Britannien ist seit einiger Zeit eine Rückbesinnung zu den Wurzeln und dem alten spirit dieser Jugendkultur (und eine Abgrenzung zu rechtsradikalen Organisationen wie der NF) zu beobachten, wärend sich die deutsche Skin-Szene inzwischen selber ad absurdum geführt hat. In den alten Bundesländern ödet eine in Nazi-, Trojan-, Red-, Oi- oder Sharp-Skins mutierte Szene vor sich hin, wärend in der ehemaligen DDR Honnekers Enkel und Urenkel, die noch 1989 als wackere Anti-Faschisten im blauen Hemd der FDJ gegen den Faschismus und Rassismus in der Bundesrepublik demonstriert haben, nun im Skinhead-Outfit über die Strassen dröhnen und für „national befreite Zonen“ kämpfen. Das sind Landstriche in Thüringen, Mecklenburg, Brandenburg oder Sachsen, in denen die Überlebenschancen eines Türken, Asiaten oder Afrikaners nicht höher sind als die eines Nichtschwimmers im Haifischbecken. Auch wenn in den Medien und der Politik ständig von den „Skinheads“ gesprochen wird (der Verfassungsschutzbericht nennt „...9000 gewaltbereite Skinheads - davon 6000 in den neuen Bundesländern...“): Die Typen, die jüngst mit Glatze und Bomberjacke, und unter starken Polizeischutz, durch das Brandenburger Tor dröhnten, das waren nur groteske Karrikaturen eines Skins,- einfältige Politbrutalos-, die in ihrer geistigen Beschränktheit sogar die Identifikationsmerkmale eines Jugendkultes missbrauchen, der ihnen fremd ist und immer fremd bleiben wird.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Düsseldorfer Glatzen, Rudeboys und Psychos
Bevor ich nun zum wohlverdienten Ende komme: Dem MOLOKO (15) konnte ich entnehmen, das einige MOLOKO-Leser offenbar der Meinung sind, durch die FOH-Story habe das MOLOKO PLUS den „Faschismus verherrlicht“, und meine (welche auch immer) Einstellung legitimiert. Es fällt mir schwer zu glauben, dass sich diese Leute überhaupt im klaren sind, worüber sie da reden (oder schreiben),- ob sie wissen, w a s der Begriff „Faschismus“ wirklich bedeutet! Würden sie es nämlich wissen, könnten ihre mit ideologischen Scheuklappen vernagelten Hirne unmöglich eine solch erbärmliche Scheisse ausbrüten. Nein, wer so leichtfertig und beliebig mit dem Vorwurf des „Faschismus“ hantiert, und ihn als Kampfkeule gegen andere missbraucht, entzieht sich jeder sachlichen Diskussion. Sicher haben einige MOLOKO-Leser erwartet, dass ich, wenn ich mich hier so ausführlich zu Wort melde, doch mindestens politisch korrekte Selbstkritik üben oder mich von meiner Vergangenheit als Herausgeber des FOH distanzieren würde. Abgesehen davon, dass ich derartige Erwartungen für reichlich anmaßend halte, ist das FOH-Fanzine, wie auch der FALSCHMELDER, ein Teil meiner Biografie, und da müsste ich schon mehr als schizoid sein, mich von meiner eigenen Biografie distanzieren.
Cover des FORCE OF HATE Nr. 8 / November 1987 / Din A 5-Heftformat / Weisses Cover / Gebunden / 48 Seiten
Zum Abschluss nur noch eines: Ich habe durch das Foh-Fanzine viele Menschen kennen gelernt: einer, der damals fast immer besoffen war und und stets den aktuellsten Türkenwitz auf Lager hatte, ist heute ein politisch korrekter Journalist bei einem sozialdemokratischen Provinzblatt,- wärend ein anderer, der sich fast immer vor Angst in die Hosen geschissen hat, wenn nach einem Bundesliga-Spiel mal wieder war of the streets angesagt war, wegen Totschlag im Knast landete. So ist es - das Leben! Verdammt widersprüchlich und voller Überraschungen. Und so war auch das FORCE OF HATE. Und deswegen betrachtet dieses Glatzen-Fanzine als das was es war, als Teil (nicht Sprachrohr) einer Szene, die heute, so wie ich sie damals erlebt und empfunden habe, nicht mehr existiert. Dem wäre nichts mehr hinzu zu fügen - oder?
Ausschnitte aus einer WDR-Dokumentation über die History und den soziologischen und politischen Background der “Skinhead-Bewegung”. Nicht alles findet Zustimmung, aber im grossen und ganzen doch ziemlich objektiv. Unter anderem mit einem “Statement” von Ian Stuart und einem Interview mit Peter und Axel von COTZBROCKEN (“Gröhl!”).
Das folgende (stark gekürzte) Interview, in dem mir Markus vom “BEZIRK 7” die Fragen stellte, wurde Ende 2002 unter der Headline “Back to the 80’s” im BEZIRK 7-Fanzine veröffentlicht.
Back to the 80’s! (Das hier wiedergegebene BEZIRK 7-Interview wurde stark gekürzt)
Markus: Du warst mit einer der ersten Skinheads in Deutschland?
Günter: Einspruch, euer Ehren! Ich war nicht einer der ersten Skinheads, sondern einer der ersten PUNKS (und das seit Ende 1978). Das ist ja wohl ein kleiner Unterschied, oder? Aber mal ernsthaft, ich zähle mich lediglich zu den Skinheads der ersten Generation. Skins gab es in Deutschland nämlich schon seit 1978/79, und ich bin erst nach meinem Ausstieg aus der Punk-Szene, also anno 1984, zu den Glatzen konvertiert.
Markus: Wie bist Du als Punk überhaupt in Kontakt zur Skinhead-Bewegung gekommen?
Günter: Kontakte zu den Skinheads gab es natürlich schon lange vor meinem Wechsel. Schließlich waren die Glatzen bis ungefähr 1982 ein Teil der Punk-Bewegung. Erst danach bildete sich eine eigenständige Skinhead-Szene heraus. Ausserdem, und das wollen wir doch mal nicht verschweigen, waren viele dieser Glatzen früher selber mal ne Zeit lang Punk gewesen – auch wenn das viele hinterher nicht mehr wissen wollten. Jedenfalls gab es bis Anfang 1983 kaum „Berührungsängste“ zwischen beiden Gruppierungen, und ideologische Abgrenzungszwänge schon mal gar nicht. Du bist als Punk mit deinen kahlköpfigen Kumpels durch die Kneipen gezogen, hast mit ihnen Konzerte besucht, und wenn es bei einem Treffen den üblichen Stress mit den Bullen gab, dann war es sowieso egal, ob du einen Iro oder eine Glatze hattest,- du bekamst nen Knüppel über den Schädel gezogen. Wenn ich mich an das erste deutsche Punktreffen in Bochum erinnere, das war 1979, oder an Willi Wuchers legendäre Punk-Treffen in Duisburg (1980-81), oder an die monatlichen Brunnen-Treffen in Wuppertal-Elberfeld (1982), dann waren das die wenigen Jahre in der Punk- und Skinhead-History in der „United“ nicht nur ein verkaufsfördernder Slogan auf ’nem Platten-Cover war, sondern von den meisten Punks und Skins auch gelebt wurde. Natürlich gab es auch Arschlöcher unter den Glatzen, aber die gab es schliesslich auch unter den Punks. Nur hatte ich irgendwann das Gefühl als würde die Zahl der Arschlöcher unter den Punks ständig wachsen. Jedenfalls hatte ich nach fast sieben Jahren Punk so viele persönliche Kontakte in die Glatzen-Szene geknüpft, dass mir der Wechsel zu den Skinheads nicht schwergefallen ist. Irgendwie schien mir,und den Leuten, die mich näher kannten, dieser Schritt sogar recht logisch.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Treffen am “Angermunder See” bei Düsseldorf 1986
Markus: Du bist 1984 zu den Skinheads gewechselt, einfach so,- oder gab es dafür einen besonderen Grund? Ich hab da mal was von `ner kalten Nacht im Januar und `ner brennenden Lederjacke gehört...
