STAHLWERK - Skinhead-Zine / # 5 / 2006 / 2,50 EU
STAHLWERKZINE / Postfach 2030 / 66520 Neunkirchen
oder
stahlwerkzine@yahoo.de

G. Gruse: Na endlich! Nach vielen Irrungen und Wirrungen ist es diesem Fanzine gelungen, den Weg von Neunkirchen (im Saarland) in meinen Dortmunder Briefkasten zu finden. Gorbatschow (nicht der Wodka, der Politiker, ihr Deppen!) hat mal gesagt, “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”. Ich muss feststellen, dass das im Falle des STAHLWERK-Zine nicht zutrifft! Im Gegenteil! Das lange Warten hat sich gelohnt. Hundertzehn (110!) Seiten vollgepackt mit Themen, die nicht nur Skinheads interessieren. Ein ganz besonderer Höhepunkt, und das redaktionelle Highlight dieser Ausgabe, ist die 13 Seiten starke Dokumentation über die Skinhead-Szene in der ehemaligen DDR. Vier starke Insiderbeiträge bieten einen authentischen Einblick in den Alltag von Skinheads (und Punks) im “real existierenden Sozialismus”. Ein weiterer Leckerbissen bietet “Ossis lachen zuletzt”: Eine Realitystory über die Aufnahme des neuen GERBENOK-Album “Wer zuletzt lacht!” Ausserdem bietet das STAHLWERK noch jede Menge Interviews, u.a. mit den RABAUKEN, CLOSE COMBAT und EVIL CONDUCT. Geile Fotos, ein überzeugendes Layout, jede Menge Reviews und und und...

Marlyn Manson “The long hard road out of hell” / 352 S.
by VERLAGSGRUPPE KOCH/HANNIBAL / ISBN 3-85445-182-2 / 25,90

G. Gruse: Marlyn Manson sei der Beweis, “dass die moralischen Werte der amerikanischen Gesellschaft zu Grunde gehen”, sagte einst der Gouverneur von Oklahoma, Frank Keating, über Marlyn Manson. Man muss nicht unbedingt ein Fan von Manson sein, um von seinem Buch fasziniert zu sein. In “The long hard road out of hell” beschreibt Manson offenherzig und schonungslos seinen langen Weg vom “gottesfürchtigen Schuljungen” zu einem der meistgehassten Rockidole der USA. Seine Autobiografie ist eine wilde, brutale, intime, verletzende, chaotische, obszöne und zynische Reise durch das letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts. Ein Höllentrip, der ihn über die vergammelten Backstage-Räume, dreckigen Tanzschuppen und vollgekotzten Gefangniszellen der amerikanischen Provinz bis an die Spitze der internationalen Charts katapultiert hat. Marlyn Mansons Autobiografie ist ein fantastisches Kultbuch, ausgestattet mit zahlreichen bislang unveröffentlichten Fotos, Illustrationen, und dem Tagebuch der legendären “Dead to the world”-Tour, mit der er Ende der Neunziger Jahre die amerikanische Öffentlichkeit gegen sich aufbrachte. Ein grossartiges und aufregendes Stück amerikanischer Kultur- und Rockgeschichte.

STOLZ & STIL - #19 / Dezember 2006
Skinzine für “Lebensart, Rebellion und Musik” / 92 S. / A5 / 2,22 EU
c/o STOLZ & STIL / PF 1143 / 99601 Sömmerda
mail:
stolzstil@web.de / homepage: http://www.stolz-stil.2xt.de/

G. Gruse: Rechtzeitig zu den Feiertagen steckte mal wieder eine neue Ausgabe des STOLZ & STIL-Fanzine aus Thüringen in meinem Briefkasten. Mit seinen zweiundneunzig Seiten gleicht das Heft fast schon einem Taschenbuch. Genug Stoff, um mir einen grossen Wodka einzuschenken, mich gemütlich im Sessel zurückzulehnen, und tief einzutauchen in die höchst reale Skinhead-World des STOLZ & STIL-Fanzine. Und wie könnte es auch anders sein, begegnet einem dort als allererstes eine legendäre Bremer Skinheadband aus den Achtziger Jahren, die inzwischen Kultstatus geniesst: ENDSTUFE! Nett verpackt in einem sehr ausführlichen und informativen Interview, das Achim vom STOLZ & STIL mit “Brandy”, dem “Kopf” und Sänger der Band, geführt hat. Über fünf Seiten plaudert man über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser fantastischen Band. In diesem Zusammenhang wurde natürlich das Konzert-Highlight des Jahres 2006 nicht vergessen, als ENDSTUFE an einem regnerischen Sommertag (gemeinsam mit LAST RIOT und SHORT CROPPED) in der Nähe von Bremen vor einigen Hundert in- und ausländischen Glatzen zum Tanz aufgespielt haben. Von diesem feuchtfröhlichen Ereigniss berichten “Skullhead” und “Göring”. Ausserdem “ENDSTUFE live in Thüringen”. Natürlich sind das nicht die einzigen Konzertberichte. Da wären noch LAST RESORT, SCHUSTERJUNGS, SPY KIDS und VORTEX in Schöningen. Ein Konzert, dessen trauriger Höhepunkt der feige Angriff einiger offensichtlich verwirrten Glatzen auf den seit einem Schlaganfall teilweise gelähmten Sänger von LAST RESORT, Roi Pearce, war. Ein sehr armseliger Auftritt, aber nicht für die britische Punklegende Roi Pearce. Einen weiteren Höhepunkt bietet die siebenseitige Dokumentation über die HAGGIS-Tour 2006. Spannende und spassige Berichte über die HAGGIS-Konzerte in Wadern, Magdeburg, Neustadt, Wegeleben, Berlin, Greifswald und Dresden. Nicht weniger interessant ist die “Geschichte des Skinheadpub MENFIS”. Da geht es um eine überregional bekannte Konzertkneipe im ostthüringschen Neustadt. Schade, dass ich den Laden noch nie kennengelernt habe. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch das siebenseitige Interview mit dem Macher des STAHLWERK-Zine. Durchdachte Fragen und klare Antworten, und kein leeres Geschwätz. So hab’ ich es gern! Dann gibt es wieder mal einen Trip in die wilden Achtziger Jahre. Und diesmal wird es ziemlich schräg, geht es doch um den berüchtigten “Wein, Weiber & Gesang-Report” aus dem Jahre 1988. So was wie ein Sex-Report nach dem Muster: “Wie fickt der doitsche Skinhead?” Fünf doitsche Bands aus den Urzeiten der doitschen Glatzenbewegung (VANDALEN, KAHLKOPF, SPRINGTOIFEL, BOOTS & BRACES und DAILY TERROR) offenbaren hier ihr wüstes Sexleben. Sehr lehrreich, besonders für den unbedarften Nachwuchs, würd’ ich mal sagen! Ich weiss, ich hab’ hier ne ganze Menge Artikel nicht erwähnt, wie das Interview mit LAMMKOTZE, oder den Tourbericht von GERBENOK, aber das alles, und noch vieles mehr, sollte man lieber selber nachlesen. Es lohnt sich! Bevor ich auch das noch vergesse: Natürlich gibt es auch in dieser Ausgabe jede Menge Fotos und Fanzine-, CD- und Plattenbesprechungen. FAZIT: Das STOLZ & STIL ist eines der wenigen deutschen Skinheadfanzines, das durch seine redaktionelle Vielfalt und hohen Informationsgehalt überzeugt. Great job!

BITCHES N BASTARDS “In the doghouse” / CD/LP
by
www.unitekids-records.de

G. Gruse: Nach dem überzeugenden Debütalbum “Bitchslabs” (siehe unten) haben die vier nordischen Streetpunker von BITCHES N BASTARDS noch einen kräftigen Zahn zugelegt, und mit “In the doghouse” ein Album präsentiert, dass bei den Fans des Streetpunk genauso derbe einschlagen wird, wie Thors legendärer Donnerhammer in den Schädel des Riesen “Hymir”. BITCHES N BASTARDS gehen auf dem neuen Album dreckiger und musikalisch kompromissloser zur Sache als auf ihrem Debütalbum. Man nehme viel Spielwitz und Spielfreude, würze das mit einer gehörigen Portion 80iger Punkrock, kombiniere das mit der unverwechselbaren Stimme des Sängers, einer treibenden, aber nicht hetzenden Gitarre, begleitet von einem virtuosen (weiblichen) Bass, und einem Schlagzeuger, der es krachen lässt, wie einst ein deutscher MG-Schütze vor Stalingrad, und heraus kommt dann so ein geiles Album wie “In the doghouse”.

TSIRULNYA & BRIGADE M “We’re gonna fight” / Splitt-CD/LP

G. Gruse: Obwohl diese Splitt-CD mit TSIRULNYA aus Russland und der BRIGADE M aus den Niederlanden schon vor drei Jahren rausgekommen ist, gelangte sie erst jetzt in meinen Player. Ob das ein grosser Verlust war, lass ich mal dahingestellt. Ein guter Freund hat sie mir dieser Tage als Weihnachtsgruss geschickt. Na ja! Ich will ja nicht undankbar sein, aber das ist mal wieder eine der CDs, die ich mir freiwillig nicht antuen würde. Ungeachtet der geilen Musik, die beide Bands machen. Aber was bringt die geilste Mucke, wenn es bei den Texten nicht stimmt? Nein danke! Mich nervt der überzogene Nationalismus in den Texten dieser Bands, und der paranoide fremdenfeindliche Chauvinismus, der besonders russische Skinheadbands wie TSIRULNYA auszeichnet. Irgendwie ist das nicht meine Welt. Diese Welt ist von gestern, ich lebe im Heute!
 

BITCHES N BASTARDS “Bitchslabs” / LP
by
www.unitekids-records.de

G. Gruse: Hey, das haut aber rein! Gelungenes Debütalbum des Punk/Skin-Quartet BITCHES N BASTARDS aus Bergen in Norwegen. Die Band besteht aus Gissy (Voc.), Alex (Guitar) und Ronny (Drum) und einem Mädel mit dem Walkürennamen Ragnhild (Bass). Die vier Norweger spielen unkomplizierten, chorbetonten Punkrock, der stark vom britischen Oi-Punk der Achtziger Jahre beeinflusst wird. Sauber!

