1) “Die zweite Burgberg-Party mit ...Vorgeschichte der II. Burgberg-Party” (G. Gruse 2003) 2) “Die II. Burgberg-Party” (Andreas Bauer, 1987) 3) Fanzine-Scanns vom Burgbergkonzert 3) “Das Bremer Konzert - ENDSTUFE im Herbst 1987” (Fotobericht und Video)
Vorgeschichte der II. Burgberg-Party by Günter Gruse (2003)
1987! Schauplatz dieser winterlichen Party war Burgberg, ein kleines Dorf im Allgäu, in der Nähe von Sonthofen, tief unten in Bayern. Genauer gesagt, im Proberaum der Sonthofer Oi/Punk Band VAC. Und das war ein riesiger Speicher unter dem Dach einer Möbelschreinerei. Im Dachgebälk fehlten nur noch die Fledermäuse. Sehr bizarr, das alles, zumal grosse Teile des düsteren Raumes noch extrem niedrig waren. Man musste ständig aufpassen, sich nicht irgendwo den Schädel oder was anderes einzurennen. Was einigen Leuten im Verlaufe der Nacht und des zunehmenden Alkoholpegels immer schwerer fallen sollte. Kein Wunder, dass am nächsten Tag ne ganze Menge Partygäste mit fetten Beulen und diversen blauen Flecken nach Hause fahren mussten. Vergängliche Spuren einer unvergessenen Nacht!
Doppelseite aus dem FORCE OF HATE Nr. 6 (1986) mit Bericht über die erste Burgbergparty
Aber der Reihe nach. Die Idee zu dieser Party ist uns im Spätsommer ‘86 gekommen. Auf der ersten Burgberg-Party. Damals hatten wir in diesem gruftigen Gemäuer mit ca. 60 engen Freunden aus der deutschen Punk- und Skinszene den Geburtstag zweier Glatzen gefeiert. Die Fete war mit einem kleinen Konzert verbunden, auf dem VAC, die Mainzer SPRINGTOIFEL und ENDSTUFE zum Tanz aufgespielt haben.
Fotoseite aus dem FORCE OF HATE Nr. 7 (1987): Die erste “Burgbergparty” 1986.
Im Verlaufe des Abends und nach mehreren Kästen Bier und ungezählten Flaschen Schnaps sind wir dann mit den Bands zu der festen Überzeugung gekommen, dass es in dieser abgefahrenen Location unbedingt eine zweite Party geben musste. Aber diesmal in einem etwas grösseren Rahmen. Da die Party unter dem Motto “Punks und skins, united drinking!” laufen sollte, waren SPRINGTOIFEL und ENDSTUFE für uns natürlich unverzichtbar - und die haben auch spontan zugesagt! Ich bin mir sicher, dass spätestens jetzt bei dem Namen ENDSTUFE bei einigen Leuten die politisch korrekten Scheuklappen heruntergefallen sind. Wenn dem so ist, so what, ich kann es eh nicht ändern. Es gibt nämlich ne ganze Menge Leute, die sich im Laufe der Jahrzehnte so in ihre dummen Vorurteile und verstaubten Ideologien verstrickt haben, dass ihnen jeder Sinn für rationales Denken abgeht.
1987! In der Gemeindehalle von Nördlingen. Auf der Bühne (von rechts nach links) Brandy und Holger von ENDSTUFE und Conny von KRUPPSTAHL.
“Wie kannst du dir nur diesen Scheiss anhören”, strapazierte z. B. ein Bekannter meine Gastfreundschaft als ich mir erlaubte, “Glatzenparty” von ENDSTUFE in den Player zu schieben. “Weisst du nicht, dass die mal mit Skrewdriver gespielt haben? Das sagt doch wohl alles.” Nööö, das würde mir gar nichts sagen, antwortete ich ihm etwas missgelaunt. Ich hatte keine Ahnung ob ENDSTUFE mal mit SKREWDRIVER (deren erste Maxi „Screw up“ zu den Punk-Klassikern zählt) aufgetreten sind, und ehrlich gesagt, hat mich das auch nie interessiert. Wozu auch? Es könnte nichts an meiner Einstellung zu dieser grossartigen Band ändern. ENDSTUFE ist Kult, damals wie heute. Schluss! Punkt! Aus! Und überhaupt: Im Oktober 1984 war ich für ein paar Tage in England und habe auf einer Fete in London mit Ian Stuart in den selben Kübel geschissen, ohne mir gleich dessen Ideologie anzueignen - um es mal etwas drastisch auszudrücken.