Günter: Da hast du richtig gehört, nur war diese „kalte Nacht“ (die gar nicht so kalt war, wenn man bedenkt wo das Ganze stattgefunden hat) das „heisse“ Finale eines Umdenkungsprozesses, den die Krawalle angesoffener Punx auf den Chaos-Tagen 1984 in mir ausgelöst hatten. Es war nämlich nicht so, das ich eines Morgens aufgewacht bin und „einfach so“ beschlossen habe, ab heute bist du ein Skinhead. So einfach war das nicht. Da spielte ’ne ganze Menge Frust über die Entwicklung in der Punk-Szene eine Rolle. Von der fortschreitenden Kommerzialisierung durch die Plattenindustrie und Medien, bis hin zur „Fraktionsbildung“ in Vegetarier-, Veganer-, Straigt-edges- und weiss der Himmel was noch für idiotische Punx. Man begann sich nicht nur gegenüber den Glatzen abzugrenzen, sondern auch untereinander. Vielleicht hätte ich dieses Spielchen noch ’ne zeitlang mitgespielt, hätte weiter mein Punkfanzine rausgebracht (die Auflage der letzten beiden Ausgaben bewegte sich jeweils um die 900 Hefte, davon gingen ca. 250 an feste Abonnenten) und mich ansonsten einen Dreck um den Rest der Welt geschert,- wäre ich im September 1984 (einen Monat nach den Chaos-Tagen) nicht auf eine Wochenendparty nach Dietz a. d. Lahn gefahren. Und dieses Wochenende hatte es in sich. Du musst dir ein Zeltlager mit ca. dreihundert permanent besoffenen Punks vorstellen. Alkohol und Drogen bis zum Abkotzen. Kein Fun, nur totaler Stress. Und das drei Tage lang. Kaum hast du irgendwelche Leute getrennt als sich schon die nächsten Besoffenen die Fresse einschlagen wollten. Es war der totale Horror. Als dann noch eine Horde durchgeknallter Punks ins nächste Dorf zog, randalierte und einen kleinen Laden plünderte, war für mich die äusserste Schmerzgrenze erreicht. Das alles hat mich nur noch angeekelt. Das war nicht mehr meine Welt... Aber egal,- alles was ich mal an dieser Szene so geschätzt hatte, ... war einer aggressiven Untergangsstimmung gewichen. Kaum war ich wieder in Düsseldorf, hab ich mir ’ne Glatze geschoren und meine Springer-Stiefel und Lederjacke gegen Stahlkappen-Doc’s und Bomberjacke usw. getauscht... Punk war tot. No way return!
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Treffen am “Angermunder See” bei Düsseldorf (1986).
Damit hätte ich es eigendlich bewenden lassen können. Da ich aber keine Neigung verspürte, mich völlig geräuschlos aus der Szene zu verabschieden, musste so etwas wie eine Abschiedsparty her. Und die fand anlässlich des Erscheinens der letzten FALSCHMELDER-Ausgabe im Januar 1985 statt. Und damit wären wir bei jener von dir erwähnten „kalten Nacht“, die eigendlich gar nicht so „kalt“ war,- aber nicht, weil in dieser Nacht meine Lederjacke verheizt wurde, sondern weil die Party in einem „Autonomen Schwulen- und Lesben-Zentrum“ stattgefunden hat. Daher kann diese Nacht auch nicht ganz so „kalt“ gewesen sein,- oder? Na ja, ist ja auch egal. Jedenfalls war es eine heisse Party, an der ca. 250 geladene Gäste, u. a. Punks und Skins aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden teilgenommen haben. Für die entsprechende Power sorgten u.a. PANDEMONIUM, eine Hardcore-Punk-Band aus Venlo (Holland). Auf dem Höhepunkt dieser in jeder Hinsicht absolut irren und denkwürdigen Nacht wurde meine Lederjacke verbrannt. Und nun kommt ein gewisser Sven Brux aus Köln ins Spiel. Der hat anschliessend das Gerücht verbreitet, ich hätte (gewissermassen als einen Akt von symbolischer Menschenverbrennung) eine als Punk verkleidete Schaufensterpuppe abgefackelt. Bullshit! Es gab überhaupt keine Schaufensterpuppe. Es gab nur meine beschissene Lederjacke. Ich habe diese Lederjacke verbrannt, aber keinen Menschen – auch nicht symbolisch. Dieses Feuerchen war mein persönlicher Schlusspunkt unter eine Zeit, die mir unheimlich viel Spass gemacht hat, die aber in dieser Nacht endgültig zu Ende gehen sollte. So einfach war das.Halt, nicht ganz so einfach,- für einen Teil der Gäste endete nämlich die Party im Düsseldorfer Polizeipräsidium. Auch ich hatte das Vergnügen, mich in Gesellschaft meines kotzenden Bruders in einer bestialisch nach Scheisse stinkenden Ausnüchterungszelle wiederzufinden. Irgendwann in der Nacht war nämlich eine Hundertschaft Bullen in den Laden gestürmt und hatte die Party beendet, weil irgendwelche hirnverbrannten Punks aus Köln (wieder mal Köln!) und Koblenz eine vorbeifahrende Strassenbahn mit leeren Bierflaschen beworfen hatten. Aber das gehörte für diese Arschlöcher ja zur Normalität.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Vicious Rumours (GB)
Markus: Wie lange hat es denn gedauert bis Du als Skin Dein erstes Fanzine auf den Markt geschmissen hast?
Günter: Das ging ziemlich schnell. Vier Monate nach der letzten Ausgabe des FALSCHMELDER ist bereits die erste Ausgabe des F.O.H. rausgekommen.
Markus: Wie sah es damals eigentlich mit der Veröffentlichung des F.O.H. aus, konntest du das Teil überall drucken, oder gab es da auch einige Copy Shops/Druckereien, die aufgrund des „expliziten“ Inhalts `rumstressten? Ich kenne das nur vom eigenen Heft, dass es Leute in diesen Läden gibt, die „messerscharf“ kombinieren, dass wenn das Wort „Skinhead“ im Heft auftaucht, es sich eindeutig nur um ein faschistisches Pamphlet handeln kann. Entweder wollen die dann gar nix mehr drucken, oder es läuft auf so `ne Endlos-Diskussion raus, die man sich schon im vorhinein schenken kann. Konntest du die Teile damals ganz normal vervielfältigen?
Günter: Ich hatte damit nie Probleme – und hätte es mir auch verbeten, wenn man mir eine „Endlosdiskussion“ auf’s Auge hätte drücken wollen. Aber ich glaube, dass die Situation für uns auch eine andere war. Wir hatten es entschieden leichter! Okay, der Ruf der Glatzen war auch zu meiner Zeit nicht der allerbeste, schliesslich waren wir nicht der „Tölzer Knaben-Chor“, sondern Skinheads, und die waren ja dafür bekannt, dass sie auch gern mal hinlangten. Na ja! Jedenfalls stand der Begriff “SKINHEAD“ noch nicht als Synonym für rechtsradikale Schlägerbanden und rassistische Brandstifter.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: DOC MARTENS in Asbury im “High Tide Cafe” im September 1986.
Markus: Im Buch „Die Skins- Mythos und Realität“ ist auch eine Seite aus einem alten Force of Hate-Zine abgedruckt, in der Du dazu aufrufst keine Zines (wegen der Adressen, die man über jene erhält) an „Außenstehende“ abzugeben. Konntest du das Heft „an jeden“ verkaufen oder musste man hinter jedem, einen Reporter oder V-Mann vom VS vermuten. (Der Grund für den abgedruckten Text ist ja auch das sich ein Reporter ins Skin Outfit geschmissen hat, um an Informationen über die Skinheadszene zu gelangen.)