HAGGIS “The impeccable glory of eternal war
by
www.unitekids-records.de

G. Gruse: Warum sich sich die vier trinkfesten Herren aus Norwegen nun ausgerechnet nach einem ziemlich ekelhaften schottischen Nationalgericht, vergleichbar dem deutschen “Saumagen”, benannt haben, mag ich nicht beurteilen, aber dass “fucking” und “fuck off” ihre ultimativen Lieblingsvokabeln sind, bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Wer aber nun geglaubt hat, dass es bei HAGGIS nach der “Pride is our crime”-EP und der fantastischen “Stormtroopers of Hate”-LP keine Steigerung mehr geben kann, der wird durch “The impeccable glory of eternal war” eines besseren belehrt: Das neue Album ist ein fulminanter Meilenstein in der Welt des Hatecore-Punk! HAGGIS kennen keine faulen Kompromisse, sondern ziehen ihr Ding durch. Ohne Rücksicht auf irgendwelche Tabus!  Musikalisch reifer, provokanter und aggressiver denn je! Fazit: Eine gnadenlos geile Scheibe! Jeder der 16 Songs ein “bösartiger” Tiefschlag in die aufgeblasenen Eier aller PC-Spiesser. Dat is Punkrock, so wie ich ihn liebe. Jenseits des angepassten “soziokulturellen” mainstream. Weiter so, ihr tapferen Wikinger!

NACHTRAG: Das schottische Nationalgericht “Haggis” besteht aus einem Schafsmagen, der mit Innereien und (nach Pisse stinkenden) Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Anschliessend wird der wieder Magen zugenäht, gekocht und dann irgendwann gegessen...Würg! Kotz! Urghs!!!

HAGGIS “Stormtroopers of Hate” / LP / 14 + Bonus-Track
by
www.unitekids-records.de

G. Gruse: HAGGIS sind vier smarte OI!-Wikinger aus Stavanger in Norwegen, die stramme Weiber, pralle Titten und sehr viel Bier lieben. Und dabei seltsame Rituale pflegen. Oder ist es nicht seltsam, wenn man sich beim Saufen Biergläser auf dem Kopf zerschlägt? Dies sei “ein sehr beliebter Brauch in Norwegen”, erklärte dazu eines der Bandmitglieder in einem Interview mit Freund Markus vom Porzer BEZIRK 7-Fanzine (#7). Und wenn in dem gleichen Interview einer von ihnen sagt, dass ihn “nichts auf der Welt” mehr zur Gewalt provoziere, “als Frauen mit kleinen Titten”, dann fällt mir zur Gewaltprävention nur noch ein abgewandeltes Mao-Zitat ein: “Lasst tausend pralle Titten blühen”! Ein Zitat, das auch den Jungs von HAGGIS nicht unbekannt sein dürfte, wie ich bei einem Blick auf das Textblatt ihrer LP feststellen konnte. Überall prangen pralle Titten. Hui! Womit ich die vier sympathischen Norweger wohl ausreichend charakterisiert habe! “Stormtroopers of Hate” ist nordischer “Terror-Oi”, eine wahnwitzige und intelligente Mischung aus Rock’n’Roll, Oi-Punk, Hard-, Street- und Trash-Core. Das sich auf dieser Scheibe alles um “Beer, Sex and Violence” dreht, versteht sich wohl von selber. Meine Favoriten sind “More war”, “Stormtroopers of Hate”, “21 Beers”, “Skinheads in the mist” und “The vikings are coming”. Und neben “L.b.v.” und “Hammersmashed prostitute” natürlich “This is our Country”! Bei diesem Song kann ich mir so richtig vorstellen, wie die Jungs von HAGGIS besoffen auf ihre Elchkühe steigen und laut gröhlend über die zugefrorenen Fjorde dem Sonnenuntergang entgegenreiten.
Fazit: Elchtest bestanden. Eine saustarke Scheibe!

BRACHIAL “Joe Hawkins” / CD/LP / 12 Tracks
by brachial@loveofoi.com

G. Gruse: Die Freunde des traditionellen deutschsprachigen Oi! kommen bei der Debüt-LP von BRACHIAL voll auf ihre Kosten. Seit ihrem Demo von 2004, das mich schon damals von den musikalischen Qualitäten dieser Band überzeugt hatte, sind die fünf Recken aus Sachsen-Anhalt soundmässig noch um ein paar Längen besser geworden. Bereits das Instrumentalstück am Anfang, “Etap 313”, zeigt, wie positiv sich BRACHIAL seither weiterentwickelt haben. Schnörkelloser Skinhead-Rock’n’Roll, der sich nicht lange mit irgendwelchen Ego-Solis aufhält, sondern flott und direkt zur Sache kommt. In ihren Texten bekennen sich die Jungs ohne wenn und aber zum way of life (“Jow Hawkins”, “Samstag Nacht”) und den roots der Skinhead-Bewegung. Natürlich sind Songs wie “Egal” oder “Mein Leben” nicht unpolitisch, man nennt hier die Dinge beim Namen ohne sich bei irgendwelchen linken oder rechten Spiessern anzuschleimen (“Im Namen der Freiheit”). Nichts anderes habe ich von BRACHIAL erwartet! So ist ihr Song “Deutsche Skins” mit dem Refrain “Laut und lustig, Parole Spass - Singen und Tanzen und working class! Zusammenhalt ist unsere Stärke, und Prollpower ist heut angesagt!” eine saugeile Reminiszenz an die “wilden” Achtziger Jahre.
PS: Mein Geheimfavorit ist natürlich der gnadenlos schräge “Party Fuck”!

BRACHIAL & THE CASUALS “Amicizia - Freundschaft”
Splitt-Single / 3 Tracks
by brachial@loveofoi.com

G. Gruse: Eine deutsche (BRACHIAL) und eine italienische Skinhead-Band (THE CASUALS) zelebrieren mit dieser Eigenproduktion aus Vinyl die deutsch-italienische Freundschaft (das war aber noch vor der Fussball-WM...hähä!). Die A-Seite dieser Single gehört mit den beiden Songs “Schikane” und “United SkinsBRACHIAL. Die B-Seite besetzen THE CASUALS mit ihrem herrlichen “Italian german friendship”. Dieser Song könnte ja direkt ein Ohrwurm werden!

KRAWALLBRÜDER “Auf alte Tage” / CD / 11 Tracks
by www.kb-records.com

G. Gruse: Bei diesem Cover der KRAWALLBRÜDER-CD könnte man ja richtig nostalgisch werden. Ich sage nur “Böse Menschen - böse Lieder”! Wenn wir schon mal bei der Vergangenheit sind: Auf dieser CD finden sich keine “bösen Lieder”, sondern frühere Veröffentlichungen der KRAWALLBRÜDER. Gewissermassen ihre Jugendsünden! Und die bestehen aus den vier legendären Tracks der “Walzwerk”-Single und diverser alter Demo-Songs. Für alle KRAWALLBRÜDER-Fans (und nicht nur für die) ein unbedingtes MUSS! Meine Favoriten sind “Groupieaction” und “Arschloch ohne Rückgrat”.


“AGNOSTIC FRONT - A box of hurt and hate”
(Limitiert auf 1000 Exemplare)
by Street Justice Records / P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

G. Gruse: Heilige Scheisse! Diese AGNOSTIC FRONT-Veröffentlichung aus dem Hause STREET JUSTICE hat es in sich! Geboten wird eine mit Urkunde zertifizierte und auf tausend Exemplare limitierte massive Holzbox (mit Schiebedeckel), deren Inhalt jeden Fan der genialen New Yorker Hardcore-Rocker vom Stuhl hauen wird. Der besteht aus den legendären Alben "Cause for alarm" von 1986, "Liberty & justice" von 1987 und "One voice" von 1992. Alle drei Scheiben als schwere Picture-LP-Version. Abgerundet wird das ganze von einem AF-Aufnäher, -Aufkleber und einem Riesenposter. Ein optisches Highlight ist das "Crucified Skinhead"-Branding auf dem Schiebedeckel. Ich bin mir sicher, dass diese Box schon in Kürze zu einem gesuchten Sammlerobjekt werden wird.

KRAFT DURCH FROIDE “100 Mann...und ein Befehl!” (Demo 1985 / Live 1986) / Double-CD
by “Hellhammer”

G. Gruse: Was auf dem ersten Blick so aussieht, wie eine CD mit teutonischen Kriegsgesängen, ist die digitalisierte Neuauflage alter KDF-Tapes. Für alle, die es nicht wissen, was ich mir aber schwerlich vorstellen kann: KDF ist eine ehemalige Skinhead-Band aus dem Westberlin der Achtziger Jahre. Die beiden CDs beinhalten das legendäre Demo-Tape von 1985, und ein Live-Konzert (“KDF im Bunker”) aus dem Jahre 1986. Damals wie heute polarisiert KDF. Für die einen sind die Texte der Band rechtsradikal (z. B. “Stiefel der Nacht”, “Rudolf Hess”, “Soldat des Führers”) oder ausländerfeindlich (“Asylanten”), für andere steht KDF mit Songs wie “Prollpower”, “Peepshow”, “Ich bin stolz ein Skinhead zu sein” oder “Skinheadgirl” für den traditionellen Skinhead-Rock der frühen Achtziger Jahre. Keine Frage, die vier Berliner Jungs waren politisch unkorrekt bis zum Abkotzen. Aber bei aller berechtigter Kritik an diesem oder jenem Text, gehört KDF - neben den ONKELZ, ENDSTUFE und VORTEX - zu den führenden deutschen Skinheadbands der Achtziger Jahre. Vier grosse Bands, die mit ihrer Musik und Lyrik eine ganze Generation von Skinheads geprägt und beeinflusst haben. Und das nicht nur im negativen Sinne! Ein interessantes Zeitdokument der deutschen Skinhead-History!

