1) SKINHEAD-DANCING IN GROSS-PARIN AM 17.08.1985 2) FOTOS VOM “GAUKLERBRUNNEN” IM DORTMUNDER STADTGARTEN AUS DEM SOMMER 1986
Aus dem FORCE OF HATE (Ausgabe Nr. 3 / Dezember 1985)
„Ja, wo war den nun dieses Festival?“ hat mich neulich ein Freund etwas ratlos gefragt. „Mal heisst es, es war in Lübeck, dann wieder in Bad Schwartau, und andere behaupten, dass es in Gross-Parin gewesen war. Wer hat denn nun recht?“ Im Grunde haben alle Recht! Treffpunkt für die am 17. August 1985 aus ganz Deutschland, Holland und Österreich angereisten Glatzen war am Samstag Mittag der Lübecker Hauptbahnhof. Von dort ging es später mit Sonderbussen der Lübecker Verkehrsbetriebe nach Gross-Parin, einem winzigen Kaff bei Bad Schwartau. Genauer gesagt, zum Gelände einer berüchtigten Rockergang, die dort ihren Clubraum hatte. In der Nachbarschaft gab’s nichts anderes als viele Kühe und noch mehr flaches Land. Besonders erwähnenswert: Die Sonderbusse zum Festvalgelände wurden von der Lübecker Polizei organisiert. Für Leute, die zu spät zum Treffpunkt kamen, wurde gar ein stündlicher Pendelverkehr eingerichtet. Auch nach dem Konzert standen wieder Sonderbusse nach Lübeck bereit. Die Taktik der Lübecker Polizei hiess: Kooperation statt Konfrontation! Es gab weder in Lübeck noch wärend des Festivals provokative Aufmärsche uniformierter und bis an die Zähne bewaffneter Hundertschaften, sondern nur einige Beamte in Zivil als freundlich konstruktive Ansprechpartner.
Links: Mario aus Hannover. Rechts: “Pole” von KDF aus Westberlin
Eine Woche nach dem gelungenen Meeting in Düsseldorf stand Lübeck auf dem Terminkalender des FORCE OF HATE. Für den 17. August war ein Open-Air-Festival mit INDECENT EXPOSURE und DIEHARDS aus England angesagt. Und mit den BÖHSE ONKELZ. Eine Sache, die ich mir nun keinesfalls entgehen lassen durfte. Besonders wegen der ONKELZ. Göttlich! Allein wegen dieser Band wäre ich auch auf Knien nach Lübeck gekrochen, aber Freund Enger hatte mir ja beim Meeting versprochen, dass er mich in Düsseldorf abholen würde, so dass ich meine Knie schonen konnte. So zuverlässig wie Skinheads nun mal sind, standen meine Geisenheimer Freunde (Geisenheim liegt bei Wiesbaden) auch Freitags pünktlich bei mir vor der Haustüre – nur ich war noch nicht da. Aber Enger, Barbara und Henning brauchten nicht lange auf mich zu warten, so dass wir schliesslich gegen 16.00 Uhr losbrettern konnten. Die anderen Düsseldorfer sind erst am Samstag morgen losgefahren. Ein Stau auf der Autobahn bei Dortmund, dem wir jedoch mit List und Tücke entfliehen konnten, war eigentlich das einzig aufregende an der ganzen Fahrt, ausser diverser Pisspausen an verdreckten Raststätten, die auch stets zum „Biernachfassen“ genutzt wurden.
Am späten Abend Ankunft in der Hansestadt Lübeck. Wir kurven durch die Innenstadt und halten Ausschau nach irgendwelchen Glatzen. Nix zu sehen. So fahren wir halt zum Hauptbahnhof und beschliessen, dort bis zum nächsten Morgen auszuharren. Wärend Enger und Barbara im Wagen pennen, vertreiben sich Henning und ich die Zeit in der Bahnhofshalle. Vielleicht tauchen doch noch andere Glatzen auf. Nachts gegen zwei kommt dann endlich ein Zug mit einer ca. zwanzigköpfigen Gruppe Skins aus der Ostmark. Lautstarke Begrüssung in der Bahnhofshalle, danach wollen die kahlköpfigen Jungs aus Linz und Wien noch der Lübecker Altstadt einen nächtlichen Besuch abstatten. Da es zu diesem Zeitpunkt zu stark regnete, haben Henning und ich noch gewartet, und uns dann ebenfalls in Richtung Altstadt aufgemacht. Am „Holstentor“ stossen wir auf ein paar Glatzen aus Hannover, unter ihnen Mario, die auf der Suche nach ihrem „irgendwo hier“ geparktem Auto sind. Wieder überschwengliche Begrüssung, und wir erfahren, dass in der Altstadt nix mehr los ist. So haben wir uns wieder verabschiedet und sind zum Bahnhof zurückgelatscht. Da wir keinen Bock hatten, uns zu Enger und Barbara in das Auto zu quetschen, schnappen wir uns unsere Schlafsäcke und betten unsere kahlen Schädel auf den überdachten Bahnhofsvorplatz zur wohlverdienten Nachtruhe. Wo ich zu meiner eigenen Überraschung bis in den frühen Vormittag ungestört durchpennen konnte.