Günter: Erst mal was grundsätzliches zu dem von Dir erwähnten Buch: Über keine der Jugend(sub)kulturen sind so viele überflüssige Bücher und Artikel geschrieben worden, wie über die Skinheads. Ich krieg jedesmal ’ne gepflegte Krise, wenn wieder mal Journalisten, Soziologen, Sozialarbeiter, “Aussteiger” oder „Szene-Experten“ ihren pseudowissenschaftlichen Müll in den Medien verbreiten. In der Regel haben sie vom way of life eines Skins ebensoviel (oder -sowenig) Ahnung wie ein Bäcker vom Schweineschlachten. Aber kommen wir zu deiner Frage. Diesen Aufruf habe ich im Mai 1986 an die Abonnenten des F.O.H. und die Macher diverser Glatzenfanzines geschickt. Es ging dabei um den Fall des STERN-Journalisten Gerhard Kromschröder, der sich in seinen Reportagen nicht gerade durch eine faire und sachliche Berichterstattung über Skins ausgezeichnet hatte. Dieser Typ schleimte sich damals also im Skinhead-outfit durch die Glatzen-Szene, um dort irgendwelche konspirativen Verbindungen zur organisierten Neonazi-Szene aufzudecken. Dabei gab er sich als rechter Skin aus, der ein Buch über die europäische Skinhead-Bewegung schreiben wollte. Auf der Jagd nach Informationen geriet dieser Typ an einen ziemlich naiven Fanzinemacher, der ihm auch sogleich seine Fanzines, Flyers, Fotos und Leserbriefe zum Kopieren überlassen hat. Ich kann bis heute nicht begreifen, wie ein Mensch nur so blöd sein konnte. Logisch, dass diese glatzköpfige Dumpfbacke seine Unterlagen niemals wieder gesehen hat - und auch nicht diesen "Skinhead"! Und vor diese Art von hinterhältigem Schweinejournalismus habe ich die Leute gewarnt. Nicht gleich jedem hergelaufenen Schwätzer blind zu vertrauen. Ansonsten gab es, so weit es den Verkauf und Vertrieb des F.O.H. betraf, keinerlei Einschränkungen. Ob die Käufer und Leser des F.O.H. politisch links, rechts, auf dem Kopf, oder auf dem „Boden der Verfassung“ standen, hat mich nicht interessiert. Und schon garnicht, ob das Heft vielleicht mal in die Hände eines schmierigen Journalisten oder VS-Spitzels fallen könnte – so what? Das F.O.H.-Fanzine hatte nichts zu verbergen!
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Fotoseite mit SKULLHEAD (UK)
Markus: Wie war damals die Situation im Gesamten für Skinheads in Deutschland –besonders im Hinblick darauf, dass man für den Staat „interessant“ (VS und dergleichen) wurde?
Günter: Interessant ist gut! Ist doch klar, dass für den Staat (oder das System) ALLE unabhängigen Jugendkulturen (oder –Gruppierungen) „interessant“ waren und sind, die sich seiner Kontrolle entziehen. Das war in den Achtziger Jahren nicht anders als heute. Nur war die politische Situation eine ganz andere. Da gab es seit Jahren den Terrorismus der RAF. Vor diesem Hintergrund hatten die Sicherheitsbehörden hauptsächlich die linksextremistische bis -terroristische Szene im Visier. Und dazu wurde neben Autonomen und Hausbesetzern auch die Punk-Szene gezählt. Okay, auch als Skinhead warst du damals nicht vor Ausweiskontollen oder Leibesvisitationen sicher, aber du konntest deinen Kram wie Konzerte, Treffen oder Partys durchziehen, ohne dass dir gleich die grünen Hundertschaften auf den Pelz gerückt sind.
Markus: Hattest du denn mal Ärger, von rechtlicher Seite, wegen des F.O.H.-Zines? Der FALSCHMELDER hatte Dir ja mal `ne Anzeige eingebracht.
Günter: Niemals! Das F.O.H. war ein Fanzine, in dem jeder seine Meinung vertreten konnte, aber bei aller Meinungstoleranz gab es eine Grenze, und die war da gezogen, wo der Versuch gemacht wurde, Ausländerhass zu schüren, zur Gewalt gegen politisch Andersdenkende oder gesellschaftliche Randgruppen und Minderheiten aufzurufen.
Markus: Was war das eigentlich genau für `ne Geschichte mit der Anzeige. Wer hat dich da angezeigt und wie lautete die Anklageschrift?
Günter: Das betraf die erste Ausgabe des FALSCHMELDER (1983). Als besondere „Überraschung“ hatte ich nämlich jedem Heft - was heisst hier Heft, das Mag hatte 120 Seiten, war also fast schon ein Buch - ein RAF-Badges beigelegt. Dieses Teil war natürlich verboten. Und deshalb bei den Punks besonders beliebt. Wenn dich die Bullen damit erwischt haben, haben sie dir das Ding von der Jacke gepflückt. Manchmal gab es sogar eine Anzeigen wegen „Unterstützung einer kriminellen Vereinigung". Jedenfalls hatte ich mir in Amsterdam dreihundert dieser RAF-Teile besorgt. Als ich die ersten dreissig bis vierzig Hefte unters Volk gebracht hatte, flatterte mir (im Mai 1983) plötzlich eine Anzeige wegen „Verbreitung und Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen“ ins Haus. Diese Anzeige hatte ich einem Düsseldorfer Stadtverordneten von der CDU zu verdanken, der heute als Abgeordneter im Landtag von NRW sitzt. Woher dieser Arsch die Information mit dem RAF-Stern hatte, weiß ich nicht,- jedenfalls konnte mich dieser Herr überhaupt nicht leiden, hatte ich ihm doch einige Wochen zuvor (wärend einer Podiumsdiskussion über „Punkerterror in der Altstadt“) einen mit Wasser gefüllten Pariser ins Gesicht geklatscht. Nur konnte er - und das hat ihn wohl mächtig gewurmt - nicht beweisen, dass dieser „feige Anschlag“ („Rheinische Post“, Jan. 1983) ihm gegolten habe. Da sich das Ganze auf dem Scheisshaus einer Altstadt-Brauerei abgespielt hatte, gab es nur einen Zeugen, und das war mein Freund Crazy. Und der sagte aus, dass meine „Wasserbombe“ seinem Iro gegolten und den Herrn von der CDU nur zufällig getroffen habe: "Also, wenn der Günter diesen Typ wirklich treffen wollte, dann hätte er doch garantiert vorher in den Pariser gepisst, statt ihn mit Wasser zu füllen - oder?" Ein Argument, dessen innerer Logik sich auch die Justiz nicht verschliessen konnte. Wegen dem beschissenen RAF-Stern wurde ich später zu einer Geldstrafe von 2.400 DM (ersatzweise vier Wochen Haft) verurteilt, aber das war mir die Sache wert,- zumal meine Eltern die Geldstrafe bezahlt haben.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: SPRINGTOIFEL-Fete (1986) wärend der Fussball-EM
Markus: Das F.O.H. ist, laut Überlieferungen, wohl auch ein „klein wenig“ anders gewesen, als es der FALSCHMELDER war. Einige der ehemaligen Falschmelder –Leser sollen Dir sogar vorgeworfen haben, dass es sich beim F.O.H. um „eine Art von brauner Kulturrevolution“ gehandelt hat. Wie waren insgesamt die Reaktionen auf die erste Ausgabe des F.O.H.? a) von den Leuten, die das Punkzine noch kannten und b) von den Leuten, die damals das erste Mal das F.O.H. in den Händen hielten? Erzähl uns was über das Feedback nach erscheinen der F.O.H. Debüt-Nummer.
Günter: Die Leser des FALSCHMELDERS waren natürlich überrascht als drei Monate nach der letzten Ausgabe meines Punkzines plötzlich das FORCE OF HATE in ihrem Briefkasten lag. Trotzdem waren die Rückmeldungen überwiegend positiv, denn inhaltlich war die erste Nummer des F.O.H. kaum vom FALSCHMELDER zu unterscheiden. Geändert hatte sich praktisch nur das Frontcover. Anfangs wollte ich nämlich kein reines Skinzine machen, sondern so etwas wie ein „United-Mag für Brain-Punx und Oi-Skins“. Politisch ausgewogen und korrekt – wie man so schön sagt! Es gab also überhaupt keinen Grund das F.O.H. in die braune Ecke zu stellen. Oder von einer „braunen Kulturrevolution“ zu faseln. Aber im Grunde genommen gingen mir diese Diffamierungen am Arsch vorbei, wusste ich doch aus welchen Zeckenlöcher diese gequirlte Scheisse kam. Da war so viel verlogene Heuchelei im Spiel. So war es auch nicht so sehr das F.O.H., an dem sich diese Leute gestossen haben, sondern mein sogenannter „Verrat“ an der Punkbewegung. Gruse war jetzt ein Skinhead und damit in den Augen dieser ideologisch vernagelten Arschkrampen ein „Verräter“. Auf einmal gingen mir Leute aus dem Weg, die mir jahrelang tief in den Arsch gekrochen waren. Aber das Ganze hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass sich dadurch die Fronten geklärt haben. Du musst dir mal vorstellen wie beschränkt einige dieser Idioten waren: Da wurde mir im HACKFLEISCH-Fanzine „Menschenverachtung“ vorgeworfen, nur weil ich in der ersten Ausgabe des F.O.H. die Karikatur eines in einer Mülltonne ruhenden Iro-Punks veröffentlicht hatte („Ey, Alta, echt geil hier!”). Dabei hatte ich die gleiche Karikatur schon mal im FALSCHMELDER gebracht, und damals hatte sich kein Arsch daran gestört. Natürlich habe ich im nächsten F.O.H. mit einer Karikatur gekontert, auf der dieser Iro-Punk mitsamt seiner Mülltonne in den Boden gerammt wird – natürlich von einem Skinhead! Jedenfalls habe ich dann die zweite Ausgabe des Fanzine ganz klar als Skin-Magazin positioniert. Fortan hiess es auf dem Frontcover des F.O.H.: „All skins united and strong“.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: SPRINGTOIFEL-Fete (1986) wärend der Fussball-EM: “Tor für Deutschland!”