ENPUNKT - Das Heft für Punkrock, Reisen und Hochkultur (# 43) / 68 Seiten / Din-A 5-Format
c/o Klaus N. Frick, Postfach 2468, D-76012 Karlsruhe

G. Gruse: Das ENPUNKT-Fanzine aus Karlsruhe ist in diesem Jahr zwanzig Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch, Herr Frick! Als ich 1986, damals schon kahl geschoren, aber zwanzig Jahre jünger, die erste Ausgabe deines Fanzines in Händen hielt, da war meine erste Reaktion: “Das Teil ist schnell wieder vergessen, is viel zu abgehoben, höchstens was für Pseudo-Punx mit Abitur.” Von wegen “schnell vergessen”! Die dreiundvierzig Ausgaben des ENPUNKT, die Klaus Frick in den vergangenen zwanzig Jahren herausbracht hat, sind ja wohl der Beweis des Gegenteils. Wenn ich überlege, was in diesen zwei Jahrzehnten alles geschehen ist, der Kommunismus ist auf dem Misthaufen der Geschichte gelandet, Mauern, Grenzen und das World-Trade-Center in New York sind verschwunden, Joe Strummer und Ian Stuart gestorben, dann weiss man es zu schätzen, dass der ENPUNKT immer noch existiert. Das hat so was beruhigendes. So was beständiges. Obwohl ich nach dem Vorwort der aktuellen Ausgabe von dem Gefühl beschlichen werde, dass der werte Herausgeber des ENPUNKT in der Midlife-Crisis steckt. Warum würde er sonst sein Vorwort unter die Headline “Ist die Luft schon raus?” setzen? Das ist eine Frage, die ich ehr von einem Patienten mit fortgeschrittenen Hodenkrebs erwartet hätte, aber doch nicht vom Macher des ENPUNKT. Obwohl die aktuelle Ausgabe diese Frage doch eigendlich ad absurdum führen müsste: Man ist zwar zwanzig Jahre älter geworden, die Haare fallen langsam aus, das Kreuz zwickt und auf Konzerten ist man auch nicht mehr so gut auf den Beinen, aber trotz all dieser Petitessen ist die Luft noch lange nicht raus. Im Gegenteil! Was soll ich noch zu der aktellen Ausgabe sagen? Nichts! Man muss das Heft selber gelesen, um zu verstehen, warum ich dieses Fanzine mag.

THE DUCKY BOYS “The war back home” (STRICTLY LIMITED COLOURED VINYL EDITION OF 500 NUMBERED COPIES)
by Street Justice Records / P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

RELEASE-INFO: “10 years. 4 albums. 2 tenures. Over 50 songs. Boston's DUCKY BOYS have shown time and time again that, sometimes, less is more. There has never been any glammer. There has never been any star status. There never will be. The Ducky Boys are the consummate underdogs who have steadily and sometimes quietly brought their message to the people who get it for years. On their latest testimonial, The War Back Home, the Ducky Boys address such matters as life, love, living and dying as they always have. The perspective has changed but the messenger has not. This time out the songs have taken a step forward in their arrangement while taking a step back to basics in their presentation. The songs are infectious; you'll be wondering why Ducky Boys isn't a household name. But the songs are simple. Drums, bass, guitar and vocals with minimal additional layering. The message gets across in the most primitive way rock n' roll knows how; through melody and back beat. Ducky Boys have often been referred to as punk rock's answer to Creedence Clearwater Revival. The War Back Home will show you why.”
Bewertung von OUZO-Mike:

GERBENOK “ Wer zuletzt lacht...”
by
www.kb-records.com

G. Gruse: ...der lacht ja (bekanntlich) am besten! Und dazu  haben die vier Bootsboys aus Sachsen-Anhalt nach ihrer neuen CD auch allen Grund. Obwohl man soundmässig einen ganz eigenen, fast eigenwilligen Stil pflegt, brettern uns die Jungs zwölf Tracks um die Ohren, die es in sich haben. Um es auf einen Nenner zu bringen: Die Skinhead-Band GERBENOK präsentiert klassische und schnörkellose Skinhead-Lyrik, verbunden mit einem fantastischen Sound, dem auch ein gewisser Mitgröhlfaktor nicht unbedingt fremd ist.


KRAWALLBRÜDER “T.M.G.”
Auf 500 Exempl. limitierte Picture-Single.
(Gibt es auch als CD)
by www.kb-records.com

G. Gruse: Die KRAWALLBRÜDER lassen es auf dieser Scheibe krachen, wie die “Weltmeister der Herzen” beim Elfmeterschiessen gegen Argentinien. Immer voll auf die Glocke! Wer die KRAWALLBRÜDER von ihren bisherigen CD/Platten kennt, dem brauch ich ja wohl nichts zu erzählen (Violence and brooken bones!), allen anderen sei gesagt, dass Ihr euch diesen musikalischen Hammerschlag der KRAWALLBRÜDER nicht entgehen lassen dürft. Besonders dann nicht, wenn dieser “handfeste” Gruss an die Welt, die wärend der WM “zu Gast” in Deutschland war, als limitierte Picture-Single aus Vinyl unter dem vielversprechenden Titel “T.M.G.” (“Trouble Maker Germany”) daherkommt. Hier ist nicht nur der Bandname Programm!

VERLORENE JUNGS “Ich hoffe es tut weh” CD/LP
by www.sunnybastards.de

G. Gruse: Jau, es tut ein wenig weh! Obwohl dieses Album, es ist das fünfte der VERLORENEN JUNGS, fast nahtlos an das schon legendäre zweite Album, “Du gehörst dazu” (mal eine meiner Lieblingsscheiben), anknüpfen könnte, macht mich die neue Scheibe der JUNGS ehr ratlos. Irgendwie hab ich das Gefühl, diese Ruhrpottband geht zurück, weil man nach dem ziemlich flauen dritten und vierten Album nicht genau weiss, wo man eigendlich hinwill. Schade!

THE YOUNG ONE “No bollocks, just Oi!” / CD
by “Alive and Kicking-Records”, APDO 13305, 46021 Valencia, Spain

G. Gruse: Nach ihrer vielversprechenden Demo-CD “Skinhead Class” präsentieren uns die vier kurzhaarigen Jungs aus Holland nun ihre Debüt-CD “No bollocks, just Oi!”. Herausgekommen ist sehr traditionelle und bodenständige Oi!-music, verbunden mit starken old school Hardcore Elementen. Eine Bombenmischung, die sicher wieder für Furore sorgen wird. Mein Anspieltipp ist die geniale Coverversion des guten alten COCKNEY REJECTS-Gassenhauers “We’re the firm”.

THE VEROS “Just do it with Style” /  LP/CD
by www.randale-records.de

G. Gruse: Ich habe keine Ahnung, wie die aktuelle Line-up von VEROS ausschaut. Das Plattencover sagt nämlich nichts darüber aus. Und auch die Bandpage dieser französischen OI-Band lässt einen da im Stich. Ich geh also mal davon aus, dass es sich um die alte Besetzung handelt. Da wäre der Sänger und Gitarist Boni, in den Achtziger Jahren Schlagzeuger bei SNIX, jetzt die charismatische Stimme dieser Band. Dann Vero (Voc. und Bass), die superscharfe Frau, die dieser grandiosen Band mit ihrer hinreissenden Stimme und ihrem Bass eine fette Prise Frauen-Power verpasst. Und dann ist da noch Denis, der furiose Schlagzeuger. Und was uns die drei mit ihrer genialen Debüt-LP “Just do it with Style” vorgelegt haben, ist einer der geilsten OI!-Platten, die ich in den letzten Monaten auf meinem Plattenteller gelegt habe. VEROS: “We do few english Oi or skins bands cover (Cock Sparrer, Ejected, The Strike, 4 Skins, Skrewdriver,...) so you know the lyrics, as for our lyrics they're about friendship, discrimination about skinheads, the Glory...”. Meine Anspieltipps sind “Bad reputation” und “Backstreet kids”. Unbedingt kaufen! Ihr werdet es bei keinem einzigen Song bereuen.

WALHALLAS PATRIOTS “Race over all” / CD
(Ohne Contactadresse. Ist auch besser so!)

G. Gruse: Ich will es mal mit den Worten meines etwas missratenen Stammhalter Stanley ausdrücken: “WALHALLAS PATRIOTEN sind durchgeknallten Rednecks (white trash), die mit primitiven Nazi-Rock rassistische Scheisse verbreiten.” Es geschieht ja nicht sehr oft, dass wir beide einer Meinung sind, besonders wenn es um Musik, Bands und Skinheads geht, aber hier hat er ausnahmsweise mal Recht. Diese CD ist...

STOLZ & STIL - #18 / Juli 2006
Das Skinzine für “Lebensart, Rebellion und Musik” aus
Thüringen (72 Seiten)
c/o PF 1143 /  99601 Sömmerda

G. Gruse: Anfang Juli ist die neue Ausgabe des Skinheadfanzine STOLZ & STIL aus Thüringen erschienen. Das Fanzine mit dem ganz besonderen Stil!  Der ostdeutsche Background des STOLZ & STIL-Fanzine macht die besondere Stärke dieses Fanzines aus: Man legt den redaktionellen Schwerpunkt auf die “real existierende” Glatzen-Szene in Thüringen, Sachen-Anhalt oder Mecklenburg, ohne dabei den Rest der Republik/Welt aus den Augen zu verlieren. Besonders für uns/die Alt-Skins aus den “alten” Bundesländern, die in den Achtzigern die Teilung Deutschlands hautnah miterlebt haben, ist es immer wieder interessant zu sehen, was bei “unserem” glatzköpfigen Nachwuchs im “Osten” so alles abgeht. Und das scheint eine ganze Menge zu sein. Wobei ich das Gefühl gewonnen habe, das Honekers kahl geschorene Enkel die Glatzenszene im Westen  längst überholt haben. Fanzinemässig auf jeden Fall! Das zeigt die aktuelle Ausgabe des STOLZ & STIL. Hinter einem tükisfarbenen Cover verbergen sich siebzig Seiten, vollgepackt mit netten und weniger netten Neuigkeiten aus der Glatzenszene, vielen Fotos, geilen Konzertberichten, diversen Musik- und Fanzine-Reviews, und Interviews. Meist mit Bands und Loiten aus den nordöstlichen Regionen Deutschlands. Wie dem smarten Betreiber des BIERROIBER. Einer Skinhead- und Konzert-Kneipe in Bad Frankenhausen. Ausserdem treffen wir im Heft auf die KRAWALLBRÜDER, die TRABIREITER, den ZWERGPIRAT und die JUNKZ. Aber auch auf Bands aus den Niederlanden (THE YOUNG ONES) und Belgien (LES VILAINS). Ausserdem gibt es noch die Story über ein paar “hässliche, brutale und gewalttätige” Skinheads, darunter auch meine Wenigkeit, die sich 1986 in einem Dortmunder Proberaum mit SPIEGEL-Journalisten zum Interview trafen. Ein besonderes Highlight des STOLZ & STIL sind jedoch die Konzertberichte von LASTI und "Göring". Keine trockene Auflistung von Bands, sondern spannend geschriebene Storys über Bier, geile Musik und Freunde, die man auf diesen Konzerten getroffen hat. Kleine Geschichten von und über Skinheads, die mehr über den "way of life" der Skinhead-Szene aussagen als sich das so manch ein politisch korrekter Hosenscheisser überhaupt vorstellen kann. Das macht Spass zu lesen! Fazit: Pflichtlektüre für jeden Skinhead!

