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- GESCHICHTEN UND FOTOS AUS DEN ACHTZIGERN -
INHALT DIESER SEITE.
1) “Blackskin Detlev fährt nach SKAOS” - Ein Reisebericht von 1986 2) “Düsseldorf 1986: Skinhead-Meeting am Baggersee” - Fotoreport von 1986
- Ein Reise- und Konzertbericht von “Black-Skin” Detlev aus Düsseldorf - (Aus dem FORCE OF HATE-Fanzine / Nr. 5 / Juni 1986)
Nachdem mir einige Probleme mit meiner Alten eine schlaflose Nacht gekostet hatten, setzte ich mich Samstag morgens (26. April 1986) in den IC nach Augsburg (Bayern). War ich am Anfang noch ziemlich müde und in Gedanken mit mir selbst beschäftigt, so änderte sich dies spätestens ab Koblenz. Immer mehr Fussballfans und Glatzen stiegen in den Zug. Sie waren auf dem Weg zu den Bundesligaspielen in Stuttgart und München. Natürlich kam jetzt Stimmung auf und die ersten Biergranaten machten ihre Runde. So kam ich dann ziemlich angeschickert in Augsburg an, wo ich mich erst mal zu Eddis Haustüre durchschlug. Dort hing ein Zettel, dass sich Eddi und der Glatzenmob im Tiergarten (ein Ausflugslokal im Stadtwald) aufhalten würden. Im Tiergarten angekommen, sah (und hörte) ich schon von weiten die Augsburger Glatzen, Erich und Ouzo-Mike aus Dortmund, und Gruse vom FOH-Fanzine aus Düsseldorf an den Biertischen sitzen.
 Im Augsburger “Tiergarten” 1986. Von rechts nach links: Eddy, Ruth (Augsburg), Gruse und im Vordergrund “Schmitty” (Dortmund), “Mongesicht (Kamen) und Andreas Beier (Dortmund)
Nach kurzer Begrüssung setzte ich mich zu den anderen und trank erst mal ein ‘Spezi’, da man sich bei dem herrlichen Wetter und in der knallenden Sonne nicht direkt mit Alk den Kopf zuknallen konnte. Aufgefallen ist mir, dass ich Ouzo-Mike zum ersten Mal seit zwei Jahren in nüchternem Zustand erlebt hatte. Nachdem wir eine Weile im Tiergarten gesessen, und einige Leute noch schnell ihre Verdauungsprobleme gelöst hatten, fuhren wir zum Jugendzentum an der Kanalstrasse raus, wo wir auf dem Hof rumhockten und uns bei guter Musik die Biere reinzogen.
 Aufbruch nach Krumbach. Besser gesagt, erst einmal ging es zur Kanalstrasse!
Irgendwann trafen dann Sylvia, Mütze und die anderen Augsburger ein. Ausserdem gesellten sich zwei fromme christliche Mädels von den Zeugen Jehovas zu uns, die unseren alkmässig schon etwas angeknallten Günter Gruse unbedingt zum Christentum bekehren wollten. Wovon dieser aber gar nicht begeistert war, und dies den holden Maiden in Form seines ausgestreckten Mittelfingers und rüder Sprüche über “verklemmte Bibelschlampen, die man mal anständig durch...... müsste”, auch ziemlich lautstark demonstrierte, so dass sich die frommen Mädels wieder unverrichteter Dinge zu ihrem Jehova nach Jericho verpissen mussten.
 Am JZ Kanalstrasse. “Kürbis” und “Pille” (beide Augsburg) langweilen sich.
Nach weiteren Flaschen Bier und der üblichen Aufbruchshektik, setzte sich unser Autokonvoi in Richtung Krumbach in Bewegung. Nach einer fast dreistündigen Fahrt durch Bayerns Landschaften und Dörfer erreichten wir am späten Abend, und nach einigen Schwierigkeiten, einigen Umwegen und einigen Pisspausen, aber mit viel guten Willen und noch besserer Laune, das kleine Jugendzentrum in Krumbach.


Das JZ war ein kleines, stickig-warmes, aber feines Gebäude neben einem Kloster, das, als unser Mob (27 Leute) dort gegen 22 Uhr auflief, schon randvoll mit Leuten war. Trotz der räumlichen Enge herrschte den ganzen Abend eine echt geile Atmosphäre und ausgelassene Stimmung unter den Besuchern. Und die Jungs von SKAOS liessen auch nicht lange auf sich warten.
Nachdem wir Gruse, der inzwischen mal wieder zu stark alkoholisiert war und absolut keinen Durchblick mehr hatte, seinen Recorder und das Mikro für den Live-Mitschnitt aufgebaut hatten, legten endlich SKAOS los. Schöner, wilder und fetziger SKA mit starken Reggae- und Punk-Einflüssen.