Fotoseite aus dem FORCE OF HATE Nr.6 (1987)
Was ich aber in Erinnerung habe, ist ein geiles Konzert in der bayrischen Kleinstadt Nördlingen. Als ENDSTUFE gemeinsam mit IHRA (einer Anarcho-Punkband aus Italien), den legendären IDIOTS aus Dortmund und den Hildesheimer VANDALEN auf der Bühne der kleinen Gemeindehalle standen. Vor ungefähr 250 kahlköpfigen und bunthaarigen Gestalten. Am Schlagzeug ein Nördlinger Punk. Schlagzeuger einer regionalen Hardcore-Band. Seit er das Demo von ENDSTUFE gehört hatte, war er ein bekennender Fan dieser Band. So ist es ihm auch nicht schwergefallen, kurzfristig für den erkrankten ENDSTUFE-Trommler einzuspringen. Und gemeinsam mit Brandy und Holger brachte er die Gemeindehalle zum Überkochen. Besonders als bei “Immer in die Eier” ungefähr 50 Skins und ca. 200 Punks - unisono den Text mitgröhlend - in friedlicher Koexistenz durch die Halle pogten.
1987! In der Gemeindehalle von Nördlingen. Die VANDALEN aus Hildesheim.
Zurück zur 2. Burgberg-Party. Nach einigen Wochen der Planung standen Termin und die teilnehmenden Bands fest. Die Party sollte am 28. Februar 1987 über die Bühne gehen. Neben ENDSTUFE und SPRINGTOIFEL, hatten VAC, KRUPPSTAHL und OVERLOAD (Ex-HERBÄRDS) ihre Teilnahme zugesagt. Ausserdem noch STROMBERG POLKA, die aber aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen mussten. Trotzdem waren zwei Bandmitglieder als Gäste nach Burgberg gekommen. Um die ganze Sache unter Kontrolle zu halten, und keine unerwünschten Überraschungen, von welcher Seite auch immer, zu erleben, wurden die Einladungen nur an einen ausgewählten Kreis von Freunden und Bekannten geschickt. Also an Leute, von denen man sich halbwegs sicher war, dass sie nur gnadenlos abfeiern und nicht im Suff randalierend und “Sieg-Heil” gröhlend durch das nächtliche Burgberg ziehen würden.
Die ersten Gäste rücken an. Hier sind es Glatzen aus Belgien und den Niederlanden.
Und dann war es endlich so weit. Vom anarchistischen Redskin, über bunthaarige Iro-Träger, bis hin zu Glatzen mit und ohne patriotische Aufnäher an der Bomberjacke, fast alle waren - mit oder ohne Kästen Bier - der Einladung nach Burgberg gefolgt. Als da wären “Sir Paulchen” vom ACH & KRACH-Fanzine aus Münster (heute “Achtziger Jahre-Plattenexperte” beim MOLOKO PLUS-Fanzine); Thomas von NEW AGE-Records (hat die erste SPRINGTOIFEL-LP “Lässige Hunde” produziert); “Spiller“ vom INFA RIOT-Fanzine (heute EMSCHERKURVE77); Robert vom FRISIAN PATROL-Fanzine (heute NORDISC-Records) aus Holland; Luc Taymans vom belgischen PURE IMPACT-Fanzine; Freund Marek vom OI!-THE BULLDOG. Pedder von DAILY TERROR.
Die Party geht los. Bildmitte: Pedder von DAILY TERROR
Ausserdem Collaps vom ehemaligen SINGEN & TANZEN-Zine aus Duisburg, und nicht zu vergessen, “Sir Hannes”, Sänger der Dortmunder OI!-Punk/Skinband THE IDIOTS (heute überaus erfolgreich als charismatischer Frontman und Sänger der Dortmunder Punk,- Rock,- Ska,- Reagae- und Folkband HONIGDIEB. Anspieltipp: “Fick dich ins Knie, Marie”). Eine Gästeliste, die sich sehen lassen konnte. Am späten Nachmittag des 28. Februar 1987 bevölkerten an die zweihundert gut gelaunte Gäste aus allen Teilen unserer Republik den tristen Dachspeicher am Fusse der bayrischen Alpen. Mit so vielen Leuten hatten wir nicht gerechnet, und so durften “Sir Hannes” und ich noch mal nach Sonthofen brettern, um in einem ländlichen Einkaufszentrum noch schnell drei Dutzend Paletten Dosenbier zu ordern. Und das noch kurz vor Kassenschluss. Trotzdem war das eine sehr weise Entscheidung gewesen!
Am standfestesten und wie immer in vorderster Frontline der Party: Die zahlreichen Kahlschädel. Man beachte den fetten Holzbalken an der Decke. Von diesem Teil gab ein gutes Dutzend, die sich nicht nur kreuz, sondern auch quer durch den Raum zogen. Da war es schon reine Glücksache beim Pogo mal NICHT eines dieser Mörderteile zu erwischen.