OI! THE GERMAN ATTACK / Tapesampler / 2005 (60:00 Min.)

G. Gruse: Eigendlich sind Tapes als Musikmedium ziemlich out. Haben doch die meisten Leute inzwischen längst auf CDs umgerüstet. Dabei haben haben die guten alten Cassetten noch längst nicht ausgedient. Das es sich immer noch lohnt, ein Tapedeck zur Hand zu haben, beweist dieser Skinhead-Sampler aus dem Jahre 2005. Ausser TOLLSCHOCK aus Österreich befinden sich auf diesem Sampler nur noch Glatzen-Bands aus den neuen Bundesländern. Angefangen mit KAMPFZONE, KOTZFRONT, BRACHIAL, LAST RIOT, BACKSTREET FIRM, SPIESSGESELLEN und SPY KIDS, bis hin zu FROMMZER, EISENACHER JUNGS, OIRE SCHULD, IRON FIST und GERBENOK. Recht interessante Zusammenstellung, zumal sich einige der Bands, wie OIRE SCHULD aus Ostberlin, längst aufgelöst haben. Die Soundqualität der einzelen Tracks hat teilweise Proberaumniveau, aber gerade dieser ungeschliffene Sound macht diesen Sampler so authentisch.

STAMMTISCHPROLLS “Stumpfrock brutal
by
www.stammtischprolls.de

G. Gruse: Es gibt so einige CD’s/LP’s, die man sich anhört, weglegt, und dann irgendwann vergisst. Wenn man sie nicht vorher seinem schwulen Stiefvater zum Muttertag geschenkt hat. So ist es mir mit der “Stumpfrock brutal”-CD von den STAMMTISCHPROLLS aus Arendsee  (wo is’n das?) ergangen: Angehört, weggelegt und dann vergessen! Warum? Weil die CD einfach langweilig ist. Musikalisch und textlich bewegt man sich in längst ausgelatschten Gleisen. Holzschnittartige Sozialkritik auf Hartz4-Niveau. Alles ist schlecht, die Politik und der böse Staat sowieso. Und als Skin ist man eh der Angeschissene. Da hilft nur noch Bier, ficken und Fussball als Ventil gegen den Frust des grauen Alltags. Ach nee, Leute, das habe ich alles schon mal so oder so ähnlich gehört! Sogar schon vor zwanzig Jahren. Nur viel intelligenter. Eine allerletzte Bemerkung: Mal abgesehen davon, dass sich einige der Songs soundmässig so anhören als versuche da jemand ENDSTUFE abzukupfern (wobei das Orginal allemal besser ist), ist das Teil auch noch total scheisse abgemischt. Aber wie heisst es doch auf der Backside des CD-Covers: “Stumpf ist Trumpf”. Na dann!

CRUSADERS “The anger inside / CD/LP (15 Tracks)
by
www.randale-records.de

G. Gruse: Also die Jungs von CRUSADERS können mich jetzt steinigen, hängen, vierteilen, aufknüpfen - was immer sie wollen, aber ich habe so meine Probleme mit deutschen Bands, deren CD/LP nur aus englischsprachigen Titeln besteht. Um jetzt nicht missverstanden zu werden: Diese Kritik hat nix mit muffiger Deutschtümelei a’la “Rettet die deutsche Sprache” zu tun, sondern ich glaube, dass man da als Band ein grosses Stück seiner kulturellen Roots und Identität verliert. Genug der Nörgelei, die neue CD/LP der Leipziger OI!-Band CRUSADERS “The anger inside” ist für mich der Hammer des Monats Juli. Trotz der englischen Texte!  Sagen wir mal so, die Jungs von CRUSADERS haben meine Kritik mit ihrer fantastischen Musik und ihren geilen Songs widerlegt. Spätestens nach “89”, ein unheimlich starkes und emotional unter die Haut gehendes Lied, ist für mich die Sprache der CRUSADER-Songs unwichtig geworden. Meine Anerkennung und Respekt für diese Scheibe!

BÖHSE ONKELZ - danke für nichts”
von Edmund Hartsch / 270 Seiten / Vierte Auflage

G. Gruse: Nach dem ONKELZ-Buch des Klaus Farin (siehe unten) nicht schon wieder ein ONKELZ-Buch-Review, mag jetzt der eine oder andere etwas genervt aufstöhnen. Das kann ich ja verstehen, was mich aber nicht daran hindert, dieses Buch (Erstauflage 1997) ein wenig näher zu betrachten. Und, verdammt noch mal, es lohnt sich, einmal genauer hineinzuschauen. Nicht nur wegen der unzähligen Farb- und SW-Fotos (mit bisher unveröffentlichten Fotos aus dem Privatarchiv der ONKELZ), sondern weil sich fast die Hälfte dieses fetten Wälzers mit der Punk- und Skinhead-Phase der ONKELZ zu Beginn der Achtziger Jahre beschäftigt. Hier wird nichts verschwiegen oder verharmlost. Es ist ein hartes, fast schon brutales, und daher sehr authentisches Buch. Schliesslich wurde es von einem langjährigen Fan und Freund der ONKELZ geschrieben, und nicht von irgendwelchen pseudowissenschaftlichen Dumpfbacken .
 

VORTEX “Gladiator” - Picture-LP (Limitiert auf 500 Exemplare)
VORTEX “Laut + Lustig” - Picture-LP (Limitiert auf 500 Exemplare)
by
www.randale-records.de

G. Gruse: Die beiden VORTEX-Klassiker von 1985 (“Gladiator”) und 1987 (“Laut + Lustig”) neu aufgelegt als Picture-LP. Dat is ja man genial! Und nicht nur das, die alten Texte und der ungeschliffene Sound dieser beiden Scheiben sind so was wie eine Zeitreise in die Achtziger Jahre. Damals hatte ich nach sechs Jahren Punk und den negativen Erfahrungen der Chaos-Tage 1984 die Skinhead-Bewegung als einzig sinnvolle Alternative zur destruktiven Entwicklung innerhalb der Punkszene entdeckt. Und bin dabei erstmals auf die Hamelner Skinhead-Band VORTEX gestossen. Das war Ende 1984. Mir wurde damals vom FRONTAL-Fanzin aus Kiel der Tape-Sampler “Deutsche Skinhead-Musik” zugeschickt, auf dem neben den HERÄRDS, BOOTS & BRACES und Wuchers BODY CHECKS (und fünf weiteren Bands) auch VORTEX mit fünf Songs vertreten waren. Songs, mit deren Texte ich mich zu jener Zeit voll identifizieren konnte. 1985 erschien dann ihre Debüt-LP “Gladiator”, die mich vollends von den Qualitäten dieser Band überzeugt hatte. Bei dem einen oder anderen Text von VORTEX mag ja heute der eine oder andere Bedenkenträger seine “politisch korrekte“ Stirn runzeln, aber wenn man die Texte der beiden LP’s im “historischen” Kontext der Achtziger Jahre betrachtet, dann sieht manches schon wieder ganz anders aus. Lange Rede, kurzer Sinn: Zwei Platten, die Ihr euch nicht entgehen lassen dürft!

OI! MANIA-Fanzine / Nr. 2 + 3 / 2005 - 2006 / 1,50 EU
by
katja@ping-bong-veterans.de
oder Homepage:
www.oimania.rockt.de

G. Gruse: Sehr persönlich gehaltenes Skinhead-Fanzine von Katja, einem sympathischen Reneegirl aus Berlin. Die beiden Ausgaben erinnern mich von ihrem old-style-Layout und dem Inhalt her stark an die Fanzine-Kultur der Achtziger Jahre. Als man als Fanzinemacher nur eine Schere, eine Tube Klebstoff und eine halbwegs funktionierende Schreibmaschine zur Verfügung hatte, und keinen Computer mit Text- und Grafikprogram. Und man in seinen zusammengeschnibbelten Fanzines weniger Wert auf Anzeigen irgendwelcher Labels legte, als mehr auf das, was man in den Achtziger Jahren unter dem “way of life” eines Skinheads verstand: Auf Konzerte gehen, Party machen und jede Menge Spass mit Kollegen und Freunden haben. In dieser bierseligen Tradition bewegt sich auch das Berliner OI!MANIA-Fanzine. Selten habe ich in einem Fanzine soviele Fotos von saufenden Skins und Reneegirls gesehen, wie in der Nr. 2. Wobei ich den Eindruck gewonnen habe, dass die Berliner Renees bei dieser feucht fröhlichen Freizeitbeschäftigung ganz gut mithalten können! Ansonsten bietet die Nr. 2 viele geile Konzertberichte, u. a. SPRINGTOIFEL, BUSINESS und PÖBEL & GESOCKS, und kleine nette Erlebnisberichte (“Erinnerungen”) der Herausgeberin. Ein weiteres Highlight ist das Interview mit Thomas von VORTEX. In der Nr. 3 gibt es dann ein Interview mit den MIMMI’S aus Bremen, eine Funpunk-Band, die ich schon in den Achtziger Jahren nicht abkonnte. Für mich das reinste Brechmittel. Für diesen Schock entschädigt aber der zweite Teil der “Einnerungen”. Göttlich! Und die Interviews mit den MARIO BROTHERS, eine mir bis dahin völlig unbekannten Band, und dem US-Label AMERICAN DEFENSE. Und die saugeilen Konzert- und Festivalberichte. FAZIT: Zwei rundum gelungene Fanzine-Ausgaben aus der Hauptstadt Berlin, die Spass machen. Ein Muss für jeden traditionsbewussten Skinhead!

DOWINA “Brezalauspurch” / Debüt-CD / 5 Tracks (2005)
by
dowina@zoznam.sk
oder
dowina_svk@hotmail.com

G. Gruse: DOWINA, eine fünfköpfige Skinhead-Band aus Bratislava (Slowakei), präsentieren auf ihrer Debüt-CD schnellen und kraftvollen, chorus- und gitarenbetonten (2 Git.) Streetrock. Mein absoluter Favorit auf dieser kleinen aber mitreissenden 5-Track-CD ist ohne Zweifel “Where are you now”! Eine beeindruckende und verdammt starke CD, die nach mehr verlangt! Wenn mir nur mal jemand verraten könnte, was das Wort “Brezalauspurch” bedeutet?