Markus: Eine der Bands, die wohl damals mit das erste Mal Erwähnung in Deutschland fanden, waren wohl Ultima Thule. Bei den Schweden scheinen sich ja auch einige hier zu Lande geradezu mit Annahmen/Mutmaßungen bezüglichen deren politicall correctness zu überschlagen. Für die einen sind sie die bitterbösen Nazis und für die anderen die Viking-Rock Könige schlechthin. Als ich mal auf einem Konzert einer anderen schwedischen Band (Radio 69) war, habe ich die Jungs mal gefragt was an all den Gerüchten, die man hier so über Thule zu hören bekommt `dran ist (schließlich sollten die sicher über bessere Infos verfügen, kommen sie doch direkt aus Schweden). Darauf sagten sie mir, dass Ultima Thule wohl früher mal sehr rechts gewesen wären, mittlerweile allerdings nicht mehr. Was kannst Du mir darüber sagen- als jemand, der den Weg dieser Band (gerade in ihren Anfangstagen) verfolgt hat?
Günter: Zu ULTIMA THULE gibt es von meiner Seite aus nicht viel zu sagen. Ob die jemals Nazis waren oder sind, kann und will ich nicht beurteilen, schliesslich hat man auch mir oft genug die Nazi-Keule überbraten wollen. Ich weiss nur, dass sich die Bandmitglieder mir gegenüber als schwedische „Patrioten“ bezeichnet haben, und ich glaube kaum, dass das ausreicht, um jemanden als Nazi zu diffamieren. Ende 1984 hat mir Jan Thörnblom (Gitarrist von U.T.) ein Demo-Tape der Band zugeschickt, das mir vom Sound und Gesang her so gut gefallen hat (um ehrlich zu sein, ich war begeistert), das ich das Tape („Memories“) mit Zustimmung der Band in meinen Vertrieb „Red Series“ aufgenommen habe. „Red Series“, weil die Tapes alle ein rotes Cover hatten. Cirka 50 Cassetten hatte ich in meiner Liste. Darunter seltene Proberaum-Aufnahmen (wie z.B. AGNOSTIC FRONT 1982), Livekonzerte (z.B. Cro-Mags 1986 in New York und Buffalo oder VICIOUS RUMOURS am 19.6.84 in Plamsted) oder Demo-Tapes (z. B. SKAOS, ENDSTUFE, INDECENT EXPOSURE, DIEHARDS, DOSE BRUTAL/Brasilien oder ESKORBUTO/Spanien).
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: Wald-Fete bei Truils. Von l. nach r.: Pedder von DAILY TERROR, “Uhl” vom CLOCKWOTK ORANGE-Fanzine und Sven aus Hamburg.
Markus: In den 80er Zines tauchten des öfteren Keltenkreue, wie auch s/w/r Fahnen auf. Auf der anderen Seite ist das F.O.H. (um es mal auf Dein Heft zu beziehen) ja nie ein rechtes Zine gewesen. Sag mal was zu der damaligen Bedeutung dieser Symbole- heute findet man z.B. Keltenkreuze ja nur noch bei den Boneheads. (Hab schon von einigen älteren Semestern die "fundierte" Aussage "das war halt so bekommen, aber hoffe Du kannst mir da mal was genaueres zu sagen.
Günter: Woher weißt Du, dass das F.O.H. kein „rechtes“ Zine war? Ich hab’ da schon die bösesten Geschichten und Gerüchte gehört. Aber egal! In einem kann ich dich jedoch beruhigen, das F.O.H. war auch kein „linkes“ Fanzine. Was ich Dir damit sagen will? Dass es mich einen fetten Haufen Scheisse interessiert hat, in welch einen politischen Sack mein Fanzine in den Fanzine-Reviews vom ZAP, TRUST, PLASTIC BOMB oder dem HACKFLEISCH usw. gesteckt wurde. Also hat mich die Frage, ob das F.O.H. in einen linken oder rechten Sack gehört, nicht mehr bewegt als jener Sack Reis, der gerade irgendwo in China umgefallen ist. Nee, mir hat es grossen Spass gemacht, mit meinem Fanzine gewissen Szenegurus in den Arsch zu treten, und da war das Keltenkreuz natürlich jedesmal ein Tiefschlag in den Genitalbereich der „political correctness“. Und so hatte das Keltenkreuz auch im F.O.H. („Mit Keltenkreuzfahne und Kühltasche auf Butterfahrt nach Helgoland!“/FOH Nr.3) seine Spuren hinterlassen. Warum auch nicht? Weil dieses Symbol seit den achtziger Jahren auch von den Nazi-Skins (White pride, Blood and Honour usw.) benutzt wird? Das ich nicht lache! Wenn wir das konsequent zu Ende denken würden, dann dürfte heutzutage auch keiner mehr Skinhead-Klamotten tragen. Unsere Boneheads marschieren nämlich nicht mit Pappnasen und Narrenkappen durch die Gegend (was ihnen sicher besser stehen würde als ne Glatze), sondern mit Bomberjacken und Doc’s. Also, ihr Oi-, Red- und SHARP-Skins,- verbrennt euer „Nazi-Outfit“ und lasst euch die Haare wachsen. Ja, ich weiß, das ist Sophismus,- aber das und ne gesunde Portion an Zynismus waren auch zu F.O.H.’s Zeiten eine meiner hervorstechensten Eigenschaften – und hatten vielleicht auch den Erfolg dieses Fanzine ausgemacht. Aber zurück zum Keltenkreuz: Da es KEIN Symbol der Nazidiktatur war, wie z.B. das Hakenkreuz, hatte ich zu diesem Teil ein recht entspanntes Verhältniss. Ich könnte Dir jetzt einen Vortrag über die ursprüngliche Bedeutung dieses keltischen Symbols (als Zeichen des Lebens) halten, nur würde das ein wenig zu weit führen. Welche Bedeutung hatte das Keltenkreuz also für mich? Keine! Es war das Symbol der RAC-Skins, und nur als solches habe ich es gesehen. Das man nun in den neunziger Jahren (vor dem Hintergrund von brennenden Asylantenheimen) das Keltenkreuz verboten hat, beruhte ehr auf blindem politischen Aktivismus der Regierenden als auf sachlich begründbarer Notwendigkeit. Mit derartigen Schnellschüssen kriegst du nicht den Rassismus aus den Köpfen der Menschen! Im „Rechtsausschuss des “Deutschen Bundestages“ wurde sogar darüber nachgedacht, das Tragen von Bomberjacken und Doc’s mit einer „Geldbuße“ zu belegen (“Verstoß gegen das Uniformierungsverbot“), und die Skinhead-Bewegung in ihrer Gesamtheit als „kriminelle Vereinigung“ zu verbieten. Wie lächerlich!
Grafik-Scann aus FOH Nr. 8
Markus: Der damalige Leitspruch des F.O.H. war „All Skins United“. Das zog sich dann natürlich durch die gesamte Breite der deutschen Skinzene, die damals schon als sehr facettenreich einzustufen war. Damals vielleicht verständlich, gab es damals noch keine große Szene (man hört ja auch immer von älteren Semestern, dass man sich damals einfach freute `nen anderen Skinhead zu treffen und nicht -Wie heute teilweise- jeden Button einzeln inspizierte). Dementsprechend waren auch in musikalischer Hinsicht die Grenzen relativ weit gesteckt. -Oder wie du es selber mal geschrieben hast „war es ganz normal, dass neben den Redskins auch Skrewdriver auftauchten“ (Zitat Moloko Plus #16). Wie gesagt, auch wenn das vielleicht heute auch für viele schwer nachzuvollziehen ist, wurde halt hier dem kleinsten gemeinsamen Nenner –Kurze Haare- Folge getragen.