Die II. Burgberg-Party erzählt von Andreas Bauer (Essen) aus dem FORCE OF HATE Nr.7 (1987)
Fotoseite aus dem FORCE OF HATE N. 7 / 1987
"Gegen 17.00 Uhr sind wir (Jac, Winni, Poppel, Teschi und ich) endlich in Burgberg angekommen. OVERLOAD (Ex-HERBÄRDS) hatten schon angefangen zu spielen. Waren nicht gerade die Creme de la Creme, aber gut anhörbar. Danach kamen VAC, im Allgäu heimisch, die eigendlich ganz guten OI-Punk hinlegten. Später zur alkoholfortgeschrittenen Stunde wurde natürlich auch die Stimmung besser...”
Burgberg 87: KRUPPSTAHL on stage
“Es kamen KRUPPSTAHL, die für ihren ersten Auftritt recht gut waren. Was man von den Texten raushören konnte, war alles sehr ok. Sie spielten auch eine Version des 'Moonstomp'...”
KRUPPSTAHL. Im Hintergrund (mit Domestos-Jacke und weisser Hose) das FORCE OF HATE-Redaktionsmitglied Ralf B.
“Dann kamen ENDSTUFE, die sofort mit ihren Klassikern loslegten. Bei 'Immer in die Eier' brach mal wieder die Hölle aus. Am besten war wohl ihr neues Stück 'Skinheads, lasst euch nicht unterkriegen'. Nach dem alle den Refrain verstanden hatten, gab es einen Chor von 200 Leuten. Jens von ENDSTUFE war begeistert. Er sagte noch, dass er solch eine Begeisterung noch nie erlebt hätte. Gratulation an ENDSTUFE. Diese aber besonders an Bilka von den SPRINGTOIFEL, der sowohl bei ENDSTUFE als auch bei SPRINGTOIFEL am Schlagzeug sass...“
Als ENDSTUFE endlich loslegten, da wackelten die bayrischen Berge!
“Unmittelbar nach ENDSTUFE folgten dann auch die Mainzer SPRINGTOIFEL. Wie gewohnt waren sie genial. Auch brachten sie wieder eine ihrer lustigen Shows mit Kindergartenliedchen und einen Tusch: ‘Wolle mer se reinlasse?' War ja gerade Karnevalszeit!...”
Die Mainzer SPRINGTOIFEL präsentierten uns einen toiflischen Toifelspolka.
“Danach kamen nochmal ENDSTUFE, die allerdings nicht mehr lange gespielt haben, da ein Besoffener in die Anlage gefallen war. Prost! Nach dem Konzert (gegen Mitternacht) wurde erst mal richtig losgesoffen...”
ENDSTUFE: “Skinheads...lasst euch nicht unterkriegen!”
“...Um drei Uhr Nachts erfrechten sich doch einige der kahlgeschorenen Mitbürger in ihre Schlafsäcke zu kriechen, was wir anderen Glatzen natürlich nicht dulden konnten, und so fingen wir an ein paar frohe Liedchen zu singen. Hervor tat sich wie immer Beastic Boy Teschi, der die Leute dann auch mit ein paar Tritten seiner Docs aus dem Dornröschenschlaf scheuchte.
Skinhead-dancing in Burgberg (von links nach rechts): Poppel, Teschi und Micha.
Er und Poppel waren eine der Attraktionen des Abends, als sie zusammen mit Micha noch einen flotten CanCan hinlegten, wobei sie sich aber selber hinlegten, und Teschi seinen Unbill darüber freien Lauf liess und Poppel einen freundlichen Tritt in die Magengegend versetzte. So haben wir also alle bis Sonntag vormittag 11 Uhr durchgesoffen. Was heisst alle? Hauptsächlich die sturm- und biererprobten Ruhrpottler. Nur vom Gruse war nichts mehr zu sehen (Ich lag besoffen im Auto!)."
(Andreas Bauer, 1987)
"In the late afternoon we finally arrived at Burgberg. OVERLOAD already played. Not quit the best but still listenable. Then came VAC, who did some good oi-punk. As time passed and people got pisset the atmosphere got much better - naturally. KRUPPSTAHL took the stage for their first set ever. They did quite well and, from what I've heared, their lyrics were good, too. They even did a version of 'skinhead moonstomp'. And then time was ripe for ENDSTUFE.”
Allein wegen ENDSTUFE hatte sich die weite Fahrt in den Allgäu gelohnt.
“From the start they played their classics. All hell broke loose !!! The best song was their new one 'skinhead, lass dich nicht unterkriegen' (don't let them pull you down). After the crowd had caught the words, there was a choir of about 200 skinheads. ENDSTUFE were enthusiastic! Jens, the guitar player, said that he'd never made such an experiece. Gratulations, especially to Bilka who played drums for ENDSTUFEs half set as wells as fo his own band, SPRINGTOIFEL, who followed soon after...”