ENDSTUFE “Feuer frei” CD/LP
by
www.endstufebremen.de

G. Gruse: Ende 1984 bekam ich ein Päckchen, in dem sich das Demo-Tape einer mir bis dahin unbekannten Bremer Skinhead-Band befand: Es war das Demo von ENDSTUFE. Das war vor 22 Jahren! Das geile daran ist, dass fast alle Fanzines, die in den Achtziger Jahren diese Bremer Skinhead-Band durch die Scheisse ziehen wollten, heute gar nicht mehr existieren - aber ENDSTUFE ist immer noch da. Sehr zur Freude ihrer zahlreichen (alten und neuen) Fans, wärend sich die politisch korrekten Korintenkacker sicher mal wieder die Haare raufen werden. Natürlich ist die Band älter geworden, musikalisch reifer, die Besetzung hat einigemale gewechselt (bis auf Brandy), aber was da aus den Boxen dröhnt, ist der unverwechselbare geile ENDSTUFE-Sound. Schneller und unkomplizierter Streetrock, der in seiner flotten und gradlinigen Art ganz einfach nur noch Spass macht zu hören. Zwölf neue Songs, textmässig so frech, respektlos und provokativ wie in alten Zeiten. Der absolute Hit des Albums ist natürlich “Immer mehr”! Diese trotzige Skinhead-Hymne hat für mich, wie das ganze Album, schon jetzt Kultcharakter”.

THE WORLDWIDE TRIBUTE TO THE REAL OI- Vol. 2 / CD
by
www.icecreamrecords.com

G. Gruse: Das ist ja mal eine orginelle Idee! 13 internationale Punk-, Hardcore- und Glatzenbands covern OI!-Klassiker von BLITZ, BUSINESS, PETER & THE TEST TUBE BABIES, COCK SPARRER oder ANGELIC UPSTARTS. Zusammengestellt wurde diese CD-Compilation von den beiden New Yorker Hardcore-Veteranen Roger Miret (AGNOSTIC FRONT) und Onno Cromag (CROMAGS). Wobei ich mir die Bemerkung erlauben darf, dass ein paar Bands mit ihren Cover-Versionen total daneben liegen. Das grenzt ja fast schon an “Leichenschändung”! Was man von ROGER MIRET AND THE DESASTERS und ihrer Version der kultigen COCK SPARRER-Hymne “England belongs to me” nicht behaupten kann. Ausserdem IGNITE, SECOND CHANCE, THE BOUNCING SOULS, BRIGHTSIDE, HATLEY CRO-MAG & FRIENDS, DEATH THREAT, HARDSELL, VISION, MURPHYS LAW, BEANS, POWERHOUSE, FUNERAL DRESS und MILLWALL ROI & LAST RESORTS.

KAMPFZONE “Bastarde” / 12 Tracks / CD (13,50 EU, inkl. P&P)
by
NORDISC-RECORDS/NL

G. Gruse: Lange haben die Fans dieser Band darauf warten müssen, aber nun ist sie da, die neue KAMPFZONE-CD. Nicht leise und systemkonform, wie manche “Kritiker” vielleicht gehofft haben mögen, sondern so verdammt laut und rebellisch, wie man es von ihnen gewohnt ist. Dafür stehen so Songs wie “Vollkontakt”, “Schlachtruf” oder “Heuchler & Lügner”. Die Texte dieser ostdeutschen Skinhead-Band erheben zwar nicht immer den Anspruch “pädagogisch wertvoll” zu sein (wie die Texte der TOTEN HOSEN), aber dafür sind sie authentisch - und brutal ehrlich! Und das ist der Unterschied zu den Texten vieler westdeutscher Bands, die die sozialen Realitäten, den sozialen Rassismus a’la HARTZ4, in diesem Land allzu gerne aus ihren Songs ausblenden. “Bastarde” - das ist harter und gradliniger Skinhead-Sound aus den “neuen” Bundesländern. Wütend, laut und zornig! Zwölf neue Songs, deren Texte von Violence und Stolz, Skinheads und Cops, Verrat und Freundschaft handeln - also mitten aus dem Alltag gegriffen sind. Eine letzte Bemerkung: KAMPFZONE ist ohne Zweifel eine Band die polarisiert, aber sie hat es nicht verdient von irgendwelchen abgefuckten roten Übelkrähen als Nazi-Band diffamiert zu werden.

Where the bad boys rock” Vol.3 /LP/CD-Sampler (22 Tracks von 22 Punkrock-Bands)
by
www.peoplelikeyourecords.com

G. Gruse: Die Freunde des guten alten Punkrock werden mit diesem Sampler aus dem Hause “peoplelikeyou-records” mal wieder voll auf ihre Kosten kommen. Ist doch auf dieser Scheibe alles vertreten, was zur Zeit in der deutschen Punkrock-Szene so alles angesagt ist. Und das sind natürlich eine ganze Menge Bands. Angefangen mit den BONES, gefolgt von den US BOMBS, THE GENERATORS, MAD SIN, THE GRIT, DEADLINE, KINGS OF NUTHIN’ - bis hin zu ROGER MIRET & THE DISASTERS, DISTRICT, THE METEORS, DIE HUNNS. Ausserdem noch ADAM WEST, BORN TO LOOSE, THREE BAD, SCHLEPPROCK...usw. Klar, dass bei so vielen, zum Teil sehr unterschiedlichen Bands und musikstiles, nicht jedes Stück der absolute Bringer ist. Kurz und knapp:  Die Scheibe/CD kommt am 31.03.2006 auf den deutschen Markt. Unsere europäischen Nachbarn müssen sich noch bis zum 03.04.2006 gedulden. Ihr werdet es sicher überleben!

SCS (SUBCULTURE SQUAD) “Niedersachsenterror” (CD)
by /
www.rebellion-records.com/shop/

G. Gruse: Ob Punk, Oi! oder Hardcore - gewürzt mit einer leichten Briese SKA bei “Pogo in Togo” - die fünf Herren von der norddeutschen SUBCULTURE SQUAD fetzen sich auf dieser CD so ungeniert und frech durch alle Subkulturen, dass einem fast schwindelig werden kann. Die Power, die die Jungs von der SUBCULTURE SQUAD dabei loslassen, erinnert mich bei einigen Stücke ein wenig an die frühen COCKNEY REJECTS, andere an die Hardcore-Heros von AGNOSTIC FRONT. Besonders gut kommt der durchgehende Chorusvocal bei den meisten der insgesamt 20 Tracks. Saugeil! Auch textmässig ist man nicht gerade “weichgespült” - und auf den Mund gefallen. Ob “Viertes Reich”, ob “Blinder Hass” oder “Nordmann”, die SUBCULTURE SQUAD bevorzugt in ihren Texten eine kompromisslose Sprache. Und das ist gut so! Ansonsten pflegt man seinen etwas brachialen way of life als Punk, Skin oder Fussballfan mit Songs wie “Artenvielfalt”, “Niedersachsenterroristen”, “Hoologans war”, “Subculture squad” oder “Wunsabilly”. Das “Sahnehäubchen” auf dieser CD ist jedoch der Song “If i give my soul”  von Billy Joe Shaver (“Victory”-LP/ 1998), einer uralten Country-Legende aus Navarro County in Texas. Was die taffen Jungs von der SUBCULTURE SQUAD aus diesem ursprünglich etwas schmalzigen Cowboysong gemacht haben, ist einfach nur noch göttlich. Da läuft es einem eiskalt den Rücken runter! Ein weiterer Pluspunkt: Auf dieser CD findet sich kein einziger Durchhänger. Vom ersten bis zum letzten Track wird hier gnadenlos durchgestartet.

VIOLENCE-Fanzine / # 17 + 18 / Jede Ausgabe 2,50 EU (inkl. Porto)
VIOLENCE c/o Postfach 3409, 38024 Braunschweig

G. Gruse: Ein Fanzine aus Braunschweig, das gar nicht erst den Versuch macht zu verbergen, dass es sich dabei um ein Skinhead-Fanzine handelt. Und so beschränkt man sich auch auf das Wesentliche: Auf Skinhead-Bands und ihre Musik. Daher gibt es im VIOLENCE-Fanzine auch keine abgedrehten Statements der linken oder rechten Art, sondern nur einen Haufen geiler Bands, Konzertberichte, Interviews und Reviews - und das am laufenden Band! Die freimütigen Antworten einiger Bands entsprechen zwar nicht immer den Regeln und Vorgaben der “political correctness”, aber das ist mir allemal lieber als die verschwiemmelten Antworten von Bands (oder Fanzinemacher), die wie die Katze um den heissen Brei herumschleichen, um sich bloss nicht das Maul zu verbrennen. Interviews mit FAUSTRECHT, BRACHIAL, DEFINITE HATE, GET OUT, NORDIC THUNDER, BLITZKRIEG, BULLETS, THE PUG UGLIES, DISCHARGER und SACHSONIA. Und natürlich jede Menge Band-, Konzert- und Szene-Fotos in hervorragender Druckqalität. Ein besonderer Leckerbissen sind die zahlreichen mit Cover bebilderten Platten/CD- und Fanzine-Reviews. Fazit: Ein gelungenes, sehr informatives Fanzine, das Lust auf mehr macht!

“THE DUBLINERS - 20 greatest hits”
(Vol. 1/2)

G. Gruse: Wenn einem angesichts prolliger “Superstars” auf RTL, schwuchteliger Verirrungen wie Tokio Hotel oder selbst ernannter PC-Wächter nichts anderes mehr einfällt als verzweifelt aus dem Fenster zu springen, dann hilft oftmals ein Blick in das vergangenen Jahrhundert als in den irischen Pubs noch gestandene Männer mit langen Bärten die Geigen geigten, die Fiedel fiedelten, das Banjo zupften und das Arkodeon quetschen - und dabei aus vollem Hals “Whisky in the jar” gröhlten. Hey, ihr Kulturbanausen, ich rede hier vom irish-folk der frühen Siebziger Jahre. Und wer könnte diese “Volksmusik” besser repräsentieren als die irischen Folker THE DUBLINERS. Vergesst die Napfsülzen THE POGUES und ihren aufgesetzten überdrehten irish folk-punk. Hier sind die Orginale: Die DUBLINERS! Götter auf dem Olymp des irish folk! Von etwa 1963 bis 1978 waren sie die bei weitem prominenteste Folkgroup Irlands und repräsentierten die traditionelle irische Musik international fast im Alleingang. Zu ihren bekanntesten Hits zählt "Whiskey in the Jar". 1999 wurde der Song noch einmal populär als die Hardrocker von METALLICA eine Hard-Rock-Version dieses Titels herausbrachten, die in Deutschland auf Platz 23 der Single-Charts landete. Die meisten Songs auf diesen beiden best-off CDs entstammen der jahrhundertealten irischen Volksmusik und handeln von dreckigen alten Städten (“Dirty old town”), durchsoffenen Nächten (“Seven drunken nights”) und vom Kampf gegen die englischen Besatzer zu Beginn des 19 Jahrhunderts (“Free the people” oder “The Rebel”). Besonders das bierseelige mitgröhlende Publikum bei den Live-Tracks ist fantastisch. Fazit: Gehört neben dem Bierfass und dem Zapfhahn zur Standartausrüstung jeder feucht-fröhlichen Bierparty!
 