Günter: Das ist wahr, „All skins united and strong“ zog sich wie ein roter Faden (ab der #2) durch alle Ausgaben des Fanzine. Die „Einheit“ aller Skins war für uns (die F.O.H.-Redaktion) so was wie ein Programm. Alles andere, und diese Meinung haben wir sehr offensiv im Fanzine vertreten, würde nur zur Spaltung der Bewegung beitragen, und denen nützen, „die uns, egal was wir sagen oder denken, sowieso pauschal als ‚rechtsradikale Schlägertruppe’ oder ‚Nazis’ diffamieren“. Einer der Co-Redakteure des F.0.H. (mein langjähriger Kumpel Detlev) kam von den FALKEN und war auf Grund seiner politischen Überzeugung und aktiven Gewerkschaftsarbeit (Jugendvertreter der IG-Metall) das, was man in der Skinhead-Szene als Red-Skin bezeichnen würde. Nur, er selber hat sich nie als Red-Skin gesehen. Er war ein SKINHEAD, so wie sich die ganze F.O.H.-Gang als SKINHEADS fühlte, egal welch eine politische Ideologie oder Partei der eine oder andere von uns favoritisierte. Das F.O.H. sollte also ein Spiegelbild der ganzen Szene sein. Wir wollten die Skinhead-Szene so wiedergeben, wie wir sie tagtäglich erlebt haben, mit all ihren politischen Ein- und Zweideutigkeiten,- ohne dabei irgend etwas auszublenden. Und dazu gehörte es nach unserer Ansicht, rechte bis rechtsradikale Bands wie SKREWDRIVER ebensowenig zu ignorieren wie die kommunistischen REDSKINS. Da konnte ein Frank Renken vom ROTE FRONT-Fanzine (das Teil ist gottlob nie über die Nr.1 hinaus gekommen) den Aufbau eines kommunistischen Rotfrontkämpfer-Bundes (ne Art von roter SA) innerhalb der Skinhead-Bewegung fordern,- so wie U. Grossman (Uhl) vom CLOCKWORK ORANGE-Fanzine über ein Treffen der rechtsradikalen JN an der „Zonengrenze“ berichten konnte. Den politischen Peinlichkeiten waren also keine Grenzen gesetzt! Für die einen war unser ideologisches Neben- oder Durcheinander „politisch unkorrekt“, für uns zeigte es die Meinungsvielfalt innerhalb der Skinhead-Bewegung...
Markus: Sag mal ein paar Worte zum damaligen "F.O.H.-Sonderdruck" den Du mir geschickt hast. Was war der Grund für diesen?
Günter: Anlass war der Tod des Hamburger Türken Ramazan Avci. Zum Hintergrund: „Nach monatelangen Auseinandersetzungen zwischen Hamburger Skins und türkischen Streetgangs wie den BERGEDORFER BOMBERS („Wir ziehen immer durch Lohbrügge und suchen die Skins. Wenn wir einen treffen, wird er – leider – niedergemacht.“), kam es im Dezember 1986 zu einer erneuten Konfrontation. Beide Gruppen hatten sich diesmal auf den Streetfight vorbereitet und waren mit Messer, Tränengas und Baseballschläger bewaffnet.” Im Verlaufe der Auseinandersetzungen wurde Ramazan Avci, der zuvor einen der Skins mit Tränengas angegriffen hatte, von dem Baseballschläger einer anderen Glatze am Kopf getroffen und ist später an seinen Verletzungen gestorben. Obwohl nach Ansicht von Polizei und Justiz die ursächlichen Motive dieser Tragödie in den "Rivalitäten und Revierkämpfen unterschiedlicher sozialer Gruppen im Zusammenhang mit Prostitution und Rauschgifthandel" lagen, also keine rechtsradikalen oder rassistischen Hintergründe hatten, war für die Boulevardpresse und einen Teil der Öffentlichkeit die Sache von Anfang an klar: Rechtsradikale Skinheads hatten einen ausländischen Mitbürger totgeschlagen. Folge dieser von linken und ANTIFA-Gruppen emotional und politisch aufgeheizten Berichterstattung war eine bis dahin in der Bundesrepublik beispielslose Diffamierungskampagne von Politik und Medien gegen die gesamte deutsche Skinhead-Bewegung als potentielle Mörder und bösartige Rassisten. Und diese kollektive Vorverurteilung wollten wir so nicht stehen lassen und haben als Antwort den F.O.H.-Sonderdruck: „Wir sind asozial und gewalttätig“ rausgebracht.
Markus: Sag mal stimmt das eigentlich wirklich, dass dir Michael Kühnen `mal `nen Brief zugeschickt hat? Was wollte der denn?- Ausgerechnet in `nem Skin Zine?! War er es doch schließlich, der gesagt hat, dass „Skinheads zwar dumm, aber gute Soldaten“ wären. Was hat dir Popofinger Kühnen damals geschrieben?
Günter: Was war daran so ungewöhnlich? Als mir der Kühnen im November 1987 diesen Leserbrief schrieb, saß er gerade mal wieder wegen „Volksverhetzung“ (er nannte es „Gesinnungshaft“) im Knast. Im hessischen Butzbach. Jetzt fragst du dich sicher, wie ich mit diesem Möchtegern-Führer in Kontakt gekommen bin. Ganz einfach: In Butzbach logierte zu dieser Zeit auch ein Freund aus der Hooligan-Szene, dem ich zur „geistigen Erbauung“ regelmässig Fanzines und Tapes in den Knast geschickt habe. Jedenfalls hat der dem Kühnen ’ne Ausgabe des F.O.H. geliehen. Und zwar die, in der ich rechtsradikalen Parteien und Gruppierungen vorgeworfen habe, ihr einziges Interesse an den Glatzen bestehe darin, die Naivität und politische Unbedarftheit vieler Skins politisch missbrauchen zu wollen. In diesem Zusammenhang habe ich auch aus einem STERN-Interview zitiert, in dem Kühnen die Skins als „nützliche Idioten der NS-Bewegung“ bezeichnet hatte. Und das rief natürlich seinen Protest hervor. Dieses Zitat sei eine „Erfindung“ des STERN. Man habe das Interview mit ihm so “manipuliert und verfälscht”, dass seine Antworten „einen gänzlich falschen Eindruck“ wiedergeben würden. Ausserdem hätten ihm die STERN-Journalisten angedroht, dass sie ihn „diesmal politisch totmachen“ würden. Kurz gesagt, Kühnen präsentierte sich als "Opfer" einer von (ich zitiere Kühnen) "linken Medien und jüdischen Journalisten gesteuerten Verleumdungskampagne“.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6 / September 1986: Dortmunder “Gaukler-Treffen”
Markus: Womit wir beim Thema „Wilde 80er“ wären. Von vielen, die damals schon dabei waren, bekommt man immer wieder zu hören, dass damals „sowieso alles besser“ war, dass man „weniger gespalten als heute war“ u.s.w. Auf der anderen Seite gibt es auch Leute, wie z.B. Florian von Boots und Braces, der gerade im Hinblick auf Konzerte mal zu mir meinte, dass das für Skins „unter aller Sau“ war, da es praktisch nichts gab, wo man mit seiner Band (insofern sie aus Skins bestand) spielen konnte. Und auch Combat 84 sagten in der letzten Ausgabe (des BEZIRK 7), dass die 80er nicht „Die gute alte Zeit“ waren, für die sie uns viele verkaufen wollen. Sag uns mal aus Deiner Sicht was zum „Mythos 80er Jahre“. Sowohl an Vor- und Nachteilen, alleine schon um etwas mehr Klarheit für die jüngeren, die die 80er nur „vom Hören-Sagen“ kennen, in die ganze Geschichte zu bringen. Und vielleicht mal mit dem ein oder anderen Gerücht über diese Zeit aufzuräumen.
