(by günter gruse)

Wir schreiben den Sommer 1987. An einem Freitagmorgen hiess es mal wieder für Ralf “the kid”, Mario und mich (foto links) unsere Schlafsäcke und einige Kästen Dortmunder Bier ins Auto zu laden (auf letzteres waren unsere bayrischen Freunde besonders heiss!) und in aller Frühe gegen Süden, das heisst, nach Augsburg durchzustarten. Angesagt war eine zweitägige Grill- und Saufparty mit Freunden und guten Bekannten in einer kleinen Waldhütte bei Truils. Nach sieben Stunde gepflegter Langeweile auf Deutschlands öden Autobahnen, die man jedoch mit viiieeel Bier und Musik aus dem Gettoblaster überbrücken konnte, landeten wir am frühen Nachmittag ziemlich angebreitet beim Eddy in Augsburg. Vielmehr waren nur Mario und ich angebreitet; die arme Sau Ralf hatte schliesslich die ganze Strecke von Dortmund nach Augsburg alleine fahren müssen, und war somit stocknüchtern. Ein Zustand, der dank der mitgekarrten Bierkästen nicht lange anhalten sollte. Irgendwann im Laufe des Nachmittags tauchten dann auch Brandy und Holger von ENDSTUFE auf. Da wir uns am Abend mit den anderen Augsburger Glatzen und auswärtigen Freunden in unserer Stammkneipe treffen wollten, war dann erst mal ein kleiner Spaziergang zum “Ausnüchtern” angesagt. Und dieser Trip führte uns an einen Ort, den in den Achtziger Jahren wohl jedes Kind in Deutschland kannte, zur “Augsburger Puppenkiste”.

Ralf “the kid” (FORCE OF HATE) mit Holger (damals noch git. & vocal bei ENDSTUFE) und “Brandy” auf dem Weg zur “Augsburger Puppenkiste”.

Tja, da stehen wir (Gruse vom FORCE OF HATE, Holger und Hund “Willi”) etwas belämmert vor der “Puppenkiste” herum und warten...ja, auf was? Auf “Jim Knopf und die wilde 13”, japanische Touristen - oder auf die göttliche Erleuchtung?

Irgendwie hat es den Anschein als würde sich Brandy mehr für Bierflaschen als für “Puppenkisten” interessieren. Recht hatte er!

Abends in unserer Stammkneipe. Einstimmung auf den nächsten Tag. Foto links: Der Sven aus Hamburg sagt Prost. Foto rechts: (von l. nach r.) Pille, Mütze, Sven und Lausi.

Am nächsten Morgen ging es dann bei strahlendem Sonnenschein im Autokonvoi nach Truils zur Waldhütte. Das Foto entstand wärend einer unserer vielen Zigaretten-, Bier- und Pisspausen. Schliesslich waren wir fast drei Stunden unterwegs. Von links nach rechts: Mütze (Augsburg), Schorsch (Fürth), Gruse (Dortmund), Kalle (Fürth), Sven (Hamburg), Kneissel (Augsburg), Frank (Augsburg), Wanze, von ihr kann man nur den bunten Iro erkennen (Ausgburg), hinter ihr auf dem Autodach, Punker Michi (München). An den Namen der Glatze an der Autotüre, der Typ kam aus Lindau am Bodensee, kann ich mich nicht mehr erinnern. Um so mehr an den smarten jungen Mann mit der hippen Frisur und coolen Sonnenbrille: Holger von ENDSTUFE. Der glatzköpfige junge Mann im Vordergrund mit dem 4 SKINS-Shirt und dem leichten Ansatz zum Bierbauch ist natürlich Freund Brandy.

Und irgendwann, ich weiss nicht wann, hatten wir die Waldhütte erreicht. So richtig habe ich das gar nicht mitbekommen. Ich war nämlich wärend der Fahrt elend abgekackt (ach ja, der böse Alkohol!). Als ich mich endlich mit brummenden Schädel (daher auch mein etwas missgelaunter Blick auf dem Foto) aus dem Auto quälte, hatten meine Kollegen bereits die ersten Flaschen hinter sich. Ich dagegen hätte am liebsten abgekotzt, so elend und verkatert fühlte ich mich. Schliesslich steckte mir noch das Besäufnis vom Abend in den Knochen. Besonders die riesigen Bierkrüge mit “Goisenmoas”, die wir in unserer Stammkneipe gestemmt hatten. Pro Krug zwei Liter Bier, aufgefüllt mit viiieeel Kirschlikör! Das Zeug hat geballert - oh, du heilige Scheisse! Ich hatte mir drei dieser Krüge reingezogen, und weiss bis heute nicht, wer mich anschliessend die steilen Treppen zu Eddys Wohnung (dritte Etage) hochgeschleppt hatte. Das Resultat: Als ich am nächsten Morgen mit pochenden Schädel aufgewacht bin, fühlte ich mich wie ins Leben geschissen und einfach liegengelassen.

Und an diesem depressiven Zustand sollte sich an diesem Wochenende nichts mehr ändern. Im Gegenteil! Nachdem ich mir am späten Abend eine ekelhaft vor Fett triefende Grillwurst reingewürgt hatte - Mario zu mir: “Du musst endlich was essen, sonst kippst du noch um!”, war alles aus. Diese beschissene Grillwurst hatte mir den endgültigen Todesstoss versetzt. Ich wollte nur noch sterben! Kotzenderweise verzog ich mich mit meinem Schlafsäck in den Bus. Das war nicht MEIN Weekend - das stand jetzt schon fest!

Die zwei smarten Herren im Vordergrund sind Pedder Teumer von DAILY TERROR aus Braunschweig, und Ulrich G. (Uhl) vom ehemaligen CLOCKWORK ORANGE-Fanzine (heute DIM-RECORDS) aus Coburg.

Jedenfalls haben die Leute kräftig abgefeiert. Ich weiss nicht mehr, wer da im Laufe der Nacht noch alles aufgetaucht ist. Auf dem Höhepunkt der Party machten ca. siebzig Punks und Skins die Nacht zum Tage. Ich wollte ja bis zum Morgen durchpennen, aber mitten in der Nacht riss mich Thomas von “we bite-records” aus dem Schlaf: “Gruse, du alte Ratte, lass uns einen saufen!” Dieser freundlichen Einladung konnte ich mich natürlich nicht verschliessen. Und so nahm dieses Wochenende doch noch ein einigermassen versöhnliches Ende.

NACHTRAG: Und hier versucht Mario den bayrischen Kühen das Saufen beizubringen. Man achte auf den Blick der Kuh im Hintergrund! Ihrem Kollegen im Vordergrund scheint es jedenfalls zu schmecken. Prost!