Barks of the Underdogs” Limitierte (1000) Double CD-Compilation
by
Street Justice Records / P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany

G. Gruse: Sind es die multikulturellen Roots der gigantischen Millionenmetropole, die den NY-Hardcore-Sound so einzigartig und unverwechselbar für seine Fans machen? Ein besonderes Highlight im Bereich des Oldschool-Skinhead-HC bieten die sechs NY-Bands dieser CD-Compilation. Abgesehen von der ungewöhnlichen Aufmachung, die CD-Box steckt in einem Pappschuber mit den ausgestanzten Buchstaben NYHC, bietet der Inhalt der beiden Silberscheiben ein gnadenloses Hörerlebnis der ganz besonderen Art. Die erste CD in diesem knüppelharten Double-Pack bietet jeweils vier bisher unveröffentlichte (exklusive) Tracks von INHUMAN, CONDITION, PLEDGE OF RESISTANCE, FED UP und LAST CALL BRAWL. Die 2te CD bringt als Bonus 16 Live-Tracks von AGNOSTIC FRONT aus dem Jahre 1985, aufgenommen im CBGB’S. Der legendären Geburtsstätte des NY-Hardcore-Sound. Ein Muss für alle HC-Fans!

Und weiter geht mit drei limitierten (500 Exempl. je Platte) Picture-LP’s aus der edlen  “Hardcore classic’s vinyl series” von STREET JUSTICE RECORDS. Wer Vinyl sammelt und ausserdem auf “klassischen” Hardcore steht, der kann diese edlen Scheiben einfach nicht ingnorieren. Mal abgesehen davon, dass jede der Platten fette 250 Gramm auf die Wage bringt - wo bekommt man das heute noch? Und wo findet man noch solch einen geniale Hardcore-Punk wie den von SICK OF IT ALL, deren harte, druckvolle Gitarren und aggressiv geshoutete Vocals mich noch immer an die Boxen fesseln können? Wobei sich die meisten Songs unterhalb der Drei-Minutenmarke bewegen, kurz gesagt, Hardcore, wie er im Buche steht. Und das alles auf durchgängig hohem Niveau. Und auf diesem Niveau bewegt sich auch der aggressive Bostoner Hardcore-Sound von SLAPSHOT. Das war die gute Nachricht - und nun kommt die schlechte Nachricht: Obwohl gerade erst rausgekommen, sind die drei Scheiben schon wieder ausverkauft.

“VOICE OF THE STREETS”-Fanzine (#8) / A5 Format / 48 Seiten
by
vots@gmx.at / homepage: www.vots.tk

G. Gruse: Wieder mal eines dieser kleinen Fanzines, die mir besonders sympatisch sind. Erinnern sie mich doch von ihrer Aufmachung her stark an die Fanzines der Achtziger Jahre. Genug der Nostalgie, und rein ins Vergnügen. Und das beginnt mit einem fünfseitigen, äusserst lesenswerten Interview, dass Herausgeber Massimo mit Markus, dem smarten Sänger der Porzer 7ERJUNGS, geführt hat. Und die Interviews mit Markus zeichnen sich nicht gerade durch intellektuelle Oberflächlichkeit aus. Es folgt ne sechsseitige Story (incl. Interview) über die Bostoner Punkrocker THE KINGS OF NUTHIN. Besonders interessant ist der zweite Teil der SKINHEAD HISTORY AUSTRIA. Ein authentischer Bericht aus “erster Hand” über die oberösterreichische Glatzenszene in den frühen Achtziger Jahren. So was liest man immer gerne! Ebenso den Report über und mit THE BONES, den fröhlichen und trinkfesten Punkrockern aus Schweden. Massimos Platten- und CD-Reviews lassen mal wieder keine Wünsche offen. Der Junge weiss worüber er schreibt. Obwohl seine elfseitige Aneinanderreihung von Review-Texten auf die Dauer doch ziemlich ermüdend wirkt. Hier müssen unbedingt einige Grafiken her, um die Sache optisch etwas aufzulockern. Neben Storys und diversen News findet man im VOICE OF THE STREETS noch ein Interview mit den niederländischen Hardcore-Metzger THE BUTCHER. Gesamteindruck: Ein Fanzine, dass man mit ruhigem Gewissen weiterempfehlen kann!
 

STOLZ & STIL - #17 / Das Skinzine für “Lebensart, Rebellion und Musik” aus Sömmerda in Thüringen
c/o PF 1143 /  99601 Sömmerda

G. Gruse: Ich weiss gar nicht, wo ich bei dieser Vielfalt an Themen, Interviews, Reviews, Bands, Konzertberichten und Storys aus der Glatzenszene überhaupt anfangen soll. Jedenfalls kann man die Herausgeber dieses Zines nur gratulieren, für die Unmenge an Material, die sie auch diesmal wieder - auf 72 Heftseiten - zusammengetragen haben. Das alles in ein erstklassiges Layout gepackt, dass noch durch ne Menge Szene- und Band-Fotos getopt wird. Neben Bands wie BRACHIAL und THE CASUALS finden wir ein kleines - aber sehr feines - Interview mit Freund Markus von den 7ERJUNGS. Ausserdem den Artikel “Kahlköpfe und Janusköpfe”, der im Jahre 1987 in einem DDR-Magazin (JUNGE WELT”) veröffentlicht wurde. “Historisch” interessant, da es sich um einen der ersten Artikel handelt, der in der sogenannten DDR zum Thema “Skinheads” veröffentlicht worden ist. Das ganze wird von dem roten Autor natürlich aus dem pseudoobjektiven Blickwinkel des “real existierenden Sozialismus” gesehen. Ein weiterer Höhepunkt ist der geile Bericht über den ENDSTUFE-Gig im belgischen “Kastelein”. Wobei die zahlreichen Konzertberichte zu den Highlights dieses Heftes zählen. Was man von der “Deutschland und Doc Martens”-Story nicht unbedingt behaupten kann. Im Gegenteil! Dieser vor Hass, Blut und Violence triefende Fake läuft total neben der Spur - um es mal zurückhaltend auszudrücken. Das hat echt schon "Unterschichtenniveau"! Ehrlich, da sträuben sich bei mir die Haarstoppeln! Für dieses peinlichen Machwerk, in dem alles an üblen Vorteilen über Skinheads zusammengepackt worden ist, was man sich in seiner pubertierenden Fantasie nur ausdenken kann, dürfte sich ein so smartes Skinhead-Fanzine wie das STOLZ & STIL doch eigendlich viel zu schade sein - oder?

“OUT OF ORDER” (#5) 92 Seiten im A5-Format (5 EU / inkl. Porto)
by “Out of Order-Zine” P.O. Box 1245, 8900 CE Leeuwarden, Netherlands
- auch bei DIM RECORDS und demnächst bei Blind Beggar Records.

G. Gruse: Kann es sein, dass die letzte Ausgabe des OUT OF ORDER (#4) im Oktober 2002 rausgekommen ist? Correctly! Zuerst die gute Nachricht: Im Oktober 2005 ist endlich OUT OF ORDER # 5 erschienen. Die schlechte Nachricht: Wir sind beim Warten auf dieses Heft mal wieder um drei Jahre älter geworden! Wenn es in diesem Höllentempo weitergeht, wird OUT OF ORDER # 10 wohl erst im Oktober 2020 rauskommen. Ob ich das noch erleben werde? Holy Shit! Sprechen wir uns lieber im Oktober des Jahres 2020 wieder, Kameraden, dann wissen wir mehr! Genug der langen Vorrede, das dreijährige Warten auf diese Ausgabe hat sich gelohnt. Mein alter Freund Robert aus Leeuwarden in den Niederlanden bietet uns auf den 92 Seiten seines Magazins einen umfassenden Überblick über drei Jahre Skinhead- und Streetrock, und natürlich OI!-Musik. Allein 150 ausführliche Reviews über Platten- und CD’s, die in den letzten drei Jahren erschienen sind. Und das ist auch das einzige Thema in diesem grossartigen Heft: Bands und ihre Musik! Die Musik von wilden, lauten und rebellischen Bands, die mit ihrer Power und Energie alle Grenzen und Sprachbarrieren vergessen machen, und keinen Platz lassen für irgendwelche dumpfen Nationalismen. Die Interview-Section von OUT OF ORDER beginnt mit einem auf niederländisch gehaltenen Interview mit den Jungs von THE YOUNG ONES, einer jungen Oi-Band aus den Niederlanden. Es folgt ein Gespräch (englisch) mit DOWINA, einer slowakischen Streetrock-Band aus Bratislava. Danach geht es in den Süden Europas, nach Madrid, zur spanischen Streetpunkband DEPRESION (englisch). Ebenfalls aus dem Süden, aus Italien, kommt der nächste Interviewpartner, die Skinheadband THE CASUALS (englisch). Ich hatte das Vergnügen, die sympathischen Italiener im März des vergangenen Jahres auf der “Skinheads never die”-Party in Grasleben zu erleben. Beeindruckend! Neben Interviews (englisch) mit KUNTRA aus Sardinien, die für das Selbstbestimmungsrecht der Sarden, und die Unabhängigkeit ihrer von Italien fremdbestimmten Insel eintreten, oder der serbischen Punkband SKEPSA, habe ich mich über das Interview mit Thomas von VORTEX gefreut. Nicht nur, weil es auf Deutsch geführt wurde, sondern weil diese Hamelner Band bereits wärend der Achtziger Jahren für Furore unter den Skins gesorgt hatte. Nachdem sich VORTEX 1990 aufgelöst hatte, habe ich mehr als ein Jahrzehnt nichts mehr von dieser Band gehört, bis sie sich zur Überraschung aller im Jahre 2003 mit neuer Besetzung (bis auf Thomas) und neuen Songs zurückmeldete. Weitere Interviews mit der OI!-Band TUMULTO 64 (englisch) aus Brasilien, und SHORT CROPPED (niederländisch), einer jungen OI!-Band aus Flandern. Ausserdem gibt es einen umfangreichen Konzertrückblick. Und zwischendurch immer wieder geile Fotos und Grafiken. Kurz und knapp: Dieses Fanzine hat die Krone verdient!