Einschliesslich uns befanden sich wohl so hundert bis hundertzwanzig Leute in dem kleinen Raum und fast alle tanzten begeistert mit. Was in der Enge des Raumes nicht immer ganz einfach sein sollte.
Ein geiles Stück wechselte das andere ab, und in der Pause legte Ouzo-Mike, der auch schon mehr Bier in sich hatte als Flaschen um ihn herum standen, zur allgemeinen Begeisterung noch ein paar Seemanns-Shanties ein. Anschliessend war wieder SKAOS angesagt, und die Jungens gaben noch ein paar Zugaben vom allerfeinsten. So endete das Konzert nach vielen Zugaben, und wir waren begeistert und nassgeschwitzt. Draussen vor der Türe kühlten wir uns erst einmal bei einigen Flaschen Bier ab, und ich machte noch einen Spaziergang durch das nächtliche Krumbach. Anschliessend wurden noch ein paar Takte mit den Jungs von SKAOS geredet, wobei wir sie ermunterten, auch mal bei uns im schönen Rheinland zu spielen.
Nachdem wir die obligatorischen Aufbruchsprobleme, wie “alle schnell noch einmal pissen gehen”, und die Zigaretten- und Alkoholprobleme gelöst hatten, fuhr ich mit Ouzo-Mike und einem Kameraden aus Schwäbisch-Gmünd zu Sylvia und Pille, wo wir uns zur wohlverdienten Nachtruhe begeben haben. Am nächsten Morgen, nachdem Eddi, die anderen Augsburger und die FOH-Crew aufgetaucht waren, zogen wir uns die SKAOS-Aufnahme vom Konzert am Abend rein, und gingen dann mit dem ganzen Mob, einigen Flaschen Bier und Cola in den nahegelegenen Park, wo wir uns über Gott, die Welt, und natürlich Politik, unterhielten. Natürlich durften auch die Standartfotos unter dem Augsburger Adler und ein Besuch im Handwerkermuseum nicht fehlen. Alles in allem war es ein lustiges Wochenende. Als wir uns am späten Abend von den Augsburger Glatzen verabschiedeten, war uns klar, dass wir die meisten unserer Freunde schon bald wiedersehen würden, und zwar am 19. Juli 1986 beim II. FOH-Skinhead-Meeting am “Angermunder See” in Düsseldorf. Es lebe die “ACHSE-DORTMUND-DÜSSELDORF-AUGSBURG”. Es wird Zeit, dass sich auch andere Städte an unserem “United-Pakt” beteiligen.
(by Detlev B. / 1986)
Wie mein Freund Detlev in seinem Artikel vorausgesagt hatte, beim II. FOH-Meeting in Düsseldorf sahen wir uns (fast) alle wieder. Hatten wir uns im Vorjahr noch in der Düsseldorfer Altstadt getroffen (Siehe Bericht auf der “SKIN-MEETING DÜSSELDORF 1985”-Seite), und damit für einen riesigen Polizeiaufmarsch in der Innenstadt gesorgt, so wollten wir es in diesem Jahr ein wenig ruhiger angehen lassen, und hatten uns daher für ein Treffen ausserhalb der Landeshauptstadt entschieden.
 Bremen und Delmenhorst auf dem Weg nach Düsseldorf (U.a. Spiller und Tonne)
Dazu hatten wir uns den “Angermunder See” ausgeguckt, eine ehemalige Kiesgrube, zwischen Düsseldorf und Duisburg. Leicht zu erreichen mit dem Auto und der S-Bahn. Obwohl es im Vorfeld Kritik an diesem Treffunkt gegeben hatte (“Was soll’n wir denn da draussen in der Pampas?”), erwies sich diese Entscheidung letztendlich als richtig. Am Tag vor dem Meeting hatte nämlich ein angesoffener Haufen Punks meine Düsseldorfer Wohnung überfallen und dabei ein paar Leute verletzt, unter ihnen Brandy von ENDSTUFE (Einzelheiten in dem demnächst erscheinenden Buch über Endstufe). In dieser aufgeheizten Situation hätte ein Meeting in der Altstadt unweigerlich zu einer blutigen Konfrontation mit Punks, Autonomen und der Polizei geführt. Dessen war ich mir absolut sicher. Jedenfalls war ich heilfroh, dass uns diese üble Situation am Tag des Treffens erspart geblieben ist.