“Burgberg” war eines der Konzerte, die ENDSTUFE zur “Kultband” der deutschen Skinhead-Szene machten.
“Again, the crowd went mad. ENDSTUFE then played again, but this time only a short set as somebody fell into the equipment. After the gig we got into heavy drinking. Around 3 in the morning the first shaven heads fell asleep. As we couldn't tolerate this, we started singing. Teschi, as ever, had to stand out as he started kicking the sleepers with his martens. We kept drinking til next morning, then it was time to get back home. All in all it was just another fine weekend, well worth the long way."
Fanzine-Scanns vom Burgbergkonzert
Fotoseite aus dem FORCE OF HATE Nr. 7 / April 1987
SPRINGTOIFEL in Burgberg.
Fotoreport eines denkwürdigen Ereignisses aus dem Jahre 1987 by G. Gruse
Es war ein ziemlich grauer und total verregneter Freitag im ziemlich grauen und total verregneten Herbst 1987 als das Telefon klingelte (Handys gab’s damals noch nicht) und mir Freund Brandy die freudige Nachricht übermittelte, dass er mit seiner Band am späten Nachmittag des nächsten Tages in einer Bremer Kneipe zum Tanz aufspielen würde. Tanztee mit ENDSTUFE? Das versprach Rettung aus der öden Depression der grauen und verregneten Ruhrmetropole Dortmund.
Und so bretterten am nächsten Tag zwei Autos voller Dortmunder Kahlschädel rauf nach Bremen. An der Kneipe angekommen, waren weit und breit keine Glatzen zu sehen, aber dafür ein Polizeiwagen. Die diesem Wagen entsteigenden Herren in grüner Uniform zeigten sich jedoch überaus kooperativ und erklärten uns freundlich, dass das Konzert aus Sicherheitsgründen an einen anderen Ort verlegt worden sei. Wenn ich mich noch recht erinnere, hatte es Drohungen von Seiten der ANTIFA gegen den Kneipenwirt gegeben. Jedenfalls leiteten uns dann die Polizisten mit ihrem Wagen irgendwo in die Pampas, wo uns auf einem zugewucherten Kartoffel- oder Rübenacker schon ein kleines Partyzelt und ein fröhlicher Haufen Glatzen und Psychos erwartete. Aber wer sich selber einen Eindruck vom Konzert verschaffen möchte, statt sich hier nur die Fotos anzuschauen, sollte sich den ersten Teil des Konzertvideos anschauen. Den zweiten Teil findet ihr auf OI!-REBEL, dem Video-Kanal des FORCE OF HATE.
Die Qualität des Videos ist ziemlich mies, aber man bedenke das Jahr, in dem er entstanden ist. Das war 1987! In der digitalen Steinzeit! Damals gab es noch keine idiotensichere DigiCams oder gar HandyCams, sondern unsereins musste sich noch mit klobigen halbelektronischen VHS-Kameras für den heimischen Videorecorder herumquälen. Das waren noch die Zeiten, in denen man, wenn man mal von unterwegs telefonieren wollte, erst einmal eine, wenn man Glück hatte, funktionierende Telefonzelle finden musste. Wie gesagt, wir agierten damals in der digitalen Steinzeit! Jedenfalls war das Konzert fast so etwa wie ein “Familientreffen”, schliesslich kannte man nicht nur die Akteure an den Instrumenten, sondern auch die meisten der Konzertbesucher. Nach einigen unkommentierten Konzertfotos geht es weiter.
Das Konzert auf dem Bremer Kartoffel- oder Rübenacker endete schliesslich in einer nahliegenden Kneipe, dessen Wirt an diesem Abend das Geschäft seines Lebens machen sollte.
Aber nicht alle fröhlichen Zecher landeten in der Kneipe, so manch einen hatte schon vorher das Bremer Bier aus den Stiefeln gehauen. Was mich doch sehr gewundert hat. Animierte mich dieses Gesöff doch immer nur zum pissen. Ich habe es nie geschafft, mich mit dieser Brühe mal richtig zu besaufen. Und andere sind davon umgekippt. ICH FASS ES NICHT!
Diesen kahlköpfigen Genossen hat es gaaanz böse erwischt. Er wollte gerade ne Stange Wasser in die Ecke stellen als es ihn plötzlich umgehauen hat. BUMMS - da lag er flach! Da blieb ihm noch nicht einmal genügend Zeit, den “Pieddel” (ohne Ohren!) zu verstauen.
Und was haben wir daraus gelernt? Dass auch ein Skinhead darauf achten sollte, nach dem Pissen den Schwanz wieder in die Hose zu packen!