Günter: ... Was diesen „80er Mythos“ betrifft, den Du in deiner Frage angesprochen hast, ich habe gar nicht gewusst, dass es den überhaupt gibt,- zumal ich nichts an diesem Jahrzehnt erkennen mag, was es wert wäre als „Mythos“ in die deutsche Skinhead-History einzugehen. Obwohl, wie ich bekennen muss, auch wir unseren „Mythos“ gepflegt haben, den Mythos vom proletarischen Jugendkult aus den verrotteten Arbeitervorstädten Londons, Liverpools oder Manchesters: "The sight of cropped heads and the sound of heavy boots entering...is the real cause for sinking feelings in the pit of the stomach", schrieb 1969 der Rockjournalist Chris Welch im britischen Musikmagazin MELODY MAKER. Natürlich basierte der „69er Mythos“ auf dem sozialen Elend der britischen Arbeiterklasse. In den 60er Jahren wuchs in der von sozialem Rassismus geprägten Klassengesellschaft Grossbritanniens eine Generationen von Jugendlichen heran, deren einzige Lebensperspektive schon die ihrer Väter und Grossväter gewesen war: Ein lebenslanger Kreislauf von Gelegenheitsjobs, Arbeitslosigkeit und Knast! Die einzige Alternative, diesem Kreislauf zu entkommen, war die “Flucht” zur Armee. Mitte der 60er Jahre hatten diese jugendlichen „Underdogs“ damit begonnen, sich den Kopf zu scheren und sich als „Skinhead“ zu bezeichnen, um sich so von den „bürgerlichen“ Mods aus den etwas „feineren“ Stadtvierteln abzugrenzen. „Bewegt man sich in London aus der Gegend um Mile End in Richtung Westen, dann wird man mit dem konfrontiert, was Soziologen ein ‚Phänomen’ nennen und autoritär veranlagte Menschen als proletarisches Rowdytum bezeichnen“, rümpfte 1969 ein Journalist der SUNDAY TIMES die bürgerliche Nase. „Man sieht überall uniform und schmucklos gekleidete Arbeiterjugendliche, die alles andere als Eleganz und Vertrauen ausstrahlen. Sie stehen auf ‚Bluebeat’ (der Musik westindischer Einwanderer) und ‚agro’, ihrem Synonym für besonders provokatives und aggressives Verhalten.“
Doppelseite aus FORCE OF HATE Nr. 3 / Bericht über das Glatzenfestival in Gross-Parin mit INDECENT EXPOSURE, DIEHARDS und den BÖHSE ONKELZ.
Besonders auffallend war das starke Zusammengehörigkeitsgefühl dieser “working class”-kids. Verständlich, wenn man sich vor Augen führt, dass sie auf den Strassen und in den tristen Wohnsilos der Arbeiterviertel allein keine Chance hatten. Nur als Mitglied einer proletarischen Werten verschworenen Gang waren sie stark. Absolute Loyalität gegenüber der Gang war eine ihrer wichtigsten Regeln. Sie gingen ehr in den Knast, oder liessen sich von den Bullen zusammenschlagen, als einen der ihren an die Polizei zu verraten. So ist es geschehen, dass Skins (unter ihnen 9-10jährige Kids) Polizeiwachen in ihrem Viertel angegriffen haben, um von den Bullen misshandelte Kumpels zu rächen. Vieles aus dem Leben dieser Ur-Skins habe ich von Steve,- einem Londoner Skinhead, den ich im Frühjahr 1983 in Neuss wärend eines ANGELIC UPSTART-Gig im legendären Neusser Musikclub “OkieDokie” kennengelernt habe. Da Steve durch die harte Schule der „Highbury-Rats“ im Londoner East-End gegangen ist, habe ich durch ihn viel über die Lebenssituation und die Gewalt in den britischen Malocher-Ghettos erfahren können. Ihr Wohnviertel, die Familie, die Nachbarn, die Freunde aus der Gang, das war das soziale Umfeld dieser Skinhead-Generation. Am Samstag ging es ins Fussballstadion, wo sie sich blutige Schlachten mit den „Chelsea-Hools“, den „Poor Boys“ oder „Cockney-Kids“ lieferten, danach in der örtlichen Tanzhalle bis zum Umfallen Bier trinken und mit den farbigen Kids der westindischen Einwanderer zum SKA und Reggae abtanzen - das war der Mikrokosmos dieser Skins. Und alles was jenseits der Grenzen ihrer Viertel lag, und nicht ihrem rigiden “working class”-ethos entsprach, war eine Bedrohung ihres proletarischen way of life, und ein „Feind“! Ihre Feinde waren die Mods, Rocker und Hippies; waren die gegnerische Fans in den Stadien und rivalisierende Gangs auf den Strassen. Das war die Polizei, die Lehrer, die Justiz – und die muslimischen Einwanderer aus Pakistan. Im Gegensatz zu den farbigen Einwanderern aus der Karibik, die neben ihrer Lebensfreude auch den SKA und Reggae in die grauen Vorstädte gebracht hatten. Bekanntlich gab es ja unter den britischen Skins ne ganze Menge dunkelhäutige Jungs aus Westindien. So, und was war nun der Unterschied zwischen jenen legendären Urskins und uns? Wir hatten einen ganz anderen sozialen Background. Es mag zwar schizophren klingen, aber trotzdem fühlten wir uns den Traditionen dieser proletarischen Ur-Skins verpflichtet.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6 / September 1986: Dortmunder “Gaukler-Treffen”
Zurück in die 80er Jahre. ... Da waren „Nazi-Skins“ eine so verschwindend geringe Minderheit in der Szene, dass wir sie kaum registriert, und Ernst genommen haben. Wie hiess es doch im F.O.H.: „Du möch’st so gern ein Skinhead sein, und bleibst doch nur ein armes Schwein!“ Ich möchte jetzt nicht missverstanden werden, die wenigsten Skinheads, die mit einem „Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“-Aufnäher an der Jacke herumgelaufen sind (oder sich als „Patrioten“ bezeichnet haben), waren und sind Nazis. Da konnte ich schon genau differenzieren. Ich habe zwar mit diesem Aufnäher und dem Begriff „Patriotismus“ nicht viel im Sinn, aber so krank konnte (und kann) ich brainmässig gar nicht sein, um andere Menschen deswegen als „Nazis“ zu diffamieren... Moment mal,- werden die älteren unter deinen Lesern einwenden, die Dortmunder Glatzen hatten doch damals enge Beziehungen zu den Hooligans der rechtsradikalen BORUSSENFRONT. Also, Leute, Gerüchte werden nicht dadurch wahr, dass man sie oft genug wiederholt – auch nicht von jenen politisch korrekten Flachwixern in der Punk-Szene, denen das Zerrbild über die Skinhead-Bewegung besser in ihr mit ideologischen Brettern vernageltes Weltbild passte als die Wahrheit. Solche Dumpfbacken haben sich ihre „Nazi-Skins“ doch nur zu oft selber gebacken,- frei nach der Devise: „Und willst du kein Genosse sein, dann schlag ich dir den Schädel ein!“ Selbst popelige Mini-Deutschlandfahnen auf der Bomberjacke haben sie als bedenkliche Zeichen einer faschistoiden Gesinnung gewertet. Meine Güte, diese Typen waren ja so politisch korrekt, dass ich nicht überrascht gewesen wäre, wenn sie sich noch für ihren Morgenschiss entschuldigt hätten - schliesslich ist der ja auch braun. Aber solch selbst ernannten Szene-Cops haben ihre eigene Scheisse nicht nur auf der Toilette entsorgt, sondern oft auch auf den Seiten ihrer Fanzines - und das mit der intellektuellen Durchschlagskraft eines Furzes... Eine Zwischenbemerkung: Wenn ich hier so oft die Worte WIR und UNSER benutze, beschreibe ich damit nicht DIE deutsche Skinhead-Bewegung, sondern das Umfeld, in dem ich mich zwischen 1984–1988 bewegt habe. Ein harter Kern von ca. 45 Skins der Städte-Allianz Dortmund/Düsseldorf, die besonders freundschaftliche Beziehungen zu ihren glatzköpfigen Kameraden (30-35 Skins) und einem Dutzend smarter Punx aus Augsburg und Umgebung aufgebaut hatten. „Skins & Punks Divided“, wie es auf der ersten LP von VORTEX heisst, hatte vor diesem Hintergrund keine grössere Bedeutung als ein Fliegenschiss auf einer frisch rasierten Glatze.
Foto-Scann aus FOH Nr. 8 / Dortmund 1987: (von l. nach r.) Winni, Micha und Gruse.