“STREETCORE-Zine” (#1) 30 Seiten im A4-Format (5 EU)
by 44 Townend, Presteigne, Powys, LD82DW, Wales, UK
email
<streetcore_mag@yahoo.co.uk>

G. Gruse: The beat of the street still goes on! ist das Motto der ersten (englischsprachigen) Ausgabe des britischen STREETCORE-Zine, das letzte Woche den Weg von der Insel in meinen Dortmunder Briefkasten fand. “Although the roots of STREETCORE-Mag are fimly set in underground of oi! and street-rock”, schreibt der Herausgeber in seinem Editiorial, und so präsentiert sich auch der Inhalt des Heftes. Ausführliche Interviews mit RUN LIKE HELL, THE BLUDGERS und EAST END BADOES wechseln ab mit Feature über A PERFECT MURDER und THE TOSSERS. Ausserdem Harley Flanagan’s (CROMAGS) “HardCore Hall of Fame”. Dazu noch eine ganze Menge Fotos, Konzertberichte, Platten- und CD-Reviews. Grossartiges und lesenswertes Fanzine aus Grossbritannien, dem “Mutterland” der Punk- und Skinbewegung. Hi, Benny, is a great work!

“STORMTROOPERS - Das Info-Magazin für den deutschen Skinhead
20 Seiten / A-5 Format / ohne Kontaktadresse (wohl auch besser so!)

G. Gruse: Dieses obskure “Info-Mag für deutsche Skinheads”, das ich dieser Tage für zwei Euro auf einem Metal-Konzert erstanden habe, hat mit der realen Skinhead-Szene ebensoviel zu tun wie die Bibel mit dem Koran. Nämlich nichts! Auf der Reviewseite dieses seltsamen Machwerks werden ausschliesslich irgendwelche teutonischen Death- und Goremetal-Bands aus der tiefsten Provinz besprochen, deren Texte nur so triefen von kranken Blut- und Gewaltfantasien. Wieso dieser Scum ausgerechnet einen Skin interessieren sollte, ist mir ein Rätsel. Dann gibt es noch eine abgefahrene Story über einen geheimen UFO-Stützpunkt der Nazis unter dem Eis der Antarktis, die sich dort auf das Vierte Reich und die Weltherrschaft vorbereiten würden. Inclusive des einbalsamierten Leichnams von Adolf Hitler. Heilige Scheisse! Und falls du glaubst, schlimmer und dümmer gehts nimmer, dann folgt noch die Steigerung in Form eines “Arier-Tests”. Ich habe diesen Test gemacht, und muss bekennen, dass ich nach der von mir erzielten Punktezahl zur Gattung der “rassisch Minderwertigen” gehöre. Selten habe ich so gelacht, obwohl mir bei einigen Testfragen das Lachen im Halse steckengeblieben ist. Es reicht mir. Ich geh’ jetzt erst mal kräftig kotzen!

AGNOSTIC FRONT “To be continued” (Limitierte Picture-LP/500)
by
Street Justice Records / P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany (2005)

G. Gruse: Mit dieser optisch saugeilen (auf fünfhundert Exempl. limitierten) Picture-Disc (A-Seite: Roger Miret und seine Mannen in Action / B-Seite: Die skyline von New York) hat “SJ-Records” eine der eindrucksvollsten “best-of”-compilationen (auch als limitierte CD erschienen / Siehe Massimos CD-Review weiter unten!) über die new york-city hardcore-heros AGNOSTIC FRONT rausgebracht, die man zur Zeit finden kann. Mir ist jedenfalls nichts vergleichbares bekannt. Dass man sich bei der Auswahl der Songs auf die  ersten zehn Jahre (1983 - 1993) der band beschränkt, ist einer der grossen pluspunkte dieser LP. Dadurch ist ein atmosphärisch dichter rückblick auf ein jahrzehnt gelungen, in dem sich AGNOSTIC FRONT von einer unbekannten new yorker hardcore-bands zur weltweiten ikone des ny-city-hardcore entwickeln konnte. Nicht zuletzt dank ihres charismatischen gründers und sängers roger miret, bis heute DIE stimme UND “seele” dieser band. Und diese “Seele” wurzelt im “klassischen” new yorker street-hardcore der achtziger jahre: Brutal laut, brutal schnell, brutal hart und brutal dreckig. Das alles dokumentiert diese LP am beispiel von neunzehn songs, darunter so ultimative kracher wie “liberty & justice”, “toxic shock”, “blind justice” oder “united and strong” - damals DIE streethymne der hardcore-skins. Fazit: GÖTTLICH!
 

BOMBECKS “Auge um Auge”
by www.dimrecords.de

Die BOMBECKS aus Thüringen überzeugen nicht nur mit ihrem recht flotten und geil anzuhörenden Skinhead-Rock’n’Roll, auch textmässig nimmt das Glatzentrio aus Eisenach kein politisch korrektes Blatt vor den Mund. Sozialkritische Texte wie “Arbeitslose Arbeiterklasse” wechseln sich ab mit Songs über Freundschaft, Hass, Skinhead-Stolz und natürlich Fussball. Songs, die mitten aus dem Skinhead-way of life gegriffen sind - und daher auch brutal ehrlich daherkommen! Auch wenn sich die BOMBECKS mit ihren Texten nicht nur “Freunde” machen werden. “Auge um Auge” hat mich zum Fan der drei Eisenacher gemacht.

ANGEL CITY OUTCASTS “Let it ride”
by www.peoplelikeyourecords.com

Welch einen lahmen Gaul OUTCAST-Records geritten haben mag als man sich dazu entschlossen hat, diese CD zu produzieren, das entzieht sich meiner Kenntniss. Ich halte die “Let it ride”-CD der ANGEL CITY OUTCASTS für so überflüssig wie ne Warze am Arsch. Der “new sound” dieser “new punk generation” aus LA entpuppt sich als eine fade Mischung aus klassischem Punk, Hardcore, Country, Rockabilly und Hardrock. Aus jedem Töpfchen etwas! Ach, nee, das ist mir dann doch zu viel des Guten - oder soll ich besser sagen: des Schlechten!? So isses!

EMSCHERKURVE 77/HUDSON FALCONS - “One size slits allSplitt-CD by www.knock-out.de (2003)

G. Gruse: Wenn die Dortmunder den Namen “Emscher” hören, dann denken sie natürlich sofort an ihren stinkenden Abwasserkanal in Dorsfeld, in dessen brackiger Brühe die gesammelte Scheisse Dortmunds herumdümpelt. Da ich aber kein Dortmunder bin, sondern aus dem zivilisierten Düsseldorf komme, denke ich bei “Emscher” natürlich sofort an die Oberhausener Punkrockband EMSCHERKURVE 77 - und das ist ja wohl ein fundamentaler Unterschied! Für alle die es nicht wissen: Oberhausen liegt in der Region Deutschlands, in der ich als geborener Düsseldorfer noch nicht einmal begraben werden wollte, aber vor achtzehn Jahren irgendwann mal hängen geblieben bin: Im Ruhrgebiet! Trotz dieser Ironie des Schicksals bin ich inzwischen zu einem richtigen "Ruhrpottler" geworden! Um mit den Jungs von EMSCHERKURVE 77 zu sprechen: Dat is der geilste Ort vonne Welt! Wer das nicht glaubt, der sollte sich mal den Song "Komm ma hier bei uns im Ruhrpott hin" von ihrer Splitt/CD reinziehen. Eine liebenswürdige Hymne auf alles, was den "Pott" erst so richtig lebenswert und sympathisch macht. EMSCHERKURVE 77, das ist herrlich unkomplizierter Funpunk, wie ihn so nur das Ruhrgebiet hervorbringen kann. Immer etwas prolliger und bodenständiger als der Rest der Republik. Und so sind auch die Texte. Da geht es nicht um so weltbewegende Dinge wie Krieg oder Frieden, nicht um Bush, böse Nazis oder andere Loser, sondern um das Leben im Ruhrpott. Und dazu gehört, neben einer gehörigen Portion Lokalpatriotismus, in erster Linie Bier, Pogo und Fussball. Schliesslich sind die Jungs aus Oberhausen bekennende Fans des Regionalligisten "Rot-Weiß-Oberhausen". Fazit: Ein Ruhrpottkracher mit enormen Kultcharakter.

7ER JUNGS “One pride fits all” / CD
by
SUNNY BASTARDS (2005)

G. Gruse: Nachdem ich mir im vergangenen Jahr das Demo der 7ER JUNGS angehört hatte, war ich der Meinung, dass man diese Glatzen-Band aus Porz am Rhein unbedingt im “Auge behalten” müsse. In deren Demo steckte verdammt viel Potential und Power, und das liess für die Zukunft doch einiges erhoffen. Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Mit ihrer Debüt-CD “One pride fits all” haben die 7ER JUNGS ein musikalisches Meisterstück hingelegt, das seinesgleichen sucht - und mich vor Überraschung förmlich aus den Docs gehauen hat. Und das will in meinem Alter schon was heissen! Bevor ich mich jetzt in billige Superlativen ergehe, aber solch einen authentischen und unverbrauchten (ich nenne es mal) “stomping-anthem-oi-streetpunk” habe ich schon lange nicht mehr gehört. Genial. Hier sind keine softigen Poser am Werk, sondern taffe rheinische Jungs, die genau wissen, wo es lang zu gehen hat. Nicht nur an ihren Instrumenten, sondern auch in ihren Texten. Die erzählen vom Alltag auf der Strasse, von falschen und wahren Freunden, und vom unbändigen Stolz der Skinheads auf ihren “way of life”. Und die JUNGS rechnen ab: mit der gnadenlosen Dummheit und Intoleranz innerhalb der Szene, und mit jenen linken und rechten Polit-Schleimern, die den Skinhead-Kult für ihre engstirnigen Radikalismen missbrauchen wollen. Salute the 7ER JUNGS!