Als ich morgens gegen zehn meinen kahlen Schädel aus dem Schlafsack schob, spiegelten mir von allen Seiten Glatzen entgegen. Massenhaft viele Leute mussten noch im Laufe der Nacht und in den frühen Morgenstunden angerückt sein, und jeder Zug, der in den Bahnhof einrollte, spuckte neue Kahlschädelhorden aus. Was soll ich gross schreiben, eine derartige Skinhead-Invasion hatte Lübeck sicherlich noch nie erlebt. Und im Gegensatz zum Düsseldorfer Meeting (1200 Bullen) waren nirgendwo Uniformierte zu sehen. Um 12.00 Uhr war dann Treffen am Busbahnhof, von wo uns später Sonderbusse nach Gross-Parin bringen sollten. Auch bei diesem Massentreffen hielten sich die Bullen total zurück. Es hatte ihnen auch niemand Anlass zum Eingreifen gegeben. Strahlender Sonnenschein, und ne Bombenstimmung unter dem kahl geschorenen Mob – da war wirklich kein Platz für irgendwelche Provokationen. Von dem Festival als solches möchte ich nicht viel schreiben, die meisten von Euch haben es ja selber erlebt – und werden mir sicher zustimmen, wenn ich behaupte, dass es DAS Ereignis seit Bestehen der deutschen Skinhead-Bewegung war. Besonders geil waren die Jungs von INDECENT EXPOSURE, die mit ihren 23 Tracks, darunter Kracher von COCKNEY REJECT und den 4SKINS („A.C.A.B.“, „Chaos“) für ne Wahnsinnsstimmung unter den ca. 700 Glatzen gesorgt haben. Besonders geil, ja der Höhepunkt des Festivals überhaupt, war der Auftritt der BÖHSE ONKELS, die fast eineinhalb Stunden eine Wahnsinnsstimmung verbreiteten. Mit diesem Auftritt haben die ONKELZ bewiesen, dass sie nicht zu Unrecht DIE Top-Skinhead-Band Westdeutschlands sind, und hoffentlich für lange Zeit auch bleiben werden.
Warten auf den Bus zum Festival. Von links nach rechts: Enger, Barbara, Gruse und Henning
Zum ersten großen Skinhead-Festival in Westdeutschland waren Glatzen aus fast ganz Europa angereist.
Vor dem HBF in Lübeck: Pole von KDF im Gespräch mit Steve Reeves von INDECENT EXPOSURE.
Blackskins for Black-Power! Coole Jungs!
Früh übt sich, was ein Skinhead werden will.
Der Kleine war total fasziniert von den vielen Kahlschädel.
Wann kommen endlich die Scheiss Sonderbusse?
Ist das nun eine Straftat, oder grüsst der Junge gerade einen Kumpel?
Wer sich einen akustischen Eindruck vom Konzert machen möchte: Die BÖHSE ONKELS live am 17 August 1985 mit “Ich hab’ Hass”!
BÖHSE ONKELZ on stage in Gross-Parin. “Heute trinken wir richtig!”
Skinhead-Dancing auf der Kuhweide: “Wir sind hässlich, brutal und gewalttätig!”
Die Bühne war ein LKW-Hänger auf einer verschlammten Kuhweide.
Zweiter von links: Kevin von den ONKELZ. Dritter von links: Steve Reeves von INDECENT EXPOSURE
Der folgende Foto-Report über die “Gaukler-Treffen” ist unserem guten Freund und Kumpel Martin Baier aus Dortmund gewidmet, der leider viel zu früh aus dem Ring steigen musste. In unserer Erinnerung lebt er weiter.
Martin Baier - RIP -
Viele der alten Dortmunder Glatzen werden sich sicher noch an die legendären Meetings am „Gauklerbrunnen“ im Stadtgarten erinnern. Mitte der Achtziger Jahre war dieser Brunnen so etwas wie der traditionelle Treffpunkt der Dortmunder Glatzenszene. Besonders 1986 waren die Meeting am “Gaukler” fast schon Pflicht. An manchen Wochenenden trafen sich dort mehr als hundert Skins, Psychos und Rudeboys aus dem ganzen Ruhrpott (und darüber hinaus), um gemeinsam kräftig abzufeiern. Friedlich und randalefrei! Da konnte man manchmal vor lauter Bierkästen, Bierdosen und Schnapsflaschen das Wasser im Brunnen nicht mehr sehen. Und alles unter dem „wohlwollenden“ Auge der Polizei, die höchstens mal vorbeischaute, um daran zu erinnern, das Leergut wieder mitzunehmen („Jungs, dann hat auch keiner was dagegen, wenn ihr hier feiert“).
Und über allem wachte der “Gaukler”!
“Gauklerbrunnen” 1986
Gruppenbild im Stadtgarten mit Bierflaschen und Dame!
Bei Regen wurden die Treffen kurzerhand unter den “Gaukler”, in die Eingangshalle der U-Bahnhaltestelle “Stadtgarten” verlegt. Rechts neben dem Bullen, “Brandy” und Holger von ENDSTUFE. In der Mitte: “Spiller” (heute EMSCHERKURVE), damals noch Delmenhorst. Links: “Chico” und Gruse aus Dortmund bestellen gerade drei Bier - hähähä!
Hin und wieder wurde auch mal ein fröhliches Liedchen angestimmt. Oder ein “SKIN...HEAD, SKIN...HEAD!” durch die Eingangshalle geschmettert.
Ach ja, der Alkohol!
Nach den Treffen fuhren die einen mit der U-Bahn in unsere Stammkneipe...
...und die anderen mit der S-Bahn wieder zurück nach Bochum, Duisburg oder Gelsenkirchen.