Natürlich hatte sich der Überfall unter den (ca. 150) Glatzen, die am nächsten Tag das Ufer des “Angermunder Sees” bevölkerten, schnell herumgesprochen (war auch kaum zu übersehen, schliesslich humpelte ich mit einem blauen Augen und geprellten Rippen durch die Gegend), und nicht wenige hätten am liebsten einen kleinen “Rachefeldzug” gestartet. Aber die Jungs konnten davon überzeugt werden, dass eine derartige Kamikaze-Aktion nichts bringen, sondern nur unser Treffen auf’s Spiel setzen würde. Uniformierte Hundertschaften (die Polizei hatte erst durch den Überfall am Vortag von unserem Meeting erfahren) hatten nämlich gegen Mittag an allen Zugangswegen, die zum See führten, und an der S-Bahnstation Kontrollpunkte eingerichtet. Jeder der an den See wollte, wurde nach Waffen durchsucht, aber das geschah ziemlich locker und war fast freundschaftlich im Ton.
Und dort am Ufer, unter dem gigantischen Mast einer “Überlandstromleitung”, war Party angesagt. Fast alle grösseren Städte der Rhein/Ruhr-Region waren hier vertreten. Aber nicht nur aus Essen, Duisburg, Bochum, Oberhausen, Wuppertal, Solingen oder Dortmund waren die Glatzen mit Schlafsack, Schnapsflaschen und Bierkästen angerückt, auch aus München, Augsburg, Saarbrücken, Bremen, Stuttgart oder Hamburg hatten sie sich mit Schlafsack, Schnapsflaschen und Bierkästen auf den weiten Weg nach Düsseldorf gemacht. Und wie beim Meeting im Vorjahr: Es gab keine einzige Festnahme!
 Skinhead-Dancing unter der Überlandleitung. Die Glatze mit dem verbundenen Arm ist BRANDY von ENDSTUFE
Einer der Höhepunkte des Meetings war ohne Zweifel die Besteigung der “Überlandleitung”. Oh, Fuck! Normalerweise besteigt ja ein doitscher Skinhead seine Frau, sein Fahrrad, sein Auto, sein Motorrad oder seine Gummipuppe, oder was auch immer - aber doch keinen Strommast! Oder? Aber Ouzo-Mike aus Dortmund wollte an diesem Nachmittag unbedingt einen Strommast besteigen. Warum? Ihr werdet es nicht glauben, um oben an der Spitze die Fahne eines Bremer Bieres (“Haake Beck”) zu hissen. Obwohl er sich zuvor noch sehr intensiv und ausgiebig mit Dortmunder “Hansa-Pils” (siehe Foto) gedopt hatte; der widerwärtigsten Kotzbrühe, die mir - Guenter Gruse - jemals über die Lippen gekommen ist. Aber wer, wie Ouzo-Mike, ohne mit der Wimper zu zucken (und abzukotzen) pisswarmes “Hansa Pils” aus der Dose säuft, der steigt auch stockbesoffen auf einen Strommast.
Natürlich ist das ‘ne lebensgefährliche Aktion gewesen (bloss nicht nachmachen, liebe Kinder), aber - na ja! Wir waren jung, besoffen - und ausserdem:“Et is ja noch immer jut jejange!” pflegt der alte Düsseldorfer zu sagen wenn er sich nach dem morgendlichen Aufwachen wieder den Herausforderungen des Lebens stellen muss. Jedenfalls nahmen Ouzo-Mike und “Tonne” aus Delmenhorst diese Herausforderung an und kletterten diesen beschissenen Strommast hoch.
Und je höher sie stiegen, um so mulmiger ist mir geworden! Immerhin waren die beiden ja nicht mehr ganz nüchtern, sondern ziemlich besoffen - um es mal zurückhaltend auszudrücken! Ich hatte schon die Schlagzeilen des nächsten Tages vor Augen: “Zwei Tote beim Skinhead-Treffen - Angetrunkene Skinheads stürzten vom Stommast!”
Als sie schliesslich (mit zitternden Knien, wie mir beide hinterher versicherten) auf halber Höhe die Fahne festzurren wollten, tauchten (endlich) die Bullen auf und beorderten unsere Freunde freundlich aber bestimmt auf den sicheren Erdboden zurück. Mit dem dezenten Hinweis, das es bei der nächsten Besteigung eine fette Anzeige geben würde: “Ansonsten, weiterhin viel Spass, Leute!”
Viel Spass? Den hatten wir. Ohne Frage! Die meisten Leute feierten bis in den Vormittag des nächsten Tages hinein. Skinhead-dancing, Bier ohne Ende, und aus dem Powerpack dröhnten ONKELZ, ENDSTUFE und all die vielen anderen geilen Bands, die wir uns damals so reingezogen haben. Wobei sich für mich die Frage nach der “politischer Korrektheit” dieser Bands niemals gestellt hat.
Am anderen Morgen: Mit einem verkaterten Schädel zwei platte Autoreifen wechseln zu müssen brachte unseren Essener Freund fast an den Rand des Wahnsinns. Und wenn dann plötzlich ein besoffener Gruse mit der Kamera vor einem auftaucht, dann kann auch der netteste und sanfteste Skin der Welt mal ausrasten: “Verpiss dich, du Arsch!”
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