THE BUTCHER „Army of Apocalypse“ / CD (2005)

Massimo: ALL RISE!!! das sind die einleitende Worte beim ersten Song „The Butcher`s Departement of Justice“ und bei dieser Cd reißt es einen wirklich vom Hocker! Hier trifft Oldschool HC auf trashige Passagen und perfekte, punkige sing-a-long Parts. Im Gegensatz zu ihrem Vorgängeralbum „Mass Destruction Manual“ sind die Holländer etwas vom Gas gegangen, aber ich rede hier von Butcher Verhältnissen, d.h. die Songs befinden sich immer noch im oberen Viertel des Tachos, Geschwindigkeitsbegrenzungen werden nach wie vor bewusst nicht eingehalten. Den Trash Faktor ihrer Songs macht hauptsächlich die Schlagzeugarbeit aus, D.R.I. sind dabei die drei Buchstaben die auf dem Fell der Kick Drum stehen, man höre sich zum Beweis dafür nur den high speed Song „Go Fuck Yourself“ an. Doch Schnelligkeit ist nicht alles was die Jungs auszeichnet, sie nehmen auch punkige Melodien mit auf ihre Reise zur Apokalypse wie z.B. in „Goodbye Farewell“ dabei sind alle Songs noch durchsetzt mit massig Breaks und einigen Mosh Passagen, was ähnlich gutes wie diese Band habe ich in letzter Zeit nicht zu Ohren bekommen! Ehrlich! Dazu kommt noch, dass mir die Texte auch noch sehr zusagen, von übertriebenen, fiktiven und sehr sarkastischen, teils mit einem Misfits Horror Touch angehauchten Texten hin zu geradlinigen „in die Fresse“ Texten. Musik + Texte sind also ausgezeichnet und die Verpackung hinkt mit ihrem Horror Cartoon Artwork der Musik auch um nichts hinterher, deshalb grabt eure letzten Ersparnisse aus, klaut eurer Oma die Kohle oder bescheißt euren Chef, aber kauft euch bitte diese CD!
Bewertung by MAZ:
4.5/5 / G. Gruse:

OI! THE PRINT (# 17)
The One and Only Drinkingclass Fanzine” aus Österreich.

G. Gruse: Dieses Fanzine mit dem unverwechselbaren Format ist mir schon vor zwei Jahren begegnet. Damals noch als Beilage zum MOLOKO PLUS-Fanzine. Ich weiss nicht, ob es diese Zusammenarbeit immer noch gibt - wenn nicht, dann hat das dem OI! THE PRINT nicht unbedingt geschadet. Im Gegenteil! Ein absolutes Highlight in der aktuellen Ausgabe ist der ausführliche Report über das englische Punk-Label CHISWICK RECORDS, das (ab Mitte der Siebziger Jahre) neben mehr oder weniger bekannten Punkbands (u.a. DAMNED) auch die ersten Alben von SKREWDRIVER produziert hatte. Für mich zählen diese Scheiben zu den grossen Klassikern des traditionellen englischen Punkrock. Was mich an dem Artikel über CHISWICK RECORDS vollends überzeugt, ist die unaufgeregte Sachlichkeit und Objektivität mit der vom Autor die “frühen Jahre” von SKREWDRIVER abhandelt werden. Ein Tabu-Thema wie das über Ian Stuart und seine Mannen wird von ihm im richtigen “historischen” Zusammenhang gesehen. Das ist korrekt! Ein weiterer Höhepunkt im OI! THE PRINT ist ohne Zweifel das ausführliche Interview mit Dave Parson von SHAM69. Unvergessen ihre grandiose Streethymne: “If the kids are united”! Saugeil das Interview mit THE VOICE aus Berlin. Auch uralte Bekannte. Hab gar nicht gewusst, dass die wieder aktiv sind. Irgendwo muss ich von denen noch das Demo und ne uralte Live-Aufnahme rumliegen haben. Lassen wir es damit genug sein. Ich habe keine Lust jetzt den ganzen Inhalt des Heftes runterzubeten. Nur soviel: Es gibt noch Interviews mit DOMINATOR, THE DUCKY BOYS, MOITEREI usw. - dazu viele geile Fotos und coole Storys. Besorgt euch das Teil - and shut up!

SMELLY ANCHORS “Against all flags” / CD (2004)

G. Gruse: Die zerfetzte Takelage knattert im Sturm und die Piratenflagge flattert wild im Föhn, wenn die alpenländischen Seepiraten der SMELLY ANCHORS in die tobenden Wellen des “Wolfgangsees” abtauchen, um dort ihre heissen Tracks abzufeuern. Kurz und knapp: Seit langem mal wieder eine CD aus Österreich, die gefällt. Nur schade, dass ich erst jetzt auf die SMELLY’s aufmerksam wurde. Das wird wohl daran liegen, “dass wir Deutsche auf Grund unserer Geschichte” sehr misstrauisch sind, was von jenseits der Alpen kommt (GRÖHL!). Schnörkelloser Streetcore mit verdammt viiieeel traditionellem OI!-Punk. Dirty Voices, ein Haufen mitgröhlverdächtige Songs! Da pogen nicht nur die Gemsen auf der Alm - da wackelt sogar der “Grossglockner”! Reicht das, um diese CD zu charakterisieren? Na also!

ENPUNKT (# 42)
c/o Klaus N. Frick, Postfach 2468, D-76012 Karlsruhe

G. Gruse: Vor zwei drei Wochen überraschte mich der Herr Frick mal wieder mit der neuen Ausgabe seines ENPUNKT, der "Zeitschrift für Revolutionäre Tanzmusik". Wenn ich mich nicht irre, dann müsste dieses Fanzine auch schon zwanzig Jahre auf dem Buckel haben. Wenn du das Teil aufschlägst, fühlst du dich in die Achtziger Jahre zurück versetzt. Das liegt daran, dass der Macher des ENPUNKT seinem Layout über all die Jahre treu geblieben ist. Und auch seiner etwas ungewöhnlichen Covergestaltung. So überraschte er seine Leser diesmal mit einem Touch neostalinistischer agitprop-art. Proletatierer aller Länder vereinigt euch zum disco dancing unter dem Sowjetstern. Aber vielleicht ist diese Grafik auch nur ein Souvenier vom letzten Kuba-Urlaub! Kann mir mal jemand die Frage beantworten, was deutsche Touristen in die rote Diktatur des Fidel Castro treibt? Und damit hätten wir schon die passende Überleitung zu dem gefunden, was mir am ENPUNKT (und anderen Fanzines) nicht gefällt, das sind diese öden Urlaubs- oder auch Reiseberichte. Die haben immer so was alternativ birkenstocksandalenhaftes an sich. Der deutsche Gutmensch auf Reisen, immer auf Seiten der von dumpfen Ballerman-Teutonen ausgebeuteten Eingeborenen. In der aktuellen Ausgabe des ENPUNKT bereiste Klaus Frick das “Rentnerparadies” Teneriffa. Heilige Scheisse, waren das herrliche Zeiten als die deutschen Fanzinemacher ihren Urlaub noch in den besetzten Häusern auf der Hamburger Hafenstrasse oder in Berlin-Kreuzberg verbracht haben (inclusive deftiger Strassenschlachten mit den Bullen), und nicht in der “Tiroler Alm” in Porto de la Cruz auf Teneriffa (inklusive RANDFICHTEN mit “Lebt denn der alte Holzmichel noch?” in der spanischen Musikbox ???). Neben Teneriffa bietet der ENPUNKT noch einen Haufen Platten- und CD-Reviews. Dazu jede Menge Storys über dieses und jenes, ein paar Konzertberichte von da und dort, Reflexionen über dies und das - und viele nette Grafiken. Keines der üblichen, sondern das etwas andere Fanzine! Durchaus lesenswert. Hat für mich fast schon Kultcharakter!

I want you for hardcore”-Split-CD
mit UNDER ONE FLAG und AGRESSIVE THREAT by
Street Justice Records / P.O.Box 16 03 62 / 44333 Dortmund / Germany (2005)

Massimo vom “Voice of the Streets-Zine”: “I want you for Hardcore” ist das Motto dieser Split CD der beiden Ami HC Bands. Diesem Ruf kann man getrost folgen, denn solange HC so klingt wie auf dieser Split Cd, gibt es an diesem Motto überhaupt nichts auszusetzen. UNDER ONE FLAG waren mir irgendwie schon bekannt, ich glaub die haben schon mal was auf NGS Records herausgebracht, wie auch immer… hier sind Leute von PITBOSS aktiv, ähnlich kompromisslos klingt ihr tough guy oldschool HC. Sie versprühen Aggression und Wut aus allen Poren, der uns wie ein Güterwagon mitten in die Fresse trifft, aufgefrischt wird das Ganze durch, im Youth Crew Stil gehaltene Chöre. Nach ihren 5 eigenen Kampfhymnen covern sie mit „Just can’t hate enough“ noch SHEER TERROR’s Hasstirade schlechthin. Die zweite Hälfte der 12 Songs, die auf dieser Cd vertreten sind, wird von den AGRESSIVE THREAT geliefert. Eine neue Band rund um den Sean von der Wiener Combo SPIDERCREW. Ähnlich wie bei der SPIDERCREW geht der Sound auch etwas mehr in die Streetcore Richtung, ohne aber dabei den oldschool Touch zu verlieren. Wie z.B. bei Songs wie „Police Bluelality“ oder „Keep on Punchin’“ in denen auch mehr Melodie vertreten ist. Mein Lieblingssong von ihnen bleibt aber der Introsong „These Eyes“, welcher aus drei ineinander verschachtelten Songs besteht. Auch die AGRESSIVE THREAT covern einen Song, ihre Wahl fällt dabei auf einen der besten Oi! Songs der je geschrieben wurde „Chaos“ (4SKINS), doch den vermiesen sie mir leider, nö Leute so klingt das wirklich nach nichts! Dafür überzeugen die restlichen Songs, auch wenn die UNDER ONE FLAG eindeutig die Gewinner dieser Split bleiben. Ihr bekommt hier aber mal auf jeden Fall 12 Songs = 25 Minuten guten, alten HC geboten, der keinen Trends nachläuft, als kleines Extra gibt es dazu noch eine so genannte „Hundeplakette“, ich bin darauf der Agressive Threat / Under One Flag Supporter Nr. 298 von 500, also müsst ihr euch wohl oder übel wieder ranhalten, bevor diese feine Split Cd ausverkauft ist!
Bewertung: 4/5 (MaZ)

G. Gruse: Massimos CD-Review hat wie immer den Nagel auf den Kopf (oder den Hardcore-Skin auf die Glatze) getroffen, so würde alles was ich jetzt noch über diese CD schreiben könnte, nur ‘ne Wiederholung dessen sein, was ihr gerade erst gelesen habt. Jedenfalls hat STREET JUSTICE-Records  mit dieser limitierten Splitt-CD wieder einen genial brutalen Hardcore-Kracher gezündet. Beweis: Mein Kollege “Warhammer” (EX-HELLHAMMER-Git.), ein eingefleischter SHEER TERROR-Fan, peitscht das Teil mindestens zweimal am Tag durch unsere Firmenanlage. Das baut auf!