Ich bin zwar 1984 ziemlich frustriert aus der Punkszene ausgestiegen, das bedeutete aber nicht, dass ich von da an jedem Punk mit nem Basi hinterhergehechelt wäre... Denn trotz der unzähligen sozial degenerierten Schnorrer- und Penner-Punx, die seit den Chaos-Tagen 1984 die deutsche Punkszene dominierten, gab es noch eine Menge korrekte Altpunx, die mehr im Kopf hatten als nur einen Haufen Scheisse. Deshalb hat sich das FORCE OF HATE-Fanzine auch nie an den ritualisierten Abgrenzungszwängen gegenüber der Punk-Szene beteiligt. Dieses Spielchen war mir einfach zu lächerlich. Aber zurück zur Glatzen-Szene. Vielleicht war das ja naiv von uns, aber wir haben lieber Party gemacht, statt uns vor irgendwelche billige Politkarren spannen zu lassen. Weder von den der ANTIFA, noch vor den der BORUSSENFRONT. Da gab es in den Jahren 1985 bis 1987 am traditionellen Treffpunkt der Dortmunder Glatzen die monatlichen (und immer absolut friedlichen) Skinhead-Meetings am „Gauklerbrunnen“ in der Dortmunder Innenstadt. Natürlich ohne die Boneheads von der BF! An manchen Wochenenden hatten sich dort mehr als hundert Skins, Psychos und Rudeboys aus dem ganzen Ruhrpott (und noch weit darüber hinaus) „zusammengerottet“. Dann konntest du vor lauter Bierkästen und Schnapsflaschen das Wasser im Brunnen nicht mehr sehen. Und das alles unter dem „wohlwollenden“ Auge der Polizei, die höchstens mal vorbei geschaut hatrte, um uns daran zu erinnern, das Leergut wieder mitzunehmen („Jungs, dann hat auch keiner was dagegen, wenn ihr hier feiert“). In dieser Zeit hatte auch der Slogan „All skinhead united and strong“ einen viel höheren Stellenwert in der Bewegung als heute. Das lag wohl daran, dass die Glatzen-Szene noch nicht so zersplittert und politisch radikalisiert war. Zwischen den Jahren 1984 bis 1989 gab es (laut VERFASSUNGSSCHUTZ-Bericht) in Westdeutschland und Westberlin 3500-4000 Skins, und knapp ein Drittel davon (wenn überhaupt) konnte man zum harten Kern der Bewegung zählen. Das waren dann die Leute, denen man ständig auf Konzerten, Meetings oder auf Partys über den Weg gelaufen ist. Und es ist doch klar, dass man da zusammengehalten hat. Und nicht erst lange gefragt hat, ob der eine vielleicht die NPD und der andere die DKP wählt. Auf der Strasse warst du doch als einzelne Glatze manchmal ganz schön angeschissen. Besonders wenn du in einer fremden Stadt warst, oder dich in einer Gegend aufgehalten hast, in der unsere türkischen Mitbürger das „Gewaltmonopol“ hatten. Diese Jungs machten in der Regel keinen Unterschied zwischen einem Oi,- Red,- SHARP- oder Nazi-Skin. Mit solchen Feinheiten haben die sich nicht lange aufgehalten. Glatze war Glatze, und Glatze bekam’s kräftig auf’s Maul,- so sah doch die Realität in vielen Großstädten aus; besonders als im Dezember 1986, nach dem Tod des Hamburger Türken Avci, in den Medien zur fröhlichen Hatz auf Skinheads geblasen wurde. Da musstest du dich in gewissen Situationen schon auf deine Kumpels verlassen können. "Die Angst vor Samstagnacht befällt jede Woche eine Menge deutscher Städte“, schrieb im Januar 1987 der READERS DIGEST in seiner deutschsprachigen Ausgabe. ”Es sind Nächte, in denen wilde Banden von ultrarassistischen, ultrafaschistischen Skinheads die Strassen übernehmen, die bereit sind, Kinder, Familien und Rentner zu treten, zusammenzuschlagen, abzustechen und niederzuschießen." Vor diesem Hintergrund gab es keine differenzierte und sachliche Berichterstattung mehr, sondern nur noch billige Angst- und Panikmache. Vorneweg die BILD, die ihre Leser auch sogleich mit den entsprechenden Hintergrundinformationen versorgte: „Das ist die Uniform der Mörder-Skins: Doktor-Martens-Stiefel und Bomberjacke!“ Jedenfalls trennte sich nach Hamburg auch die Spreu vom Weizen, das heisst, viele Mitläufer sind in dieser Zeit wieder abgesprungen (bis nach dem Mauerfall die gewendeten Ost’ler das Blauhemd der FDJ gegen Glatze und Bomberjacke getauscht haben), aber leider auch viele Alt-Skins, die es einfach nicht ertragen konnten, länger mit dem Image eines „brutalen Nazi-Killers“ herumzulaufen. Da muss ich dem Florian von BOOTS UND BRACES natürlich Recht geben, vor diesem Hintergrund hatten es Glatzenband natürlich schwerer als heute, das ist überhaupt keine Frage. Wenn Veranstalter oder Jugendzentren nur das Wort „Skinhead-Band“ hörten, fiel ihnen erst mal die Kinnlade und dann gleich die Scheuklappe runter. No Chance! Aber mit ein bischen Kreativität und Fantasie konntest du damals immer was drehen. Man musste sich halt selber darum kümmern, selber etwas organisieren. Viele Leute haben das gemacht, nur in der Ecke zu sitzen und die ungerechte Welt zu beklagen, hätte nichts gebracht. So, ich hoffe, dass ich hier „das eine oder andere Gerücht“ über die Achtziger Jahre ausräumen konnte. Und wenn nicht – fuck off!
Foto-Scann aus FOH Nr. 7: SNIX aus Frankreich.
Markus: Wer war eigentlich damals deine Lieblingsband, die du vielleicht auch heute noch mal ab und an auflegst?
Günter: Oh, Gott, wo soll ich da bloß anfangen? Mit ROSE TATTOO, BLITZ, SLIME, TOXOPLASMA, RAMONES, U.K.SUBS, RED ALERT, BUSINESS, REDSKINS, COCKNEY REJECTS (besonders die Live-LP’s), ANGELIC UPSTARTS, MAU MAUS, 7 SECONDS (besonders die „Blast’s from the past“-Single), SECTION 5, SKREWDRIVER (Oh, Gott – wie kann man nur? Ich kann!), SHAM 69 (Thats life-LP, Tell us the truth-LP), SKAOS, BAD MANNERS, SPECIALS, CONDEMNED 84, DECIBELIOS (absolut geil), NABAT, THE VOICE...usw.,- es reicht jetzt. Halt! Ich habe eine Band vergessen, die mir sehr viel bedeutet hat: ENDSTUFE.
Markus: Wie war das eigentlich für einen der „Alten Garde“ wie dich, in den frühen 90er Jahren Dinge wie Rostock, Hoyerswerda, Solingen etc. sehen zu müssen. Was hast Du damals gedacht, als Du das verfolgt hast? Ich meine, Du warst damals einer der ersten Skins in D`Land, hast die Szene praktisch von den Kinderschuhen an wachsen sehen, geht da nicht was kaputt in einem, wenn man solche Dinge mit ansehen muss?
Günter: Die rassistische Gewalt des vergangenen Jahrzehnts allein auf die Skinheads abzuladen, ist viel zu kurz gesprungen. Nehmen wir den Angriff auf das Asylantenheim in Rostock-Lichtenhagen: An dieser Aktion waren ca. 600 Jugendliche beteiligt – und nicht viel weniger Erwachsene haben die durchgeknallten Kids noch angefeuert. Aber es war kein blindwütiger Skinhead-Mob, der sich in Rostock ausgetobt hatte, auch wenn diese Legende immer wieder aufgewärmt wird, sondern „normale“ Jugendliche – unter ihnen natürlich auch Skinheads,- aber auch Messdiener, Fussballer, Skater, Metaller...usw. Nee, man muss das alles ein wenig differenzierter und nüchterner sehen, und vor allen Dingen sollte man nicht nur die BILD-Zeitung lesen. Aber natürlich braucht die Politik in solchen Situationen einen Sündenbock, und sei es nur, um das eigene Versagen zu vertuschen, und wer eignet sich da besser als die Skins.
Doppelseite aus FORCE OF HATE Nr. 5
Markus: Ich hatte dich weiter oben schon mal nach dem Umfang der Verbreitung des F.O.H. gefragt. Wie war das denn damals speziell auf die ehemalige DDR bezogen? Hattest Du da auch Leser?- Und was war mit Zensur, die ja damals in den Briefen statt fand? Hatten die Leute dort auch rechtliche Maßnahmen und Bespitzelungen zu befürchten, wenn sie das F.O.H. bestellten und das Heft vorher den Behörden in die Hände fiel?
Günter:...Auf mich wirkten die meisten DDR-Bürger immer spiessig und provinziell, und irgendwie ziemlich mausgrau und geduckt. „Druckerzeugnisse und Tonträger aus dem kapitalistischen Ausland“ waren natürlich verboten. Dazu zählten logischerweise auch Punk- und Skinhead-Fanzines, Platten und Tapes. Das der Post- und Briefverkehr in die DDR von der STASI kontrolliert wurde, war mir klar, dass aber diese Kontrolle die gesamte Post umfasste, habe ich nicht ahnen können. Ich dachte da ehr an Stichproben. Ebensowenig, das sämtliche Telefongespräche mit DDR-Bürgern abgehört und aufgezeichnet worden sind. Es gab also das volle Programm an staatlicher Repression (Zensur, Bespitzelung, Kontaktverbot, bis hin zur Kriminalisierung als „gesellschaftlich unzuverlässiges Element“), das ein kommunistisches Zwangssystem wie die DDR zur Kontrolle und Einschüchterung seiner eigenen Bürger auffahren konnte. Fanzines oder Tapes auf dem Postweg nach „drüben“ zu schicken war vor diesem Hintergrund so gut wie unmöglich. Die Sachen wären nie beim Empfänger angekommen.”
Foto-Scann aus FOH Nr. 7: Skins und Renee’s aus Hofgeismar in Nordhessen
Markus: Was hast du eigentlich gedacht, als am 9. November 1989 die Mauer fiel? Die Einheit war ja in den 80ern auch immer wieder ein Thema das Skinbands in ihren Songs aufgriffen.
Günter: Nichts habe ich gedacht,- absolut nichts! Die Nacht der Maueröffnung habe ich schlicht und einfach verpennt. Als ich am anderen Morgen die TV-Bilder sah, mit diesen besoffen gröhlenden Menschenmassen auf der Berliner Mauer,- die Bilder von den endlosen Trabi-Karawanen, die sich „go west“ quälten, um vom „Klassenfeind“ die 100 DM „Begrüssungsgeld“ (!) abzukassieren, da schien mir das alles so aberwitzig, so grotesk, dass ich es kaum glauben konnte. Am 8. November waren wir für die Ossis noch das „kapitalistische Ausland“ - und nicht einmal 24 Stunden später räumten sie in unseren Aldi-Märkten und Sex-Shops die Regale leer. Da mochte noch einer durchblicken...
Markus: Es gibt `ne ganze Menge Leute, die über S.H.A.R.P. jammern. Was hälst du von S.H.A.R.P.-und glaubst Du, dass sich S.H.A.R.P. irgendwie von seiner eigentlichen Grundidee (Neither left nor recist) entfernt/bzw, falsch entwickelt hat? Ich meine, es gibt da wohl einige, die Sharpskin mit Redskin verwechseln..
Günter: Sagen wir mal so, „Skinheads Against Racial Prejudice“ war für die meisten Skins meiner Generation eine pure Selbstverständlichkeit; da brauchte es keinen dämlichen SHARP-Aufnäher an der Bomberjacke, um seinen antirassistischen livestyle auch nach aussen hin zu transportieren (Schaut her, ich bin ein „politisch korrekter“ Skin!) – und in unserem Glatzenmob und der F.O.H.-Crew war Rassismus sowieso kein Thema. Weißt Du, wir hatten so eine Art von „Ehrenkodex“ (skins stand together), der uns nicht wegschauen ließ, wenn ein black brother wie Detlev wegen seiner dunklen Hautfarbe angemacht worden ist. Dann gab’s was auf’s Maul – auch ohne einen SHARP-Aufnäher an der Jacke! ... Aber ich will hier nicht das Bild einer „heilen“ Skinhead-Welt malen. So ist es nicht. Natürlich gab es Glatzen, die uns als „undeutsche Niggerfreunde“ diffamiert haben. Aber immer nur hinter unserem Rücken. Sie haben es nie gewagt, uns ihren Müll ins Gesicht zu sagen, sozusagen mit offenem Visier für ihren Rassismus einzutreten, dazu waren diese arischen Weissärsche dann doch zu feige... Aber zurück zu SHARP: Wie Du dir sicher denken kannst, oder auch nicht, ist mir diese Initiative glatt am Arsch vorbei gegangen. Und das hängt damit zusammen, dass der Grundgedanke von SHARP in Europa falsch interpretiert, und diese Interpretation dann auch noch politisiert worden ist. SHARP war ursprünglich das Logo und Slogan eines amerikanischen Ska-Labels. Irgendwann zu Beginn der achtziger Jahre startete dieses Label unter dem SHARP-Logo eine Kampagne, die den Strassenkrieg zwischen den verfeindeten weissen, schwarzen, gelben und braunen Skinhead-Gangs beenden sollte. SHARP sagte den glatzköpfigen US-Kids: „Vergesst eure rassischen Vorurteile,- kämpft nicht gegeneinander, sondern miteinander!“ Und das ist die Message von SHARP gewesen! „United Skins! Egal welche Hautfarbe ihr habt oder Sprache ihr sprecht, ihr seid alle Brüder – nur das zählt!“ Es blieb Roddy Moreno, dem Ex-OPPRESSED-Sänger, vorbehalten, den Geist dieser Botschaft ins Gegenteil zu verkehren. 1987 bekam ich von „Oi-Records“, dem Plattenlabel von Roddy Moreno, einige Flyers zugeschickt, in denen zur Gründung einer europäischen SHARP-Bewegung aufgerufen wurde. Demnach sollten sich alle „traditionsbewussten“ Glatzen, die es nicht länger hinnehmen wollen, dass ihre Bewegung von „Rassisten und Faschisten“ missbraucht wird, als Zeichen ihres Widerstandes unter dem SHARP-Logo „zusammenschliessen. Auf der Rückseite der Flyers war auch gleich ’ne Preisliste und die Kontaktadresse für SHARP-Aufnäher und andere SHARP-Devotionalien. Im Dutzend billiger! Bei Oi-Records in Wales U.K. Und da wir ja allem sehr aufgeschlossen gegenüberstehen, was uns von von irgendwelchen Szene-Gurus übergestülpt wird, fand SHARP auch in Deutschland seine Anhänger. Und da wir besonders gründlich sind, mutierte SHARP zum Gradmesser der political correctness. Nur ein Skin mit SHARP-Aufnäher war allen rechtsradikalen Anwandlungen unverdächtig, war ein „guter“, ein politisch korrekter Skin! HA HA HA!!! Ich könnte laut gröhlen, wenn ich nur daran denke, wer da plötzlich alles mit einen SHARP-Aufnäher rumgerannt ist. Ich erinnere mich an folgenden kleinen Dialog. Ich: „Ey, seit wann trägst so so’n Scheiss an der Jacke?“ Er: „Seit ich gemerkt habe, dass ich mit diesem Scheiss nicht mehr als Nazi angemacht werde. Jetzt habe ich wenigstens Ruhe.“ War mein Kumpel nun besonders opportunistisch – oder besonders schlau? Jedenfalls standen ihm nun all die Kneipentüren offen, die ihm zuvor mit seinem dämlichen „Ich bin stolz...“-Aufnäher verschlossen geblieben sind.
Foto-Scann aus FOH Nr. 6: FOH-Leser aus Adelaine (Australien)
Markus: Hast du eigentlich Oi! Warning gesehen? Was hältst Du von dem Film?
Günter: Ich möchte mich zu diesem Film nicht äussern, er ist es nicht wert,- ausser, dass sich die Gebrüder Reding sämtlicher billiger Klischees bedient haben, die man sich im Zusammenhang mit der Skinhead-Szene überhaupt ausdenken kann. Die „real world of skinhead“ haben diese beiden Pseudo-Skins nie kennengelernt, geschweige denn dessen Spirit verspürt – höchstens in ihren feuchten Träumen.
Markus: Und aus der Zukunft wieder „Zurück in die Vergangenheit“- Wenn Du heute wieder ganz am Anfang stehen würdest, würdest du irgendwas anders machen – oder alles wieder ganz genauso?
Günter: Das ist ja wohl eine sehr hypothetische – oder besser gesagt, an den Haarstoppeln herbei gezogene Frage, wenn ich mir diese Bemerkung mal erlauben darf. Ich werd’ mir doch keinen Kopf darüber machen, ob ich heute anders handeln würde als ich gestern gehandelt habe. Klar, habe auch ich Fehler gemacht! Vielleicht hätte ich diesen oder jenen Artikel, so wie ich ihn geschrieben habe, nicht schreiben sollen – aber nobody is perfect! Und Du kannst mir glauben, hätte das F.O.H.-Fanzine aus Bibel- oder Koran-Texten bestanden, so hätten sich auch hier irgendwelche „Meinungswächter“ gefunden, denen dieses zu rechts oder jenes zu links gewesen wäre. Nee, wenn ich ehrlich bin,- aus heutiger Sicht, und mit meinen Erfahrungen der Vergangenheit, würde ich nichts anders machen!
Markus: Alles klar, das war`s schon! Irgendwelche letzten Worte, Grüße oder sonstige Anfeindungen.